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NBA - Unruhe bei den Houston Rockets: Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Von Philipp Jakob
Chris Paul und James Harden sind angeblich stark zerstritten.

Die Saison der Houston Rockets endete früher als gedacht, ruhig wurde es anschließend allerdings nicht um James Harden, Chris Paul und Kollegen. Das Superstar-Duo der Texaner ist angeblich stark zerstritten. Wie könnte es in Houston nun weitergehen?

Der Frust war James Harden am Abend des 10. Mai deutlich anzusehen. Mit leerem Blick saß der Franchise-Star der Rockets auf der Pressekonferenz nach Spiel 6 der zweiten Playoff-Runde gegen die Golden State Warriors. Ein Lächeln suchte man unter dem dichten, schwarzen Bart vergebens, die Saison der Texaner war nach der 113:118-Pleite gelaufen.

Das Aus kam deutlich früher, als es allen Beteiligten aus dem Rockets-Umfeld wohl lieb gewesen wäre. Nach der Wadenverletzung von Kevin Durant in Spiel 5 schien die Tür Richtung Conference Finals kurzzeitig weit offen. Am Ende musste sich Houston dennoch zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren den Warriors geschlagen geben.

Was also tun, um sich künftig gegen das Powerhouse des Westens behaupten und Steph Curry und Co. endlich vom Thron schmeißen zu können? "Ich weiß ganz genau, was wir machen müssen. Wir werden es im Sommer angehen", antwortete Harden kurz und knapp auf die entsprechende Frage.

Was genau er damit meinte, wollte The Beard auf der Pressekonferenz allerdings nicht weiter ausführen. Seine Pläne behielt er für sich.

Unruhe bei den Houston Rockets nach Saisonende

Gut sechs Wochen später hallen diese Worte Hardens mit einem kleinen Beigeschmack nach. In den vergangenen Wochen mehrten sich die Berichte über Tumulte innerhalb der Rockets-Organisation. Im Mittelpunkt der internen Unruhe stehen offenbar James Harden und Chris Paul - und die Frage: Will Harden seinen Backcourt-Kollegen loswerden?

Das scheinbare Drunter und Drüber in Houston wurde bereits kurz nach dem Playoff-Aus erstmals öffentlich. Damals berichtete The Athletic von einem Wortgefecht zwischen Harden und CP3 in Spiel 6 gegen die Warriors. Wenig später ging es mit Trade-Gerüchten um quasi den kompletten Kader weiter, Teile des Coaching Staffs wurden entlassen und die eigentlich sichere Vertragsverlängerung mit Head Coach Mike D'Antoni zog sich in die Länge.

Anfang der Woche folgte schließlich der große Knall, als zunächst Tim MacMahon (ESPN) und kurz darauf Vincent Goodwill (Yahoo Sports) mit detaillierten Features über die derzeit offensichtlich angespannte Situation bei den Rockets für Aufsehen sorgten.

James Harden vs. Chris Paul: Zwei Alpha-Tiere bei den Rockets

Knackpunkt der jeweiligen Artikel waren die angeblichen Unstimmigkeiten zwischen Harden und Paul. Letzterer genießt in NBA-Kreisen schon seit längerem den Ruf, unbequem zu sein. Und zwar nicht nur als Gegenspieler auf dem Parkett , sondern eben auch als Teamkollege.

Seine teils schwierige Art ist auch von anderen Stationen bekannt. Der "Point God" gilt als eisenharter Wettkämpfer, der seinen Mitspielern einiges abverlangt, und das nicht immer auf die netteste Art und Weise. Konfrontation ist für Paul definitiv kein Fremdwort.

Das zeigt sich nun offenbar auch in Houston. In Harden und Paul knallen zwei Alpha-Tiere aufeinander, die sich bei einem Team mit Titelambitionen in der Führungsrolle sehen.

Rein sportlich gesehen müsste die klar an den Bärtigen gehen.

