Montag, 07.05.2012

NBA-Playoffs: Dallas nach dem Aus

Nowitzki: "Wir haben keine Ahnung, was passiert"

Nach dem Aus gegen die Oklahoma City Thunder stehen die Dallas Mavericks vor einer ungewissen Zukunft. Die Situation von Head Coach Rick Carlisle ist ungeklärt. Jason Terrys Abgang ist wahrscheinlich. Dirk Nowitzki fordert Co-Stars - sonst droht dauerhaftes Mittelmaß. Mark Cuban steht enorm unter Druck.

Dirk Nowitzki erzielte bei der Niederlage in Spiel 4 34 Punkte
© Getty
Dirk Nowitzki erzielte bei der Niederlage in Spiel 4 34 Punkte

Kein Tyson Chandler. Kein J.J. Barea. Kein DeShawn Stevenson. Die Entscheidung von Mavs-Boss Mark Cuban, Schlüsselspieler des Championship-Runs aus Salary-Cap-Gründen einfach so gehen zu lassen und damit eine Saison als Übergangsjahr mit purer Absicht abzuschenken, wurde mittlerweile rauf und runter diskutiert.

Nur über die ehrliche Meinung der Mannschaft zu diesem Thema konnte nur spekuliert werden. Bis jetzt. Denn kurz nach dem Aus gegen die Oklahoma City Thunder bestätigten die Leader der Mavs das, was man sich gedacht hatte.

Das Team war mit Cubans Entscheidung überhaupt nicht glücklich. Auch und vor allem Dirk Nowitzki nicht, der bis dato öffentlich immer Verständnis für die Moves gezeigt hatte. "Als Spieler waren wir sicherlich enttäuscht im Dezember, als wir nicht das gleiche Team zurück bekommen haben, das steht fest", sagte Nowitzki deutlich.

Mannschaft von Abgängen enttäuscht

Noch unmissverständlicher war die Aussage von Jason Terry: "Seit ich bei den Mavericks bin, hatten wir eine realistische Chance. Aufgrund des Personals, das wir zur Verfügung hatten. Schau dir das Personal an, das du deinem Nukleus an Spielern zur Seite stellst, dann kannst du sehen, ob du eine realistische Chance hast. Wir hatten in diesem Jahr keine wirkliche Chance, niemand wird das herunterspielen. Du musst dir nur Mann für Mann unseren Kader anschauen. Wir haben trotzdem noch die Playoffs erreicht, aber mehr war nicht drin."

Danach gefragt, ob die Mavs eine realistische Chance auf den Repeat gehabt hätten, wenn das Team zusammengehalten worden wäre, meinte Terry: "Warum nicht? Das ist das Team, das den Titel gewonnen hat. Wir hätten mit jedem mithalten können."

Niemand wird es je erfahren, was passiert wäre, wenn Dallas seine Meister-Mannschaft nicht auseinander gerissen hätte. Hätten die Mavs dann noch mal eine Serie gegen die jungen Thunder gewonnen? Die Wahrscheinlichkeit wäre höher gewesen, aber sicher wäre das bei weitem nicht gewesen.

Was passiert mit Coach Carlisle?

Zu stark ist Oklahoma City dafür auch geworden. Die Thunder haben inzwischen "diesen Blick in ihren Augen", wie es Mavs-Head-Coach Rick Carlisle bewundernd eingestehen musste. Ihre Zeit scheint endgültig gekommen zu sein. Und die Zeit der Mavs in der aktuellen Besetzung ist definitiv abgelaufen.

Wenn der Spruch "klar ist nur, dass nichts klar ist" seine Berechtigung hat, dann jetzt vor der Offseason der Mavs. Wobei, stopp, eine Sache ist klar: Nowitzki wird auch in der kommenden Saison das Mavs-Jersey tragen.

Aber im Grunde genommen hört es genau da schon auf mit den Punkten, die man vor dem Sommer als sicher ansehen würde. Ganz oben auf der Agenda steht die Personalie Carlisle. Obwohl er die Mavs zur Meisterschaft geführt hat, wurde sein Vertrag seltsamerweise nicht vorzeitig verlängert. Carlisles Kontrakt läuft nach dieser Saison aus. Er wird wie viele seiner Spieler Free Agent.

Nowitzki ohne Lobby-Arbeit für Carlisle

Ist es tatsächlich denkbar, dass Carlisle keine Zukunft in Dallas hat? Die Tendenz geht zwar auf jeden Fall dahin, dass Carlisle einen neuen Vertrag unterschreiben wird, aber die große Unterstützung seines Superstars bekam er nach dem Sweep nicht.

"Dieses Team, diese Franchise hat viele Entscheidungen zu treffen. Das ist offensichtlich. Rick hatte vier tolle Jahre hier. Er hat uns ins gelobte Land geführt, mit einer Mannschaft, der das wahrscheinlich niemand zugetraut hat. Ich denke, er hat über die vier Jahre versucht, einen guten Job zu machen. Wir müssen schauen, wie die Entscheidung bei seiner Person ausfällt, aber er hat einen großartigen Job gemacht", sagte Nowitzki.

