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NBA

NBA Finals - Toronto Raptors lassen große Chance auf den Titel aus: Eine verhängnisvolle Auszeit

Von Philipp Schmidt
Die Toronto Raptors erzielten nach ihrer finalen Auszeit nur noch zwei Punkte.

Die Toronto Raptors haben trotz Führung in der Schlussphase den 4-1-Sieg in den Finals verpasst. Hauptthema im Anschluss war eine diskutable Auszeit von Nick Nurse und die Rolle von Kawhi Leonard am Ende des Spiels.

Drei Minuten und 27 Sekunden waren in der Scotiabank Arena noch zu spielen, als die Stimmung am Siedepunkt angelangt war. Kawhi Leonard hatte soeben einen Jumper über Klay Thompson zum 103:97 verwandelt und damit einen persönlichen 10:2-Lauf abgeschlossen.

Die Warriors hatten über drei Minuten lang nur zwei Punkte auf die Anzeigetafel gebracht, ihnen gelang rein gar nichts. Auch der folgende Versuch von Curry aus der Distanz blieb zu kurz.

Dann nahm Raptors-Coach Nick Nurse bei 3:05 Minuten auf der Uhr eine Auszeit, die vielerorts für Verwunderung sorgte. Stephen A. Smith, der wie gewöhnlich nicht mit klaren Worten geizte, sprach von einem "Hirnfurz", der dem Spiel der Raptors die Energie und den Fluss raubte.

Golden State Warriors beenden Spiel mit 9:2-Lauf

Aber auch die Warriors zeigten sich überrascht und hoben hervor, dass die Pause insbesondere bei den sichtlich erschöpften Stephen Curry und Klay Thompson neue Kräfte freisetzte. "Coach Kerr malte ein paar großartige Plays auf, ich und Steph bekamen dadurch offene Würfe", sagte Thompson lapidar.

Der Champion beendete das Spiel mit einem 9:2-Run, Curry und Thompson trafen kombiniert 3 Dreier und sorgten dafür, dass Golden State auch ohne den erneut verletzten Kevin Durant noch auf den Threepeat hoffen darf. Für die Raptors scorte nur noch Kyle Lowry nach einem Goaltending.

Angesprochen auf seine Überlegungen, die zur Auszeit führten, nannte Nurse zwei Gründe: "Wir hatten noch zwei Auszeiten übrig, die wir unter der Drei-Minuten-Marke verloren hätten. Also habe ich entschieden, dass ich den Jungs eine Pause gebe. Ich dachte, dass wir ein bisschen Extra-Energie gebrauchen können."

Während es äußerst fraglich erscheint, ob eine Auszeit unbedingt genommen werden sollte, nur damit diese nicht verfällt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich auch die Raptors-Stars in der Schlussphase über den Platz schleppten.

Kawhi Leonard in der Schlussphase nur Nebendarsteller

Die starken Leonard (26 Punkte, 12 Rebounds und 6 Assists) und Lowry (18, 4 und 6) standen am Ende über 40 Minuten auf dem Court. Abgesehen von Fred VanVleet (11 Punkte, 3/6 3FG) spielte kein Reservist mehr als 17 Minuten. "Danach ist man immer schlauer. Wenn wir gewonnen hätten, würde keiner darüber sprechen", sagte Leonard bezogen auf das Timeout.

Aber es sollte anders kommen: Nach der Auszeit spielte Toronto mehrfach die Shotclock herunter und war zu schwierigen Abschlüssen gegen eine exzellente Warriors-Defense gezwungen. Einer der zwei Leonard-Würfe in der finalen Phase resultierte aus einer solchen Situation, der zweite war ein überstürzter und gut verteidigter Dreier.

Die weiteren Offensivaktionen der Kanadier: Ein recht offener Distanzwurf von Lowry, ein Turnover von Lowry, ein Drive von Marc Gasol und der letzte (geblockte) Versuch von Lowry. Leonard, der eigentlich der Hauptprofiteur der Nurse'schen Auszeit sein sollte, nahm in diesen Posessions nur eine Nebenrolle ein.

