Dienstag, 14.02.2012

Dallas Mavericks - Los Angeles Clippers 96:92

Mavs-Sieg nach Griffins Freiwurf-Drama

Als es darauf ankam, zündete Dirk Nowitzki den Crunchtime-Turbo - und Gegenspieler Blake Griffin verzweifelte an den Nerven. Die Dallas Mavericks gewannen ein umkämpftes West-Spitzenspiel gegen die Los Angeles Clippers mit 96:92.

Dirk Nowitzki geht gegen seinen Schatten Kenyon Martin zum Wurf hoch
© Getty
Dirk Nowitzki geht gegen seinen Schatten Kenyon Martin zum Wurf hoch

Bereits vor dem Tipoff ging es hochemotional zu, als Ex-Maverick Caron Butler mit feuchten Augen nachträglich den Meisterschafts-Ring überreicht bekam und und unter Standing Ovations der Fans von Klub-Besitzer Mark Cuban und Coach Rick Carlisle herzlich umarmt wurde.

Während des Spiel aber zeigte sich Butler auf das Wesentliche konzentriert und schenkte seinem ehemaligen Team den eigenen Saison-Bestwert von 23 Punkten ein, davon 5/10 Dreier. Der entscheidende Wurf von Downtown mit 3 Sekunden auf der Spieluhr, der das 95:94 für die Clippers bedeutet hätte, ging jedoch vorbei.

Überhaupt zeigte sich L.A. in der Endphase nervös: Vor allem Griffin, der in der entscheidenden Phase innerhalb von 100 Sekunden 5 Freiwürfe in Folge daneben setzte und kurz darauf einen Turnover beging.

Nowitzki hingegen bot in der Crunchtime seinen besten Basketball: Der Wurf wollte nur sporadisch fallen (5/15), dennoch fand er immer wieder Wege, um zu punkten. In den letzten 6:03 Minuten erzielte er 11 seiner 22 Zähler. Mit dem vierten Sieg hintereinander liegt Dallas (18-11) als Vierter der Western Conference nur noch ein halbes Spiel hinter dem Dritten Clippers (17-9).

Reaktionen:

Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks): "Ich hatte einige Würfe, die hätten reingehen müssen. Shawn Marion hat hingegen einen phänomenalen Job gemacht. Er bewegt sich noch immer schnell auf den Füßen, er bringt Länge mit, er ist stark und er hat große, sehr große Hände. Deswegen ist er unser bester Verteidiger und deswegen lassen wir ihn vom Point Guard bis Power Forward alles verteidigen."

Rick Carlisle (Trainer Dallas Mavericks): "Dirk ist das klassische Beispiel für einen großartigen Spieler, der die Mannschaft auf Kurs hält. Ich habe drei Jahre mit Larry Bird gespielt und es kam vor, dass er nur 2 von 13 Würfen traf und dann die letzten 3 macht, um uns zum Sieg zu führen. Dirk ist genau der gleiche Typ."

Vinny Del Negro (Trainer Los Angeles Clippers): "Ich war überrascht, dass die Mavs anfingen, Griffin zu foulen. Sein Freiwurf fiel zuletzt sicher. Aber es war diesmal eine der Nächte, in denen nichts ging."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tipoff: Dallas im dritten Spiel in Folge mit der Wunsch-Starting-Five inklusive Jason Kidd. Bei den Clippers wird Chauncey Billups nach seinem Achillessehnenriss wie erwartet von Randy Foye vertreten.

Berührender Augenblick für Caron Butler, der von den Mavs seinen Meisterschaftsring überreicht bekommt.

Butler, vor der Saison als Free Agent von Dallas nach L.A. gewechselt, wird von Carlisle als "Maverick for life" angekündigt und hat bei der Zeremonie Tränen in den Augen.

2.: Butler ist regelrecht elektrisiert: 2 Dreier, 2 Treffer. 6:4 Clippers.

6.: Schon wieder Butler von Downtown, sein dritter Dreier. Aber Dallas kontert: Kidd und Vince Carter ebenfalls per Dreier. 16:12 Mavs.

9.: Was geht denn mit Brendan Haywood ab? Der Mavs-Center bewegt sich elegant wie selten, setzt sich leichtfüßig am Korb durch und liegt schon bei 10 Punkten, dazu 6 Rebounds. 22:15 Mavs.

12.: Kuriose Endphase des ersten Viertels: Beide Teams mit je 2 Ballverlusten, außerdem verstopft sich Griffin beim Alley-oop-Versuch. 27:19 Mavs.

17.: Die Mavs machen es wie sonst nur die Clippers: West mit dem spektakulären Alley-oop-Anspiel auf Brandan Wright, der mit einem Slam Dunk vollstreckt. Zuvor trifft Nowitzki den One-Foot-Legged-Fadeaway in Kenyon Martins Gesicht. 37:31 Mavs.

22.: Seltsam: Nowitzki mit dem nächsten vergebenen Freiwurf. Jetzt bei 4/7. Butler trifft im Gegenzug den langen Zweier. 49:45 Mavs.

26.: Paul weiter indisponiert mit einem weiteren Ballverlust, Nowitzki bestraft es mit dem weichen Jumper. 57:47 Mavs

33.: Dallas nur 1/6 aus dem Feld, L.A. nutzt die Schwächephase und geht dank Butler das erste Mal seit Mitte des ersten Viertels in Führung. 65:64 Clippers.