Ein wirklicher Appell an das Front Office, mit Carlisle zu verlängern, hört sich ja nun schon anders an.

"Ich spreche nicht über meine Situation. Nicht jetzt. Ich hatte vier tolle Jahre hier. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass Mark und Donnie (Nelson) mir diese Möglichkeit gegeben haben. Die Mavs sind eine First-Class-Franchise. Dieses Team und diese Franchise werden ganz oben dabei sein, solange Mark der Owner ist. Da bin ich zuversichtlich", bilanzierte Carlisle.

Terry wird wohl gehen - Kidd auch?

Während die Wahrscheinlichkeit beim Coach recht hoch ist, dass er in Dallas bleibt, scheint sie im Falle von Terry doch sehr gering. Der Guard wird in der Free Agency ausloten, welche Angebote er bekommt. Gut möglich, dass die Mavs sowohl in puncto Geld als auch in puncto Laufzeit da nicht mitgehen werden.

"Ich habe mir noch gar keine Gedanken gemacht, dass er gehen könnte. Das hatte ich überhaupt nicht im Kopf. Das schnelle Ende hat uns jetzt in den Playoffs doch ein wenig überrascht. Wir würden ihn gerne behalten, das ist klar. Er ist nicht nur ein phänomenaler Spieler, sondern einfach ein wundervoller Mensch", äußerte sich Nowitzki über seinen Buddy. Er wird sich wohl darauf einstellen müssen, dass er Jet zur neuen Saison nicht mehr an seiner Seite haben wird.

Auch Jason Kidd könnte sein letztes Spiel für die Mavs gemacht haben. Es gibt Spekulationen, dass der Oldie in seine Heimat nach Oakland zurückkehren und für die Golden State Warriors spielen könnte. Kidds erste Option sind aber die Mavs. "Es wäre schön, wenn ich weiter hier wäre. Aber die Business-Seite kommt auch ins Spiel. Wir werden sehen, was passiert", so Kidd.

Nowitzki: "Kobe, Wade, LeBron..."

Eine offene Frage jagt die nächste. Und Cuban hält sich äußerst bedeckt: "Wir werden das machen, was wir in jedem Jahr versuchen. Nämlich das bestmögliche Team zusammenzubauen." Was das konkret heißen soll, weiß momentan - wenn überhaupt - nur Cuban selbst.

Nowitzki weiß es auf jeden Fall nicht: "Wir haben keine Ahnung im Moment. Wir wissen nicht, was in diesem Sommer passieren wird. Was passieren muss? Ich bin mir nicht ganz sicher. Wir müssen einfach abwarten, schauen, wen wir bekommen können, wer verfügbar ist und wer hierher kommen will. Wir würden gerne Kobe, Wade und LeBron holen, aber ich glaube nicht, dass das passiert. Es ist noch zu früh, an die Free Agency zu denken. Wir sind gerade in der ersten Runde ausgeschieden."

Auch wenn die genauen Bestandteile der Veränderungen zu klären sind, sieht alles danach aus, dass es einen kompletten Umbruch und keine kleineren kosmetischen Korrekturen am Kader geben wird.

Durant, Westbrook, Harden

"Ich erwarte, dass wir eine völlig andere Mannschaft sehen werden. Wir haben die Latte im letzten Jahr sehr hoch gelegt mit dem, was wir erreicht haben. Die Verantwortlichen kennen die Erfolgsformel, jetzt liegt es an ihnen, sie wieder anzuwenden", prophezeite Terry. Wohl wissend, dass er ziemlich sicher nicht mehr Teil dieser Erfolgsformel sein wird.

Fakt ist, dass Cuban enorm unter Druck steht. Er hat ein Jahr seines Franchise-Players hergegeben, wenn die neue Saison startet, wird sein Franchise-Player 34 Jahre alt sein. Er muss Nowitzki einen zweiten Superstar an die Seite stellen, namentlich Deron Williams, sonst droht Dallas, in der Mittelmäßigkeit stecken zu bleiben.

Der größte Unterschied zwischen den Mavs und Thunder war in der Serie, dass OKC drei Spieler hat, die den Unterschied ausmachen können. In Spiel 1 und 2 war es Russell Westbrook, in Spiel 3 Kevin Durant, in Spiel 4 James Harden. Und wen haben die Mavs neben Nowitzki?

"Wir brauchen ein paar Jungs, die Plays für sich selbst machen können. Das ist ziemlich offensichtlich. Wenn man sich die Top-Teams anschaut, dann haben sie alle mindestens zwei oder drei Spieler, denen du einfach den Ball geben kannst und dann machen die ihr Ding", umriss Nowitzki dann doch, was Cuban ihm im Sommer besorgen muss...

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Florian Regelmann

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