James Harden führt die Rockets im Alleingang zum Erfolg

Nach einem durchwachsenen Start in die Saison 2018/19 (und das ist noch positiv ausgedrückt), nahm Harden Mitte Dezember das Heft selbst in die Hand. Er riss die Offense der Rockets an sich und führte sein Team mit isolationslastigem Basketball im wahrsten Sinne im Alleingang zurück ins Rennen. Paul verpasste in dieser Phase einige Partie verletzungsbedingt.

Auch nach seiner Rückkehr nach Oberschenkelproblemen war zunehmend offensichtlich, dass der Aufbauspieler seinem 34 Jahre alten Körper langsam aber sicher Tribut zollen muss. Paul agierte nicht mehr auf dem sportlichen Niveau früherer Jahre, dennoch sah er sich als Leader des Teams - und das neben dem legitimen MVP-Kandidaten Harden.

"Chris wollte James coachen", brachte eine anonyme Quelle mit Kenntnis der Dynamik zwischen den beiden Superstars die Situation gegenüber MacMahon auf den Punkt. "James hat ihn einfach nur angeschaut und gesagt: 'Du kannst noch nicht einmal deinen Gegenspieler schlagen. Sei einfach still und schau mir zu.'"

Die Statistiken von Harden und Paul in der Saison 2018/19

NameWettbewerbSpiele/MinutenPktRebAssFG%3FG%
James HardenRegular Season78/36,836,16,67,544,236,8
Playoffs11/38,531,66,96,641,335,0
Chris PaulRegular Season58/32,015,64,68,241,935,8
Playoffs11/36,117,06,45,544,627,0

Harden vs. Paul: Verhältnis nicht mehr zu retten?

Genau das musste Paul in seinen Augen aber wohl aber viel zu oft tun. Die unterschiedlichen Präferenzen in Sachen Spielstil waren den Berichten zufolge die Hauptgründe für die Unstimmigkeiten, die in den vergangenen Jahren auch während den Partien immer wieder zum Vorschein kamen.

Während Hardens Isolationen das Offensiv-System der Rockets dominierten, kritisierte Paul angeblich dessen fehlenden Einsatz, wenn er doch mal abseits des Balles ... nun ja ... stand. MacMahon zufolge habe sich Paul in seiner typischen Manier mit der Kritik an seinem Backcourt-Kollegen nicht zurückgehalten.

Heraus kam am Ende eine "Kultur des Ich, anstatt einer Kultur des Wir", wie es eine Quelle gegenüber Ken Berger von Bleacher Report ausdrückte. Nach Informationen von Goodwill haben Paul und Harden während der Saison sogar mehrere Monate nicht miteinander kommuniziert. Das Verhältnis sei "nicht mehr zu retten".

GM Morey spielt Tumulte bei den Rockets herunter

Was bleibt, ist also eine extrem vertrackte Situation für die Rockets und General Manager Daryl Morey: Paul soll verschiedenen Berichten zufolge angeblich einen Trade gefordert haben. Harden habe dagegen das Front Office unter Druck gesetzt, sich zwischen ihm und CP3 zu entscheiden.

Zwar bemühte sich Morey recht schnell, die Gerüchte über verschiedene Kanäle zu dementieren, und auch für Paul selbst war der Zoff zwischen Harden und seiner Person offenbar neu. Doch wo so viel Rauch ist, ist bekanntermaßen auch ein wenig Feuer.

"Was wir hier haben, sind zwei extrem ehrgeizige Typen, die sehr enttäuscht waren, dass wir Golden State nicht geschlagen haben", versuchte Morey die Situation zu beruhigen. "Zwischen Menschen, die etwas so schwieriges (wie einen NBA-Titel, Anm. d. Red.) so sehr wollen, kommen natürlich Themen auf, über die diskutiert werden muss. Aber für mich ist bei einem Superstar ganz normal."

