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NBA

"Sie sind großartige Schauspieler"

Von Florian Regelmann
Dwyane Wade, LeBron James und die Heat führen in den Finals gegen Dallas mit 2-1
© Getty

Wenn die Dallas Mavericks noch eine Chance auf die Meisterschaft haben wollen, müssen sie Spiel 4 (Mi., 2.45 Uhr im LIVE-TICKER/ die Highlights Mittwochvormittag im Video) gegen die Miami Heat gewinnen. Dirk Nowitzki kritisiert Jason Terry, DeShawn Stevenson sieht LeBron James und Dwyane Wade in Hollywood - und in Miami wird schon die Parade geplant.

"Für uns ist Spiel 4 wie Spiel 7." Jason Terry hat die Situation der Dallas Mavericks vor Spiel 4 der Finals-Serie gegen die Miami Heat kurz und vor allem treffend zusammengefasst.

Ein Sieg und wir haben eine Best-of-three-Serie um die Championship. Eine Niederlage und die Mavs sind so gut wie tot. Erst acht Teams haben in der NBA-Geschichte nach einem 1-3-Rückstand noch eine Serie gewonnen.

Für die Heat auf der anderen Seite ist das Spiel aber genauso bedeutend. Sie wollen um jeden Preis verhindern, dass sich das Momentum wieder zugunsten der Mavs dreht. 3-1. Oder 2-2. Es ist ein himmelweiter Unterschied.

"Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie müssen gewinnen. Wir müssen aber auch gewinnen", sagte Miamis Power Forward Chris Bosh am Ruhetag. Ruhetage sind auch immer gut, um sich zwischendurch bemerkenswerte Statistiken vor Augen zu führen.

Ohne Nowitzki wird Dallas gekillt

Ein Beispiel: Die Mavericks haben in den letzten Vierteln der drei Spiele, also in 36 Minuten, bislang genau sechs Sekunden lang geführt. Die Heat auf der anderen Seite lagen über 33 Minuten lang vorne - Dallas rennt also praktisch immer einem Rückstand hinterher.

Jürgen Klinsmann im SPOX-Interview: "Was Dirk bewegt, ist phänomenal"

Als Lösung für dieses Problem möchte man Mavs-Coach Rick Carlisle folgende Empfehlung aussprechen: Setze Dirk Nowitzki niemals auf die Bank. Niemals!

Dallas hat in den Finals bislang nur 20 Minuten ohne seinen deutschen Superstar gespielt, aber in diesen 20 Minuten hat Dallas ein unfassbares Plus-Minus-Rating von -31. Würde man das hochrechnen, würde Dallas ein volles Spiel ohne Nowitzki mit 74 Punkten verlieren.

Kein Comeback von Butler - Haywood fraglich

In den wenigen Minuten, in denen Nowitzki eine Pause bekommt, wird Dallas von Miami brutal gekillt. Es wird spannend zu beobachten sein, ob Carlisle deshalb in Spiel 4 reagiert. Bringt er Peja Stojakovic, der in der Rotation für Nowitzki ins Spiel kommt und bislang grauenhafte Finals gespielt hat, nicht mehr?

Wartet er, bis Miami Juwan Howard ins Spiel bringt, um Stojakovic aufs Feld zu schicken, sodass man den Serben in der Defense verstecken kann? Oder macht er einen mutigen Move und bringt den für gute Defense bekannten Corey Brewer anstatt Stojakovic?

Alle Mavs-Fans, die Hoffnung auf ein Comeback von Caron Butler hatten, musste Carlisle enttäuschen. Butler wird in Spiel 4 definitiv nicht auflaufen. Zittern müssen die Mavs außerdem um den Einsatz von Backup-Center Brendan Haywood, der Spiel 3 wegen einer Hüftverletzung verpasste.

Ob Haywood spielen kann oder nicht, wird sich wieder erst kurz vor Spielbeginn entscheiden. "Ich muss das Gefühl haben, dass ich ein normales Spiel machen kann. Oder dass ich wenigstens bei 70 oder 80 Prozent bin. Wenn ich bei jedem Play das Gefühl habe, dass es zwickt, sollte ich wahrscheinlich nicht spielen. Wir müssen abwarten", meinte Haywood.

Nowitzki kritisiert Terry

Haywoods Einsatz wäre für Dallas ohne Zweifel wichtig, aber noch viel wichtiger wäre es, wenn Jason Terry aufwachen würde. Nowitzki braucht Unterstützung - und diese Unterstützung muss in erster Linie von Terry kommen.

