Donnerstag, 12.01.2012

NBA: Boston Celtics - Dallas Mavericks 85:90

"Ich bin in diese Momente hineingewachsen"

Die Dallas Mavericks (6-5) feiern einen beeindruckenden 90:85-Auswärtssieg im TD Garden bei den Boston Celtics (4-5). Nach dem dritten Sieg in Folge ist der Champion zum ersten Mal in der Saison bei einer positiven Bilanz angekommen. Dirk Nowitzki findet lange gar nicht ins Spiel, trägt die Mavs dann aber mal wieder in der Crunchtime in bester Superstar-Manier zum Sieg. Mavs-Coach Rick Carlisle flippt im dritten Viertel total aus und fliegt.

Dirk Nowitzki war der gefeierte Mann beim Mavs-Erfolg in Boston
© Getty
Dirk Nowitzki war der gefeierte Mann beim Mavs-Erfolg in Boston

Nowitzki sorgte fünf Sekunden vor Schluss mit einem Dreipunktspiel für den zweiten Auswärtssieg der Mavs innerhalb von zwei Tagen. Am Ende standen für Nowitzki 16 Punkte (5/11 FG, 6/6 FT), 7 Rebounds, 4 Assists, 1 Steal und 1 Block zu Buche. Topscorer bei Dallas war aber Jason Terry (18 Punkte, 3/7 Dreier, dazu 4 Steals). Dazu punkteten bei den Mavs Shawn Marion (15) und Delonte West (12) zweistellig.

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Überragender Mann auf Seiten der Celtics war Rajon Rondo (24 Punkte, 7 Assists). Kevin Garnett verbuchte ein Double-Double (16 Punkte, 10 Rebounds). Boston kassierte seine zweite bittere Heimniederlage in Folge, nachdem man letzten Freitag schon gegen Indiana verloren hatte.

Auf das Erreichen eines Meilensteins muss Nowitzki allerdings noch ein Spiel lang warten. Nach seinen 16 Zählern gegen die Celtics steht der 33-Jährige jetzt in seiner Karriere bei 22.997 Punkten. Am Freitag wird er dann beim Heimspiel gegen Milwaukee in den 23.000er-Klub einziehen. Nowitzki liegt in der All-Time-Scoring-List aktuell auf Rang 23 und benötigt 338 Punkte, um an Celtics-Legende Robert Parrish vorbei zu gehen und in die Top 20 einzuziehen.

Die Mavs haben gute Chancen, ihre Siegesserie mit Siegen gegen Milwaukee und Sacramento (Samstag) weiter auszubauen, bevor es dann auf einen interessanten Roadtrip geht, der sie zuerst nach Los Angeles führt. Dort geht es dann zunächst gegen die Lakers (Montag), zwei Tage später gegen die Clippers.

Reaktionen:

Dirk Nowitzki (Dallas): "In solch einer Situation zu sein, das macht einfach Spaß. Jeder schaut auf dich und dein Team hängt wirklich von dir ab. Ich mag es, in solchen Situationen zu sein, in denen ich etwas reißen kann. Ich bin in diese Momente hineingewachsen. Als ich in die Liga kam, war ich nicht der Spieler, der ich heute bin. Garnett war dicht an mir dran, ich musste zum Korb gehen. Ich habe gesehen, wie die Uhr runter tickt, aber wie er dann rein ist, habe ich ehrlich gesagt gar nicht mehr gesehen. Ich habe den Kontakt gespürt, das Ding hochgeworfen und großes Glück gehabt, dass er rein ist."

Delonte West (Dallas): "Dirk ist zu mir rüber gerannt und hat gesagt: 'Ich gewinne das Spiel jetzt für uns.'"

Rick Carlisle (Trainer Dallas): "Es ist meine Meinung, aber Kevin Garnett sollte es nicht erlaubt sein, Dirk Nowitzki nach einem Screen so zu umarmen. Ich wollte meinen Standpunkt klarmachen. Wenn mich das jetzt ein paar Tausend Dollar kostet, ist es mir auch egal."

Doc Rivers (Trainer Boston): "Im Moment ist es Rondos Team. Er muss aggressiv sein. Er muss attackieren. Er muss scoren. Das ist anders als in der Vergangenheit, aber so ist es nun mal, bis die Anderen in die Gänge kommen. Aktuell kommen sie noch gar nicht in die Gänge."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tipoff: Keine Überraschungen. Jason Kidd (Rücken) verpasst das dritte Spiel in Folge - Dallas beginnt wieder mit West, Carter, Marion, Nowitzki und Haywood. Die Celtics starten wie gewohnt mit Rondo, Allen, Pierce, Garnett und O'Neal.

