Dallas Mavericks - Denver Nuggets 93:115

Zwei Tage, zwei Blamagen

Von Florian Regelmann
Dienstag, 27.12.2011 | 05:02 Uhr
Dirk Nowitzki und die Mavs sind mit zwei enttäuschenden Heimniederlagen in die Saison gestartet
© Getty
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Einen Tag nach der desolaten Vorstellung gegen die Miami Heat haben die Dallas Mavericks die nächste Katastrophen-Leistung abgeliefert. Der Champion kassierte im American Airlines Center eine 93:115-Klatsche gegen die Denver Nuggets. Dirk Nowitzki und Co. hätten nicht schlechter in die Saison starten können.

Nowitzki (7/14) war mit 20 Punkten Topscorer der abermals enttäuschenden Mavericks. Point Guard Ty Lawson war mit 27 Punkten (10/15), 4 Rebounds, 4 Assists und 3 Steals der überragende Mann bei den Nuggets, die das Spiel mit einem 20:0-Lauf im zweiten Viertel früh entschieden und Dallas zum vierten Mal in Folge schlugen.

Roundup: Auch die Lakers sind 0-2!

Unterstützung bekam Lawson von Andre Miller (18), Al Harrington (18) und Danilo Gallinari (15). Für die Mavs ist es der erste 0-2-Start seit 2006/2007. Damals startete Dallas sogar 0-4, gewann aber dann 67 der nächsten 78 Spiele.

Triangle Offense mit Tim Legler: "Die Mavs verwirren mich"

Reaktionen:

Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks): "Wir sehen alt, langsam und untrainiert aus. Eine schlechte Kombination. Ich denke immer noch, dass diese Mannschaft viel Potenzial hat, aber wir müssen jetzt die Kurve kriegen. Es dauert vielleicht noch eine Woche, vielleicht auch zwei, aber wir müssen jetzt mal Wege finden, um im Spiel zu bleiben und nicht immer zur Pause mit 30 hinten liegen."

Rick Carlisle (Trainer Dallas Mavericks): "Es ist meine Schuld, weil ich der Head Coach bin und es meine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass sie bereit sind, um zu spielen. Und es ist offensichtlich, dass sie das nicht sind. Es ist nicht leicht für mich, das zu sagen und damit zu leben im Moment, aber so ist es. Ich habe eine Menge Arbeit vor mir."

... über die Defense: "Furchtbar, einfach furchtbar."

... über die nächsten Tage: "Wir werden morgen unsere Batterien neu aufladen, dann werden wir am Mittwoch ein höllisches Training haben und dann müssen wir nach Oklahoma City und dort müssen wir viel besser spielen."

Shawn Marion (Dallas Mavericks): "Tyson Chandler war unsere große Präsenz unter dem Korb. Jetzt müssen wir das alle zusammen irgendwie hinkriegen. Wir müssen besser kommunizieren und wir brauchen jemanden, der da hinten steht und ein bisschen brüllt. Wir brauchen diese Präsenz."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tipoff: Rick Carlisle verändert schon im zweiten Saisonspiel seine Starting Five. West rückt für Carter auf die Shooting-Guard-Position. Marion kann trotz seines gebrochenen kleinen Fingers spielen. Denver beginnt wie erwartet mit Lawson, Afflalo, Gallinari, Nene und Mozgov.

7.: Die Nuggets sind sofort im Attackier-Modus. Gallinari schließt seinen Drive per krachendem Dunk ab. Aber auch die Mavs sind offensiv viel besser im Flow als gegen Miami. 13:13.

12.: Fernandez, der Ex-Maverick, der nie für Dallas gespielt hat, mit dem Pass raus in die Ecke, wo Harrington steht und in der letzten Sekunde des ersten Viertels seinen zweiten Dreier innerhalb kürzester Zeit reinschießt. 32:23 Denver. 14:5-Lauf der Nuggets. Lawson (12) und Gallinari (8) die bestimmenden Figuren des Spiels.