40.: Beste Szene von Paul: Erst trifft er den Technischen Freiwurf, dann netzt er ins Gesicht des Gegenspielers den langen Zweier ein. 81:79 Clippers.

42.: Money! Nowitzki mit dem ganz wichtigen Dreier aus der Ecke. 83:82 Clippers.

46.: Die Clippers von der Rolle: 3 Turnover und 5 verworfene Freiwürfe (!) von Griffin in Folge. Aber auch bei Dallas fallen die Würfe nicht: 0/6. 86:84 Mavs.

47.: Dummes Foul von Kidd an Griffin, der bei seinem Dreipunkt-Spiel sogar von der Freiwurf-Linie punktet. Martin verkürzt weiter für die Clippers. Nur noch 90:89 Mavs.

48.: Wildes Finish: Dallas führt 94:92 und ist im Ballbesitz, doch Kidd unterläuft ein böser Turnover gegen Paul, der den Ball schnell zu Butler passt. Sein Dreier 3 Sekunden vor Schluss trifft nur den Ring. Es wäre die Führung für die Clippers gewesen! Stattdessen besiegelt West mit zwei erfolgreichen Freiwürfen den 96:92-Erfolg der Mavs.

Der Star des Spiels: Dirk Nowitzki. Beständigkeit will noch immer nicht einkehren in Nowitzkis Spiel. Nachdem er gegen Portland leidliche 7/20 traf, fanden auch gegen die Clippers nur ein Drittel der Würfe das Ziel (5/15). Aber: Wie gegen Portland zeigt sich der 33-Jährige am zuverlässigsten, als ihn Dallas am meisten braucht. Seine Bilanz in den ersten 41:57 Minuten: 11 Punkte. Seine Bilanz in den letzten 6:03 Minuten: ebenfalls 11 Punkte - obwohl Gegenspieler Martin ihn mit allen erdenklichen Mitteln verteidigte. Den Endspurt leitete Nowitzki mit dem Dreier ein, der Dallas nach einer Schwächephase wieder mit 83:82 in Führung brachte. Nicht minder wichtig auch der Rainbow Shot zum 92:89, als die Clippers in kürzester Zeit von 90:84 auf 90:89 verkürzt hatten. Ebenfalls wertvoll: Mavs-Edelverteidiger Marion mit seine Defense gegen Paul und zwei Steals in den letzten 1:47 Minuten.

Der Flop des Spiels: Blake Griffin. Es sah lange danach aus, als ob die schwache Leistung von Superstar-Mitspieler Paul für die Clippers nicht zu kompensieren ist. Der Point Guard lieferte sich mit Gegenspieler Kidd ein Duell auf niedrigem Niveau und fand trotz 9 Assists kaum Wege, um seinem Team zu helfen (5 Turnover). Nur: Während Paul in den letzten Minuten noch mal aufdrehte und mit einem Dreier die Clippers erst am Leben hielt, brach Griffin regelrecht zusammen. Seine Schwäche von der Freiwurflinie ist bekannt, doch innerhalb von 100 Sekunden 5 Freiwürfe zu vergeben, lähmten regelrecht seine Mitspieler und sich selbst. Dass er die letzten zwei Freiwürfe nach insgesamt 7 Fehlversuchen zu Beginn noch verwandelte, war kein Trost. Als zu schwerwiegend erwies sich sein Nervenflattern, das sich auch in einem folgenschweren Turnover 24 Sekunden vor Ende zeigte.

Die Analyse: Das Gute aus Dallas-Sicht vorweg: Die Mavs neigen noch immer zur Inkonstanz, dennoch sind sie selbst gegen eines der athletischsten Teams der Liga ebenbürtig wenn nicht sogar überlegen. Im Grunde war Dallas die gesamten 48 Minuten besser, doch die ungewohnt vielen Fehlversuche von der Freiwurflinie sowie die nachlässige Perimeter-Verteidigung, die den Clippers viele offene Dreier erlaubte, führte dazu, dass zum wiederholten Male bis zum Ende gezittert werden musste.

Beinahe hätten die Mavs wie im ersten Duell durch einen späten Dreier den Sieg aus der Hand gegeben, aber anders als Mitte Januar Chauncey Billups konnte Butler den Big Shot nicht versenken.

Immerhin setzt Dallas damit den positiven Trend der letzten Wochen fort. In den ersten 4 Spielen der Saison mit einer Differenz von 5 Punkten oder weniger hatte Dallas 3 verloren. Aus den letzten 6 Spielen mit einer Differenz von 5 Punkten oder weniger gab es 5 Siege.

Es gibt aber neue Sorgen: Die Rebound-Unterlegenheit von 36:50 deutet an, dass es Center Brendan Haywood an Unterstützung mangelt. Haywood selbst ist nicht stabil: Nach furiosen ersten 6 Minuten mit 10 Punkten und 6 Rebounds kamen in den folgenden 23 Minuten 0 Punkte und 3 Rebounds hinzu.

Das Problem daran: Es wäre zu verschmerzen, wenn Backup Ian Mahinmi aus seinem Tief findet. Gegen die Clippers blieb er zum 3. Mal in 5 Spielen ohne einen einzigen Rebound.

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Haruka Gruber

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