Montag, 19.04.2010

Nach dem Auftaktsieg gegen die Spurs

Dallas Mavericks: "Ein Zeichen der Stärke"

Dirk Nowitzki führte Dallas in den NBA-Playoffs zum Auftaktsieg - doch was sagt der Erfolg aus? Sind die Mavs tatsächlich besser? Oder hat San Antonio sein wahres Gesicht versteckt? Das Experten-Panel.

Dirk Nowitzki hatte es die meiste Zeit mit Antonio McDyess zu tun - und erzielte 36 Punkte
© Getty
Dirk Nowitzki hatte es die meiste Zeit mit Antonio McDyess zu tun - und erzielte 36 Punkte

Dass Holger Geschwindner den höchsten Maßstab an Dirk Nowitzki anlegt, ist bekannt. Aber die Drohung des Privatcoaches nach dem 100:94-Auftakterfolg der Dallas Mavericks über die San Antonio Spurs in der ersten Playoff-Runde war dann aber doch ironisch gemeint.

"Wir werden sofort in die Trainingshalle gehen und an dem Fehler arbeiten", sagte Nowitzkis Mentor. "Dirk hat einen Wurf nicht getroffen." Korrektur: Es waren sogar zwei Fehlversuche, die dem Star der Mavericks unterliefen

Andererseits traf er aber auch die restlichen zwölf Feldwürfe sowie alle zwölf Freiwürfe und war mit 36 Punkten der Garant für den gelungenen Start in die Postseason. Einen guten Eindruck hinterließen auch Caron Butler und Jason Kidd.

Nach dem Sieg stellte sich jedoch die Frage, was die Partie genau aussagt: War Dallas wirklich so gut und ist schlichtweg die bessere Mannschaft? Oder profitierten die Mavs nur von der schwachen Tagesform der Spurs, so dass sich die Kräfteverhältnisse bereits im zweiten Spiel verkehren könnten? Auch in der SPOX-Redaktion wurde kontrovers diskutiert.

Benotet werden alle Spieler mit fünf oder mehr Minuten Einsatzzeit
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"Alles spricht für Dallas"

von Haruka Gruber

Haruka Gruber
Haruka Gruber

"Der Mavs-Erfolg war definitiv ein Zeichen der Stärke. Selbstredend stand die Partie lange auf der Kippe, selbstredend haben einige Rollenspieler wie Richard Jefferson oder Roger Mason bei den Spurs enttäuscht. Aber: Auch bei Dallas lief nicht alles zusammen. Shawn Marion und Jason Terry waren offensiv weitestgehend abgemeldet, Jason Kidd und Caron Butler (zusammen 9 Turnover) hatten phasenweise Konzentrationsprobleme.

Dass Dallas dennoch die überwiegend Spiel bestimmende Mannschaft war, sagt demnach einiges aus. Tim Duncan und Manu Ginobili erzielten zusammen nicht etwa 53 Punkte, weil Dallas kein Rezept gegen sie fand. Vielmehr gehörte es zum Plan der Mavs, auf das Doppeln der beiden besten Spurs-Spieler zu verzichten und dafür eben einen Jefferson oder einen Mason konsequent auszuschalten. Gleichzeitig mussten Duncan (gegen Dampier oder Haywood) und Ginobili (gegen Butler oder Marion) auch im Eins-gegen-eins um fast jeden Korb hart kämpfen.

Eine Taktik, die bereits letztes Jahr aufging und auf die Spurs-Coach Gregg Popovich kein Gegenmittel fand.

Und sollte Dirk Nowitzkis Wurf in den kommenden Spielen nicht mehr ganz so gut fallen oder sollte San Antonio endlich ein geeignetes Defensivkonzept gegen den Mavs-Star entwickeln (Doppeln oder Triplen?), hat Dallas nichtsdestotrotz weiter die bessere Ausgangsposition. Denn Nowitzki hat vor allem im letzten Viertel gezeigt, wie effektiv er sein kann, wenn er die meiste Aufmerksamkeit des Gegners auf sich zieht, gleichzeitig aber statt Würfe zu erzwingen die Mitspieler einsetzt.

Die einzige Sorge, die Dallas haben muss, heißt Tony Parker. In Spiel eins erzielte der Spurs-Spielmacher zwar 18 Punkte, aber nach wie vor befindet er sich erst bei 70 bis 75 Prozent. Wenn er jedoch wider Erwarten schnell zu seiner Topform zurückfindet und San Antonio dadurch mit ihm, Duncan und Ginobili über drei Spieler verfügt, die in jedem Spiel 25 bis 30 Punkte erzielen können, bekommen die Mavs Probleme.

Da es derzeit jedoch danach aussieht, als ob sich Parker durch die erste Playoff-Runde schleppen wird, spricht alles für Dallas. Tipp: 4-1 oder 4-2 für die Mavs.

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"Das Spiel sollte San Antonio Mut machen"

von Florian Regelmann

Florian Regelmann
Florian Regelmann

"Da muss ich energisch widersprechen. Der Sieg der Mavericks hatte sehr wenig mit ihrer Stärke zu tun, aber dafür fast zu hundert Prozent mit der Schwäche von San Antonio. Spurs-Headcoach Gregg Popovich hat nach dem Spiel gesagt, dass er einige Jungs im Team hatte, die wie Hunde gespielt haben.

Wie Recht er damit hat. Ganz oben auf der Versager-Liste steht Richard Jefferson, der sowohl in der Offense als auch in der Defense eine Katastrophe war und überhaupt keinen Plan zu haben schien, was er denn auf dem Feld machen soll. Ein 14-Millionen-Dollar-Mann erzielt 4 Punkte - macht 3,5 Millionen pro Punkt, die die Spurs in RJ investiert haben. Erschreckend.

Weiter ging es mit den ebenso nutzlosen Matt Bonner und Roger Mason. George Hill stand gehandicapt durch seinen lädierten Knöchel auch noch neben sich. Und die Mängelliste hört an dieser Stelle noch nicht auf. Die Leistung der Spurs am Brett war miserabel, die Art und Weise, wie sie ständig die Bälle wegschmissen, hochgradig albern. Bei den Ballverlusten besonders schlimm: Tim Duncan (6 Stück!).

Die Referee-Leistung war zudem auch mindestens fragwürdig. Wenn ein Team 20 Mal häufiger an die Linie geht als das andere, stimmt etwas nicht. Dass die Mavs trotz dessen und trotz aller Schwächen der Spurs, die nur zum Teil erzwungen wurden, eine wahnwitzige Leistung von Nowitzki gebraucht haben, um das Spiel zu gewinnen, sollte ihnen zu denken geben - und es wird den Spurs Mut machen.

Genauso wenig wie San Antonio in der Lage ist, Dirk zu stoppen, ist Dallas in der Lage, Ginobili, Duncan und Parker aufzuhalten. Mehr Konzentration, härtere Arbeit unter dem Korb, Leistungssteigerungen einiger Schlüsselspieler und dazu einige taktische Anpassungen, wie etwa die Idee, DeJuan Blair gegen Nowitzki spielen zu lassen, um ihn zumindest defensiv zu beschäftigen: San Antonio weiß, was es zu tun hat, damit es eine lange Serie wird. Und danach riecht es nach den Eindrücken von Spiel 1 mehr denn je."

Spurs verzweifeln an Nowitzki: "Dirk hat uns gekillt"

SPOX

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