16.: Nowitzki schon mit zwei seiner typischen Jumper im zweiten Viertel, aber Dallas kommt nicht ran, weil die Rebound-Arbeit am eigenen Brett erneut miserabel ist. Miller mit dem Tip-Shot. 42:32 Denver. Timeout Mavs.

21.: Lawson, der lange auf der Bank saß, weil sein Backup Miller heiß lief, kommt zurück und macht Dallas sofort wieder nass. Erst ist er an der Baseline viel zu schnell für Kidd und trifft den schwierigen Layup, dann verliert Carter den Ball und Lawson scort im Fastbreak. 58:41 Denver. Timeout Dallas.

24.: Es fehlen einem die Worte für das, was die Mavs hier spielen. Ein Turnover jagt den nächsten bei Dallas - die Nuggets dürfen machen, was sie wollen. Auch 3-0-Breaks laufen. Jetzt gibt's sogar schon Buhrufe der Mavs-Fans. Denver beendet die erste Halbzeit mit einem 22:1-Lauf (zwischenzeitlich 20:0). Die Mavs zur Pause mit 27 hinten! 69:42 Denver. Lawson mit 21 Punkten.

31.: Wow, es gibt so etwas wie Leben im AAC! Zwei Dreier von Kidd, dann noch ein Driving-Layup von Dirk, die Mavs sind auf 23 Punkte dran... Bis Afflalo zwei Jumper netzt. Schon führt Denver wieder mit 28. 84:56 Nuggets. Timeout Mavs.

38.: Zum zweiten Mal in zwei Tagen hat die Garbage-Time extrem früh angefangen. Das Zeichen: Neu-Maverick Sean Williams ist seit ein paar Minuten auf dem Feld und zieht hier eine kleine Show ab. Alley-oop-Dunk nach Pass von West, dann noch ein erfolgreicher Korb. 99:72 Nuggets. Nowitzki sitzt natürlich schon wieder längst auf der Bank und kann sein angeschlagenes Knie schonen.

45.: Auf der Suche nach irgendetwas Positivem bei Dallas heißt die Lösung Sean Williams, der im letzten Viertel das Boxscore gefüllt hat. 12 Punkte (4/4), 3 Rebounds, 1 Block, 1 Steal in 11 Minuten. Stark. Und jetzt hat der Junge so viel Energie verbraucht, dass er sich vor der eigenen Bank übergeben muss. Zum Gelächter seiner Teamkollegen. Wenn es schon sonst keinen Grund zu lachen gibt... 108:90 Nuggets.

Der Star des Spiels: Ty Lawson. Wenn es eine Frage gibt, die man sich bei den Nuggets stellt, dann folgende: Haben sie einen Go-to-Scorer? Haben sie jemanden, der pro Spiel 20 Punkte macht? Gegen die Mavs hatte der überragende Lawson schon zur Pause 21 Punkte auf dem Konto. Er machte Dallas nicht nur mit seiner Schnelligkeit fertig, er traf auch von außen praktisch alles. Außerdem ganz stark: Andre Miller. Egal, welches Trikot er trägt, in Dallas dreht Miller immer auf. Wir erinnern uns an sein irres 52-Point-Game als Blazer. Dieses Mal war er wieder nicht zu stoppen. Allein in der ersten Halbzeit verbuchte Miller 14 Punkte, 5 Rebounds, 4 Assists, 2 Steals und 1 Block. Er traf sogar zwei Dreier. In der gesamten letzten Saison waren es vier. Miller ist und bleibt einer der am meisten unterschätzten Point Guards in der NBA. Und er ist eine riesige Verstärkung für Denver.

Der Flop des Spiels: Delonte West/Vince Carter/Lamar Odom. Die drei wichtigsten Neuzugänge der Mavs waren gegen Miami schwach, und sie waren auch gegen Denver schwach. Ihre gemeinsame Trefferquote: 5/21. West startete für Carter, fiel aber nur dadurch auf, dass er absolut jeden - offenen - Wurf zu kurz ließ. Da auch Carter bis auf bedeutungslose Garbage-Time-Körbe noch überhaupt nichts gezeigt hat als Maverick, ist die Shooting-Guard-Position aktuell die größte Baustelle. Roddy Beaubois machte in seiner kurzen Einsatzzeit einen guten Eindruck und könnte ein Kandidat für mehr Spielanteile sein. Bezeichnend: Gegen Miami startete Carter, die zweite Halbzeit startete West. West startete jetzt auch gegen Denver, die zweite Halbzeit startete aber dann Terry. Und Odom? Der steht nach seinen ersten beiden Mavs-Spielen bei einer Quote von 2/16 (1/10 gegen DEN).

