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NBA - Chicago Bulls in der Offseason: Stützräder für die jungen Wilden

Zach LaVine und Lauri Markkanen sind die Hoffnungsträger der Chicago Bulls.

Die Chicago Bulls befinden sich nun seit zwei Jahren im Rebuild. Der Kern des jungen Teams steht inzwischen, der Kader wurde in der Free Agency mit einigen Veteranen sinnvoll ergänzt. Doch reicht das, um schon in dieser Saison wieder um die Playoffs zu spielen? Die Offseason-Analyse.

Chicago Bulls: Die Transaktionen

Einige wichtige Entscheidungen trafen die Bulls bereits weit vor der Free Agency, nämlich im Februar, als Chicago die kommenden Free Agents Bobby Portis und Jabari Parker nach Washington schickte und im Gegenzug Otto Porter Jr. erhielt.

Damit wurde die große Lücke auf der Drei geschlossen und die Bulls konnten im Draft ein anderes Problem angehen, die Point-Guard-Position. Mit dem siebten Pick schnappten sie sich Coby White, in Runde zwei holten sie Big Man Daniel Gafford, den sie gleich mit einem Vertrag über 4 Jahre (zusammen 6,1 Millionen Dollar) ausstatteten.

In der Free Agency kamen in Thaddeus Young (3 Jahre, 41 Mio.) und Tomas Satoransky (3 Jahre, 30 Mio.) Veteranen, die den jungen Spielern helfen sollen, aber gleichzeitig auch Leistungsträger sein können. Für den Tschechen fädelten die Bulls einen Sign-and-Trade mit Washington ein und gaben dafür drei Zweitrundenpicks ab.

Aus New York kam mit Luke Kornet (2 Jahre, 4,5 Mio.) ein weiterer Big Man, dazu wurde mit Guard Ryan Arcidiacono (2 Jahre, 6 Mio.) verlängert. Nicht mehr an Bord sind dagegen Robin Lopez (nach Milwaukee) sowie Wayne Selden und Timothee Luwawu-Cabarrot (beide noch ohne neues Team), die ohnehin keine gewichtige Rolle spielten.

Chicago Bulls: Die wichtigsten Daten der vergangenen Saison

Bilanz Regular SeasonOffensiv-RatingDefensiv-RatingNet-Rating
22-60 (Platz 13 im Osten)104,5 (29.)112,8 (25.)-8,3 (27.)

Chicago Bulls: Die Strategie

Der Kern der Bulls stand mit Zach LaVine, Lauri Markkanen und Wendell Carter Jr. schon vor der Free Agency, deswegen sollten im Sommer sinnvolle Ergänzungen gefunden werden - und das wurde durchaus gut umgesetzt. Zu einem überraschend niedrigen Preis ist Young einer der besten Deals des Sommers, der Chicago Führungsqualitäten und Defense bringt.

Auch Satoransky erfüllt als Guard ähnliche Kriterien: Sein Vertrag ist nicht zu lang, ist recht günstig und er kann mit seiner Erfahrung die jungen Spieler am Lake Michigan anleiten. Durch diese beiden Schlüsselverpflichtungen wurden gleichzeitig auch klaffende Lücken geschlossen.

Das heißt aber nicht, dass die Veteranen den Youngstern vor die Nase gesetzt werden. Vielmehr sind sie Ergänzungen, die den Rebuild vorantreiben sollen, ohne sich dabei langfristig zu sehr zu binden. Ob in besagtem Kern tatsächlich erhöhtes Star-Potenzial und mit Weitblick ein Team steckt, welches im Osten um die Krone spielt, ist natürlich reine Spekulation. Dennoch sticht die Kontinuität hervor, die wieder eingekehrt ist.

Es ist den oft (zurecht) kritsierten John Paxson und Gar Forman hoch anzurechnen, dass nach einigen Chaos-Jahren mit Verpflichtungen von großen Namen (Rajon Rondo, Dwyane Wade, Jabari Parker) nun mehr auf die Chemie und das Team-Konstrukt geachtet wurde.

