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NBA Offseason: Portland Trail Blazers

All-In für die Entwicklungshilfe

Von Martin Gödderz
Dienstag, 02.08.2016 | 13:41 Uhr
C.J. McCollum, Damian Lillard und Allen Crabbe (v.l.) wollen einen weiteren Schritt nach vorne machen
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Nach einer überragenden Breakout-Saison standen die Portland Trail Blazers am Scheideweg. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen und mächtig in die Entwicklung des eigenen Teams zu investieren. Der Mannschaftskern scheint auf Jahre in Stein gemeißelt, der Erfolg auch?

Die Transaktionen: Hinsichtlich großer Trades oder fremder Free-Agent-Signings hielten sich die Trail Blazers relativ zurück, was vor allen Dingen daran lag, dass man erst einmal etliche Spieler in den eigenen Reihen halten musste. Hauptanliegen von General Manager Neil Olshey war es also, die im letzten Jahr so erfolgreiche und dennoch sehr junge Mannschaft zusammenzuhalten.

Aus diesem Grund wurden die Verträge mit Meyers Leonard, Allen Crabbe, Moe Harkless und vor allem C.J. McCollum verlängert. So konnten die Trail Blazers alle elementaren Bausteine, deren Zukunft in diesem Sommer fraglich war, längerfristig an die Franchise binden, was man sich allerdings auch einen großen Haufen Dollars kosten ließ. Crabbe erhält im nächsten Jahr 18,5 Millionen Dollar, McCollum weit über 20.

Gehen musste lediglich Bankspieler Gerald Henderson, der sein Glück nun bei den Sixers versucht. Dafür kamen mit Festus Ezeli und Evan Turner zwei Spieler, denen hin und wieder der Ruf als etwas "überbewertet" anhaftet. Gerade Turner muss erst einmal beweisen, dass er seinen 70-Millionen-Dollar-Vertrag über vier Jahre auch wert ist. Rookie-Forward Jake Layman, 47. Pick des diesjährigen Drafts, komplettiert schließlich die Liste der Neuzugänge.

Die Strategie: Schon vor der Offseason war klar, dass die Trail Blazers nach der beeindruckenden Breakout-Saison mitsamt der starken Playoffs vor einer richtungsweisenden Entscheidung stehen würden. Weiter auf die Ausbildung von Talenten setzen und dafür einige womöglich abkömmliche Rollenspieler hergeben oder All-In gehen und das Team mitsamt der vielen begehrten Perspektivspieler zusammenhalten? In Rose City entschied man sich für die zweite Option.

Spieler wie der erst 24-jährige McCollum oder der ebenfalls erst 24 Jahre alte Allen Crabbe, die beide in der letzten Saison ihren Durchbruch schafften, weckten in der Liga Begehrlichkeiten. Dementsprechend viel mussten die Blazers zahlen, um beide zu halten.

Dass sich Portland mit Turner einen Spieler, der in etwa dieselbe Position spielt, für nicht viel weniger Geld holten, war schließlich doch ein wenig verwunderlich. Doch neben dem Zusammenhalten des Mannschaftskerns ging es vor allem darum die etwas löchrige Defensive zu verstärken, weswegen neben Turner auch Festus Ezeli kam, um gerade in der Zone die Schotten dicht zu machen.

Nun haben die Trail Blazers jedenfalls ein Team zusammen, in dem kein Spieler älter als 27 ist und in dem die noch immer entwicklungsfähigen Hoffnungsträger Lillard, McCollum, Crabbe, Harkless und Leonard noch mindestens vier Jahre Vertrag besitzen. Man vertraut dem aktuellen Team also komplett und setzt darauf, dass dieses den nächsten Schritt in der Entwicklung macht.

Die Schwachstellen: Vorneweg: Durch die vielen kostspieligen Vertragsverlängerungen haben die Trail Blazers enorm an Flexibilität unter dem Salary Cap verloren und zahlen erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit Luxussteuern. Hinsichtlich der Aktivität bei Trades und in den kommenden Free Agencies hat man sich in Rose City also eingeschränkt. Das aktuelle Team muss funktionieren. Es wird enorm schwer, irgendwie noch ein Upgrade zu addieren.

