Sonntag, 18.04.2010

Mavericks vs. Spurs: Head-to-Head

Vorsicht vor Ginobili!

Es ist der Klassiker der ersten Playoff-Runde: Dallas trifft auf San Antonio. SPOX wagt den Head-to-Head-Vergleich und sagt voraus, dass es mal wieder eine ganz enge Kiste wird.

Die Mavs-Defense wird gegen die Spurs alle Hände voll mit Manu Ginobili zu tun haben
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Die Mavs-Defense wird gegen die Spurs alle Hände voll mit Manu Ginobili zu tun haben

Es ist der Evergreen des letzten Jahrzehnts: Die Playoffs beginnen, und Dallas muss gegen San Antonio ran. In den ersten NBA-Jahren von Dirk Nowitzki hatten die Mavs meist das Nachsehen gegen den texanischen Erzrivalen, der von 1999 bis 2007 vier Mal den Titel gewann.

Doch mit dem Sieg im Conference-Semifinale 2006 haben sich die Machtverhältnisse nachhaltig verschoben. Im vergangenen Jahr etwa hatten die Spurs in Runde eins nicht den Hauch einer Chance. Aber wie geht es diesmal aus? SPOX stellt den Head-to-Head-Vergleich an und kommt zu dem Ergebnis, dass der Ausgang der Serie überraschend offen ist.

Dallas Mavericks, San Antonio Spurs, Brendan Haywood, Tim Duncan
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Center: Brendan Haywood vs. Tim Duncan

Keine Frage, Tim Duncan ist eigentlich ein Power Forward. Aber da Starting-Center Antonio McDyess von den Mavs weitestgehend vernachlässigt wird, treffen mit 99,9-prozentiger Sicherheit Haywood und Duncan aufeinander. Für die Mavs ist die Verpflichtung des Mannes aus Washington ein Segen.

Denn Haywood ist einer der besten Verteidiger auf seiner Position und kann mit seinen Rebound- und Blockfähigkeiten einiges gegen den alternden Duncan ausrichten. In der Offense werden zwar nicht mehr als ein paar Garbage-Punkte herausspringen, aber das ist völlig okay.

Die Spurs dagegen setzen auf Ex-Liga-MVP als Fixpunkt - sowohl offensiv als auch defensiv. Duncan wirkte in diesem Jahr phasenweise wie ein Schatten seiner selbst, doch wenn man über die Spurs eins wissen muss, dann das: Regular Season und Playoffs sind zwei völlig unterschiedliche Paar Stiefel. Duncan wird einen bis zehn Gänge hochschalten und Dallas ähnlich viele Probleme bereiten wie jedes Jahr. Vorteil Spurs, 0-1.

Dallas Mavericks, San Antonio Spurs, Antonio McDyess, Dirk Nowitzki
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Power Forward: Dirk Nowitzki vs. Antonio McDyess

Der deutsche Superstar spielt einmal mehr eine famose NBA-Saison. Wäre da nicht ein gewisser LeBron James, Nowitzki wäre wohl im engeren Kreis der MVP-Kandidaten. Aber auch so, weiß der Gegner genau, was auf ihn zukommt: 26 Punkte, 9 Rebounds und hier und da ein Assist, Block oder Steal. Das sind die Ansprüche, die die Mavs-Fans mittlerweile wie selbstverständlich an Nowitzki stellen - und sie werden wieder nicht enttäuscht werden.

McDyess wird sicher ab und zu seinen sehr soliden Mitteldistanzwurf versenken und sich ansonsten auf die Verteidigung konzentrieren. Und da gehört er zu den effektiveren Gegenspielern von Nowitzki. McDyess kann den 31-Jährigen nicht vom Scoren abhalten, aber er kann ihn zumindest zu schweren Würfen zwingen und so auf eine schlechte Wurfquote hoffen. Der Sieger des Duells steht trotzdem schon fest. Vorteil Mavs, 1-1.

Dallas Mavericks, San Antonio Spurs, Richard Jefferson, Shawn Marion
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Small Forward: Richard Jefferson vs. Shawn Marion

Jefferson war eine der größten Enttäuschungen des Jahres. Als Spieler von All-Star-Format geholt, sollte der 29-Jährige aus San Antonios Big Three eine Big Four machen. Aber Jefferson fand nie seine Rolle im Team, wirkte gehemmt und planlos, wie seine Stärken mit der Spielweise der Spurs zu vereinbaren sind.

Erst in den letzten Wochen zeigte sich der Neuzugang aus New Jersey formverbessert. Das spiegelt sich zwar weniger in Punkten wieder - Jefferson krebst auch im April bei 12,2 Punkten im Schnitt herum -, aber das Auftreten ist ein ganz anderes: Jefferson wirkt viel aggressiver, zieht mehr zum Korb und bekommt folgerichtig mehr Freiwürfe.

Marion ist Dallas' bester Verteidiger und wird sich ein heißes Duell mit Jefferson liefern, aber die Tage, in denen er offensiv auftrumpfte, sind wohl vorbei. Dallas hat auf der Drei defensiv einen Vorteil, aber in der Offense geht der Punkt nach San Antonio. Unentschieden, weiter 1-1.

Dallas Mavericks, San Antonio Spurs, Manu Ginobili, Caron Butler
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Shooting Guard: Caron Butler vs. Manu Ginobili

Butler hatte seit seinem Wechsel nach Dallas eine Phase, in der nichts ging, aber inzwischen ist er wieder Abend für Abend ein 20-Punkte-Kandidat. Und ordentlich verteidigen kann er auch. Insofern bringt er alles, was sich Coach Rick Carlisle von ihm versprochen hat. Aber: Er spielt gegen Ginobili.

