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Pläne brauchen nur Streber

Donnerstag, 22.09.2016 | 12:03 Uhr
DeMarcus Cousins (l.) steht bei den Kings und Vlade Divac noch bis 2018 unter Vertrag
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Die Sacramento Kings haben mal wieder eine für sie typische Offseason hingelegt - mit vielen Wechseln und wenig Struktur. Allzu lange können sie dies aber nicht mehr fortsetzen, wenn DeMarcus Cousins vom Bleiben überzeugt werden soll.

Die Transaktionen: Mit nur 33 Siegen spielten die Kings einmal mehr eine ziemlich enttäuschende Saison - dementsprechend wurde über den Sommer mal wieder einiges umgekrempelt. Zunächst wurde George Karl, der sich schon lange eine öffentliche Fehde mit DeMarcus Cousins geliefert hatte, vor die Tür gesetzt und durch den früheren Grizzlies-Coach Dave Joerger ersetzt. Aber auch am Kader hat Kings-GM Vlade Divac so einiges verändert.

Rajon Rondo ging nach Chicago, Seth Curry und Quincy Acy wechselten beide nach Dallas. Caron Butler und Duje Dukan wurden entlassen, zudem tradeten die Kings Marco Belinelli für Rookie Malachi Richardson nach Charlotte.

In der Free Agency kamen Arron Afflalo (2 Jahre, 25 Millionen Dollar), Anthony Tolliver (2, 16), Garrett Temple (3, 24) und Matt Barnes (2, 12,5) nach Sacramento, als Rookies kamen neben Richardson noch die Big Men Skal Labissiere und Georgios Papagiannis, sowie Zweitrundenpick Isaiah Cousins, der sich im Training Camp aber erst noch beweisen muss.

Ende August merkten die Kings dann, dass für den Moment Darren Collison der einzige Point Guard im Roster war, ein Spieler, der aufgrund eines Falls häuslicher Gewalt wohl für eine ganze Weile gesperrt werden wird. Aus diesem Grund verpflichteten sie noch Ty Lawson zum Minimum sowie Jordan Farmar, der im Training Camp noch um einen Kaderplatz kämpfen soll.

Die Strategie: Um es mit dem mehr als wechselwilligen Rudy Gay zu sagen: "Ich habe keine Ahnung, was unsere Ausrichtung ist. Ich weiß auch nicht, wie unser Potenzial aussieht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, wer neu bei uns im Team ist."

Diese Aussagen traf der Forward Ende Juni, und allzu viel dürfte sich seitdem nicht geändert haben. Mit ihrer Offseason haben die Kings mal wieder für relativ viel Verwirrung gesorgt, beispielsweise mit Papagiannis, den viele nicht einmal in der ersten Runde sahen, der von den Kings aber an 13 gepickt wurde.

Mit ihm, Cousins, Willie Cauley-Stein, Kosta Koufos, Anthony Tolliver und Labissiere haben die Kings aktuell sechs Spieler für die beiden großen Positionen, dazu ist Gay in dieser Phase seiner Karriere eigentlich auch am besten als Power Forward aufgehoben, ebenso wie Omri Casspi. Der Backcourt hingegen wurde sträflich vernachlässigt, weshalb Sacramento am Ende Notnägel verpflichten musste.

Die Free Agents Afflalo, Tolliver, Temple und Barnes haben ihre besten Tage allesamt schon gesehen, aber mit der jüngeren Historie der Franchise konnte man wohl nicht wählerisch sein. Immerhin wurde mit Joerger ein guter Coach geholt, der mit Cousins hoffentlich besser klar kommt als Vorgänger Karl.

Gay wird mit großer Sicherheit noch getradet, nachdem er nun mehrfach klar gemacht hat, dass er nach der kommenden Saison als Free Agent abhauen wird. Seinem Marktwert hat das natürlich nicht geholfen, dennoch überrascht es, dass dieser potenzielle Störfaktor so kurz vorm Training Camp immer noch da ist.

