Dienstag, 17.01.2012

Dirk Nowitzki im Interview

"Jetzt sind wir jung, schnell und athletisch"

Die knappe 70:73-Niederlage bei den Los Angeles Lakers war bitter und vermeidbar, dennoch gehören die Dallas Mavericks wieder zum Championship-Favoritenkreis. Der Superstar und sein erstes Saisonfazit: Dirk Nowitzki über Barack Obamas Witz, seine Dreier-Krise und "X-Faktor" Rodrigue Beaubois.

Dirk Nowitzki beim Erinnerungsfoto mit Barack Obama
© Getty
Dirk Nowitzki beim Erinnerungsfoto mit Barack Obama

SPOX: Ein Highlight der jungen Saison war der Besuch der Mavs bei Barack Obama. Wie war es, als der Präsident der Vereinigten Staaten auf Ihre Kosten einen Witz riss und Sie auf die schief gesungene "We are the Champions"-Gesangseinlage bei der Titelfeier ansprach?

Nowitzki: (lacht) Obama ist einfach ein super Typ und das Treffen war genial. Es war ein super Erlebnis für alle Beteiligten und wir können alle sehr stolz auf die Ehre sein. Wir bekamen sogar eine Tour durch das Weiße Haus. Anfang der Saison waren wir sehr enttäuscht, als wir auf dem Spielplan sahen, dass kein Spiel in Washington vorgesehen ist. Da haben wir schon gedacht, dass es nicht klappt. Umso glücklicher waren wir, als es uns die Mavericks-Organisation und Mark Cuban doch noch ermöglicht haben.

SPOX-Reporter Toby Rochau traf Dirk Nowitzki zum Interview
SPOX-Reporter Toby Rochau traf Dirk Nowitzki zum Interview
© spox

SPOX: Dass sich die Stimmung in der Mannschaft nicht nur wegen des Obama-Besuchs zum Positiven verändert hat, ist offensichtlich. Gab es nach dem verkorksten Saisonstart Panik?

Nowitzki: Panik gab es nie. Nach nur zwei Wochen Trainingscamp waren wir zum Saisonstart einfach noch nicht da, wo wir sein wollten. Wir waren einfach zu langsam. Seit zehn, elf Spielen haben wir aber einen großen Schritt nach vorne gemacht. Es sieht wieder mehr nach Basketball aus. Vor allem die Verteidigung hat sich stark verbessert. Das war letztes Jahr unser Schlüssel. Wenn die Defense weiterhin so steht, setze ich sehr große Hoffnungen in unser Team. Wir können oben mitspielen. Solange wir hinten gut stehen, läuft es vorne automatisch. Das Spiel bei den Lakers war eher eine Ausnahme.

SPOX: Wie sehen Sie Ihre eigenen Leistungen? 17,7 Punkte und 5,2 Rebounds sind die schlechtesten Werte seit Ihrer zweiten NBA-Saison 1999/2000. Lässt es sich mit der verringerten Einsatzzeit von 30,1 Minuten erklären?

Nowitzki: Es kam einfach so, das kann man nicht planen. Einerseits war ich am Anfang noch nicht bei hundert Prozent. Andererseits spielen wir einen Basketball, bei dem es nicht um die Statistik von Einzelnen geht. Wir zeigten schon letztes Jahr, dass wir ausgeglichen und unberechenbar sind und so erfolgreich sein können. Wenn wir nach dem freien Mann schauen und den Ball laufen lassen, sind wir sehr gut aufgestellt. Trotzdem wird es Phasen geben, in denen es vorne nicht so läuft. Dann werde ich wieder mehr Würfe nehmen und etwas aggressiver spielen. Ansonsten füge ich mich voll in die Mannschaft ein.

SPOX: Dennoch eine Nachfrage: Was ist mit Ihrem Dreier los? Beim Shootaround vor dem Lakers-Spiel trafen Sie noch 42 von 50 aus der Distanz, in der Saison jedoch beträgt die Quote nur 20,0 Prozent - der Tiefstwert Ihrer Karriere.

Nowitzki: Ach, die Dreier werden im Laufe der Saison auch wieder kommen, solange ich weiter hart im Training arbeite. Ich mache mir da keine Gedanken. Letzte Saison hatte ich zum Start auch ein paar Probleme mit den Dreiern.

SPOX: Sie sagten nach dem Saisonauftakt, die Mavs seien "alt, langsam und außer Form". Welche Worte würden Sie jetzt wählen, um das Team zu beschreiben?

Nowitzki: Jetzt sind wir jung, schnell, und athletisch. Wir sind fitter als am Anfang. Es ist nun mal so, dass eine ältere Mannschaft eine zwei Wochen längere Vorbereitung braucht als eine jüngere. Diese zwei Wochen fehlten uns aber, deswegen mussten wir uns die Form im Wettkampf holen. Mittlerweile profitieren wir davon, dass wir so erfahren sind. Die nächsten Spiele werden zeigen, wie weit wir wirklich sind.

SPOX: Sind Sie davon überzeugt, dass Sie zu den Titelfavoriten zählen?

Nowitzki: Ich habe von Anfang an gedacht, dass wir wieder um den Titel mitspielen. Wir haben eine erfahrene Gruppe zusammen und verpflichteten sehr viele Free Agents. Es gibt keine bessere Bewerbung für sie, als einen Titel zu holen.

SPOX: Einige Experten haben die Mavs schon abgeschrieben. Haben Sie das registriert?