5.: Nowitzki trifft den Jumpshot mit Brett, dann noch ein Carter-Dunk und schon sind die Mavs sofort mal 10:2 vorne. Katastrophaler Start der Celtics, die dreieinhalb Minuten brauchen, um überhaupt mal zu scoren und bei einer Quote von 1/10 halten. Timeout Doc Rivers.

12.: Nice Play Mahinmi! In der Defense ist er gerade mit einem extrem dummen Foul aufgefallen, aber vorne ist der Franzose zur Stelle. Beaubois' Jumper fällt nicht, aber Mahinmi tippt den Ball mit dem Buzzer mit der linken Hand rein, stark. 23:15 Mavs.

18.: Ein typischer Rondo. Erst klaut er mit seinen schnellen Händen in der Defense Odom den Ball, dann ist er schon vorne und legt den Fastbreak-Layup rein. 32:26 Mavs. Ruhiges Spiel von Nowitzki bis jetzt (1/4 FG).

24.: Hässliche Phase. Ein Turnover jagt den nächsten. Bei den Mavs geht in der Offense nicht mehr viel, jetzt sogar zwei Shot-Clock-Violations innerhalb von einer Minute. Boston dank eines überragenden Rondo (16 Punkte) zur Pause wieder dran. 42:41 Mavs.

26.: Was geht denn jetzt ab? Carlisle regt sich so darüber auf, dass die Refs das Halten von Garnett gegen Nowitzki nicht pfeifen, dass er bis in die andere Hälfte hinein raus aufs Feld stürmt und total ausflippt. Sieht man selten. Die Folge: Zwei technische Fouls, Carlisle wird ejectet! Assistent Terry Stotts hat jetzt das Kommando. Boston beginnt die zweite Halbzeit mit einem 6:0-Run und ist zum ersten Mal vorne. 47:42 Celtics.

31.: Ganz starke Aktion von Marion, der angeflogen kommt und in Transition Rondo wegblockt. Ganz schnell geht es auf die anderen Seite, Marion mit dem guten Extra-Pass unter den Korb zu Haywood und der kann locker zum Dunk hochgehen. Bass dann mit seinem nächsten erfolgreichen Jumper für die Celtics. 53:52 Mavs.

36.: Welcome to Boston, Mickael Pietrus! In seinem ersten Spiel für die Celtics macht der Swingman gleich einen guten Eindruck. Steal gegen Terry, Fastbreak-Dunk! Beaubois hält drei Sekunden vor Viertelende aber mit einem Running-Jumper dagegen. Dallas zwischendurch mit einem 13:1-Run. 68:59 Mavs.

40.: Die Intensität wird höher. Zwei katastrophale Fehlentscheidungen der Refs gegen die Celtics führen zu Technicals gegen Rondo (auf der Bank sitzend) und Rivers. 74:68 Mavs.

46.: The Jet takes over! Terry erst mit dem Dreier aus der Ecke, nach starkem Assist von Nowitzki, dann mit dem Driving-Layup. 84:79 Mavs. Timeout Boston.

48.: Pierce for three! Den hat man das ganze Spiel lang nicht gesehen, aber jetzt trifft er den Big-Shot zum Ausgleich. 85:85. Noch 25 Sekunden. Timeout Mavs.

48.: West dribbelt die Uhr runter und gibt den Ball zum Finals-MVP, logisch, da muss er hin. Nowitzki geht mit aller Macht rechts an Garnett vorbei zum Korb, wird von Bass gefoult, bekommt die Pille aber dennoch irgendwie in den Korb. Sensationell! Den Bonus-Freiwurf macht er auch. 88:85 Mavs.

