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O.J. Mayo im Interview

Auf Billups' Spuren

Von Interview: Haruka Gruber
Freitag, 05.10.2012 | 05:59 Uhr
© spox
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Mit dem Spiel gegen Alba Berlin (Sa., 19.45 Uhr im LIVE-TICKER) beginnt das neue Kapitel des O.J. Mayo - als Dirk Nowitzkis Sidekick und das "Billups-Experiment" der Dallas Mavericks. Mayo im Exklusiv-Interview über seine bewegte Vergangenheit, Nachhilfe bei Coach Rick Carlisle und seinen ersten Flug im Mavs-Jet.
 
 

SPOX: Beim Spiel gegen Alba Berlin geben Sie Ihr Debüt für die Dallas Mavericks. Wie ist der erste Eindruck Ihres neuen Teams?

O.J. Mayo: Ich kannte das meiste nur vom Hörensagen, aber es stimmt tatsächlich: Bei den Mavs ist alles top, alles ist Spitzenklasse. Man merkt sofort, dass für Cubes (Besitzer Mark Cuban, Anm.d.Red.) nur das Beste gerade noch so gut genug ist für sein Team. Alleine schon der Flug nach Berlin war der Hammer. Der Mavs-Jet ist ja legendär, wobei ich mir das so auch nicht vorgestellt hätte. Das Essen schmeckt besser als in jedem Sternerestaurant und an jedem Platz gibt es Stromstecker für dein Handy, einen Monitor und natürlich WLAN. So kann man sich nur wohlfühlen. (lacht)

SPOX: Mit Darren Collison, ebenfalls im Sommer neu verpflichtet, wissen Sie sogar einen langjährigen Freund an Ihrer Seite. Woher kennen Sie sich?

Mayo: Wir sind beide in Los Angeles ans College gegangen, wobei ich mich für USC und Darren für UCLA entschieden hatte. Daher waren wir eigentlich Erzrivalen. Doch im Sommer nutzten wir die Chance und spielten bei den Pickup-Games auf den Freiplätzen immer zusammen, Darren als Point Guard und ich als Shooting Guard. So etwas verbindet.

SPOX: Haben Sie sich mit Collison vor der Unterschrift in Dallas beraten?

Mayo: Das klappte leider nicht. Ich wollte ihn anrufen, allerdings ging seine alte Nummer nicht mehr, er wurde erst ein paarTage vor mir von Indiana überraschend nach Dallas getradet. Es war alles zu hektisch.

SPOX: Dafür kam Chauncey Billups eine wichtige Bedeutung bei Ihrer Entscheidung zu, in Dallas einen Neuanfang zu versuchen. Was sagte er Ihnen?

Mayo: Chauncey meinte, dass ich perfekt nach Dallas und zu Coach Rick Carlisle passe. Und er sagte, dass ich mich jetzt in einer ähnlichen Situation wiederfinden würde wie er damals und ich einen ähnlichen Weg gehen könnte. Chauncey gehörte schon immer zur NBA, wobei es erst ins seinem sechsten Karrierejahr so richtig losging, als er in Detroit unterschrieb und dort von Rick Carlisle trainiert wurde. Ich gehe ins fünfte Karrierejahr, entsprechend könnte das gut passen.

SPOX: Sie sind mit Carlisle schon vor dem Vorbereitungsstart in Revision gegangen und analysierten am Laptop Reggie Miller und Rip Hamilton. Warum?

Mayo: Zum einen wollte mir der Coach zeigen, wie man sich richtig freiläuft und welche Kniffe es dafür gibt. Zum anderen ging es ihm darum, mir am Monitor zu demonstrieren, dass mein Wurf nicht so sauber ist, wie ich immer gedacht hatte. Es war echt seltsam, aber nach mehrmaligem Vor- und Zurückspulen und im Vergleich mit Reggie Miller und Rip Hamilton habe ich gesehen, dass ich dazu tendiere, beim Schuss ganz leicht nach hinten zu kippen. Deswegen soll ich an einer stabileren Wurfbewegung arbeiten.

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SPOX: Nachdem Ihre ersten beiden Saisons mit den Memphis Grizzlies mit 18,5 und 17,5 Punkten im Schnitt überragend verlaufen waren, setzte in den nächsten beiden Saisons Stillstand ein. Sie mussten Ihren Platz in der Starting Five aufgeben und erzielten nur noch 11,3 und 12,6 Punkte. Waren es zwei verlorene Jahre?