Der Kader der Chicago Bulls

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Tomas SatoranskyZach LaVineOtto Porter Jr.Lauri MarkkanenWendell Carter Jr.
Kris DunnCoby WhiteChandler HutchisonThaddeus YoungCristiano Felicio
Ryan ArcidiaconoAntonio BlakeneyDenzel Valentine Daniel Gafford
Luke Kornet

Chicago Bulls: Die Schwachstellen

So sehr Young den Bulls defensiv auch helfen mag, ist er der Einzige im Kader, der wirklich ein guter Verteidiger ist. Porter ist mit seinen langen Armen ebenfalls nicht zu unterschätzen, im Eins-gegen-Eins aber nicht so gut wie sein Ruf. Im Frontcourt wird dagegen viel davon abhängen, ob Carter einen großen Sprung machen kann.

Markkanen oder auch Kornet haben ihre Stärken vor allem in der Offensive, gleiches gilt auf den Guard-Positionen mit White oder auch LaVine. Kris Dunn ist von den Guards defensiv klar der Beste. Sein Standing in der Windy City ist allerdings nicht besonders hoch, da sein fehlender Wurf ein großes Manko in der Offensive ist. Die Verpflichtung von Satoransky oder auch das Wählen von White sind Indikatoren dafür, dass man im Front Office nur wenig Vertrauen in den Nr.5-Pick von 2016 hat.

Gleichzeitig muss auch Coach Jim Boylen nun zeigen, dass er ein guter NBA-Coach sein kann. Platz 29 in der Offense mit einem Kader voller Offensiv-Spieler zeugt nicht gerade von Qualität, aber auch von einem gewissen Ungleichgewicht. LaVine und Markkanen haben ihre Stärken jeweils im Abschluss, weniger im Kreieren für andere. Die Satoransky-Verpflichtung ist deswegen so wichtig, da er den Ball besser teilt.

Chicago Bulls: Der Hoffnungsträger

Die Hoffnungen in Chicago ruhen trotz der guten Verpflichtungen trotzdem weiter auf Markkanen, der vor einer richtungsweisenden dritten Saison steht. Nach einer starken Rookie-Kampagne absolvierte der Finne nur 52 Spiele in seiner zweiten Spielzeit und konnte trotz Karriere-Bestwerten in allen nennenswerten Kategorien nicht ganz den erwarteten Sprung hinlegen.

Die Frage wird sein, wie Coach Boylen den Finnisher einsetzen wird. Ist Markkanen in der modernen NBA mit 2,13 Meter wirklich noch ein Power Forward oder sollte der 22-Jährige nicht eher als Center eingesetzt werden? Markkanens Fähigkeiten, um Screens zu laufen und aus dem Dribbling Sprungwürfe zu treffen, ist bei seiner Größe unglaublich selten und sollte von den Bulls genutzt werden. Steht er annähernd seinen Mann, ist er auf der Vier eine Waffe.

Mit Satoransky hat er nun einen soliden Spielmacher an seiner Seite, der den Finnen finden wird und nicht so sehr seinen eigenen Wurf jagt. Diese Problematik könnte es dagegen mit LaVine geben. Die Chemie zwischen dem Shooting Guard und dem Finnen war schon in der vergangenen Saison nicht optimal, hier braucht es eine klare Verbesserung, damit die zweitschlechteste Offense endlich ihr Potenzial auf dem Feld entfaltet. Die Voraussetzungen dafür sind eigentlich gegeben.

Experten-Interview zu den Bulls mit Max Marbeiter (Korbjäger NBA Podcast)

Herr Marbeiter, mit Young und Satoransky wurden Veteranen in den jungen Kader geholt. Wie passen die Jungs zum jungen Kern?

