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NBA Offseason: Brooklyn Nets

Der lange Weg aus dem Chaos

Sonntag, 24.07.2016 | 12:50 Uhr
Die Nets präsentieren ihre Neuzugänge
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Die Brooklyn Nets sind mit der schlechtesten Ausgangslage in die Offseason gegangen. Der Mega-Deal von 2013, für den die Franchise ihre Zukunft verkaufte, wirkt noch nach. Immerhin: Mit dem neuen GM Sean Marks soll alles seriöser und der Rebuild - trotz fehlender Picks - eingeleitet werden. Bloß wie?

Die Transaktionen: Eines war bereits vor der Offseason klar: Kein hochkarätiger Free Agent würde auf die Idee kommen, sich den Nets anzuschließen. Denn die Franchise ist immer noch dabei, sich vom haarsträubenden Deal aus dem Jahre 2013 zu erholen, als sie Kevin Garnett und Paul Pierce aus Boston nach Brooklyn holte und dafür mit der Zukunft bezahlte.

GM Sean Marks konnte also nur die kleinen Fische jagen und hatte selbst damit wenig Erfolg: Die astronomischen Offer Sheets an Allen Crabbe (Blazers) und Tyler Johnson (Heat) wurden gematcht, Marvin Williams entschied sich für einen Verbleib in Charlotte.

Dafür konnten mit Jeremy Lin ein solider Point Guard und mit Luis Scola ein erfahrener Big Man verpflichtet werden. Nicht mehr dabei sein wird Thaddeus Young, der für den 20. Pick der Draft 2016 nach Indiana geschickt wurde. Die Nets wählten damit den Guard Caris LeVert aus, in der zweiten Runde zogen sie zudem Isaiah Whitehead.

Über die Free Agency kamen auch noch Randy Foye, Tevor Booker, Justin Hamilton, Greivis Vasquez, Anthony Bennett und Joe Harris in den Big Apple - kleine Deals eben.

Die Strategie: Der frisch aus San Antonio geholte Neu-GM Sean Marks hat einen undankbaren Job und muss aus wenig Möglichkeiten viel machen. Was (noch) nicht zu diesen Möglichkeiten gehört, ist ein kompletter Rebuild - denn durch den oben genannten Deal haben die Nets erst 2019 wieder Kontrolle über einen Erstrundenpick.

Es ging also in erster Linie darum, den Kader über die Free Agency oder via Trades zu verjüngen. Mit einem neuen Kern aus moderneren und schnelleren Spielern soll Head Coach Kenny Atkinson die Möglichkeit bekommen, eine Spielphilosophie zu etablieren, die die Franchise in den kommenden Jahren wieder aus dem grauen Niemandsland des Ostens hervorziehen soll.

Ein erster Schritt war es, den unglücklichen Young loszuwerden und dafür einen Spieler in der ersten Draft-Runde zu picken. LeVert wird von Coach und Management hoch gepriesen, mit Sean Kilpatrick und Rondae Hollis-Jefferson bildet er ein junges Talent-Trio.

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Auch die aggressiven Angebote an Johnson und Crabbe passten in dieses Konzept. Wenn die Nets etwas haben, dann ist es Cap Space - und bei beiden Guards ist ein Durchbruch nicht unrealistisch. Nachdem sie den Nets durch die Lappen gingen, bleibt der Franchise immerhin die Genugtuung, der Konkurrenz zwei "Poison Pills" verabreicht zu haben.

Für mindestens zwei weitere Saisons ist die Devise, ein vernünftiges, junges Team zusammenzustellen und dabei die langfristige Flexibilität zu wahren. In dieser Zeit hat das neue Duo Marks/Atkinson zumindest sportliche Narrenfreiheit: Siege traut diesem Kader ohnehin niemand zu, zwingend verlieren müssen sie aufgrund der fehlenden Picks auch nicht.

