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NBA: Rui Hachimuras steiniger Weg zu den Washington Wizards - Hafu als Hoffnung einer ganzen Nation

Von Philipp Schmidt
Rui Hachimura ist der erste japanische Erstrundenpick der NBA-Geschichte.

Rui Hachimura ist der erste japanische Basketballspieler, der in der ersten Runde des NBA Drafts ausgewählt wurde. Mit dem neunten Pick schlugen die Washington Wizards zu. Der Weg von Hachimura, der eine japanische Mutter und einen beninischen Vater hat, war steinig und von Diskriminierung, Sprachbarrieren und glücklichen Fügungen geprägt.

Mit zwölf Jahren betrat Rui Hachimura zum ersten Mal amerikanischen Boden, als er mit seiner Familie New York besuchte. Hätten die grellen Lichter und umherströmenden Menschenmassen am Times Square die meisten Kinder seines Alters überfordert, war dieser Zustand dem Jungen aus Japan mit all seinen Millionenstädten nur allzu vertraut.

Dennoch erinnert sich Hachimura an einen Umstand, der ihn schon damals an den USA faszinierte: "Die Leute waren unterschiedlicher. In Japan sieht jeder gleich aus. Es war angenehm, durch die Stadt zu laufen und nur einer von vielen zu sein. Das war neu für mich", erzählte der heute 21-Jährige David Gardner vom Bleacher Report.

Ebenjene Andersartigkeit war es, aufgrund derer Hachimura in seiner Kindheit mit zahlreichen Widerständen zu kämpfen hatte. Sein Vater stammt aus dem Benin, seine Mutter aus Japan, die Akzeptanz für einen so genannten "Hafu" war und ist nur teilweise vorhanden in einer Gesellschaft, in der 98,5 Prozent der Bevölkerung aus Japanern besteht.

"Mein Vater war der einzige schwarze Junge in ganz Japan", sagte Hachimura gegenüber Marc Spears von The Undefeated. Wie bereits seine Eltern sei es auch bei ihm des Öfteren zu rassistischen Vorfällen gekommen. "'Du bist schwarz, geh weg.' Sie haben mich angeschaut, als wäre ich anders. Ich habe mich daran gewöhnt. Ich bin sehr stolz darauf, halb-afrikanisch und halb-japanisch zu sein", ergänzte er.

Rui Hachimura: Hafu wird japanischer Basketball-Star

Inspiriert durch seinen Besuch in den Staaten fühlte sich Hachimura besonders zum Basketball hingezogen, nachdem er zuvor auch Karate, Fußball und am intensivsten Baseball ausprobiert hatte. Zum Zeitpunkt seines ersten professionellen Trainings war er bereits 13. Im letzten Jahr auf der Junior High führte er das Team seiner Heimatstadt Toyama ins Finalturnier.

Dadurch war er auf dem Radar der japanischen Jugendscouts, nahm 2013 an den U16-Asienmeisterschaften teil und sorgte ein Jahr später für seinen endgültigen Durchbruch. Bei der U17-WM legte er durchschnittlich 22,6 Punkte für Japan auf, gekrönt von einer 25-Punkte-Performance gegen die USA. Auf der anderen Seite standen Jayson Tatum und Josh Jackson. Sein großes Ziel, der Wechsel an ein US-College, hatte er zu diesem Zeitpunkt klar vor Augen.

Wie es der Zufall so wollte, sollte er diesem Traum schnell näher kommen: Nach seiner Rückkehr an die Meisei High School in Tokio - dorthin war er im Jahr zuvor gewechselt - wurde ihm mitgeteilt, dass Gonzagas Assistant Coach Tommy Lloyd sich nach ihm erkundigt hätte. Nach anfänglicher Verwirrung und der Frage "Was ist Gonzaga?" besuchte er mit seinem Trainer das College.

Im Jahr darauf überzeugte sich Lloyd in Japan persönlich von Hachimuras Fähigkeiten - dieser hatte Meisei damals zur dritten nationalen Meisterschaft in Folge geführt und war in Japan ein großer Star - und bot ihm ein Stipendium an. Erst Anfang 2016 konnte sich Hachimura in Gonzaga einschreiben, da er für die Aufnahmeprüfung aufgrund seiner sprachlichen Barrieren fünf Anläufe benötigte.

Rui Hachimura erlebt holprigen Start in Gonzaga

In Gonzaga angekommen, nahmen die Probleme nicht ab: Sprachlich hatte Hachimura große Mühe, was auch Coach Mark Few feststellte: "Es war eine große Herausforderung. Ich sagte meinem Staff, dass er nur zehn Prozent der Dinge versteht. Ich zweiten Jahr waren es dann schon 50 bis 60 Prozent." Auch auf dem Court war der Übergang eine Herausforderung, Hachimura spielte in seiner Premierensaison nur sporadisch. "Es gab viele Momente zum Kopfschütteln, aber auch Momente der Brillanz", sagte Few.