Die Schwachstellen: Sollte Lawson nicht alle überraschen und wieder die Form alter Denver-Zeiten abrufen, verfügen die Kings über die schlechteste Point-Guard-Rotation der Liga - und das ist in Zeiten, in denen Einser die Liga dominieren, nicht wirklich ideal. Zumal der Kader auch auf den anderen Positionen nicht gerade vor Playmakern strotzt, die beim Dirigieren des Spiels aushelfen könnten.

Überhaupt ist der Kader sehr unausgeglichen. Im Frontcourt herrscht ein Überangebot, auf den kleinen Positionen fehlt es dagegen an Tiefe und Qualität. Die Altersstruktur hängt ähnlich schief, mit Ausnahme von Boogie sind fast alle Spieler entweder über dem Zenit oder noch relativ weit davon entfernt.

Joerger wird in jedem Fall alle Hände voll zu tun haben. Es ist nicht so, dass im Kader keine Qualität vorhanden wäre - allerdings kann man sich bisher kaum vorstellen, wie diese Teile effektiv zusammen passen sollen. Zumal der eine oder andere Move mit großer Sicherheit noch folgt.

Der Hoffnungsträger: Boogie präsentierte sich bei Olympia in der wohl besten Form seines Lebens und dürfte eine weitere brachiale Saison spielen, das wird vom Superstar-Center aber mittlerweile auch erwartet. Ebenso wie man erwarten darf, dass Joerger dem Team einen gewissen Bump bringt.

Nicht ganz so sicher, aber mindestens ebenso wichtig ist die Entwicklung der jungen Spieler, insbesondere Willie Cauley-Stein und Ben McLemore, für den die Saison besonders wichtig wird. Der Off-Guard steht vor seiner vierten Saison und würde nach der Saison RFA werden, hat bisher aber wenig Argumente für eine Weiterbeschäftigung geliefert.

Letztes Jahr gingen seine Zahlen sogar zurück - bekommt er noch einmal die Kurve oder bleibt er einer von unzähligen verbrannten Lottery-Picks der Kings?

Das Fazit: Nach den letzten Jahren ist man bei den Kings ja schon darauf gepolt, nicht allzu viel zu erwarten, und dennoch "unterwältigte" diese Offseason mal wieder. Bis 2018 steht Boogie in Sacramento noch unter Vertrag - abgesehen von (vielleicht) Joerger sammelte die Franchise erneut nicht viele Argumente, die ihn von einem längeren Verbleib überzeugen könnten.

Eine Richtung ist nicht zu erkennen - die Kings scheuen einen Rebuild, sind gleichzeitig aber auch weit davon entfernt, ein richtiges Playoff-Team auf die Beine zu stellen. Wo die Mavs es beispielsweise zur Kunstform erhoben haben, aus der Not eine Tugend zu machen und trotz Free-Agency-Enttäuschungen immer noch einen konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen, handeln die Kings gefühlt immer wieder aus dem Bauch heraus und ohne nachhaltigen Plan.

Zwei Beispiele: Die Kings ließen den aufstrebenden Seth Curry sowie Quincy Acy, der letztes Jahr 38,8 Prozent seiner Dreier traf und von den Mitspielern als "best teammate" gewählt wurde, für insgesamt knapp 4 Millionen Dollar (nächste Saison) zu den Mavs ziehen. Das Doppelte davon verdient in der nächsten Saison Temple, der 30 Jahre alt ist und letzte Saison 33 Prozent von Downtown traf.

Natürlich kann man solche Deals nicht ausschließlich im Vakuum betrachten, aber bei den Kings sind sie seit Jahren an der Tagesordnung. Vom Chaos auf der Eins und der Trainer-Position ganz zu schweigen.

Kann man Gay oder eines Tages Cousins wirklich einen Vorwurf machen, wenn sie sich dieses Chaos nicht länger antun möchten?

Note: 5-

Die Kings im Überblick

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