Kein Name vom Kaliber eines LeBron James oder Kobe Bryant, sicher. Dem Argentinier ist das jedoch völlig egal, er hat die Liga in den letzten Wochen dominiert wie kein Zweiter. Ginobili ist fit, hat nach fast anderthalbjähriger Leidenszeit (eine Knöchelverletzung wollte nicht richtig verheilen) wieder Vertrauen in seinen Körper - und mit der frisch unterzeichneten Vertragsverlängerung auch die letzte kleine Unsicherheit getilgt.

Vor dem 32-Jährigen müssen sich die Mavs höllisch in Acht nehmen. Butler wird wohl Hilfe von Marion oder Reservist Stevenson brauchen, um Ginobili einigermaßen in Schach zu halten. Vorteil Spurs, 1-2.

Dallas Mavericks, San Antonio Spurs, Tony Parker, Jason Kidd
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Point Guard: Jason Kidd vs. George Hill/Tony Parker

Während die Mavs von ihrem 37-jährigen Routinier seit dem All-Star-Break sehr viel mehr bekommen, als sie sich in ihren kühnsten Träumen vorstellen konnten, wissen die Spurs noch nicht einmal, wer auf der Eins überhaupt ihr Starter ist. Parker ist nach seinem Handbruch fit und einsatzfähig, aber noch nicht wieder in Bestform.

Hill dagegen ist im Verlauf der Saison immer besser geworden und hätte den Platz wohl verdient. Leider verletzte er sich im letzten Saisonspiel gegen Dallas erneut am ohnehin schon lädierten Knöchel. Coach Gregg Popovich will sich kurzfristig entscheiden, wer den Vorzug erhält. Für Parker spielt das keine Rolle: "Jeder von uns muss sein Ego hinten anstellen, wenn wir erfolgreich sein wollen", so der Franzose. "Ich fühle mich gut, aber ich kann dem Team auch helfen, wenn ich von der Bank komme."

Fakt ist: Beide könnten Kidd vor Probleme stellen. Parker ist offensiv zu schnell und wendig, Hill mit seinen langen Armen und schnellen Beinen ein exzellenter Verteidiger. Aber: Keiner verfügt auch nur annähernd über die Übersicht und Spielintelligenz, mit der Kidd seine Mitspieler besser macht. Leichter Vorteil Mavs, 2-2.

Dallas Mavericks, San Antonio Spurs, DeJuan Blair, J.J. Barea, Keith Bogans
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Bank: Terry/Dampier/Barea/Beaubois vs. Blair/Bonner/Mason/Bogans

In der ersten Runde der letztjährigen Playoffs war J.J. Bareas Performance einer der Gründe, warum die Spurs in fünf Spielen gegen die Mavs untergingen. Und auch in diesem Jahr wird es wohl wieder so sein, dass die Reservisten einen wesentlichen Beitrag zu Erfolg oder Misserfolg leisten werden.

Dallas hat mit Barea und Jason Terry zwei wichtige Scorer sowie mit Erick Dampier einen Big Man mit Defensivqualitäten in der Hinterhand, San Antonio eröffnen Distanzschützen wie Matt Bonner oder Roger Mason zusätzliche taktische Möglichkeiten. Zudem ist Kampfschwein DeJuan Blair heiß auf seine ersten Playoffs.

Zudem kommen entweder Parker oder Hill ebenfalls von der Bank. Mavs-Rookie Rodrigue Beaubois muss mit Sicherheit um jede Minute kämpfen. Aber wenn er spielen darf, könnte er ein X-Faktor für die Mavs sein. Vorteil Mavs, 3-2.

Dallas Mavericks, San Antonio Spurs, Gregg Popovich, Rick Carlisle
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Trainer: Rick Carlisle vs. Gregg Popovich

Popovich gehört ohne Frage zur absoluten Elite der NBA-Trainergilde. ESPNs Bill Simmons geht gar so weit zu behaupten, dass es nur eine Handvoll Coaches gäbe, die im taktischen Bereich wirklich wichtig für ihr Team und mehr als bloße Motivatoren sind. "Pop" ist laut Simmons einer von ihnen. Kaum jemand managt Auszeiten wie der 61-Jährige, kaum einer stellt sein Team während einer Playoffserie besser auf den Gegner ein.

Carlisle auf der anderen Seite versucht zwar, ein solcher Trainer zu sein. Immer wieder beeindruckend ist die Art und Weise, wie die Mavs mit einem perfekten Spielzug aus Auszeiten kommen. Dallas' bärenstarke Bilanz in engen Spielen zeigt ebenfalls, das Carlisle weiß, was er tut. Aber viele wichtige Entscheidungen auf dem Feld trifft Kidd eben auch allein und völlig intuitiv. Wenn es hart auf hart kommt, ist Popovich einfach (noch) der bessere Trainer. Vorteil Spurs, 3-3.

Fazit: Obwohl Dallas an zwei gesetzt ist und den Heimvorteil gegenüber der Nummer sieben San Antonio genießt, steht den Mavs ein heißer Tanz bevor. San Antonio ist pünktlich zu den Playoffs in der besten Form seit langer Zeit und sinnt auf Rache für das blamable Ausscheiden im Vorjahr.

Nowitzki, eine starke Bank und konstante Defense sind die Schlüssel, um Ginobili, Duncan und Trainerfuchs Popovich erneut zu besiegen.

Western Conference: Der SPOX-Playoff-Check

Philipp Dornhegge

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