Der Star des Spiels: Dirk Nowitzki. Nach zwei miesen Spielen (5/22 FG) war es für den Deutschen am Dienstag beim Sieg in Detroit nahezu perfekt gelaufen (9/10 FG), in Boston konnte er aber zuerst nicht daran anknüpfen. Zur Pause stand seine Quote bei 2/8, im dritten Viertel nahm er überhaupt keinen Wurf - Nowitzki war lange kein Faktor. Doch dann kommt das letzte Viertel, die entscheidende Phase und Nowitzki ist da. Dirk traf alle seine drei Würfe im letzten Viertel, darunter den genialen Game-Winner kurz vor Schluss, als er gegen Garnett brutal aggressiv zum Korb zog und trotz Foul von Bass den Ball in Rücklage irgendwie im Korb unterbrachte. Außerdem stark bei den Mavs: Terry und Marions All-Around-Game. Ohne diese beiden wäre Nowitzki gar nicht in der Position gewesen, das Spiel am Ende zu gewinnen.

Der Flop des Spiels: Paul Pierce/Ray Allen. Nach seiner 3/17-Performance gegen Indiana trat Pierce gegen Dallas lange überhaupt nicht in Erscheinung. Dass er am Ende den Money-Dreier zum Ausgleich traf, ist eben typisch Paul Pierce. Die Celtics müssen sich wirklich keine Sorgen machen, dass er nicht wieder zu seiner Form findet, aber er braucht einfach noch Zeit. Nachdem er wegen seiner Fersenverletzung lange aussetzen musste, befindet er sich aktuell eigentlich immer noch im Trainingscamp und muss körperlich aufholen. Ganz anders ist der Fall bei Allen: Der 36-Jährige ist grandios in die Saison gestartet, das Mavs-Spiel (zum ersten Mal unter 50 Prozent FG-Quote, bitterer Turnover am Ende) war sein erstes schlechtes Spiel der Saison. Zum ersten Mal seit April 2008 haben Pierce und Allen in einer Partie beide keine 10 Punkte gemacht.

Die Analyse: Es war ein Spiel, wie es in dieser Saison aufgrund der fehlenden Vorbereitungszeit und des komprimierten Spielplans schon fast zur Norm geworden ist. Gespickt mit vielen Highlights, phasenweise aber auch mit grauenvollem Basketball.

Den Mavs kann es total egal sein. Der Champ ist nach seinem 1-4-Start endgültig in der neuen Saison angekommen, das hat der Sieg in Boston eindeutig gezeigt. Dallas dominierte das Spiel angeführt von einem erneut starken West im ersten Viertel, die Celtics auf der anderen Seite begannen unterirdisch und trafen die besten Würfe nicht.

Dass Boston bis zur Pause wieder in die Partie zurück fand, lag in erster Linie am ultra-aggressiven Rondo. Der Celtics-Point-Guard riss das Spiel sowohl in der Defense als auch in der Offense an sich und fand immer wieder den Weg an die Freiwurflinie - und traf dort besser als sonst. Hinzu kam, dass die Mavs in der Offense Probleme bekamen, die Celtics zeigten sogar uncharakteristischerweise mal eine Zonen-Verteidigung.

Aber nur dank ihrer Freiwürfe waren die Celtics im Spiel, denn sie mussten dadurch eine wahnsinnige Unterlegenheit am Brett kompensieren. Beide Teams gehören zu den schlechteren in der defensiven Rebound-Arbeit, aber an diesem Abend arbeitete Dallas in diesem Bereich deutlich besser.

Dennoch bekamen die Celtics zu Beginn des dritten Viertels immer mehr Momentum und gingen zum ersten Mal in Führung. Es war sicher nicht ganz unbeabsichtigt von Coach Carlisle, dass er ausgerechnet in dieser Phase sich quasi ejecten ließ, um seinem Team dadurch neue Energie zu geben.

Es wirkte auf jeden Fall. Dallas machte durch einen 24:6-Run aus einem 5-Punkte-Rückstand (42:47) eine 13-Punkte-Führung (66:53). Boston kam im letzten Viertel dank Rondo nicht unerwartet noch einmal auf, trotzdem hätte Dallas das Spiel dank der Rebound-Überlegenheit (12:2-Offensiv-Rebounds) frühzeitig entscheiden können, wenn man nicht so sehr von der Freiwurflinie geschwächelt hätte (nur 14/25). Hauptschuldiger war der ansonsten sehr ordentliche, aber eben notorisch miese Freiwerfer Brendan Haywood (2/8 FT). Dank Nowitzkis Heldentat am Schluss kann man aber auch darüber hinweg sehen.

NBA: Der komplette Spielplan

NBA: Nowitzki & Co. im Weißen Haus
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Florian Regelmann

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