Nicht wenige waren schon in der vergangenen Saison der Meinung, dass eben jenes Team über dem eigenen Leistungsstand agiert hätte. Es geht also vorerst darum, die Leistung der vergangenen Saison zu bestätigen. Schwankungen sind angesichts des Altersdurchschnitts nicht unmöglich, ebenso erscheint es aber nicht unrealistisch, dass die jungen Spieler noch einmal einen Sprung nach vorne machen.

Das große Fragezeichen bleibt aber weiterhin die Verteidigung. In der abgelaufenen Saison ließ das Team von Head Coach Terry Stotts nach den Houston Rockets die zweitmeisten gegnerischen Punkte aller Playoffteams zu (104,3 Punkte im Schnitt, NBA-Rang 20).

Ezeli und Turner werden das Team hier wohl kaum auf ein neues Level hieven, gerade im Backcourt bleibt letztlich nur die Hoffnung, dass sich McCollum, Lillard und Co. in diesem Bereich einfach steigern.

Der Hoffnungsträger: Sich auf einen Hoffnungsträger im Blazers-Jersey festzulegen, ist beinahe unmöglich, besteht Portlands Team letztlich doch fast ausschließlich aus Hoffnungsträgern. Turner (27) und Ezeli (26) ist beispielsweise trotz ihres für Blazers-Verhältnisse schon fortgeschrittenen Alters ein Leistungssprung zuzutrauen. Al-Farouq Aminu und Ed Davis machten im letzten Jahr vor, dass Stotts auch aus etwas erfahreneren Spielern noch viel herausholen kann.

Der nun außerordentlich gut bezahlte Crabbe sollte als Sixth Man noch einen weiteren Schritt nach vorne machen und den sowieso schon großartigen Scoring-Punch der Blazers noch einmal von der Bank erhöhen. Von dort könnte auch Meyers Leonard beweisen, dass er mehr kann, als nur werfen. Der 24-Jährige hat zumindest die Veranlagung zu einer Light-Version von LaMarcus Aldridge zu werden, wenn er an Muskelmasse zulegt und mit Stotts an seinen Post-Moves feilt.

So bleibt der große Hoffnungsträger wohl vor allem Stotts. Der Blazers-Coach war in der letzten Saison schon in der Diskussion um den Titel des Coach of the Year und hätte ohne die Rekord-Saison der Warriors hier auch gute Chancen gehabt. Angesichts der getroffenen Entscheidungen ist es nun am Cheftrainer, sein Team auf eine noch höhere Stufe zu hieven.

Das Fazit: Nach den in der Offseason getätigten Schritten und den damit verbundenen kostspieligen Investitionen hängt eigentlich alles davon ab, wie sich das Team entwickelt. Portland ist kein Big Market, von daher ist es eigentlich nur richtig und logisch gewesen, alles Verfügbare in die Entwicklungshilfe des vor Potenzial nur so strotzenden Rosters zu stecken.

Andererseits sind die Trail Blazers nun auch darauf angewiesen, dass das Team als solches in der kommenden Saison noch einen deutlichen Sprung nach vorne macht. Dass Portland wieder die Playoffs erreicht, steht eigentlich außer Frage. Auf dem Papier ist die junge Truppe aber auch nicht deutlich besser geworden, weswegen nur wenig dafür spricht, dass es im kommenden Jahr weiter als bis in die Conference Semifinals geht. Ein Angriff auf die Championship sollte mit diesem Team jedenfalls nicht möglich sein.

Allerdings blieb Neil Olshey eigentlich auch keine andere Wahl, als alles ins eigene Team zu investieren. So bleibt als Fragezeichen dieser Offseason lediglich das vergleichsweise teure Signing von Evan Turner, der weder jung ist noch einen Spielertyp verkörpert, den Portland unbedingt braucht. Wie beim Rest des Teams gilt auch hier: Daumen drücken und hoffen, dass noch eine Menge Upside in ihm steckt. Das bedeutet ein großes Risiko, doch haben die Trail Blazers eine andere Wahl?

Note: 3+

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