Samstag, 06.03.2010

Dallas Mavericks - Sacramento Kings 108:100

Nowitzki, übernehmen Sie!

In einem Spiel, in dem Jason Terry fehlte, Brendan Haywood und Rick Carlisle ausschieden und der Mavs-Motor stotterte, waren alle Augen auf den Superstar gerichtet. Und Dirk Nowitzki reagierte mit einer MVP-Vorstellung, die den 108:100-Sieg gegen die Sacramento Kings sicherstellte.

Hart angegangen: Dirk Nowitzki hatte in der ersten Hälfte seine Probleme mit der Kings-Defense
© Getty
Hart angegangen: Dirk Nowitzki hatte in der ersten Hälfte seine Probleme mit der Kings-Defense

Obwohl Jason Terry mindestens zehn Tage ausfallen wird - der sechste Mann der Mavericks (42-21) hat sich im letzten Spiel das Jochbein gebrochen -, lässt sich Dallas derzeit nicht von seinem Weg abbringen.

Der Sieg gegen die Sacramento Kings (21-41) mag härter erkämpft worden sein als geplant, dennoch war es der zehnte in Folge. Seit dem All-Star-Game und dem Butler-Howard-Trade mit Washington haben die Texaner nur ein Spiel verloren.

Zweifelt noch irgendjemand daran, dass der Deal eine gute Idee war? Wohl kaum. Und nach wenigen Minuten mussten die Mavs nicht mehr nur auf Terry verzichten: Center-Neuzugang Brendan Haywood schied mit Rückenbeschwerden ebenfalls aus.

Wie es bei Spielen der Mavs gegen unterdurchschnittliche Gegner schon fast zur Gewohnheit geworden ist, spielten beide Teams im ersten Viertel einfach munter drauf los.

Coach Carlisle wird disqualifiziert

Ohne taktische Zwänge, und ohne von der gegnerischen Verteidigung groß gestört zu werden. Wer seinen Rhythmus fand, der durfte scoren, wie er wollte. Ein Beleg dafür war, dass es im ersten Viertel erst mit vierzig Sekunden auf der Uhr die ersten Freiwürfe gab - und zwar für Sacramento.

Auf Seiten der Mavericks war Dirk Nowitzki der einzige, bei dem es offensiv anfangs überhaupt nicht lief. In 17 Minuten traf der Superstar gerade einmal zwei seiner neun Versuche.

Coach Rick Carlisle allerdings wollte nicht wahrhaben, dass bei all den Korblegern und Mitteldistanzwürfen alles mit rechten Dingen zu ging. Er hatte noch vor der Halbzeit genug gesehen, um die Schiedsrichter zu attackieren.

Als Nowitzki mal wieder zum Korb zog und vergab, rastete Carlisle dermaßen aus, dass er sich innerhalb von Sekunden zwei technische Fouls einfing und den Rest des Spiels in der Kabine verfolgen durfte.

Barea taucht aus der Versenkung auf

Co-Trainer Dwane Casey war jetzt gefragt, aber zunächst waren überhaupt keine Maßnahmen nötig. Denn der leichte Rückstand, dem Dallas inzwischen hinterher lief, reduzierte sich schlagartig, als sich Publikumsliebling Rodrigue Beaubois an die Arbeit machte: In weniger als vier Minuten versenkte er drei Dreier und einen herrlichen Dunking, der das Publikum so richtig aufweckte.

Überhaupt spielten beide Backups von Jason Kidd im zweiten Viertel überragenden Basketball: Beaubois als Scorer, J.J. Barea als Spielmacher. Der zuletzt oft kritisierte Puertoricaner leitete das Spiel so, wie man es sich regelmäßig von ihm wünschen würde.

Barea selbst sagte vor kurzem noch: "Ich glaube, dass ich von der Bank kommen und Kidds Job übernehmen kann." Gegen Sacramento zeigte er endlich mal wieder in Ansätzen, was er drauf hat.

