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Mavericks: Die Tattoo-Prophezeiung

Von Haruka Gruber
Freitag, 27.05.2011 | 07:19 Uhr
Die Dallas Mavericks stehen nach 2006 zum zweiten Mal im Finale der NBA-Playoffs
© Getty
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Dirk Nowitzki knackt einen Larry-Bird-Rekord und Dallas träumt nach dem Weiterkommen gegen die Oklahoma City Thunder vom ersten Titel. Nur die Mavericks selbst halten sich zurück. Dabei sind sie doch die "Master of Clutch"...

War es Vorsehung? Eine Laune des Schicksals? Oder lediglich einer der unergründlichen Zufälle, die das Leben parat hält?

Kurz nachdem die Dallas Mavericks die Oklahoma City Thunder in Spiel 5 der Best-of-seven-Serie 100:96 besiegt und den zweiten Final-Einzug der Klub-Geschichte mit dem Erhalt der Conference-Champion-Trophäe gefeiert hatten, überraschte Jason Terry mit einem Geständnis.

Bereits Mitte Oktober vergangenen Jahres, vor einem Vorbereitungsspiel in Orlando, habe er sich einen Tattoo auf seinen rechten Bizeps stechen lassen. Das Motiv: die Trophäe für den Gewinner der NBA-Finals. "Ich dachte, er wäre verrückt", erinnert sich DeShawn Stevenson, ohne den dies alles gar nicht möglich gewesen wäre.

Er hatte die Mitspieler zu einer kleinen Feier in sein Haus in Orlando eingeladen, bei der neben seinem persönlicher Koch auch sein persönlicher Tätowierer zugegen war. Stevenson: "Ich habe Jet nicht explizit gesagt, dass ich es verrückt fand. Ich war noch nie in den Finals, und dann macht er so was. Im Oktober. Nach allem, was wir durchgemacht haben. Wow."

Mavericks nicht mehr wiederzuerkennen

Doch Terrys vermeintliche Unüberlegtheit erweist sich im Nachhinein als eines der möglichen Schlüsselerlebnisse für den so unerwarteten Erfolg der Mavs. "Zunächst hat jeder über das Tattoo gelacht und gedacht, es wäre ein Scherz", sagt Terry. "Aber dann merkten sie, dass es mein voller Ernst ist - und wir begannen, uns darüber zu unterhalten, wie wir den ganzen Weg gehen können."

Die Dallas Mavericks sind nicht mehr die Dallas Mavericks. Sie sind der Kontrast zur Vergangenheit. Nichts gleicht mehr dem, was früher einmal war. Statistisch ist kein Team älter als sie und aus historischer Sicht kein Team so nervenschwach. Aber diese Mannschaft, die sich Mavericks nennt, tritt so majestätisch und souverän auf wie - echte Champions.

SPOX-Analyse: Dirk stark - der Star des Spiels ist jemand anders

"Das ganze Gebilde, die Chemie in der Kabine, wir alle zusammen, alles fügt sich zusammen", sagt Terry. "Jetzt liegt es an uns, den Job zu Ende zu bringen." Es wäre die erste Meisterschaft für die Franchise. Die erste Meisterschaft für Nowitzki, Terry, Kidd, Marion, Chandler und die zehn Mitspieler. Niemand aus dem Kader kennt das Gefühl, den Ring überzustreifen.

Dirk Nowitzkis Blick

Speziell Nowitzki verweigert sich aber jeder Sentimentalität. Einige Kollegen sollen gesagt haben, dass er einen anderen Blick habe als die letzten Jahre. Stechender, fokussierter.

Bei Interviews geht er kategorisch nicht auf die Huldigung der US-Medien oder NBA-Legenden ein, vielmehr spricht er bevorzugt über seine Schwächen. Sein liebster Satz: "Wir sind noch nicht fertig."

Den Feierlichkeiten im Anschluss an das Weiterkommen wohnte er nur kurz bei und ging bei erster Gelegenheit in die Kabine. "Ich spiele nicht für dieses ganze Jubelzeugs", sagt Nowitzki.

Nowitzki: "Ein Big Shot"

Konzentration. Es ist das meist benutzte Worte der Mavs in diesen Wochen. Nowitzki geht voran und ist präsent wie nie. Beim abschließenden Erfolg über die Thunder spielte er erneut effizient und warf hochprozentig, ihm ging jedoch etwas die Aggressivität im Eins-gegen-eins mit Nick Collison ab.

Als es jedoch ins letzte Viertel ging, offenbarte sich der "Meister des Clutch". Nowitzki erzielte 9 seiner 26 Punkte in den letzten 12 Minuten, darunter der Dreier zum 95:94, der die Mavs erstmals nach 35 Minuten wieder in Führung brachte.

