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Deutschlands größter Superstar

Von Oliver Wittenburg
Dienstag, 14.06.2011 | 12:22 Uhr
Die größten deutschen Sportler: Schmeling, Beckenbauer, Graf, Schumacher - und Nowitzki?
© Getty/Imago/SPOX
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Mit dem Gewinn des NBA-Titel dürfte Dirk Nowitzki nun in die Riege der ganz großen deutschen Sporthelden wie Max Schmeling, Michael Schumacher oder Steffi Graf aufsteigen. Dabei gehört er dort schon lange hin. Eine Einordnung.

Jeden Sommer ist es in etwa das gleiche Spiel: Dirk Nowitzki kommt nach Deutschland, hat ein paar öffentliche Auftritte und die Heimat erfährt, dass Mamas Küche die beste ist, er unbedingt für die Nationalmannschaft beim nächsten Turnier mitspielen möchte, weil es eine Ehre sei, und dass so eine Saison da drüben in Amerika ganz schön hart ist.

Natürlich sei er enttäuscht, dass es wieder nicht mit der Meisterschaft geklappt hat, aber er will weiter hart dafür arbeiten, im nächsten Jahr vielleicht den Titel zu holen.

Und dann wird wieder die alte Geschichte erzählt, wie er mit seinem Trainer und Mentor Holger Geschwindner in der Rattelsdorfer Abtenberghalle an seinen "Werkzeugen" arbeitet, wie Geschwindner das nennt, was ein Basketballer können muss.

BLOG All Eyes on Dirk - Die Meinungen der SPOX-User zum Titelgewinn

Für gewöhnlich nimmt man Nowitzkis Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit wohlwollend zur Kenntnis, freilich nicht ohne festzustellen, dass das ja keine Selbstverständlichkeit sei, wenn einer Millionen von Dollars verdiene.

Und dann im Spätsommer, wenn wieder eine EM, WM oder Olympia vorbei ist, dann macht er rüber nach Amerika und geht seinem Beruf nach - und die Spur verliert sich wieder.

Schumi, Schmeling, Becker,... Nowitzki?

Dirk Nowitzki ist kein Superstar in Deutschland, zumindest keiner, der eine ähnliche Beachtung finden würde wie ein Michael Schumacher, ein Boris Becker, eine Steffi Graf oder den verklärten Legendenstatus eines Franz Beckenbauer oder eines Max Schmeling teilen würde.

Mag sein, dass sich daran jetzt etwas ändert, jetzt da auch der letzte auf den Meisterzug der Dallas Mavericks aufgesprungen ist - und wenn er dabei nur das Trittbrett erwischte.

Keine Frage, Nowitzki hat den Titel gebraucht. Um seine Karriere zu krönen und um einen Beweis in Händen zu halten, dass er ein ganz Großer ist - und einfach auch, um sich zu belohnen für sein fortwährendes Streben.

Nowitzki muss keine Vergleiche scheuen

Aber selbst ohne die Trophäe für die Meisterschaft in der NBA und die Auszeichnung als wertvollster Spieler der Finals hätte nicht der leiseste Zweifel daran bestehen können, dass Nowitzki längst das Aushängeschild, die herausragende Figur des deutschen Sports geworden ist und er den Vergleich mit niemandem scheuen muss.

Nicht mit einem siebenfachen Formel-1-Weltmeister, nicht mit einer 22-fachen Grand-Slam-Siegerin und auch nicht mit einem früheren Schwergewichtsweltmeister oder anderen Lichtgestalten.

Als er vor knapp 13 Jahren in die USA auszog, etablierte er sich, ohne die geringste Vorerfahrung aus High School oder College mitzubringen, in einem System, dem die strengsten nur vorstellbaren Mechanismen der Auslese zugrunde liegen.

LIVE-TICKER: Die Victory Parade der Mavs (Do., 18 Uhr)

Eigentlich gibt's das gar nicht

Er wurde zum Stammspieler, zum Co-Star und schließlich zum Franchise-Player der Dallas Mavericks, zum alleinigen Anführer, zum Aushängeschild eines ganzen Klubs. Die Mavs sind Nowitzkis Team, so wie die Lakers Kobe Bryants Team sind oder die Chicago Bulls Michael Jordans Team waren.

