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NBA Finals - Toronto Raptors gewinnen dank Green und Lowry Spiel 3 gegen Warriors: Finals-Modus aktiviert

Von Philipp Jakob
Danny Green hämmerte den Warriors in Spiel 3 sechs Dreier um die Ohren.

Die Toronto Raptors haben sich mit dem 123:109-Sieg in Spiel 3 gegen die Golden State Warriors den Heimvorteil in den NBA Finals zurückgeholt. Der Supporting Cast trumpft gegen dezimierte Dubs auf, vor allem Danny Green scheint pünktlich zurück im Finals-Modus.

Eigentlich war der Spielzug aus Raptors-Sicht schon gelaufen. Gut 30 Sekunden vor dem Ende des dritten Viertels wurde Kyle Lowry bei einem Drive zum Korb übel von Jordan Bell abgeräumt. Der Warriors-Big hämmerte den Layup-Versuch des Raptors-Guards gegen das Brett und verhinderte, dass Toronto den 13 Punkte-Vorsprung weiter ausbauen konnte.

Stattdessen schien sich den Warriors durch den langen Rebound eine exzellente Fastbreak-Möglichkeit zu eröffnen, um den Rückstand weiter einzustampfen. Doch dazu kam es nicht. Kawhi Leonard erkämpfte sich den Abpraller, gab den Ball weiter zu Danny Green und der drückte von Downtown ab: "Bang! Danny Green does it again!"

Diese Worte von ABC-Kommentator Mike Breen waren mit Bezug auf den 3-and-D-Spezialisten der Raptors schon länger nicht mehr zu hören, befand sich Green doch zuletzt noch in einem desaströsen Shooting-Slump: In den ersten drei Runden der Playoffs 2019 versenkte der 31-Jährige magere 31,4 Prozent von Downtown.

Statt 3-and-D reduzierte sich Green selbst nur noch auf einen Defense-Spezialisten, sein Coach Nick Nurse degradierte ihn in den Eastern Conference Finals gegen die Bucks zeitweise sogar auf die Bank. Doch aus diesem Shooting-Slump hat sich Green spätestens mit seinem Auftritt in Spiel 3 offenbar befreit - und das auf der größtmöglichen Bühne, den NBA Finals. Eigentlich darf das bei Green nicht überraschen.

NBA Finals: Für Danny Green die schönste Zeit des Jahres

Die Finals scheinen das Beste aus dem Shooting Guard herauszuholen. 2013 ballerte er sich im Trikot der San Antonio Spurs in die Konversation für den Finals-MVP, bevor die Heat ihm die Championship vor der Nase wegschnappten. Vor dem Start in die diesjährigen Finals hielt Green den Rekord für die beste Dreierquote in der Finals-Geschichte (52,2 Prozent bei zwei Finals-Teilnahmen; mindestens 50 Versuche).

Nachdem er bereits in den ersten beiden Partien gegen die Warriors seinen Slump langsam aber sicher hinter sich ließ (insgesamt 5/12 Dreier), legte Green nun in Spiel 3 mit einem spektakulären Auftritt nach. 18 Punkte standen am Ende auf seinem Konto, der Scharfschütze hämmerte den Dubs 6 Triples bei 10 Versuchen um die Ohren.

Sein letzter Treffer von Downtown stellte wie eingangs erwähnt auf +16 für die Raptors. Zu Beginn des Schlussabschnitts, als Golden State drauf und dran war, sich zurück zu kämpfen, holte er auch noch einen Chasedown-Block gegen Quinn Cook aus dem Repertoire - wie so oft an diesem Abend brachte er die Warriors-Fans in der Oracle Arena damit zum Schweigen und die zahlreichen Raptors-Fans vor Ort zum Ausrasten.

Danny Greens Statistiken in den Payoffs 2019

RundeSpieleMinutenPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
Erste Runde528,783,4237,835,7
ECSF7338,74,10,637,837,1
ECF624,43,53,30,818,817,4
Finals327,512,3415050

Raptors vs. Warriors: Tipps von einer NBA-Legende

Der Grund für diese Explosion ließ sich nach Spielschluss schnell finden. Green holte sich beim Aufwärmen einen Tipp seines ehemaligen Teamkollegen Shaquille O'Neal ab: "Er ist ein echter Shooter, ich weiß nicht, ob ihr das wusstet", scherzte Green auf der anschließenden Pressekonferenz.

"Ich habe vor dem Spiel kurz mit ihm gesprochen und er hat mir seine Shooting-Tipps gegeben", erklärte Green. "Es ging einfach um die fundamentalen, um die kleinen Dinge: Selbstbewusst sein und den Follow-Through halten." Ob es nun dieser bahnbrechende Tipp war, der Green geholfen hat, sei einmal dahingestellt.