Free Agency: Welche Optionen haben die Houston Rockets?

Moreys Darstellung zufolge habe Paul nie einen Trade gefordert, stattdessen wolle er mit dem gleichen Kern und dem gleichen Backcourt in die kommende Saison gehen. Wahrscheinlich bleibt Houston auch keine andere Wahl. Selbst wenn CP3 weg möchte: Es sollte schwierig bis unmöglich werden, einen 34-jährigen Guard zu traden, der bis 2022 noch 124,1 Millionen Dollar verdient.

Dementsprechend kursierten zuletzt auch Spekulationen, wonach Morey zwar versucht habe, einen Deal um Paul einzufädeln, schlicht und einfach aber keinen Abnehmer gefunden habe. Welche Optionen haben also die Rockets?

Angeblich haben die Texaner Interesse an Free Agent Jimmy Butler angemeldet, der allerdings auch nicht der einfachste Charakter ist. Da die Rockets deutlich über dem Salary Cap liegen (derzeit etwa 17 Mio. Dollar darüber, mit nur zehn Spielern unter Vertrag) sind die Möglichkeiten, am Kader zu schrauben, außerdem begrenzt.

Morey wird bei dem Versuch, das Team zu verbessern, also doch den ein oder anderen Trade einfädeln müssen. Clint Capela oder Eric Gordon werden seit Wochen als mögliche Kandidaten gehandelt.

Der aktuelle Kader der Houston Rockets

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Chris PaulJames HardenEric GordonP.J. TuckerClint Capela
Chris Chiozza (ungarantiert) Gary Clark (teilweise garantiert)Isaiah Hartenstein (ungarantiert)Nene Hilario (Spieleroption)
Deyonta Davis

Houston Rockets: Spannungen übertrieben?

Gleichzeitig wird in den Medien eine Veränderung des Spielstils kolportiert. Laut The Athletic war Paul in der Vergangenheit nicht der einzige, der sich im Laufe der Saison über das isolastige Spiel beschwerte. Offenbar wurde für die kommende Saison intern bereits ein System mit weniger Isolationen und mehr Ballbewegung diskutiert.

Die Zahlen unterstützen zwar den Stil der vergangenen Monate (Houston hatte mit 114,8 das zweitbeste Offensiv-Rating der regulären Saison), doch die Egos der Spieler scheinen dem "Moreyball-Prinzip" teilweise einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Oder ist die Situation in Houston eigentlich gar nicht so dramatisch, wie sie derzeit in den US-amerikanischen Medien dargestellt wird? Austin Rivers bekräftigte zuletzt, dass die Spannungen zwischen Harden und Paul keine große Sache gewesen sei.

Rockets: Raufen sich Harden und Paul zusammen?

Danuel House blies gegenüber The Athletic in ein ähnliches Horn. "Ich glaube, sie stehen sich sehr nahe", sagte der 26-Jährige. "Sie reden miteinander, sie unternehmen viel zusammen und sie scherzen die ganze Zeit. Sie arbeiten einfach unterschiedlich."

Die Frage ist nun, ob diese unterschiedlichen Herangehensweisen auf dem Parkett das Verhältnis abseits des Courts beeinflussen. Es scheint unwahrscheinlich, dass sich so viele, normalerweise gut vernetzte Journalisten in der gleichen Sache so irren könnten, wie es die Franchise versucht darzustellen.

Gleichzeitig ist aber natürlich nicht ausgeschlossen, dass sich Harden und Paul doch noch einmal zusammenreißen. Durch die Verletzungen bei den Warriors und die zahlreichen offenen Fragen in der Free Agency scheint die Dubs-Dynastie gebrochen, der Weg zum Titel vielleicht offen wie nie.

Zumindest eine Sache vereint CP3 und den Bart schließlich ganz sicher: der unbedingte Wille, eine Championship zu gewinnen - und endlich an Golden State vorbeizuziehen.

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