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Das metaphorische Herz

Von Haruka Gruber
Sonntag, 07.10.2012 | 23:24 Uhr
Dirk Nowitzki spricht mit Mert Basar und den anderen Teilnehmern des Nike-Events
© nike
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Drei Tage Nowitzki-Wahnsinn in Berlin - und doch gelingt es dem Superstar, dem Trubel eine eigene Note zu verleihen. Selbst im Tuxedo. Mittlerweile ist der 34-Jährige mit den Dallas Mavericks nach Spanien weitergereist und trifft am Dienstag auf den FC Barcelona (20.45 Uhr in LIVE-TICKER).

Irgendetwas flüsterte der große Mann ihm ins Ohr. Es muss ein Kompliment gewesen sein, es klang wie ein "Hast du gut gemacht" oder "Guter Junge". Ja, "Guter Junge", das war es, woran sich Mert Basar erinnern kann, obwohl das überschüssige Adrenalin all seine Sinne vernebelt hatte.

Der 17-jährige Deutsche mit türkischen Wurzeln besiegte nur Momente zuvor eben jenen Hünen, der sich trotz einer beispiellosen Hatz durch Berlin bereit erklärt hatte, bei einem Event seines Ausrüsters "Nike" mit den größten Talenten der Stadt einen beliebten Basketball-Miniwettbewerb namens "Bump out" zu spielen.

Im Kern geht es dabei um ein Wettschießen, bei der aus einer größeren Gruppe zum Schluss zwei Finalisten verbleiben: Mert Basar und Dirk Nowitzki. Letzterer hatte beiläufig mit einer Serie an verwandelten Dreiern einen Großteil der Konkurrenz ausgeschaltet. Der 40 Zentimeter kleinere Basar allerdings druckste nicht, sondern nahm mit der gebotenen Courage seine Würfe - und traf vor Nowitzki den entscheidenden Distanzwurf.

"Es lief wie im Film ab"

Der Lohn war der Applaus der anwesenden Berliner Schüler, ein Ticket für das Spiel zwischen Alba Berlin und Nowitzkis Dallas Mavericks, neue Basketball-Sneaker - und ein kurzer Plausch mit dem NBA-Superstar, welchen Basar ob der Aufregung aber nicht so recht würdigen konnte. "Es lief wie im Film ab, ich kann es gar nicht fassen", sagte er.

Der Unterlegene grämte sich nicht, Nowitzki schien sich sogar zu freuen, dass ausgerechnet der Kleinste unter allen Teilnehmern ihn eiskalt bezwungen hatte. Er umarmte Basar, ließ sich fotografieren und interviewen und verschwand wieder aus der Schulsporthalle im Süden Berlins, um zum nächsten Termin zu hasten.

Eine endlose Schleife

Am Donnerstagfrüh landete Nowitzki mit den Mavs in Deutschland.

Gleich nach der Ankunft im Hotel Adlon stand die erste Medienrunde an, daraufhin weihte er einen Basketballplatz ein und gab eine Pressekonferenz, fuhr weiter zum ersten Teamtraining und gab eine Pressekonferenz, nahm nach einer Jetlag-geplagten Nacht freitagmittags am zweiten Teamtraining teil und gab eine Pressekonferenz, besuchte den Springer-Verlag und gab Interviews, spielte mit den Berliner Nachwuchsspielern Bump out und gab eine Pressekonferenz, zog sich um für die Gala zu seinen Ehren und gab eine Pressekonferenz.

Das Aufeinandertreffen gegen Alba wurde so fast zu einer Nebensächlichkeit, was die durchwachsene Leistung des 34-Jährigen verständlich werden lässt.

Locker in Jersey und Tuxedo

Die Partie im Rahmen der NBA Europe Live Tour war für ihn ohnehin nicht von sportlicher, sondern von persönlichen Bedeutung. Es wird höchstwahrscheinlich das erste und letzte Spiel im Mavericks-Trikot auf deutschem Boden gewesen sein, entsprechend verbindlich und mit einem Lächeln kam er den Verpflichtungen nach. Zumal er immer wieder eine private Note einbringen konnte.