Allen Widrigkeiten zum Trotz ging es nach und nach aufwärts, was Hachimura auch zwei Personen zu verdanken hatte: Zimmerkollege und Gonzaga-Guard Josh Perkins nahm sich seiner an und brachte ihm durch Rapsongs, Netflix und Videospiele die englische Sprache näher, was deutlich besser fruchtete als alle Sprachkurse. "Gottseidank hörte er Rapmusik. Das war unsere gemeinsame Sprache. Jetzt spricht er besser Englisch als ich", sagte Perkins.

Rui Hachimura: Seine Statistiken am College für die Gonzaga Bulldogs

SaisonSpieleMinutenPunkteReboundsAssistsFG3FGFT
2016/17284,62,61,40,152,828,654,2
2017/183720,711,64,70,656,819,279,5
2018/193730,219,76,51,559,141,773,9

Zudem hatte Hachimura das Glück, dass sich der japanischstämmige Ken Nakagawa zur gleichen Zeit wie er als Videokoordinator den Bulldogs anschloss. Zusammen erkundeten sie das lokale Speisenangebot und Nakagawa diente als Dolmetscher bei wichtigen Behördengängen und Arztbesuchen.

Hachimuras Leistungen zeigten in der zweiten Saison deutlich nach oben: Zwar kam er weiterhin von der Bank, legte aber 11,6 Punkte sowie das zweithöchste Offensiv-Rating seines Teams auf. Nach längeren Überlegungen entschied er sich gegen die Anmeldung zum Draft und schwang sich in der Saison 2018/19 endgültig zum Führungsspieler auf.

NBA Draft: Hachimura mit dem neunten Pick zu den Wizards

In durchschnittlich 30 Minuten erzielte Hachimura 19,7 Punkte und steigerte seine Quoten aus dem Feld auf 59,1 und 41,7 Prozent. Hinzu kamen Bestwerte von 6,5 Rebounds und 1,5 Assists. Mit Gonzaga ging es bis ins Elite Eight, wo es gegen Texas Tech eine knappe Niederlage setzte. An Hachimura (22 Punkte, 6 Rebounds) sowie Brandon Clarke (18 und 12), dem zweiten Erstrundenpick der Bulldogs (mit dem 21. Pick zu den Grizzlies) lag es nicht.

"Rui hat sich jedes Jahr verbessert und sein Limit noch lange nicht erreicht. Er ist flexibel, hat ein gutes Spielgefühl und auch sein Playmaking wird sich auf die NBA übertragen. Ich traue seinem Wurf noch nicht, aber mit vielen Wiederholungen und einem guten Development Coach wird sich das verbessern. Wenn die Einstellung stimmt, könnte er ein Starter in der Liga werden", sagte beispielsweise ein Assistant General Manager zu The Undefeated.

Während sich der Distanzwurf im Laufe seiner College-Zeit zwar verbesserte, aber aufgrund der geringen Stichprobe immer noch als Fragezeichen daherkommt, zeigen andere Bereich enormes Potential. Hachimura bewegt sich für seine Größe und Gewicht (2,04 Meter, 104 Kilogramm) hervorragend und kann mehrere Positionen verteidigen. Unter dem Korb ist er an beiden Enden des Feldes robust und kann auch bei Kontakt hochprozentig abschließen. Zudem stimmt die Entwicklung seines Mitteldistanzwurfes zuversichtlich.

Rui Hachimura: Mehr Hype als Zion Williamson

All dies führte dazu, dass ihn die Washington Wizards mit dem neunten Pick im Draft 2019 auswählten und auch Coach Scott Brooks in Lobeshymnen ausbrach: "Er ist ein sehr guter Spieler mit großartigem Potential. Er reißt sich jeden Tag seinen Hintern auf. Solche Leute brauchen wir." Weder diese Worte noch die Tatsache, dass er erst der dritte japanische Spieler in der NBA-Historie nach Yuta Tabuse und Yuta Watanabe ist, bringen Hachimura aus der Fassung.

Entsprechend groß war auch das Interesse aus dem Land der aufgehenden Sonne. Dafür reichte allein ein Blick auf Twitter. Kein Spieler vereinte mehr Interaktionen auf der Plattform als Hachimura, nicht einmal Nr.1-Pick Zion Williamson. Das registrierte auch die NBA, die in der Summer League ein Matchup zwischen New Orleans und Washington ansetzte, um ein direktes Duell der beiden zu verkaufen - auch wenn Zion dieses verletzt verpasste.

Das spielte aber keine Rolle, da allein 60 japanischen Journalisten den Weg nach Las Vegas auf sich nahmen und sahen, wie Hachimura mit durchschnittlich 19,3 Punkten und 7 Rebounds ins Second Team des Turniers berufen wurde. "Das geht mir seit der High School so. Das habe ich so erwartet", sagte Hachimura zu all der Aufmerksamkeit. Dass er mit den grellen Lichtern keine Probleme hat, wusste der künftige Wizard bereits im Alter von zwölf Jahren. Jetzt muss er nur noch sportlich den nächsten Schritt machen.

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