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NBA

"Ich hatte Angst vor Nowitzki und Kidd"

Von Für SPOX in Dallas: Toby Rochau
Nowitzki-Backup Brian Cardinal wurde in den Finals zur Kultfigur der Mavs
© Getty

Basketball-Gott, Kultfigur und Nowitzki-Backup: Brian "The Custodian" Cardinal tauchte aus dem Nichts auf und ging LeBron und Wade gehörig auf die Nerven. Dabei wollte er nur den Court wischen. Der Mavericks-Forward und die Cinderella-Story der Saison.

SPOX: Sie sind in Dallas, aber auch bei den deutschen Mavs-Fans, die neue Kultfigur. Ist Ihnen das bewusst?

Brian Cardinal: Auch in Deutschland? Echt? Das freut mich sehr. Ich höre davon das erste Mal, aber ich mag die Vorstellung, dass Dirks Landsleute etwas mit mir anfangen können. Ich bin, sagen wir es mal so, ein etwas anderer NBA-Profi. Ich sehe nicht unbedingt aus wie der talentierteste Basketballer und erfülle auch sonst nicht die normalen Kriterien. Deswegen versuche ich, meine Defizite mit 100-prozentigem Einsatz auszugleichen. Ich bin ein Hustle Player, Baby! (lacht)

SPOX: In der Regular Season und in den Playoffs spielten sie meist keine besonders große Rolle. Ab Spiel 4 der Finals wurden Sie jedoch in kritischen Phasen eingewechselt und bekamen viele Minuten. Waren Sie genauso überrascht wie die Öffentlichkeit?

Cardinal: Ich versuche immer, mich professionell zu verhalten und bereit zu sein. Bei den Mavs muss man besonders aufmerksam sein, denn Coach Rick Carlisle hat viele Ideen und nimmt immer wieder ohne Vorwarnung Änderungen vor. Nach Brendan Haywoods Verletzung war mir dann schnell klar, dass vermutlich einige Minuten für mich abfallen. Das Entscheidende dabei ist: Viele NBA-Spieler bereiten sich mental erst vor, wenn sich die Möglichkeit auch tatsächlich ergibt. Ich hingegen bin durchgängig bereit, deswegen brauchte ich keine Eingewöhnungszeit.

Mark Cuban: Ist er schlecht für den Basketball?

SPOX: Sie beeindruckten mit Ihrem Einsatzwillen und Ihrer Bereitschaft, schmerzhafte Offensivfouls von LeBron James oder Dwyane Wade aufzunehmen. Gab es Trash-Talk von den gegnerischen Superstars?

Cardinal: Nein, es gab keinen Trash-Talk. Warum auch? Sie sind ja immer in mich hineingerannt. (lacht) LeBron und Dwyane haben gratuliert und sind faire Sportsmänner. Was immer auf dem Court passiert, mit dem Abpfiff ist alles vergessen.

SPOX: Keine Genugtuung, nachdem James und Wade Nowitzki veräppelt haben?

Cardinal: Ihre Albernheiten gingen nicht nur auf Dirks sondern auch auf unserer aller Kosten. Aber wir waren durch diese Aktion nicht extra-motiviert. In einem Finale ist man schon so heiß, wie es nur geht. Vielmehr hat mich gestört, dass nach den Finals die ganzen Medienvertreter lieber darüber berichteten, welche Fehler die Heat begangen haben, statt darüber, wie großartig wir gespielt haben.

SPOX: Ihre Aufstieg vom Bankwärmer zum wichtigen Nowitzki-Backup ist eine der Cinderella-Storys der Saison.

Cardinal: Es war ein fantastisches Jahr. Anfangs wusste ich nicht einmal, ob ich in Dallas bleiben darf oder nicht. Die Trading-Deadline kam immer näher und die Angst wurde größer, dass ich weggetauscht werde. Nachdem die Deadline ablief und ich noch immer einen Spind bei den Mavs hatte, war ich ungemein erleichtert. Dass ich am Ende sogar etwas zum Titel beitragen konnte, lag jenseits meiner Vorstellungskraft.

SPOX: Stimmt die Geschichte, dass Sie in Spiel 2 gar nicht glauben konnten, dass Sie eingewechselt werden sollten?

Cardinal: Das ist eine witzige Story, an die ich mich mein Leben lang erinnern werde. Ich dachte, ich hätte auf dem Parkett eine nasse Stelle gesehen. Und als der Coach meinen Namen rief, bin ich davon ausgegangen, dass ich die Stelle trocknen soll und nahm deswegen mein Handtuch. Dann dämmerte mir, dass ich tatsächlich eingewechselt werden sollte, schmiss das Handtuch weg und stand plötzlich mitten in den Finals.

SPOX: Dirk Nowitzki erklärte im SPOX-Interview, dass Sie einer der besten Teamkollegen seien, mit dem er je in einer Mannschaft stand. Haben sie zwei ein besonderes Verhältnis?

Cardinal: Wir haben ein großartiges Verhältnis. Wir ticken ungefähr gleich, in sachen Basketball und auch menschlich. Wir haben einen ähnlichen Humor und unterhalten uns auch über andere Dinge als nur den Sport. Es ist einfach nur schön, Dirk um sich zu haben. Ich muss aber zugeben: Anfangs hatte ich etwas Angst vor ihm und Jason Kidd und deren Meinung über mich. Meine größte Befürchtung war, dass Ihnen meine Art des Basketballs nicht gefällt, weil sie eben nicht so schön anzusehen ist. Und ich wusste nicht, ob sie es mir übel nehmen, dass ich ihnen früher als Gegenspieler den einen oder anderen Hüftstoß verpasst habe.

SPOX: Jeder feiert Nowitzki. Können Sie zur Abwechslung bitte mal etwas Kritisches über ihn sagen?

Cardinal: Sorry, nicht möglich. Dirk ist einfach in allen Belangen großartig und es erstaunt mich jedes Mal, mit was für einem tollen und einzigartigen Typen ich spielen darf. Früher, als Gegner, habe ich nur gesehen, was für ein überragender Basketballer er ist. Damals habe ich aber nicht geahnt, wie viel Arbeit dahintersteckt.

SPOX: Ihre Zusammenarbeit mit Nowitzki könnte jedoch enden: Ihr Vertrag läuft aus. Und auch über einen Rücktritt wurde spekuliert. Sie sind 34 Jahre alt...

Cardinal: Nein, ein Rücktritt kommt nicht in Frage. Ich hoffe inständig, in Dallas einen weiteren Vertrag zu bekommen. Die Organisation, die Fans, die Mannschaft, alles ist super. Die Mavs sind das beste Team, bei dem ich jemals war. Ich würde alles geben, um in Dallas bleiben zu dürfen.

Dallas vs. Miami: Die Finals auf einen Blick

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