Die Dallas Mavericks in der Kader-Analyse

Die Playoffs, gerade so - wenn überhaupt!

Von Haruka Gruber
Freitag, 24.08.2012 | 15:18 Uhr
Seit Jahren Kontrahenten, jetzt Kollegen: Dirk Nowitzki (r.) und Elton Brand
© Imago
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Können die Dallas Mavericks froh sein, dass Deron Williams das Angebot abgelehnt und lieber bei den Brooklyn Nets verlängert hat? Mark Cuban sorgt mit seiner Äußerung für Hohn und Spott. "Deron Williams ist ein wirklich großartiger Spieler. Aber ich weiß nicht, ob ich mit ihm glücklich gewesen wäre. Ich denke, wir sind jetzt in einer besseren Position, als wenn wir ihn bekommen hätten", sagte der Besitzer.

Die Reaktion fiel entsprechend aus. "Nur anzudeuten, dass die Mavs besser dran sind ohne Williams statt mit Williams, beleidigt die Intelligenz der Mavs-Fans. Die Aussage ist im schlimmsten Fall gelogen und im besten Fall unaufrichtig. Mark Cuban ist eigentlich so viel besser als das", schreibt Jean-Jacques Taylor, Dallas-Experte von "ESPN".

Sein Urteil über die Wettbewerbsfähigkeit der Mavs ist vernichtend: "Niemand sollte schockiert sein, wenn die Mavs die Playoffs nicht schaffen. Sie werden die gesamte Saison Probleme haben."

Wie gut ist Dirk Nowitzkis Mannschaft wirklich? Mit der nahenden Ernennung von Veteran Jim O'Brien, selbst neun Jahre als NBA-Headcoach tätig und zuletzt 2010/11 in Indiana, zum Assistenztrainer für Rick Carlisle ist die letzte offene Personalie geklärt. Die 15 Rosterspots sind bereits seit Mitte Juli vergeben. Zeit für einen Kader-Check.

Center

Die Rotation: Chris Kaman, Elton Brand, Bernard James

So prominent die Namen, so groß die Zweifel. "Lasst es mich so ausdrücken: Ich war nicht begeistert von Elton Brand und Chris Kaman, wie sie 2006 bei den Clippers zusammenspielten, als sie noch gut waren", twitterte Bill Simmons, NBA-Kult-Schreiber und Fan der Boston Celtics. Cubans Konter über Twitter folgte prompt: "Dein nächster kluger Kommentar über Personalentscheidungen wird Dein erster sein."

Doch so schlagfertig sich der Mavs-Besitzer gibt, auch er wird beim Abwägen der Verpflichtungen nicht nur den Nutzen, sondern auch die Risiken erkannt haben.

Die wohlwollende Lesart: Kaman ist der offensivstärkste Center der Mavs-Geschichte. Einer, der mit beiden Händen hochprozentig abschließt, sich am Korb mit Post-Moves durchzusetzen weiß und einen patenten Mitteldistanzwurf sein Eigen nennt. Die Defense reicht nicht an die Qualität eines Tyson Chandler heran, zugleich ist sie mindestens der des Vorgängers Brendan Haywood ebenbürtig. In seiner besten Saison 2009/10 verzeichnete er 18,5 Punkte, 9,2 Rebounds sowie 1,2 Blocks und wurde ins All-Star-Team berufen.

Die All-Star-Teilnahme blieb trotz seines Talents ein einmaliges Erlebnis, weil sein Körper allzu oft schwächelt. Als Rookie hatte Kaman alle 82-Regular-Season-Partien bestritten, in den folgenden neun Jahren verpasste er wegen allerlei Verletzungen 182 von möglichen 640 Spielen. Im Zusammenhang mit den Gebrechen steht seine abnehmende Explosivität: Kaman verhält sich in der Defense umsichtig und intelligent, aufgrund des langsamen ersten Schritts kommt er beim Aushelfen allerdings häufig zu spät.

Ein Faktor, der sich für die deutsche Nationalmannschaft bei der EM 2011 als folgenschwer erwies. Zwar harmonierten die Freunde Kaman und Nowitzki beim Aufteilen der Scoring-Last, am eigenen Brett wurde das DBB-Team aber immer wieder entblößt, weil beide nicht über den nötigen Antritt verfügen, um das gegnerische Pick'N'Roll zu verteidigen. Nowitzkis Defizite wurden bei der Championship 2011 vom herausragenden Athleten und Help-Defender Chandler ausgeglichen - doch wer soll jetzt dessen Rolle übernehmen?

Elton Brand, als Backup für Kaman und Nowitzki eingeplant, zählte noch in dem von Simmons angesprochenen Jahr 2006 zu den heißesten MVP-Kandidaten, weil er neben dem Punkten am Brett sowie aus der Mitteldistanz (24,6 Zähler) auch Defense in höchster Güte einbrachte (10,0 Rebounds, 2,5 Blocks). Nur: Seitdem sind die Statistiken fast durchgängig rückläufig, unter anderem erholte er sich nie ganz von einem Achillessehnenriss.

Dennoch könnte Brand hilfreich dabei sein, Kaman und Nowitzki defensiv zu entlasten. Ihm fehlt die Spritzigkeit und die Athletik von früher, seine Körperlichkeit ist hingegen weiterhin imposant. "Unseren detaillierten Analysen zufolge gehört Brand zu den besten 10 Verteidigern am Brett. Nach unserem Plus-Minus-Rating gehört er sogar zu den besten 10 Spielern der NBA insgesamt", sagt Cuban.

Der bereits 27-jährige Rookie Bernard James, an Platz 33 von Dallas ausgewählt, spielt mit der Toughness eines früheren Air-Force-Soldaten, wobei die mittelmäßige Summer League (10,2 Punkte, 9,0 Rebounds) andeutet, dass er den Anforderungen der NBA nicht entspricht und besser in der D-League aufgehoben ist.

Die Forward-Positionen: Das Nowitzki-Marion-Carter-Virus

Die Guard-Positionen: Mayo-Wundertüte

Das Fazit: Es wird knüppelhart

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