Nowitzki: Klar hat man das mitbekommen, aber richtig ernst genommen haben wir das nicht. Wir betonten immer, dass wir 10 bis 15 Spiele brauchen, um in Fahrt zu kommen. Was die Medien schreiben, interessiert uns nicht besonders, weil wir wissen, was wir können.

SPOX: Kein Team hat sich innerhalb von zwei Wochen so verbessert wie die Mavs. Was ist das Geheimnis? War der Sieg gegen die Oklahoma City Thunder am 2. Januar ein entscheidender Moment?

Nowitzki: Ein Geheimnis gibt es nicht wirklich, die Mechanismen klicken einfach zusammen mit der Zeit. Klar war der Sieg gegen OKC wichtig, dennoch liegt eine Menge Arbeit vor uns. Jeder will den Champion schlagen und damit klarzukommen ist manchmal nicht so einfach. Besonders, wenn du nicht fit bist als Mannschaft.

SPOX: Nach anfänglichen Problemen ist die Verteidigung wieder die große Stärke von Dallas, dabei verließ mit dem ehemaligen Co-Trainer Dwane Casey der Defensiv-Guru die Mavs, um als Headcoach in Toronto anzufangen. Was hat sich unter Caseys Nachfolger Monte Mathis verändert?

Nowitzki: Nicht viel, wir spielen ähnlich wie letztes Jahr. Das heißt: Athletik kombiniert mit der Einstellung, dass jeder dem anderen hilft. Unsere Philosophie lautet: Wir verteidigen immer zu fünft und nie One-on-One. Wir kämpfen alle füreinander. Natürlich hatten es unsere Neuen anfangs etwas schwerer mit dem Konzept, aber im Grunde hat sich die Rotation nicht verändert. Das hilft uns.

SPOX: Wie sehr mussten Sie sich und Ihr Team nach Tyson Chandlers Weggang umstellen?

Nowitzki: Groß umstellen musste ich mich nicht, weil die Position Eins-zu-Eins ersetzt wurde. Jetzt steht eben Brendan Haywood in der ersten Fünf und seine vorherige Backup-Rolle gehört Ian Mahinmi. Wir vermissen Tyson, doch Brendan und Ian erledigen einen sehr guten Job.

NBA: Nowitzki & Co. im Weißen Haus
Da putzt man sich schon mal raus! Die Dallas Mavericks waren am 9. Januar beim US-Präsidenten Barack Obama zu Besuch
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Und alle hatten richtig Spaß! Ob Mavericks-Besitzer Mark Cuban (3.v.r.) oder Coach Rick Carlisle (2.v.l.)
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Obama hatte ein paar warme Worte parat: "Euer Herz ist so groß wie Texas!" Dirk Nowitzki bezeichnete er als "harten Jungen"
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Schönes Bild: der NBA-Pott, ein signierter Basketball, Dirk und Obama. Wer ist hier eigentlich der Chef?
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Noch mal ein Foto fürs Album: Nowitzki und Obama mit Dallas-Trikot. Nächstes Jahr wolle er aber die Bulls begrüßen, lachte der Präsident
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SPOX: Mahinmi gehört zu den Überraschungen der Saison. Hätten Sie ihm eine so wichtige Rolle zugetraut?

Nowitzki: Absolut. Mahinmi ist ein sehr guter Spieler, der es letztes Jahr nur schwer hatte, weil Tyson und Brendan vor ihm waren. Dieses Jahr ist er unser klarer zweiter Center und zahlt es mit klasse Leistungen zurück. Er ist besonders, weil er sehr athletisch ist, gleichzeitig über einen ganz guten Touch von außen verfügt. Es macht echt sehr viel Spaß, ihm zuzuschauen.

Nowitzkis neue Abrissbirne: Das ist Ian Mahinmi

SPOX: Wie sehen Sie die Leistungen des zweiten Franzosen, Rodrigue Beaubois? Er fand holprig in die Saison.

Nowitzki: Roddy kann zu unserem X-Faktor werden, wenn er jetzt Konstanz reinbekommt und Spielzeit erhält. Ich freue mich für den Jungen, wenn es ihm gelingen sollte. Er ist ein super netter Kerl und kann ein ganz wichtiger Spieler für uns werden.

SPOX: Was sagen Sie zu den Neuzugängen?

Nowitzki: Die Neuen passen sehr gut in die Team-Chemie. Sie sind alle witzige Jungs und es läuft sehr positiv. Yi Jianlian ist sehr athletisch und wird uns sicher noch weiter helfen. Delonte West hat von Beginn an gut reingepasst und Lamar Odom kommt auch langsam in die Gänge und fühlt sich in Dallas immer wohler. Vince Carter hatte schon sehr gute Partien für uns. Er trifft von außen, zieht zum Korb und hat ein sehr gutes Verständnis für das Pick'N'Roll.

SPOX: In den letzten Spielen war zwischen Ihnen und Carter nach gelungenen Szenen ein neues Ritual zu beobachten: Sie tun so, als ob sie Motorrad fahren und mit beiden Händen Gas geben. Was ist der Hintergrund für den "Evil-Knievel"-Jubler?

Nowitzki: Ehrlich gesagt: keine Ahnung, was es bedeutet. Ich habe nur Vince imitiert, der es irgendwann vorgemacht hat, aber was dahintersteckt, weiß ich auch nicht. Ich muss ihn mal fragen, dann macht es vielleicht auch für mich Sinn. (lacht)

NBA: Der Spielplan der kommenden Saison

Interview: Toby Rochau

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