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NBA Finals – Steph Curry verliert trotz Gala Spiel 3 der Finals: Die LeBron-James-Experience

Die komplette Defense der Toronto Raptors konzentriert sich auf Stephen Curry.

Trotz einer überragenden Vorstellung von Stephen Curry haben die Golden State Warriors das dritte Spiel der Finals gegen die Toronto Raptors verloren und sind in der Serie mit 1-2 in Rückstand geraten. Dabei nahm der zweimalige MVP eine für ihn ungewohnte Rolle ein - es bleibt aber weiter unklar, wie lange er diese ausfüllen muss.

Stephen Curry war die Müdigkeit anzusehen. Zum Ende des Spiels hin stützte er sich in jeder Dead-Ball-Situation auf die Knie und schnaufte vor sich hin. Immer ging der Blick zur Anzeigetafel, bis der Dreier von Fred VanVleet 1:39 Minuten vor Schluss endgültig die letzten Zweifel ausräumte. Mit der anschließenden Auszeit warf Steve Kerr das Handtuch, der Arbeitstag seiner verbliebenen Starter war beendet, das Spiel verloren.

Curry konnte man daran keinen Vorwurf machen. Der zweimalige MVP spielte brillant, legte 47 Punkte auf und hielt die Warriors über weite Strecken fast im Alleingang im Spiel. Er wurde mit Double- und Triple-Teams verteidigt, Toronto lud jeden anderen Warrior zum Scoren ein. Trotzdem spielte Curry überaus effizient, obwohl er die Offense seines Teams fast im Alleingang verantwortete.

In Zahlen: 42,4 Prozent der getroffenen Warriors-Würfe kamen von Curry. 50 Prozent der getroffenen Dreier. 65 Prozent der getroffenen Freiwürfe. 29,2 Prozent der Assists. Und das, das ist bei der herausragenden Defense der Raptors vielleicht am meisten hervorzuheben, bei lediglich drei Ballverlusten.

Curry zauberte in Spiel 3 ein Meisterwerk auf den Court, eine All-Time Leistung eines All-Time Spielers. Wer wirklich noch an Curry als Playoff-Performer zweifelt, tut das spätestens jetzt nur noch aus persönlicher Abneigung. Dennoch reichte es nicht.

Draymond Green: "Ich muss ihm mehr helfen"

Es entbehrte dabei nicht einer gewissen Ironie, dass nur ein einziger Spieler jemals in einer Finals-Niederlage mehr Punkte auflegte, und zwar vor fast genau einem Jahr, an genau dieser Stelle. 51 Punkte von LeBron James reichten den Cavaliers damals nicht, um Spiel 1 gegen die Warriors zu gewinnen.

Ein Spiel, das als das "J.R. Smith Game" in die Geschichte einging, weil dieser mit einer fürchterlichen Fehlentscheidung am Ende der regulären Spielzeit die Chance auf den Sieg wegwarf, und damit auch die Serie. Vor Wut schlug LeBron auf eine Tafel ein und brach sich dabei angeblich die Hand, auch wenn er in den folgenden Spielen der Serie weiterhin mitwirkte.

In Spiel 3 der diesjährigen Finals gab es nicht diesen einen alles überstrahlenden Fehler. Problematisch waren die generelle offensive Harmlosigkeit, teils haarsträubende Turnover, vor allem aber ein Talent-Defizit auf Seiten der Warriors. Die Partie war zudem weit von einer Verlängerung entfernt, einige Fans in Oakland verließen die Oracle Arena schon Mitte des vierten Viertels.

Das Resultat war am Ende dennoch genau wie bei LeBron im Vorjahr: Das individuell beste Playoff-Spiel seiner Karriere endete in einer Niederlage. "Er war unglaublich", musste Draymond Green daher zugeben, "aber ich muss besser spielen und ihm mehr helfen. Wenn ich heute besser gewesen wäre, hätten wir das Spiel wohl gewonnen."

Golden State Warriors: Kein Vorteil beim 4-gegen-3

Es war dabei verständlich und auch erwartbar, dass Green die Schuld bei sich suchte. Nach den Ausfällen von Kevin Durant und Klay Thompson trägt er offensiv nach Curry die meiste Verantwortung bei den Dubs. Zwar war er mit 17 Punkten dann in Spiel 3 dann auch der zweitbeste Scorer Golden States, in seiner Kernkompetenz glänzte er jedoch weitaus weniger als zuletzt.

Green ist der Spieler, der mit seinem Playmaking normalerweise die Extra-Aufmerksamkeit für Curry meisterhaft ausnutzt und Überzahlsituationen besser löst als fast jeder andere NBA-Spieler. Diesmal gelang das nicht so gut - der Power Forward verteilte "nur" 4 Assists und leistete sich dabei ebenso viele Turnover, teils verheerender Natur.