Das ungezwungene Wettschießen mit den Jugendlichen bereitete ihm sichtlich Freude. Ebenso bereitwillig zog er sich wenige Stunden später einen der sonst so unbequemen Smokings an und brachte seine Ehefrau Jessica mit zur Verleihung des AmCham Germany Transatlantic Partnership Awards.

Eine umständlich formulierte, aber zugleich prestigereiche Auszeichnung, die Nowitzkis Verdienste um die transatlantische Beziehung zwischen den USA und Deutschland sowie sein karitatives Engagement würdigen soll.

"Als ich damals in die Staaten gezogen bin, hatte ich noch zwei Hasenzähne und ich träumte davon, ein Botschafter Deutschlands in Amerika zu sein. Heute weiß ich, dass es mir wahnsinnig geholfen hat, beide Kulturen zu kennen. Ich habe das Beste aus beiden Kulturen herausgepickt und meinen eigenen Weg gefunden", sagte Nowitzki.

Überraschender Laudator

Und dieser eigene Weg zeigte sich auch in seiner Wahl des Laudatoren. Statt einen offensichtlichen Kandidaten wie den ebenfalls anwesenden Mavs-Besitzer Mark Cuban auszuwählen, bat er um Professor Eric N. Olson.

Olson lehrt an der University of Dallas und ist einer der führenden Molekularbiologen und überhaupt einer der meistzitierten Wissenschaftler der Welt. In der Erforschung des Herzens ist er die Instanz schlechthin.

Nowitzki lernte ihn erst vor einem Jahr kennen, als die damalige Freundin und heutige Gattin Jessica ihm eine Überraschungsgeburtstagsfeier organisiert und dazu Olson eingeladen hatte. Die beiden und Holger Geschwindner verstanden sich bei der Party auf Anhieb. Womöglich waren sie sich so sympathisch, weil sie die Musik als Quell der Inspiration eint.

Das Erlernen des Saxophons und der Gitarre gehört genauso zu Geschwindners Trainingsroutinen für Nowitzki wie der Korbleger und der Wurf. Olson wiederum spielt als Ausgleich zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit seit Jahren in einer semiprofessionellen Rockband Gitarre und Harmonika.

Gates, Arnie - und Dirk?

Und mit dem Gefühl für Lyrik und Rhythmus verfasste Herz-Experte Olson eine Rede, die bei allem Pathos die Faszination von Nowitzki anschaulich wie selten erklärt:

"Jeder Mensch besitzt zwei Herzen. Das eine Herz ist das biologische. Es ist nur so groß wie eine Faust, dennoch ist es die verlässlichste und die am besten designte Pumpe der Welt. Das menschliche Herz pumpt acht Tonnen Blut pro Tag. Das menschliche Herz schlägt im Schnitt drei Milliarden Mal. Und vom ersten bis zum letzten Moment im Leben eines Menschen setzt das Herz kein einziges Mal aus. Das Herz ist komplexer und zuverlässiger als jede von Mensch gebaute Maschine. Jeder Mensch besitzt aber auch ein zweites Herz, ein metaphorisches. Es pumpt kein Blut, dafür ist es verantwortlich für Emotionen, Spaß, Liebe, Mut und Leidenschaft. Das metaphorische Herz macht uns erst menschlich. Das metaphorische Herz inspiriert uns, große Dinge zu schaffen. Dirk Nowitzki besitzt ein erstaunliches biologisches Herz, welches ihm die unglaublichen athletischen Leistungen erlaubt. Aber sein metaphorisches Herz ist noch größer. Es ist das Herz eines Champions."

Mit Verweis auf die vorherigen Award-Gewinner wie Bill Gates, Hans-Dietrich Genscher und Arnold Schwarzenneger lautete Olsons abschließender Satz: "Dirk Nowitzki gehört ebenfalls in die Liste der großen Philanthropen."

Nowitzkis Kommentar: "Eigentlich weiß ich gar nicht, ob ich in diese Reihe passe."

Der Spielplan der neuen NBA-Saison

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