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NBA Finals – Die Golden State Warriors entführen Spiel 2: Bis zum letzten Oberschenkel

Drake ist nicht begeistert: Die Golden State Warriors zeigten in Spiel 2 der NBA Finals ihre DNA.

Bei den Golden State Warriors häufen sich mehr und mehr die Verletzungen, dennoch konnte der Champion Spiel 2 der NBA Finals mit 109:104 gewinnen und damit eine unglaubliche Serie fortsetzen. Der Sieg sprach vor allem für ihre mentale Härte.

Bei den Warriors wird niemand Mitgefühl oder irgendetwas Vergleichbares erwarten. Dafür hat dieses Team zu viel gewonnen, ist zu talentiert und hochwertig besetzt, selbst nach dem dauerhaften Ausfall des derzeit vielleicht besten NBA-Spielers. Der eine oder andere Hall-of-Famer trägt schließlich trotzdem weiterhin die Farben der Dubs.

Dennoch muss man festhalten: So verletzlich wie jetzt war dieses Team seit Jahren nicht mehr. Der Spielraum für Fehler ist weitaus kleiner geworden und phasenweise wirkt das mit Abstand beste Team der letzten Jahre fast schon normalsterblich. Die Warriors sind im Moment schlagbar, wenigstens solange Kevin Durant weiter ausfällt. Man muss nicht perfekt sein, um sie zu besiegen.

Das heißt aber nicht, dass sie sich einfach geschlagen geben. Man muss sie schon tatsächlich schlagen. Folglich dürften sich die Raptors über die Niederlage in Spiel 2 besonders ärgern. Es war eine vergebene Chance, zumal das Lazarett der Warriors mit zunehmender Zeit immer üppiger wurde. Dass sie trotzdem den Heimvorteil klauen konnten, sprach vor allem für die Mentalität dieses Teams.

Das prall gefüllte Lazarett der Warriors

Stephen Curry musste früh im Spiel in die Kabine, weil er offenbar dehydriert war, in jedem Fall stand er zu diesem Zeitpunkt neben sich. Andre Iguodala blieb nach einem harten Screen von Marc Gasol liegen und plagte sich erneut mit Schmerzen am Bein rum. DeMarcus Cousins startete, obwohl auch er noch immer Probleme mit dem Quadrizeps hatte. Kevon Looney fiel nach einer Kollision mit Kawhi Leonard permanent aus und stand den Warriors insgesamt nur zehn Minuten zur Verfügung.

Warum konnten die Raptors daraus kein Kapital schlagen? In der ersten Hälfte lag dies zunächst fast ausschließlich an Klay Thompson. Der Shooting Guard war wie so oft über die letzten Jahre in kritischen Spielen zur Stelle und strahlte zunächst als einziger Warrior irgendeine Gefahr aus. Sieben seiner zehn Würfe versenkte Klay in Halbzeit eins, während die restlichen Dubs neun von 30 trafen.

Draymond Green: "Hätten weiter hinten liegen müssen"

Toronto verpasste etliche Möglichkeiten, den Sack frühzeitig zuzumachen. Diverse offene Würfe verfehlten ihr Ziel, die Schwachstellen der Warriors wurden nicht so konsequent ausgenutzt wie in Spiel 1, zumal deren Defense generell mit mehr Intensität auftrat. Gegen Ende des zweiten Viertels rächte sich das, als Curry auf einmal aufwachte und die Warriors aus 12 Punkten Rückstand zur Pause 5 Punkte machten.

"Wir hätten eigentlich viel weiter hinten liegen müssen", musste Draymond Green nach dem Spiel zugeben. Golden State hatte bis dahin alles andere als gut gespielt, nur Klay, die Defense und die Freiwürfe hatten die Dubs im Spiel gehalten. Aber: "Wir wissen, dass wir 5 Punkte Rückstand innerhalb von zehn Sekunden aufholen können. Mir der Einstellung sind wir in die Pause gegangen."