Max Marbeiter: Wenn schon nicht Durant und Kawhi, dann wenigstens Satoransky und Young. Klingt wild, ergibt aber irgendwie Sinn. Satoransky könnte den Bulls genau das geben, was sie in Kris Dunn suchten: einen smarten Einser, der mit Ball in der Hand kluge Entscheidungen trifft, den Ball dennoch nicht immer braucht. Der junge Kern braucht Struktur. Satoransky könnte dazu beitragen, dass er sie bekommt. Dazu kommen Defense und Länge. Ähnlich wie bei Thaddeus Young. Mit Markkanen und Carter stehen die Starter auf den großen Positionen. Chicago brauchte Backups, die ihre Rolle produktiv ausfüllen, den beiden Ruhepausen geben können. Sie sollen sich einfügen, ohne Ansprüche zu stellen, gleichzeitig positiven Einfluss auf den Locker Room nehmen.

Coby White zeigte vielversprechende Ansätze in der Summer League. Kann er den Bulls in seiner Rookie-Saison sofort helfen? Was ist seine Ideal-Position?

Marbeiter: Die Summer League sah mitunter tatsächlich nicht schlecht aus. Der Speed war da, dazu beschleunigte White das Spiel - was den Bulls nach einer Saison, in der "Run with us" eher einer Einladung zum Sonntagsspaziergang glich, durchaus gut tun könnte. Es gab IQ- und Courtvision-Momente, White scorte selbst, und auch der Midrange-Jumper fiel. Auf der anderen Seiten standen viele leichte Turnover, zudem Probleme von draußen. Die typische Summer League. White ist noch lange nicht fertig. Ich glaube schon, dass er den Bulls bis zu einem gewissen Grad helfen, ihnen Komponenten geben kann, die gut in den Backcourt passen (Speed, Drives, Scoring). Konstanz erwarte ich allerdings nicht. Was auch nicht schlimm ist. Da die Bulls mit Carter und Markkanen, dazu mit LaVine andere Spieler haben, die sie individuell und als Team entwickeln möchten, glaube ich nicht, dass er sich komplett wird ausleben können. Sanfte Integration könnte gewinnbringender sein.

Wie sind die Erwartungen in Chicago? Werden die hinteren Playoff-Plätze ins Visier genommen?

Marbeiter: Zu hoch sollten wir - und damit meine ich vor allem mich - die Erwartungen nach sensationellen 22 Siegen in der letzten Saison natürlich nicht hängen. Andererseits lief eben auch gar nichts, wie es sollte. Gleichzeitig gesund waren Markkanen, LaVine und Carter nur ganz selten. Die wahre Talent-Potenzial-Balance lässt sich weiter nur erahnen. Ich glaube, darum geht es den Bulls kommende Saison auch primär: den jungen Kern sich finden lassen, eine Hierarchie bilden und das Ganze entwickeln. Gleichzeitig sah das Team nach dem Trade für Otto Porter bis zur nächsten Verletzung deutlich besser aus. Die Struktur war deutlicher sichtbar, es gab mehr Raum und zusätzliche Optionen. Satoransky dürfte das weiter verbessern. Wichtig ist, so banal es klingt, dass alle gesund bleiben, bzw. Carter bis zum Trainingcamp fit wird. Dazu bin ich gespannt, ob LaVine seine Stats mit Leben füllen kann. Nur so lässt sich sehen, was mit diesem Kern möglich, wie viel Talent wirklich vorhanden ist und wie alles harmoniert. Passt alles zusammen, könnten die Bulls zumindest in Reichweite von Platz acht kommen.

Chicago Bulls: Das Fazit

Die Bulls dürfen als heimlicher Gewinner dieser Offseason gelten. Alle Moves ergeben auf dem Papier Sinn, einige Veteranen verstärken das Team, ohne dabei überbezahlt oder bereits über den Zenit hinweg zu sein.

Der eigene Weg mit LaVine, Markkanen, Carter und nun White wird konsequent bestritten und zeugt von einem klaren Plan. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall. Ob das junge Quartett auf lange Sicht die hohen Erwartungen erfüllen kann, ist jetzt noch nicht abzusehen, doch die Voraussetzungen für Erfolg wurden durch diesen Sommer auf jeden Fall verbessert.

Die Note: 2.

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