In den zwei Finals-Pleiten der Mavs hat der Sixth Man im letzten Viertel nicht einen einzigen Wurf getroffen (0/7 FG). Terry ist der beste Buddy von Nowitzki, aber das hat Dirk vor Spiel 4 nicht davon abgehalten, seinen Freund öffentlich zu kritisieren.

"Sie stellen weiterhin James gegen Jet im letzten Viertel und LeBron macht einen guten Job. Jet war bis jetzt nicht der Crunchtime-Spieler, den wir brauchen", sagte Nowitzki. Terry lässt sich derweil nicht unterkriegen und stellt sein unerschütterliches Selbstbewusstsein zur Schau.

Einige Auszüge gefällig? "Warten wir mal ab, ob James mich sieben Spiele lang so verteidigen kann. Wenn ich noch mal so Würfe bekomme wie in Spiel 3, dann wette ich, dass ich sie treffen werde. Dirk braucht Hilfe, und in Spiel 4 wird die Hilfe da sein", so Terry.

Stevenson sieht James und Wade in Hollywood

Der Shooting Guard weigert sich außerdem standhaft, der Heat-Defense zu große Komplimente zu machen. Terry ging sogar so weit zu sagen, dass "Portland die mit Abstand beste Defense" hätte. Nicht Miami.

Terry war nicht der einzige Maverick, der einen kleinen Giftpfeil in Richtung Heat abfeuerte. Wenn es nach DeShawn Stevenson geht, sollten LeBron James und Dwyane Wade bei der nächsten Oscar-Verleihung definitiv nominiert werden.

Sein Vorwurf: Die beiden Heat-Superstars würden Fouls schinden. "Sie sind großartige Schauspieler. Wir müssten sie eigentlich hart foulen, aber wenn man sie berührt, tun sie so dramatisch, dass man vielleicht ein unsportliches Foul angehängt bekommt", erklärt Stevenson, der in diesem Falle sogar Angst vor einer Sperre hätte.

Interessanterweise passen Stevensons Aussagen aber nicht zur Statistik. Es ist nicht so, dass Wade und James dauern an der Freiwurflinie stehen würden. Im Gegenteil. Dallas bekam in den ersten drei Spielen 80 Freiwürfe zugesprochen, Miami nur 65.

Wade von niemandem zu stoppen

Stevenson war bekanntermaßen in der Vergangenheit schon einmal mit James aneinandergeraten, als er LeBron als "überschätzt" bezeichnet hatte. "Ich sage dazu gar nichts. Wir werden am Ende der Serie darüber sprechen", ließ sich Wade nicht auf einen verbalen Schlagabtausch ein.

Wade hat solche Spielchen aktuell auch nicht nötig. Gerade im Bezug auf Stevenson nicht. In den beiden Mavs-Siegen in der Regular Season hatte Wade gegen die Defense von Stevenson in 30 Minuten nur ein mickriges Field Goal zustande gebracht, aber in den Finals sieht die Welt ganz anders aus. Wades Quote gegen Stevenson: 75 Prozent. Auch Jason Kidd sah gegen Wade bislang schlecht aus.

Wie schon in den 2006er Finals ist Wade für die Mavs nicht ansatzweise zu stoppen. Man könnte sogar argumentieren, dass er noch stärker ist als vor fünf Jahren. Damals lebte er viel von seinen erarbeiteten Freiwürfen, jetzt profitiert er vor allem von seinem unglaublichen Zug zum Korb, der ihm enorm viele Punkte in der Zone einbringt.

Plant Miami schon die Parade?

45 Prozent (27/60) seiner Würfe hat Wade (29 Punkte pro Spiel) in den ersten drei Spielen in Korbnähe genommen. "Er beweist immer und immer wieder, dass er in den wichtigsten Momenten am stärksten ist", lobte Heat-Coach Erik Spoelstra.

Zu sicher sollten sich die Heat aber trotz Wades Dominanz und trotz der fehlenden Unterstützung für Nowitzki nicht fühlen. Die Mavs machten 2006 bereits den Fehler, dass sie zu früh eine Karte über die Route der "Victory Parade" veröffentlichten. Möglicherweise machen sie in Miami jetzt den gleichen Fehler.

Fakt ist: Eine Firma sucht im Internet schon nach Leuten, die bei der Championship-Parade in Miami Fanartikel der Heat verkaufen. Gewinnt Miami die Serie in fünf Spielen, könnte am Samstag schon Party-Time sein.

Der Titel der Ausschreibung: "WE NEED YOU--NBA CHAMPIONSHIP PARADE. TAKE YOUR TALENTS TO SOUTH BEACH." Vielleicht sollte man diese Anzeige vor Spiel 4 in der Umkleide der Mavs an die Wand hängen...

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