Nowitzki-Boss Nelson im Interview

Donnie Nelson: "Der KGB hat uns verfolgt"

Von Interview: Haruka Gruber
Donnerstag, 20.10.2011 | 12:24 Uhr
Nowitzkis Boss: Donnie Nelson arbeitet seit 1998 für die Dallas Mavericks
© Getty
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Er holte Dirk Nowitzki nach Dallas. Donnie Nelson, Präsident und General Manager der Dallas Mavericks, über seinen einzigartigen Werdegang: vom Basketball-Geheimagenten zum Architekten des Championship-Teams. Anmerkung: Wegen des Lockouts durfte der 49-Jährige nicht über Nowitzki und alle anderen NBA-Profis sprechen.

SPOX: Der Lockout lähmt die gesamte NBA - was zur Folge hat, dass Sie den entspanntesten Sommer seit Jahren genossen haben müssten. War das so?

Donnie Nelson: Normalerweise ist der Sommer für einen General Manager anstrengender als die eigentliche Saison, weil man verhandeln und sich im Markt positionieren muss. Das fiel gezwungenermaßen weg, dennoch wurde der Aufwand nicht weniger. Ich war bei der EM, habe gescoutet, in Gesprächen mit den Mitarbeitern verschiedene Szenarien durchgespielt, mit Sponsoren und Dauerkarten-Inhabern gesprochen, Trainingscamps für unterprivilegierte Jugendliche organisiert, und und und.

SPOX: Gelang es Ihnen dennoch, auch Wochen danach die Championship zu genießen?

Nelson: Natürlich. Es war ein solch magisches Erlebnis, dieses Glücksgefühl hält lange an. Erst recht, weil ich sehr genau weiß, wie lange der Schmerz anhielt, nachdem wir 2006 die Finals verloren hatten. Es ist etwas Besonderes, das Schicksal in die Hand zu nehmen und aus einem Falsch ein Richtig zu machen.

SPOX: Dallas war ein Muster an Beständigkeit mit elf Regular Seasons in Folge mit mindestens 50 Siegen. Wäre all das jedoch wertlos gewesen ohne den Titel?

Nelson: Wir fühlten uns selbst nicht wohl. Wir siegten und siegten - und dann kamen die Playoffs und irgendwann war immer Schluss. Als wir 2006 die Championship Trophy quasi schon in der Hand hielten und sie uns doch noch weggerissen wurde, kam schon der Punkt, an dem man sich fragte: Wird das noch was? Aber jetzt können wir das Erreichte umso mehr wertschätzen. Eine unglaubliche Befriedigung.

SPOX: Sie setzten früher auf die Big Three aus Dirk Nowitzki, Steve Nash und Michael Finley, später aufgestockt zu den Big Five mit Antawn Jamison und Antoine Walker. Als auch dies nicht fruchtete, wurde die Spielweise grundlegend umgestellt - ebenfalls ohne Titelerfolg. Erst Kontinuität im Kader und die Verpflichtung eines Spielers, Tyson Chandler, brachten den Triumph. Denkt man sich: Warum bin ich nicht vorher daraufgekommen?

Nelson: Solche Gedanken kreisen einem immer im Kopf: Was hätte ich besser machen müssen? Warum habe ich so entschieden? Es ist ein ständiger Prozess der Selbstevaluierung, den man sich auferlegt. Aber speziell in der letzten Saison, als wir einige Verletzungen hatten, war ich davon überzeugt, wie besonders unsere Gruppe ist und dass sie nicht auseinandergerissen werden soll.

SPOX: Wie sehr schmerzte es, als während den Playoffs der Award für den Executive of the Year, den besten Manager der NBA, verliehen wurde und Sie nicht eine Stimme erhielten?

Nelson: Mir persönlich war es nicht so wichtig, aber es hat mich für meine Mitarbeiter geärgert. Ich stehe nur in erster Linie, doch hinter mir habe ich eine richtige Armee, die alles für die Mavericks gibt. Einige von ihnen arbeiten zehnmal härter als ich. Leider bekamen wir nicht die Belohung dafür.

SPOX: Es gibt eine Geschichte über Sie: Sie haben ihrem Sohn ein Budget vorgegeben, für das er sich zum 16. Geburtstag selbst ein Auto aussuchen durfte. Er entschied sich jedoch nicht für einen neuen Kleinwagen, sondern für einen gebrauchten Sportflitzer - woraufhin Sie ihm verboten, damit zu fahren, bis er 18 ist. Stattdessen muss er sich mit Ihrem alten Pickup-Truck begnügen. Beschreibt diese Anekdote auch Ihren Führungsstil?

Nelson: So habe ich das noch nicht gesehen, aber das stimmt. Mein Sohn liebt wie sein Vater die Geschwindigkeit und kaufte sich eine richtige 'Suicide Machine'. Da musste ich einschreiten, das wäre zu gefährlich gewesen. Dennoch wollte ich ihm eine gewisse Freiheit geben - so wie ich es bei den Mitarbeitern auch handhabe. Egal, ob man an einem Fließband steht oder Angestellter einer Basketball-Franchise ist: Der Traum eines jeden Mitarbeiters ist es, sich selbst verwirklichen zu können. Kreative Freiheit ist die beste Motivation - und meine Rolle ist es, diesen Fluss in die richtige Bahn zu lenken.