"Sie haben ihn mit vielen Spielern verteidigt und das müssen wir besser ausnutzen", sagte Green. "Normalerweise sind wir sehr gut darin, diese Situationen zu lösen, und dann können wir sie dafür bezahlen lassen, wenn sie Steph so verteidigen. Wir müssen den Platz besser nutzen, der entsteht, wenn er mit zwei oder drei Leuten verteidigt wird. Das war nicht gut heute."

Golden State Warriors: Kaum Gefahr aus der Distanz

4-gegen-3-Situationen gehören im Normalfall tatsächlich zu den größten Stärken der Warriors und vor allem Green. Nur: Es spielt natürlich eine gewisse Rolle, wer die drei Spieler sind, die weder Curry noch Green heißen. Idealerweise gehören zwei davon zu den besten Shootern der NBA-Historie - das trifft auf Andre Iguodala, Quinn Cook, Jonas Jerebko, DeMarcus Cousins, Andrew Bogut, Alfonzo McKinnie, Jordan Bell oder Shaun Livingston aber eben nicht zu.

Im Gegenteil: Iggy und auch Green trafen zwar in Spiel 3 immerhin jeweils zwei Dreier, McKinnie und Jerebko jeweils einen, aber Toronto kann mit diesen Würfen natürlich leben. Abgesehen von Cook hatten die Dubs zumeist keinen Spieler auf dem Court, von dem man nicht absinken konnte. Folglich machten die Raptors die Zone dicht und verhinderten somit auch die sonst oft so gefährlichen Anstürme von Green auf den Korb.

Die Raptors blockten 10 Würfe - direkt am Ring trafen die Dubs nur 44,4 Prozent ihrer Würfe. Das schmerzte letztendlich wahrscheinlich sogar mehr als die Diskrepanz an der Dreierlinie, zumal Golden State diese Intensität am eigenen Korb zumindest im ersten Viertel nicht aufbringen konnte. Die Raptors erzielten im ersten Abschnitt 36 Punkte und gaben den Vorsprung in der Folge nie wieder ab.

Die Dreierschützen der Warriors in Spiel 3

TrefferVersuche
Stephen Curry614
Draymond Green26
Andre Iguodala26
Alfonzo McKinnie13
Jonas Jerebko13
Quinn Cook02
DeMarcus Cousins01
Jacob Evans01
Gesamt1236

Stephen Curry moniert schwache Defense

"Wir waren am Anfang wohl etwas überhastet", analysierte Curry, der 17 von 29 Warriors-Punkten im ersten Viertel erzielte. "Wir haben versucht, gute Offense zu kreieren, und das war jetzt unser drittes Spiel in Folge mit 109 Punkten. Es geht um unsere Defense. In der Hinsicht müssen wir uns in Spiel 4 am meisten verbessern."

Das muss zumindest die Mentalität der Warriors sein. Im Gegensatz zur Gesundheit einiger Spieler besitzen sie hier etwas mehr Kontrolle. Golden State musste zuletzt zwar einige Lineups aufbieten, die fast noch nie zusammengespielt und entsprechend wenig Kontinuität haben, auch das verbliebene Personal kann defensiv aber besser spielen, was es im weiteren Spielverlauf auch phasenweise demonstrierte. Auch wenn Thompson und Durant (und Kevon Looney) auch hier fraglos schmerzlich vermisst werden.

"Der Moment ist jetzt. Wir müssen eine "Next Man Up"-Mentalität haben, wie wir immer sagen, und einfach rausgehen und kämpfen", sagte Curry trotzdem. "Wir können besser spielen, vor allem defensiv, aber mir hat gefallen, wie wir das Duell angenommen haben, in dem Wissen, dass uns etwa 50 Punkte von KD und Klay fehlen. Wir müssen uns anpassen. Es ist eine lange Serie, es wird Spaß machen."

Steve Kerr schwärmt von Stephen Curry

Das wird sich zeigen. Die Serie ist nach wie vor schwer zu greifen, allen voran deshalb, weil man nie weiß, wer bei den Warriors in welcher Form zur Verfügung stehen wird. Das gilt auch für Spiel 4, für das womöglich Thompson und vielleicht sogar Durant zurückkehren könnten. Vielleicht aber auch nicht. Gewiss ist für den Moment nur, dass die Raptors gut genug sind, um auch einer Curry-Explosion wie in Spiel 3 standzuhalten.

"Was er auf dem Court anstellt ... ich glaube, niemand vor ihm hat jemals solche Dinge getan. Wie er das Spiel spielt, ist einfach nur unglaublich anzusehen. Er war atemberaubend", schwärmte Steve Kerr von Curry, der Niederlage zum Trotz. Man fühlte sich auch dabei an LeBron erinnert, speziell in den Jahren 2015 und 2018, in denen schier übermenschliche Leistungen doch nicht reichten.

Vor Wut die Hand gebrochen hat sich Curry aber wohl kaum. Entschieden sind die Finals schließlich noch lange nicht - im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren spricht diesmal aber auch längst nicht mehr alles für Golden State.

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