Sekunden zuvor hatte er einen offenen Dreier nur an den Ring gesetzt und kam nur dank der guten Reboundarbeit des gesamten Teams wieder an den Ball. Fast die identische Position - diesmal jedoch hieß es: nothing but net.

Nowitzki: "Ich wurde nicht gedeckt und verwerfe dennoch den Dreier. Ich sagte mir: Wenn ich noch einmal so freistehe, dass ich das Tageslicht sehe, lass ich es nicht zu, dass der Wurf wieder nicht reingeht. Es war definitiv ein Big Shot."

Larry-Bird-Rekord geknackt

Mit eben jener Entschlossenheit ging Nowitzki wenig später an die Freiwurflinie und verwandelte beide Versuche zum Endstand. Der 32-Jährige ist der Inbegriff der Abgebrühtheit: In den Playoffs erzielte er in 32 sogenannten Clutch-Minuten (die letzten fünf Minuten eines Spiels, wenn die Punktdifferenz 5 Punkte oder weniger beträgt) sagenhafte 40 Punkte.

Im letzten Viertel gelingen ihm in der Postseason im Schnitt 9,7 Punkte - Nummer eins in der NBA. Seine Freiwurfquote gegen die Thunder von 96,7 Prozent ist sogar der beste Wert jemals eines Spielers in einer Playoff-Serie, der mindestens 50 Freiwürfe nahm. Der vorherige Rekordhalter: ein gewisser Larry Bird (94,0 Prozent).

Dessen Selbstvertrauen, das fast schon in Arroganz ausartete, fehlt Nowitzki. Aber ihm ist mittlerweile eine Mischung aus Angespanntheit und Gelassenheit zueigen, im sicheren Wissen der eigenen Klasse und der des Teams.

Jason Kidd legt keine Fabel-Allround-Statistiken mehr auf, doch an Wirksamkeit steht er Nowitzki kaum nach. Ähnlich beeindruckend, wie Shawn Marion zum Ende der Spiele 4 und 5 gegen OKC sich derart steigerte, dass sein immerhin elf Jahre jüngerer Gegenspieler Kevin Durant regelrecht gedemütigt wurde.

US-Medien reumütig

Am beeindruckendsten ist jedoch das Selbstverständnis, das das gesamte Mavs-Team ausstrahlt. Zwar lag Dallas auch in Spiel 5 lange zurück, dennoch spielte es ruhig weiter. Wohlahnend, dass der Gegner irgendwann einknickt. "Es war, als ob Dallas der großen Bruder war und das kleine Brüderlein einfach mal 46 Minuten spielen ließ, bevor er ernst machte", so "NBA.com".

Imposant: In einer Clutch-Situation - die Definition ist gleich: in den letzten fünf Minuten eines Spiels, wenn die Punktdifferenz 5 Punkte oder weniger beträgt -, ist Dallas als Mannschaft doppelt so gut wie der Gegner. Auf 100 Ballbesitze hochgerechnet erzielt Dallas im Schnitt 144,8 Punkte und erlaubt nur 71,7 Punkte des Gegners.

"ESPN"-Journalist Chad Ford schreibt stellvertretend für viele andere US-Experten reumütig: "Ich habe getippt, dass die Mavs gegen Portland ausscheiden. Dann, dass sie gegen L.A. und OKC ausscheiden. So langsam verstehe ich den Wink mit dem Zaunpfahl."

Dallas mit 10-1-Run in den Playoffs

Seit dem epochalen Kollaps in Spiel 4 der ersten Runde bei den Blazers bleibt Dallas von jeglichen Widrigkeiten unbeeindruckt.

Bei den jüngsten Siegen über OKC glückte bei weitem nicht alles: Peja Stojakovics Wurfhändchen kühlte seit der Lakers-Serie merklich ab, DeShawn Stevensons Dreier fällt ebenfalls selten bis nie, der Perimeter-Verteidigung fehlte die Entschlossenheit gegen die Drives der Thunder-Guards, Center Tyson Chandler geriet in Foul-Probleme, das Pick'n'Roll von J.J. Barea mit Nowitzki ist nicht mehr ganz so unberechenbar, und so weiter.

Doch was zählt, ist die beeindruckende Bilanz von zehn Siegen aus den letzten elf Playoff-Spielen. Und die Gewissheit, dass Dallas in den Finals auch die Miami Heat bezwingen kann, die sich gegen die Chicago Bulls durchsetzten.

Terry: "Wir wollen am Ende von uns sagen dürfen, dass wir das beste Team im Basketball sind."

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