"Sie haben gefühlt 9 Punkte in einer Minute erzielt und einige offene Würfe nach Screens bekommen. Wir hatten einen entscheidenden Turnover, als K-Lo den Ball zurück zu Marc spielen wollte. Das war die Vorentscheidung", erklärte Leonard.

Toronto Raptors lassen zahlreiche Chancen aus

Golden State machte hingegen vor, dass gutes Ball Movement zu hochprozentigen Abschlüssen führen kann. So gingen dem entscheidenden Distanzwurf von Thompson drei Pässe (und ein genialer Shot Fake) voraus, ehe das Leder durch die Reuse ging.

Diese offensive Kreativität kam den Raptors vollkommen abhanden. "6 Punkte Vorsprung drei Minuten vor Schluss bedeuten gar nicht. Wir haben in der zweiten Hälfte gut verteidigt und nur 22 Punkte pro Viertel zugelassen. Wir hätten einfach ein paar Plays mehr am anderen Ende machen müssen", sagte Nurse.

Trotz aller Diskussionen über die Auszeit darf man nicht vergessen, dass die Warriors einige Fehler begingen und es den Raptors durchaus ermöglichten, das Spiel noch zu drehen. DeMarcus Cousins beging ein offensives Goaltending, Green leistete sich eine Backcourt Violation und Cousins ein Offensivfoul.

Die Gelegenheit, in den Schlusssekunden doch die Meisterschaft einzutüten, war somit immer noch gegeben. Leonard wurde gedoppelt und passte den Ball zu VanVleet weiter, der in der Ecke Lowry fand. Draymond Green war jedoch zur Stelle und vereitelte einen spektakulären Buzzerbeater.

Draymond Green blockt letzten Versuch von Lowry

Eine klare Ansage vom Coach für den finalen Spielzug gab es nicht: "Wir hatten nichts aufgezeichnet. Ich wurde gedoppelt und wir haben den Ball bewegt. Leider wurden wir den Wurf nicht schnell genug los", sagte Kawhi. Lowry lobte die Defense von Green: "Der Wurf hat sich gut angefühlt, aber er kam an den Ball. Das ist es, was großartige Verteidiger machen."

Der letzte Fehlwurf "krönte" einen hinsichtlich der Distanzwürfe miserablen Tag für Toronto: Die Raptors trafen nur acht von 32 Dreiern (25 Prozent), Golden State war 20 Mal (bei 42 Versuchen, 47,6 Prozent) erfolgreich und stellte einen Auswärtsrekord in der Finals-Geschichte auf. "Steph und Klay konnten 14 und 13 Dreier abfeuern. Das sind viel zu viele", ärgerte sich Lowry.

  • Toronto Raptors: Die Dreierquoten in Spiel 5
SpielerDreierquote
Kawhi Leonard2/7 (28,6 Prozent)
Kyle Lowry1/6 (16,7 Prozent)
Fred VanVleet3/6 (50 Prozent)
Pascal Siakam0/4
Danny Green0/4

Wie geht es nun in Spiel 6 (Freitag, 3 Uhr live auf DAZN) weiter? Vor dem Spiel wurde trotz der 3:1-Führung der Raptors teilweise von einem Must-Win gesprochen. Damals ging jedoch jeder davon aus, dass Durant den Warriors in der weiteren Serie zur Verfügung stehen wird.

Dieses Narrativ hat sich durch den erneuten KD-Ausfall wieder verändert und die Raptors haben weiterhin alle Möglichkeiten, sich erstmals den Titel zu sichern. Aber klar ist auch: Eine größere Chance als in diesen verhängnisvollen 3 Minuten und 5 Sekunden werden sie wohl nicht mehr bekommen.

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