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NBA: Titelkandidaten 2019/20 - Die spannendste Liga seit Jahren

Von Robert Arndt/Philipp Schmidt
Die beiden Teams in Los Angeles haben für die kommende Saison kräftig aufgerüstet.

Die wichtigsten Offseason-Entscheidungen sind gefallen, zahlreiche Stars der besten Basketballliga der Welt haben ein neues Zuhause gefunden und verschieben die Kräfteverhältnisse in der NBA nachhaltig. SPOX wagt einen ersten Blick auf mögliche Titelkandidaten. Wer hat seine Chancen gesteigert? Und wer muss sich mit der Außenseiterrolle zufrieden geben?

Wie wird die Paarung in den kommenden NBA Finals aussehen? Eine Frage, die in der Vergangenheit recht leicht zu beantworten war. Die Golden State Warriors wurden im Westen mit jeder Menge Selbstvertrauen eingetragen, im Osten reichte der Name von LeBron James - sieht man einmal von der vergangenen Saison ab, als nach dem Wechsel des Kings nach L.A. ein Wettrüsten entfacht wurde.

Die Toronto Raptors waren der Profiteur und schnappten sich nicht nur die Krone im Osten, sondern auch gleich die Larry O'Brien Trophy gegen die Warriors. Die Chancen, dass auch nur eines der beiden Teams in der kommenden Spielzeit wieder um den ganzen Kuchen spielen wird, sind schwindend gering, beide verloren in Kevin Durant und Kawhi Leonard den jeweils besten Spieler.

Dass es in der kommenden Saison noch keinen klaren Favoriten auf den Titel gibt, verdanken wir ebenso der Klaue. Statt bei den Lakers ein Superteam mit LeBron James und Anthony Davis zu bilden, schloss er sich mit Paul George zusammen und ging lieber zu den Clippers. Erstmals seit 2008, als die Boston Celtics Ray Allen und Kevin Garnett Paul Pierce an die Seite stellten, gibt es kein klares Superteam.

Befeuert wurde dies durch die zahlreichen Wechsel der Stars in dieser Liga. Von den 24 All-Stars aus dem Jahr 2017 spielen nur acht bei ihrem damaligen Arbeitgeber: Stephen Curry, Draymond Green, Klay Thompson, James Harden, Russell Westbrook, Giannis Antetokounmpo, Kyle Lowry und John Wall. Der Wizards-Guard und Thompson werden dabei wohl große Teile der Saison verletzt verpassen, Lowry und Westbrook gelten als heiße Trade-Kandidaten.

Kontinuität ist zu einem raren Gut geworden, die Warriors sind da die Ausnahme, zumindest an der Spitze. Ihr Superteam mit Durant war ohnehin eine Anomalie des Cap-Spikes von 2016 und ist in der Zukunft wohl nicht replizierbar. Umso mehr greift nun das vor vier Jahren neu verhandelte CBA. Es ist fast unmöglich geworden, drei Stars unter den Cap zu pressen und dann eine passable Bank zusammenzustellen. Dafür muss man nur bei den Warriors in der vergangenen Saison nachfragen.

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Wer sind eigentlich die Teams, die sich in der kommenden Saison Chancen auf einen Ring ausrechnen können? Wir blicken dazu auf die beiden Conferences und beginnen im Osten.

MILWAUKEE BUCKS

Die Bucks waren in der vergangenen Spielzeit nah dran, führten in den Conference Finals sogar bereits mit 2-0 gegen den späteren Champion, um dann aber die nächsten vier Spiele in Folge zu verlieren. Mit Giannis Antetokounmpo steht weiterhin der amtierende MVP in den eigenen Reihen und wir dürfen davon ausgehen, dass der Grieche aus seinem ersten tiefen Playoff-Run gelernt hat.

Double- oder sogar Triple-Teams machten dem Greek Freak gegen eine zugegebenermaßen elitäre Raptors-Defense zu schaffen. Mit 24 Jahren besitzt Giannis weiter erschreckend viel Luft nach oben, es ist davon auszugehen, dass die Spielzeit 2019/20 ähnlich dominant wird.

Das gilt auch für das komplette Team; mit Ausnahme von Malcolm Brogdon (und mit Abstrichen Nikola Mirotic) wurde der Kader komplett zusammengehalten. Co-Star Khris Middleton unterschrieb für fünf Jahre, auch der wichtige Stretch-Center Brook Lopez sowie der Back-Up von Eric Bledsoe, George Hill, konnten gehalten werden.

Hinzu kommt in Person von Wesley Matthews ein weiterer 3-and-D-Spieler für den Flügel und mit Robin Lopez ein gestandener Akteur, der seinen Bruder auf der Fünf entlasten soll. Der Kader ist also weiter erstklassig besetzt, was Milwaukee erneut zu einem absoluten Spitzenteam im Osten machen wird. Auch der ganz große Wurf ist nicht auszuschließen.

PHILADELPHIA 76ERS

Der größte Konkurrent der Bucks dürften die Sixers sein, die zwar Jimmy Butler (nach Miami) und J.J. Redick (nach New Orleans) ziehen lassen mussten, dafür aber in Josh Richardson und Al Horford interessanten Ersatz bekamen. Zudem wurde der Vertrag von Tobias Harris um fünf Jahre verlängert.

Auf dem Papier liest sich wohl keine Starting Five in der NBA besser: Ben Simmons, Richardson, Harris, Horford und Joel Embiid - das ist ein verdammtes Brett. Richardson ist dabei mit 1,98 Meter der kleinste Spieler, Harris als nomineller Small Forward ist bereits 2,06 Meter groß, mehr Big Ball geht nicht. In Redick verließ zwar der beste Shooter das Team, dafür war er defensiv der große Schwachpunkt.