SPOX: Sie selbst nahmen sich die Freiheit, erkundeten Ende der 80er Jahre als NBA-Scout die Welt und waren verantwortlich dafür, mit Sarunas Marciulionis den ersten sowjetischen und mit Wang Zhizhi den ersten chinesischen Basketballer in die USA zu holen. Woher kam der Drang nach Neuem?

Nelson: Ich war anfangs das Gegenteil eines Abenteurer-Typs. Ich weigerte mich als Student sogar, mit einem College-Auswahlteam zu einer Südamerika-Tour zu fliegen. Ich stritt mich richtig mit meiner Mutter, weil sie darauf bestand zu fahren, damit ich mit neuen Dingen konfrontiert werde. Sie setzte sich natürlich durch - und der Trip veränderte für immer mein Leben. Es war überwältigend, eine andere Art des Basketballs und eine andere Art des Miteinanders zu lernen. Alles war anders als in den USA, irgendwie dennoch auch gleich. In den Jahren darauf reisten wir nach Europa und bei einem Testspiel in der Sowjetunion lernte ich Marciulionis kennen.

Silke Nowitzki im SPOX-Interview: Dirk als Chauffeur von Donnie Nelson

SPOX: Und wie schlug sich ein College-Boy gegen einen der größten europäischen Basketballer aller Zeiten?

Nelson: Ich habe gut gespielt und Marciulionis bei 40 Punkten gehalten. (lacht) Nein, viel wichtiger war es, dass wir uns sofort super verstanden und in Kontakt blieben. Er wusste zu Zeiten des Eisernen Vorhangs nicht, wie Amerikaner überhaupt ticken. Jedoch fasste er schnell Vertrauen zu mir. Unsere Beziehung war der Hauptgrund dafür, dass er sich wenige Jahre später zum mutigen Schritt zu den Golden State Warriors entschied.

SPOX: Wie haben Sie den Aufsehen erregenden Wechsel Ende der 80er in Erinnerung?

Nelson: Ich war ein College-Absolvent Mitte 20 und verhandelte als Scout der Warriors plötzlich mit hohen sowjetischen Regierungsbeamten um Marciulionis' Freigabe und musste selbst hoffen, wohlbehalten aus der Geschichte herauszukommen. Völlig verrückt, wie in einem Agentenfilm. Am Ende ging aber alles gut und ich machte mir in der NBA erstmals einen Namen.

SPOX: Wie riskant war es für Marciulionis?

Nelson: Er hat alles aufs Spiel gesetzt und sich und die Familie in Gefahr gebracht. Wenn irgendetwas schief gegangen wäre, hätte er die harte Hand des Regimes gespürt. Unser Glück war, dass die Perestroika wenig später einsetzte und Marciulionis so keine nachträglichen Repressalien befürchten musste. Im Vergleich zu ihm hatte ich einen leichten Job.

SPOX: Aber auch für Sie war es gefährlich.

Nelson: Mein Übersetzer lief auf der Straße immer einige Schritte hinter mir und hat sich den Hut ins Gesicht gezogen, als ob er mich nicht kennt. Ich fragte ihn, ob er sich für mich schämt. Und er antwortete, dass er alleine dadurch, mit mir auf der Straße gesehen zu werden, ein großes Risiko eingeht. Irgendwann merkte ich auch, dass der KGB uns überall verfolgt hat. Bei meiner dritten Reise kam eines Tages der Übersetzer in mein Hotel: zusammengeschlagen, mit einer gebrochenen Nase und zwei blauen Augen. Eine Botschaft des KGB.

SPOX: Wurden Sie verdächtigt zu spionieren?

Nelson: Der KGB wollte auf jeden Fall wissen, was ich trieb - dabei bin ich überhaupt kein politischer Mensch. Außerdem witterten einige wohl Geld, das sie mir abknöpfen könnten.

SPOX: War es das alles wert?

Nelson: Auf jeden Fall, nicht nur wegen Marciulionis. Ich bin damals wie jeder Amerikaner in dem Glauben aufgewachsen, dass Freiheit selbstverständlich ist. Erst nach den Reisen in die Sowjetunion erkannte ich, was für verwöhnte Kinder wir sind. Dort gab es den krassen Gegensatz: Menschen, die jede Nacht in der Angst ins Bett geben, vom Nachbarn verpetzt und von der Staatsmacht verprügelt oder nach Sibirien verschleppt zu werden. Wie krank das System war, habe ich bei meinem Übersetzer erlebt: Als Strafe wurden ihm jeden Monat auf seinem Bürotisch Playboy- und Hustler-Hefte so sichtbar hingelegt, damit jeder Kollege wusste, dass er einem Amerikaner half. Und dann musste er jedes Heft ins Russische übersetzen. Einfach nur aus Willkür.

Hier geht's zu Teil II: Nelson über seine Undercover-Mission und die Mavericks-Schlammschlacht

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