Sein persönliches Highlight war jedoch eine Aktion, die man so noch nie von ihm gesehen hatte: Nach Beaubois' verpasstem Dreier stieg der 1,83-Meter-Zwerg zum Offensiv-Rebound hoch und überraschte Spencer Hawes (7 Punkte). Der Kings-Center war eine Millisekunde zu spät am Ball, und Barea tippte die Kugel lässig mit den Fingerspitzen in den Korb.

Benotet werden alle Spieler mit fünf oder mehr Minuten Einsatzzeit
Benotet werden alle Spieler mit fünf oder mehr Minuten Einsatzzeit
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Mavericks - Kings: Die Highlights zum Spiel im Video bei ESPN

Beaubois besorgt per Alley-Oop die Führung

Fans, Kommentatoren und Mitspieler: Alle standen Kopf, dank seiner beiden kleinsten Spieler war Dallas voll im Spiel. Die letzten Minuten der ersten Halbzeit ging es wieder auf und ab, zur Pause nahmen die Kings einen 53:52-Vorsprung mit in die Kabine.

Aber der war so hauchdünn, dass selbst dem zuversichtlichsten Kings-Fan klar sein musste, dass es nicht reichen würde gegen ein Mavs-Team, das bis dahin wahrlich nicht am oberen Limit gespielt hatte.

Dieser Eindruck bestätigte sich gleich mit dem ersten Spielzug des dritten Viertels, als Kidd, Nowitzki und Beaubois den fast schon berüchtigten Spielzug spielten, bei dem der Deutsche einen Block stellt, der Franzose blitzschnell zum Korb zieht und Kidd einen perfekt getimten Alley-Oop-Pass spielt.

Auf spektakuläre Weise übernahm Dallas die Führung, und für den Rest der Partie sollte die nicht mehr in Gefahr sein. Der dritte Abschnitt war gerade einmal zur Hälfte absolviert, da betrug der Abstand schon zehn Punkte.

Nowitzki einmal mehr nervenstark

Die Defense stand trotz Haywoods Abwesenheit jetzt besser, und Tyreke Evans (21), wohl der kommende Rookie of the Year, hatte noch so gut wie nichts gezeigt.

Das änderte sich im vierten Viertel nur deshalb, weil bei den Mavs nach einer klaren Führung mal wieder der Schlendrian Einzug hielt. Evans legte einen Zahn zu und durchbrach am Ende wie Beno Udrih (20) und Carl Landry (21) noch die 20-Punkte-Marke.

Aber Dallas hat da immer noch einen, auf den in schwierigen Phasen Verlass ist. In den letzten Minuten, als den Mavs das Spiel zu entgleiten drohte, forderte Nowitzki in MVP-Manier jeden Ball und war nicht mehr zu stoppen.

Nach einigen ruhigen Partien, in denen seine Clutch-Qualitäten nicht gefragt waren, erzielte er diesmal 15 von 23 Mavs-Punkten im letzten Spielabschnitt.

Platz eins im Westen in Sicht

Nowitzki untermauerte seinen Status als einer der besten Scorer im Schlussviertel mit fünf Freiwürfen, die den 108:100-Erfolg endgültig sicherstellten. In den letzten zwölf Minuten eines Spiels hat Nowitzki in diesem Jahr nun drei Versuche von der Linie vergeben - bei 143 Versuchen!

Dieser traumwandlerischen Sicherheit konnten auch die Kings nicht widerstehen, sodass die Mavs den inzwischen zehnten Sieg in Folge feierten und nach der Niederlage der Lakers (46-17) in Charlotte jetzt sogar von Platz eins in der Western Conference träumen dürfen.

Na klar, um den Champion abzufangen, sind noch ein paar Siege mehr nötig. Und der minimale Vorsprung vor Denver hat sich nicht vergrößert. Aber Fakt ist, dass Dallas noch jede Menge Heimspiele hat (fünf der nächsten acht Partien finden im AAC statt).

Die Lakers dagegen haben auswärts noch den einen oder anderen Brocken vor der Brust. Zum Beispiel die Orlando Magic am Sonntag oder die Phoenix Suns am kommenden Freitag. Warum sollten die Mavs am Ende der regulären Saison nicht den Platz an der Sonne einnehmen?

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Philipp Dornhegge

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