Knockout im dritten Viertel

Der Beweis dafür folgte dann prompt, aber auf eine andere Weise. Während der Champ in Halbzeit eins mit einem blauen Auge davongekommen war, holte dieser nach der Pause selbst zum Knockout-Punch aus. Die Warriors wirkten keineswegs eingeschüchtert, stattdessen schüchterten sie nun selbst ein und spielten eine überragende zweite Halbzeit.

Defensiv verteilten sie die Coverages neu und brachten die Raptors damit aus dem Tritt. Indem Thompson nun den primären Leonard-Dienst bekam, konnten Green und Iguodala mehr in den Passwegen wildern und Turnover forcieren, was ihnen dann gleich fünfmal binnen weniger Minuten gelang und jedes Mal eine Einladung zum Fastbreak bedeutete.

Endlich gab es so ein paar einfache Punkte - auch gegen sortierte Defense. Curry bestrafte das Trappen der Raptors nun besser mit schnellen Entscheidungen, die daraus resultierenden Überzahlsituationen nutzten Green und auch Cousins blendend aus. Der Ball rotierte schneller, als die Raptors rotieren konnten.

Der Rückstand war so binnen Sekunden futsch, tatsächlich erzielten die Dubs 18 Punkte in Folge. Toronto wurde von einer Lawine überrollt, wie so viele Teams vor ihnen in den letzten Jahren. 22 Assists kamen in Halbzeit zwei auf 22 Field Goals. Das war monumental.

Stephen Curry: "Da zeigt sich unsere DNA"

"Ich glaube, wenn man an diesen Punkt kommt ... da zeigt sich unsere DNA", sagte Curry. Tatsächlich zeigten die Warriors mal wieder ihre Fähigkeit, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wie in Spiel 5 gegen die Rockets, als Steve Kerr seine Spieler als "Fucking Giants" bezeichnete, oder Spiel 2 gegen Portland, das sie dem Coach zufolge "geklaut" hatten.

Dieses Team findet Wege, um zu gewinnen. In der zweiten Hälfte war es vor allem das Ball Movement und die Rückbesinnung auf "Strength in Numbers": Quinn Cook spielte wichtige Minuten, Andrew Bogut sprang für Looney in die Bresche, Shaun Livingston lieferte am Ende eins der wichtigsten Plays im gesamten Spiel.

"Das ist nicht nur ein Slogan, der bei uns auf T-Shirts steht und in der Oracle Arena verteilt wird, oder irgendeine Marketingmasche. Das ist die Art und Weise, wie wir die gesamte Saison angehen", so Curry.

Die Auswärtsserie bleibt bestehen

Auch Cousins konnte daran zum ersten Mal so richtig teilhaben. Nach seiner langen Verletzungspause hatte er in Spiel 1 über acht Minuten sein Comeback gegeben, diesmal startete Cousins und lieferte in 27 Minuten 11 Punkte, 10 Rebounds und 6 Assists. Gerade defensiv sah man ihm zwar einen gewissen Rost an, trotzdem leistete Boogie einen wichtigen Beitrag.

Dieser war auch nötig, zumal sich Toronto nicht geschlagen gab - und Anfang des vierten Viertels dann auch noch Thompson ausfiel. Im Kollektiv hielt Golden State trotzdem den Kopf über Wasser, bis Iguodala 5,9 Sekunden vor Schluss die endgültige Entscheidung per Dreier besorgte.

Zum sage und schreibe 23. Mal in Serie gewannen die Dubs so mindestens ein Auswärtsspiel in einer Serie. Ihr Soll in der Serie haben sie damit fürs Erste erfüllt - selbst wenn noch nicht ganz klar ist, wie teuer sie sich diesen Sieg erkauft haben. Thompson und Looney werden am Montag gründlich untersucht.

Thompson humpelte dabei nach dem Spiel zwar übel, trotzdem glaubte weder er noch sonst jemand so richtig, dass er nun ausfallen wird. Das tut er schließlich nie, wenn es darauf ankommt. Auch deshalb sind die Warriors so schwer zu schlagen - selbst wenn es nicht mehr unmöglich erscheint.

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