Ansonsten bleibt die Tiefe weiter das große Fragezeichen. Hinter der Starting Five heißen die besten Spieler James Ennis, Mike Scott und Kyle O'Quinn, als neuer Backup für Simmons wurde Raul Neto geholt. Das ist arg dünn und muss dringend adressiert werden, um tatsächlich nach den Sternen greifen zu können.

Immerhin haben die Sixers noch ihre Room-Exception in Höhe von knapp 5 Millionen Dollar. Möglich ist auch, dass Philly sich diese aufspart und wieder auf dem Buyout-Markt aktiv wird, die Alternativen für Spielmacher sind im Moment rar gesät (Jerryd Bayless, Trey Burke, Jeremy Lin). Für die Regular Season sollte es aber zunächst reichen, bevor dann ein weiterer Run auf den Titel gestartet werden soll.

BROOKLYN NETS

Neu in der Phalanx der besten Teams der Eastern Conference sind die Nets, natürlich aufgrund der großen Signings von Kevin Durant, Kyrie Irving oder auch DeAndre Jordan. Für die ganz großen Träume wiegt der Ausfall von KD (wohl die komplette Saison) zu schwer, doch D'Angelo Russell wurde im Prinzip mit Uncle Drew ersetzt und der Kader zudem punktuell verstärkt.

Mit Garrett Temple, Taurean Prince und Wilson Chandler kamen potente Alternativen für den Flügel, Jordan wird, wie im Vorjahr Ed Davis, den jungen Big Jarrett Allen unter seine Fittiche nehmen. Dazu ist Caris LeVert wieder komplett fit und wird nach Kyrie eine sehr gute zweite Option sein. Auch vom Letten Rodions Kurucs ist nach einer überraschend guten Rookie-Saison sicherlich einiges zu erwarten.

Von den Abgängen könnten aber die Führungsqualitäten von Davis und auch dem unterschätzten Jared Dudley fehlen, die Coach Kenny Atkinson immer wieder hervorhob. Kann Irving entgegen der Vergangenheit in Boston in dieser Hinsicht nun einen besseren Job als Leader machen?

Brooklyn wird wahrscheinlich mit dem umgebauten Team ein wenig Zeit brauchen, um eine funktionierende Truppe auf den Court zu bringen, aber durch die immense Qualität werden die Nets auf jeden Fall ein Anwärter auf den Heimvorteil in der Postseason sein. Sollte die Konkurrenz Schwächen zeigen, ist vielleicht sogar mehr drin, auch wenn der große Angriff erst mit der Rückkehr von Durant beginnen sollte.

BOSTON CELTICS

Das Dark Horse im Osten dürften dagegen die Celtics sein, die mit Irving und Horford ihre vermeintlich besten Spieler verloren. Gerade Horford, Mr. Zuverlässig, ein Spieler mit einem Skillset, wie kaum ein anderer Big in der NBA, wird merklich fehlen und schwer zu ersetzen sein. Anders verhält es sich mit Kyrie. Hier wurde All-Star Kemba Walker mit einem Maximal-Vertrag ausgestattet.

Dazu stehen aber auch noch die vor einem Jahr so hoch gelobten Youngster wie Jayson Tatum oder Jaylen Brown im Kader, die mit Boston 2018 noch die Conference Finals erreichten. Damals fehlte ein gewisser Gordon Hayward, der nun in seinem zweiten Jahr nach seiner schweren Beinverletzung auch wieder näher an alte Jazz-Tage herankommen könnte.

Problematisch bleibt dagegen der Frontcourt: Enes Kanter dürfte nach jetzigem Stand starten, dahinter bleiben Daniel Theis, Robert Williams und der aus Europa geholte Vincent Poirier. Das hat mit dem Prädikat Spitzenteam wenig zu tun. Allerdings ist Coach Brad Stevens auch berüchtigt dafür, aus Underdogs das Maximum herauszuholen.

Mehr als der Heimvorteil und die zweite Runde im Osten wird dabei aber nicht herausspringen, es sei denn, GM Danny Ainge zaubert mal wieder einen Hasen aus seinem Hut.

TORONTO RAPTORS

Never underestimate the heart of a champion. Die Worte des ehemaligen Rockets-Coachs Rudy Tomjanovich mögen platt klingen, wurden aber über die Jahre mehrfach bestätigt. Natürlich wiegt der Abgang von Kawhi Leonard (und auch Danny Green) schwer, aber der Kader der Raptors bleibt durchaus potent.

Auf dem Flügel hat Toronto zwar gewaltig an Qualität verloren, aber auf Guard und auf den großen Positionen ist weiter gehobenes NBA-Niveau zu finden. Noch mehr als in der vergangenen Saison werden die Raptors über ihre Defense kommen müssen, dazu braucht es mehr Scoring von Kyle Lowry, Pascal Siakam oder Marc Gasol.

Bei Lowry und Gasol ist es zumindest anzuzweifeln, ob sie in ihrem Karriere-Herbst noch einmal eine solche Last schultern können. So ist es auch nicht auszuschließen, dass Präsident Masai Ujiri während der Saison den roten Knopf drückt und seine Veteranen mit auslaufenden Verträgen (Lowry, Serge Ibaka, Gasol) verscherbelt und den Rebuild einleitet.

Bleibt das Team zusammen, wird Toronto ein sicheres Playoff-Team sein, welches mit dem Heimvorteil flirten wird. Nach der vergangenen Saison wird dies den Fans in Toronto aber herzlich egal sein.

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