Eine nicht ganz unwichtige Rolle dürfte aber auch eine Ansage von Nurse an Green und dessen Teamkollegen gespielt haben. "Let it rip", stand auf einem Whiteboard in der Kabine der Gäste aus Kanada geschrieben. Eine klare Botschaft, nachdem Toronto in den ersten beiden Partien gerade einmal 37,5 Prozent (30/80 FG) der als offen oder weit offen deklarierten Würfe versenkte und so gerade in Spiel 2 einige gute Möglichkeiten liegen ließ.

Toronto Raptors: Rekordverdächtiger Auftritt

Beim ersten Spiel in der Bay Area ließen sich die Raptors diese Chancen nicht mehr entgehen, das galt nicht nur für Green, sondern eigentlich für alle Gästespieler. Toronto versenkte 52,4 Prozent aus dem Feld, 44,7 Prozent von Downtown sowie 95,2 Prozent von der Linie.

Damit wurden die Raptors laut ESPN Stats & Info erst das dritte Team mit Shooting-Splits über 50/40/90 in der Finals-Historie (Warriors 2017 und Celtics 1986). Zusätzlich stellte Toronto mit 17 verwandelten Dreiern den Finals-Rekord in einem Auswärtsspiel ein.

Und noch eine beeindruckende Statistik: Alle fünf Starter der Raptors erzielten mindestens 15 Punkte. Das gelang in den vergangenen 20 Jahren nur einem weiteren Team, den San Antonio Spurs mit Green 2013. Für insgesamt 106 der 123 Zähler zeichneten sich die Starter verantwortlich, neben Green lieferte aus dem Supporting Cast vor allem Kyle Lowry einen bärenstarken Auftritt ab (23 Punkte, 9 Assists).

Raptors bekommen Curry nicht unter Kontrolle

Auch Marc Gasol oder Pascal Siakam hatten ihre Momente, genau wie Serge Ibaka mit seiner persönlichen Block-Party (allein 4 Blocks im vierten Viertel) oder Fred VanVleet mit seinem irren Dagger. Ach ja, und da war auch noch das wohl leiseste 30-Punkte-Spiel in Kawhi Leonards Karriere - übrigens sein 13. in dieser Postseason, nur LeBron und Kobe Bryant hatten in den vergangenen zehn Jahren mehr (14).

"Wir hatten bisher keinen wirklich guten Shooting-Abend als Team, aber ich wusste, dass der an irgendeinem Punkt kommen wird", sagte Green, der allein auf ein Offensiv-Rating von 142,1 kam, zur starken Offense seines Teams. "Zum Glück haben wir heute so einen Abend erwischt, aber wir müssen defensiv einen besseren Job machen. Wir müssen [die Warriors, Anm. d. Red.] besser limitieren, damit wir uns nicht immer auf unser Shooting verlassen müssen, um Spiele zu gewinnen."

Dabei war die Defense der Gäste alles andere als schlecht. Mit der eigenen Länge und Athletik machten sie es dem amtierenden Champion unter dem Korb schwer (Stichwort Ibaka), zudem verstand es Toronto recht gut, die sonst so gefährlichen Backdoor-Cuts der Dubs einzuschränken.

So war Stephen Curry durch den Ausfall von Klay Thompson und Kevin Durant über weite Strecken der Partie auf sich allein gestellt - und machte dennoch zweifelsfrei einen überragenden Job! Eine wirkliche Antwort auf den Chefkoch hatten die Raptors nicht parat, der scorte auch, wenn Toronto mehrere Verteidiger auf ihn warf.

Raptors-Explosion (nicht) nur eine Eintagsfliege?

Immerhin: Es schien, als ob die Raptors jedem Ansatz eines von Curry initiierten Laufes einen eiskalten Jumper von Kawhi, Lowry oder Green in der richtigen Situation entgegenzusetzen hatten. Da reichte den Warriors auch die Monster-Leistung von Curry wenig.

Bereits in Spiel 4 in der Nacht von Freitag auf Samstag (ab 3 Uhr live auf DAZN) könnten Klay und eventuell sogar KD jedoch wieder aufs Parkett zurückkehren. Das macht die Sachen für Toronto sicherlich ein wenig komplizierter.

"Darüber darf man sich gar keine Gedanken machen", wiegelte Coach Nurse die entsprechende Frage ab. "Jedes dieser Spiele ist kritisch und die nächste Partie wird genauso heikel wie die heutige. So war es schon die ganzen Playoffs über, wir müssen einfach diejenigen verteidigen, die auf dem Court sind. Das ist alles, was wir tun können."

Und im Idealfall weiterhin Würfe treffen. Will Toronto den amtierenden Champion tatsächlich vom Thron stoßen, dann müssen Danny Green und Co. in den kommenden Duellen beweisen, dass Spiel 3 keine Eintagsfliege war.

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