Die Analyse: Wo soll man aus Mavs-Sicht bloß anfangen? Gegen Miami lag Dallas zwischenzeitlich mit 35 Punkten in Rücktand (43:78), gegen Denver waren es zwischenzeitlich 33 Punkte Rückstand (62:95). Absolut unfassbar. Gegen Miami ließ Dallas in drei Vierteln 97 Punkte zu. Gegen Denver waren es in drei Vierteln 97 Punkte. Auch das: absolut unfassbar.

Es ist eine Kombination aus mehreren Dingen, die Dallas so blamabel in die Saison hat starten lassen, aber in der Defense geht es los. Die Defense war der Grundstein für die Championship. Und in den ersten beiden Spielen nach dem Verlust von Tyson Chandler war sie schlichtweg nicht vorhanden. Die Mavs ließen viel zu viele leichte Punkte zu, vor allem die Transition Defense und die Perimeter Defense gegen die ständig attackierenden Nuggets-Guards war ein schlechter Witz. Im zweiten Viertel hatte Denver 25 Mal den Ball und scorte 19 Mal.

Damit einher gehen die Probleme an den Brettern. Wie schon gegen Miami wurde Dallas auch gegen Denver an den Boards absolut gekillt (47:37-Rebounds). Besonders die Small-Ball-Lineup ohne Brendan Haywood, der kurioserweise noch einer der Besseren war, gab viele Offensiv-Rebounds (10) und Points in the Paint ab.

Dazu kamen die Probleme in der Offense (nur 42,1 Prozent FG, einmal in knapp 10 Minuten 14 Würfe in Serie vergeben). Vor allem, wenn Nowitzki auf der Bank saß, schien der rechte Plan zu fehlen, was jetzt eigentlich gespielt werden soll. Wenn Haywood plötzlich anfängt, im Eins-gegen-Eins Richtung Korb zu dribbeln, wie im zweiten Viertel einmal geschehen, kann etwas nicht stimmen. Dass man phasenweise mehr Turnover als Assists auf dem Konto hatte, sagt auch einiges aus.

Man darf bei allem Schock über die Leistung der Mavs die Nuggets nicht vergessen. Denver hat zwar Kenyon Martin, J.R. Smith und Wilson Chandler nach China verloren, auch wenn K-Mart inzwischen geflüchtet ist, aber Denver hat dennoch eine richtig gute Truppe zusammen. Es ist kein Zufall, dass die unglaublich tief besetzten Nuggets in der letzten Saison das Highest-Scoring-Team der NBA waren (107,5 Punkte pro Spiel). Es ist auch kein Zufall, dass sie "ESPN"-Experte John Hollinger in der Western Conference hinter den Thunder einfach mal auf Position zwei gerankt hat.

Was die Mavs angeht: Klar, sie brauchen Zeit, es sieht irgendwie alles aus wie in der Preseason und man sollte jetzt auch nicht in die totale Panik ausbrechen. Aber die Frage ist schon, wie lange es dauern wird, bis Carlisle Lineup-Kombinationen findet, die funktionieren? Sie haben nicht wirklich Zeit, um Geduld zu haben. Und der Saisonauftakt war einfach nur erschreckend. Carlisle hat die momentane Situation schon nach dem Opener sehr treffend zusammengefasst: Die gute Nachricht ist, dass das nächste Spiel schon wieder kurz bevorsteht. Die schlechte Nachricht ist, dass das nächste Spiel schon wieder kurz bevorsteht. Am Donnerstag geht es für die Mavs weiter. In Oklahoma City...

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