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NBA - Warum sperrt die NCAA LeBron James' Freund aus? Die Hintergründe der "Rich-Paul-Rule"

Von Philipp Jakob
Rich Paul gilt als einer der mächtigsten Spieleragenten der NBA.

Die NCAA hat mit neuen Regularien für Spieleragenten für eine Menge Wirbel gesorgt. Mit Rich Paul schließt der College-Basketball einen der mächtigsten Spielerberater der NBA aus. Was steckt dahinter?

Was beinhalten die neuen Regeln für Spieleragenten der NCAA?

Jedes Jahr testen zahlreiche College-Spieler schon Wochen vor dem NBA Draft ihren tatsächlichen Draft-Wert aus, indem sie an Training Camps und Workouts teilnehmen und eine Einschätzung des Undergraduate Advisory Committees bestehend aus Team-Executives erhalten.

So können die Spieler, die noch nicht ihr Senior-Jahr hinter sich haben und damit nicht automatisch für den NBA Draft angemeldet sind, ihre eigenen Chancen evaluieren und entscheiden, ob nicht doch eher eine Rückkehr ans College Sinn ergibt. In diesem Prozess dürfen die Spieler einen Agenten anheuern.

Nun hat die NCAA allerdings die Richtlinien für die Vertreter der jungen Athleten geändert. Hier die neuen Anforderungen der NCAA an die Spielerberater in der Übersicht:

  • Bachelorabschluss
  • Zertifizierung der NBPA seit mindestens drei Jahren
  • Haftpflichtversicherung
  • 250 Dollar Bewerbungsgebühr
  • Bestehen einer Prüfung der NCAA

Spieleragenten, die diese Anforderungen nicht erfüllen, dürfen somit künftig keine sogenannten "Underclassmen", die sich die Option, aufs College zurückzukehren, offen halten möchten, mehr vertreten. Für Seniors gelten diese Regeln nicht.

Warum wir die Regel "Rich-Paul-Rule" genannt?

Der Aufruhr nach Bekanntwerden der neuen Regularien war groß. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich die Infos im Twitter-Universum, mindestens genauso schnell machte sich heftige Kritik an dem Vorhaben der NCAA breit.

Unter anderem LeBron James brachte sein Missfallen gegenüber den NCAA-Neuerungen klar und deutlich zum Ausdruck. "Sie sind wütend und haben Angst. Nichts wird diese Bewegung und Kultur hier stoppen", schrieb der Lakers-Star. Wenige Minuten zuvor hieß es in einem anderen Tweet: "#TheRichPaulRule".

Der Grund für diese Bezeichnung der neuen Regularien? Nicht wenige Journalisten - und Spieler - spekulieren, dass die NCAA den Gründer der Spieleragentur Klutch Sports aussperren will: Rich Paul. Dessen Flaggschiff ist LeBron James, beide verbindet eine enge Freundschaft. Mittlerweile vertritt Paul aber auch etliche andere Superstars.

Allerdings hat der 37-Jährige keinen College-Abschluss. Er wäre laut den neuen NCAA-Regeln also nicht berechtigt, Spieler zu vertreten, die überlegen, sich vorzeitig zum NBA Draft anzumelden.

Warum könnte es die NCAA auf Rich Paul abgesehen haben?

Neben LeBron hat Klutch Sports zahlreiche weitere prominente Namen unter Vertrag, beispielsweise Anthony Davis, Ben Simmons oder Draymond Green. In den vergangenen Jahren hat sich Paul mit seiner Vorgehensweise allerdings nicht nur Freunde gemacht. Die Trade-Forderung von AD war das jüngste Beispiel, das hohe Wellen schlug.

Paul ist bekannt dafür, das zu bekommen, was sein jeweiliger Klient anstrebt. Das sorgt einerseits für Unmut bei Teams und Fans, seine Jobbeschreibung erfüllt er damit aber nahezu perfekt. Klar, es läuft nicht immer nach Plan, wie unter anderem die Trennung von Marcus Morris kurz nach dem Start der Free Agency 2019 zeigte. Doch gleichzeitig hat Paul Erfolgsbeispiele wie Kentavious Caldwell-Pope in seinem Portfolio. Hat ein Spieler je mehr von einem Agenten profitiert? Auch Tristan Thompson wäre hier zu nennen.

Der King hat sicherlich dabei geholfen, Paul zu einem der mächtigsten und dem polarisierendsten Spieleragenten der NBA aufsteigen zu lassen. Auf diesem Niveau hat er sich mittlerweile etabliert, zudem streckt Klutch Sports seine Fühler auch außerhalb der Association aus - auch im College-Bereich.

NCAA: Der Fall Darius Bazley und Klutch Sports

Für Aufsehen sorgte der Fall Darius Bazley aus dem vergangenen Jahr. Der Forward hatte eigentlich ein Versprechen an die Syracuse University abgegeben. Wenige Monate später kündigte Bazley jedoch an, das College auszulassen und stattdessen direkt aus der High School in die G-League zu wechseln.

Anschließend heuerte er Paul als Agenten an, statt in die G-League ging es zu einem Praktikum bei New Balance, ein Jahr lang spielte er also gar nicht organisiert. Dafür bekam er eine Million Dollar überwiesen, je nach Verlauf seiner NBA-Karriere können noch einige Millionen des Sportartikelherstellers folgen. Im Draft 2019 wurde der 19-Jährige an Position 23 von den Thunder gezogen.

Syracuse-Coach Jim Boeheim war wenig überraschend alles andere als glücklich. Paul legte derweil in einem ESPN-Interview mit Kritik gegen das NCAA-System nach, das seiner Meinung nach dringend reformiert werden müsse. Auch damit machte er sich keine Freunde, denn: "Wenn du eine Gefahr für das System bist, das mögen sie nicht."

Was sind die Auswirkungen der Rich-Paul-Rule?

Damit hat er offenbar recht. Es könnte gut sein, dass die NCAA mit diesen Regularien verhindern will, dass Paul weiterhin auf dem College-Markt "wildert" - oder dass sich andere Spielerberater an ihm ein Beispiel nehmen.

Natürlich ist es für die NCAA schlecht, wenn hochkarätige Spieler sich für einen anderen Weg als den durchs College-System entscheiden, was im Übrigen keine neue Idee ist. Darunter leidet das Produkt, das für viel Geld an Fernsehanstalten verkauft wird. Und die NCAA verliert die Kontrolle über "ihre" Spieler.

Für Paul wäre es allerdings kein Hexenwerk, die Regeln zu umgehen, indem er einen Agenten anstellt, der die Kriterien erfüllt. Zudem spekulierte Michael McCann von Sports Illustrated, dass Agenturen die NCAA aufgrund von Verstößen gegen das Kartellrecht verklagen könnten.

Das letzte Wort scheint in der Sache also noch lange nicht gesprochen. Die NCAA hat sich auch aufgrund des medialen Wirbels schon jetzt mit den neuen Regeln keinen Gefallen getan, der ramponierte Ruf leidet so nur noch mehr. Und die jungen Athleten, um die es am College eigentlich gehen sollte, die hat wahrscheinlich ohnehin keiner nach ihrer Meinung gefragt.

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