Mayo: Statistisch gesehen vielleicht, dennoch lautet die Antwort: nein. Ich habe in der Zeit gelernt, effektiver zu spielen. Zwar gingen die Spielminuten deutlich runter, dafür verbesserte sich der Output pro Minute.

SPOX: Kamen Sie mit Ihrer Versetzung auf die Bank wirklich so gut zurecht?

Mayo: Nein, nein, besonders am Anfang hatte ich damit extrem zu arbeiten. Dieses Gefühl, ohne es selbst zu wollen auf der Bank zu sitzen und in jeder Unterbrechung auf eine Einwechslung nur hoffen zu können, kannte ich nicht. Das gesamte Leben lang war ich immer der Star - und plötzlich nichts mehr. Damit musste ich erst einmal klarkommen.

SPOX: Mit welchem Erkenntnis?

Mayo: Es hat mich demütig werden lassen. Ich sah, dass ich selbst unglücklich war und gleichzeitig mein Team Erfolge feierte und zweimal die Playoffs erreichte. Seitdem gehe ich mit einer anderen Einstellung an den Basketball heran: Ich versuche, für alles dankbar zu sein und nichts mehr für selbstverständlich zu nehmen. Daher hatten die letzten zwei Jahre etwas sehr Gutes. Ich weiß, dass ich mir jede Minute bei den Mavs verdienen muss. Wenn es offensiv mal nicht läuft, gebe ich eben defensiv mehr Power.

SPOX: Von kleinen Zwischenfällen wie der Rauferei mit dem ehemaligen Mitspieler Tony Allen abgesehen sind Sie skandalfrei. Trotzdem ist Ihr Ruf in der NBA der des Bad Boys. Warum?

Mayo: Wahrnehmung ist alles. Ich habe definitiv Fehler begangen, für dich ich mich schäme - trotzdem wurde vieles in meinem Leben sehr übertrieben dargestellt. So richtig verstehe ich auch nicht, woran das liegt. Eventuell hängt es damit zusammen, dass ich den Leute schon seit der Jugend ein Begriff bin und sie daher glauben, mich als Menschen gut zu kennen. Keine Ahnung.

SPOX: Welchen Anteil besitzen Sie selbst am Leumund?

Mayo: Ich habe mich in der Vergangenheit zu sehr von der negativen Stimmung innerhalb eines Klubs anstecken lassen. In Dallas merke ich erst, wie gut es einem geht, wenn um einen herum die Grundatmosphäre positiv ist. Die Mavs sind höchst professionell, aber zugleich familiär. Jeder kommt mit einem Lächeln im Gesicht ins Büro. Diese Energie ist ansteckend und fehlte mir in der Vergangenheit ein bisschen.

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SPOX: Bereits mit 15 Jahren gab es einen großen Zeitungsartikel über Sie mit der Überschrift: "Mayo ist der nächste LeBron James." Ihr erster Schultag nach dem Wechsel zu einer neuen High School wurde von einer TV-Kamera begleitet. Wie verkraftet ein Teenager eine solche Aufregung?

Mayo: Nicht besonders gut. Ich erinnere mich noch sehr genau an diesen ersten Schultag. Ich bin damals zu meinem Opa nach Cincinnati gezogen, weil in der kleinen Stadt, in der ich mit meiner Familie und meiner Mutter gelebt hatte, der Umgang für mich nicht der beste war. Es war an sich die richtige Entscheidung und ich bin meinem Opa für immer dankbar. Nur: Es gab eine Kehrseite mit dem ganzen Trubel um mich herum. Vor dem ersten Schultag wurde ich extra darum gebeten, zum Friseur zu gehen und mir gute Schuhe anzuziehen. Damals verstand ich gar nicht, warum das nötig ist. Einem 15-Jährigen kommt das alles sehr seltsam vor.

SPOX: Wie schädlich ist der Hype für die gesunde Entwicklung eines 15-Jährigen?

Mayo: Der nächste Bill Gates, der nächste Steve Jobs, der nächste Michael Jordan, der nächste LeBron - ich war selbst mittendrin und ich weiß, dass kein Teenager so etwas erleben sollte.

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