Eine solche Ausnahmestellung in einer vollkommen US-amerikanisch dominierten Sportart zu erreichen, ist bemerkenswert genug und Stoff für Legenden, allein deshalb, weil es das eigentlich nicht gibt.

Im Zuge der Globalisierung und der Öffnung der NBA haben immer mehr Europäer den Weg in die USA gefunden. Ein Toni Kukoc hat Titel gewonnen, ein Pau Gasol oder Tony Parker auch. Doch Nowitzki überragt sie alle um Längen.

Er ist der erste Europäer, der SEIN Team zum Titel geführt hat.

Magic Johnson: Einzigartiger Wille

Doch Nowitzki ist nicht auf den Vergleich mit den "Exoten" aus der alten Welt angewiesen, um sein Alleinstellungsmerkmal zu manifestieren. Noch bevor sich der Schampus-Sprühnebel am Sonntagabend in Miami gelichtet hatte, waren die ersten schon mit der historischen Einordnung des gerade Erlebten zu Gange.

Magic Johnson etwa verglich Nowitzki mit Shaquille O'Neal und Michael Jordan und hatte eine mentale Stärke bei ihm ausgemacht, "wie sie noch niemand in dieser Liga gezeigt hat".

Aber nicht erst seit Sonntag ist er in die Riege der absoluten Superstars der NBA aufgestiegen.

Wenn er in vielleicht zwei, drei Jahren seine Karriere in den USA beendet, dann wird er unter den Top Ten der Spieler mit den meisten Punkten in der Geschichte der Liga stehen und es wird nach ihm keine Nr. 41 in Dallas mehr geben.

Volle Breitseite Verachtung

Der Weg dahin war steinig und von zahlreichen Rückschlägen geprägt wie der Niederlage in den Finals 2006 oder dem Erstrundenaus in der darauffolgenden Saison, als Dallas mit der besten Bilanz der Klubgeschichte in die Playoffs eingezogen war und Nowitzki die Auszeichnung als MVP der Regular Season erhalten hatte.

Spott und Häme waren seine steten Begleiter. Denn nichts ist gefährlicher, als der Zweitbeste zu sein oder ein Geschick dafür an den Tag zu legen, kurz vor dem Ziel unglücklich zu scheitern.

"The winner takes it all" gilt in den USA mehr als sonst überall. Der Zweite kriegt die volle Breitseite an Verachtung, schließlich steht er beim Heer der Versager auch in der ersten Reihe.

Nowitzki als Vorbild für jeden NBA-Spieler

Doch Nowitzki hat sich durchgesetzt. Gegen alle Gegner auf dem Feld und solche, die hinter Mikrofonen und Schreibtischen lauern.

Geschafft hat er dies durch seine Beharrlichkeit und seine einzigartige Fähigkeit, sich immer weiterzuentwickeln und jedes Jahr aufs Neue den nächsten Schritt zu gehen.

Keiner hat diese besondere Qualität Nowitzkis besser beschrieben als Erik Spoelstra, der Trainer der im Finale gegen Nowitzkis Mavs unterlegenen Miami Heat: "Als NBA-Spieler kann man daraus eine wichtige Lehre ziehen: Du kannst dich verbessern, auch wenn du älter wirst, und deinem Spiel mehr Fähigkeiten und Möglichkeiten hinzufügen."

Nowitzki als Role Model des US-amerikanischen Basketball-Sports. Viel weiter kannst du es nicht bringen.

Deutschlands größter Superstar

Jetzt ist wieder Sommer in Deutschland. Nowitzki wird wieder von Mamas Küche und der Nationalmannschaft erzählen und davon, dass er jetzt einen Meisterschaftsring trägt.

Anfang Herbst wird er dann wieder rübermachen nach Amerika, um seinem Job nachzugehen und es wird hierzulande wieder ruhig um ihn werden.

Er wird sich seine Aura des etwas Unnahbaren, schwer Zugänglichen und irgendwie Fremden bewahren, und es soll mit keiner Silbe heißen, dass daran irgendetwas auszusetzen wäre.

Die Message aber sollte auch im letzten Winkel der Republik angekommen sein: Dirk Nowitzki ist Deutschlands größter Superstar.

Dallas vs. Miami: Die Finals auf einen Blick

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