Und: Lin (wenn er seine Spieleroption nicht zieht) und Brook Lopez werden in zwei Jahren Unrestricted Free Agents sein. Kaum vorstellbar, dass sie über den Sommer 2018 hinaus eine Rolle spielen werden - besonders Lopez dürfte in Brooklyn langsam die Geduld verlieren.

Die Schwachstellen: Klammert man die Center-Position aus, sind die Nets nirgends hochkarätig besetzt. Lin muss nach wie vor beweisen, dass er ein Team als Starting Point Guard führen kann, auch Vasquez' Karriere gleicht einer Achterbahnfahrt. Den restlichen Guards fehlt es an Erfahrung.

Als einziger Flügel, der halbwegs den Ball handlen kann, steht Bojan Bogdanovic bereit. Der Kroate geht in seine dritte Saison und wartet nach wie vor auf den endgültigen Durchbruch. Dass er eine Führungsrolle übernehmen kann, ist aber zumindest fragwürdig.

Deutlich mehr Erfahrung hat Scola, der mittlerweile schon 36 ist und seine besten Jahre längst hinter sich hat. Die Verpflichtung vom einstigen No.1-Pick Anthony Bennett als Backup wirkt derweil fast schon wie eine Verzweiflungstat. Wer soll vor diesem Roster Angst haben? Schwer vorstellbar, dass es im Osten ein Team geben wird, dass schlechter als die Nets ist.

Darüber hinaus schadet der schlechte Ruf von Besitzer Mikhail Prokhorov den Zukunftsplanungen der Franchise ungemein: Die Ungeduld des Russen ist berüchtigt. Der Weg des langsamen Wiederaufbaus mag der einzig Richtige sein - doch wie lange hat der Milliardär darauf Lust?

Der Hoffnungsträger: Die Neu-Verpflichtungen sind allesamt zu jung und zu roh, als dass sie in Brooklyn irgendwelche Hoffnungen auf bessere Zeiten wecken würden. Anders sieht das bei Lin aus - auf den Coach Atkinson große Stücke hält. Das war nicht immer so: Zu Lins Zeiten bei den Knicks war Atkinson dort Assistant Coach und für die Entwicklung des Harvard-Absolventen zuständig. "Ich dachte: Kann der überhaupt spielen?", erinnert sich Atkinson an seine Gedanken, nachdem Lin von einem weiteren Assistant Coach (!) im Trainingsspiel dominiert wurde.

Kurze Zeit später folgte der Durchbruch des Guard samt Linsanity-Hype. Dieser verschwand aber so schnell, wie er gekommen war - wie das mit Hypes nun einmal ist. Nach schwierigen Situationen bei den Lakers und Rockets hat sich der Guard in Charlotte zuletzt stabilisiert, wenn auch als Backup.

Nun ist er ganz in der Nähe von dem Ort, in dem sein Aufstieg begann. Und er hat die Möglichkeit, wieder eine große Rolle zu spielen. Wird er dieser gerecht, können die Nets für ein paar Überraschungen sorgen. Aber sicher nicht für viele: Denn wenn der Hoffnungsträger - bei allem Respekt - Jeremy Lin heißt, sagt das sehr viel über den Kader aus.

Das Fazit: Mit der Verpflichtung von Marks soll Kontinuität im Barclays Center einziehen. Dieses Ziel hat Spurs-Lehrling Marks erfüllt, mit ihm dürften Harakiri-Moves wie der 2013 der Vergangenheit angehören.

Freilich hat sich nicht viel daran geändert, dass die Nets immer noch eine der größten Baustellen der Liga sind. Diese hätte aber selbst eine Mischung aus Pat Riley, R.C. Buford und Bob Myers nicht schließen können - der Fokus liegt auf dem Sommer 2018 oder 2019. Bis dahin gilt es, eine solide Basis zu schaffen. Das ist Marks in einem kleinen, ersten Schritt gelungen - mehr war einfach nicht drin.

Note: 4+

Die Brooklyn Nets im Überblick

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