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NBA Playoffs - Die Boston Celtics vor Spiel 5 gegen die Bucks: Mit kühlem Kopf in den Hexenkessel

Von Raphael Späth
Die Boston Celtics um Superstar Kyrie Irving stehen vor Game 5 gegen die Milwaukee Bucks gehörig unter Druck.

Die Boston Celtics stehen nach drei Niederlagen in Folge mit dem Rücken zur Wand und müssen Spiel 5 in Milwaukee gewinnen, um nicht schon frühzeitig die Koffer zu packen. Dafür müssen sich die Celtics vor allem auf ihre Grundprinzipien besinnen.

Spiel 5 zwischen den Bucks und Celtics findet heute Nacht in Milwaukee statt. Das komplette Spektakel gibt es ab 2 Uhr live auf DAZN - holt euch jetzt den kostenlosen Probemonat!

Mentale Stärke - Sie entscheidet im Basketball zwischen Sieg und Niederlage, zwischen Helden und Unvollendeten. Die mentale Stärke war der große Vorteil der Boston Celtics in der vergangenen Saison, als man sich trotz zahlreicher Verletzungen bis in die Conference Finals kämpfte und dabei einen Favoriten nach dem anderen entnervte.

Vor gerade einmal zehn Tagen sah alles danach aus, als ob diese Eigenschaft auch 2019 noch Teil der Celtics-DNA wäre: Als wankender Favorit hatte Boston in der ersten Runde die Indiana Pacers gesweept, mit breiter Brust wurden dann auch die Milwaukee Bucks - immerhin das beste Team der Regular Season - aus dem erst in dieser Saison neu eröffneten Fiserv Forum gefegt.

Allen voran brillierte dabei Kyrie Irving, der die Fans in Wisconsin mit 26 Punkten und 11 Assists früh zum Schweigen brachte. "Ich kann mich, wann immer ich will, auf meinen Wurf verlassen. Ich denke, jeder in der Arena weiß das", tönte Irving nach dem Spiel.

Kyrie Irving: "22 Würfe? Ich hätte 30 nehmen sollen"

Zehn Tage später reisen die Celtics wieder an den Lake Michigan und für Irving selbst wäre es wohl das Beste, wenn er dort die Treffsicherheit wiederfindet, die ihn in Spiel 1 zum Matchwinner gemacht hat. Seitdem konnte Boston nämlich kein Spiel mehr gewinnen, Irving traf in den letzten drei Partien nur knapp 30 Prozent seiner Würfe.

In Spiel 4 drückte Irving 22 Mal ab, traf aber nur 7 Mal ins Schwarze. An seiner Strategie wird er trotzdem nichts ändern: "22 Würfe? Ich hätte 30 nehmen sollen. So ein großartiger Shooter bin ich eigentlich." Das Problem, das musste auch Irving zugeben, war allerdings die starke Bucks-Defense: "Sie stellen die Zone gut zu. Es sieht immer so aus, als ob die Zone vollgestopft ist, egal ob ich zum Korb ziehe oder einfach nur auf dem Court stehe."

Darauf fand der Celtics-Guard nicht nur in Spiel 4 keine Antwort. Über die letzten drei Spiele setzte Irving 43 Feldwurfversuche daneben (bei 62 Versuchen) - so schlecht traf der 27-Jährige über einen Drei-Spiele-Zeitraum in den Playoffs laut ESPN Stats & Info noch nie.

Irvings Ladehemmungen färbten sich in den vergangenen Spielen auf das komplette Team ab, vor allem hinter der Dreierlinie sind die Schwächen eklatant. Vor heimischem Publikum im ausverkauften TD Garden trafen die Celtics in Spiel 4 nur 22 Prozent ihrer 41 Dreierversuche.

Ineffiziente Celtics-Shooter gegen effiziente Bucks-Bank

"Es tut mir leid, es sagen zu müssen, aber unsere Offense bestimmt momentan unsere Defense", kritisierte Marcus Morris nach dem Spiel. "Wir treffen unsere Würfe nicht und arbeiten nicht nach hinten."

Vor allem im dritten Viertel wurde Boston dabei die Grenzen aufgezeigt. Als die Starter eine Verschnaufpause bekamen, zog Milwaukee davon: Die Bucks-Bankspieler erzielten in den letzten zwei Partien 41 Punkte mehr als die Celtics-Reservisten, vor allem Gordon Hayward verschwindet nach phasenweise guten Auftritten regelmäßig wieder in der Bedeutungslosigkeit.

Der Forward, der eigentlich als zweiter Superstar neben Kyrie Irving nach Massachusetts geholt wurde, erzielte in Spiel 4 nur zwei Zähler. Kombiniert kamen alle vier eingesetzten Bankspieler auf sieben Punkte. "Wir müssen alle besser spielen, die Bank der Bucks spielt momentan exzellenten Basketball", musste Coach Brad Stevens nach der Partie anerkennen.

Genau deshalb sind die Anhänger der Celtics froh, dass ein weiterer wichtiger Bestandteil der Rotation rechtzeitig zur Crunchtime wieder zurückkommt: Marcus Smart war beim letzten Playoff-Run 2018 einer der Grundsäulen des Erfolges, allerdings musste der 25-Jährige zuletzt aufgrund eines Bauchmuskelrisses vier Wochen pausieren und bei seinem Comeback sah er alles andere als gut aus.

Bucks vs. Celtics: Die Serie im Überblick

TagDatumUhrzeitSpielHeimAuswärtsErgebnis
Sonntag28. April19 Uhr1MilwaukeeBoston90:112
Mittwoch1. Mai2 Uhr2MilwaukeeBoston123:102
Samstag4. Mai2 Uhr3BostonMilwaukee116:123
Dienstag7. Mai1 Uhr4BostonMilwaukee101:113
Donnerstag9. Mai2 Uhr5MilwaukeeBoston
Samstag11. MaiTBD6BostonMilwaukee
Dienstag14. MaiTBD7*MilwaukeeBoston

Marcus Smart: Der Kämpfer für die wichtigen Momente

Smarts Eigenschaften als Kämpfer sind dennoch genau das, was Boston jetzt braucht: "Ich glaube, dass wir ein bisschen zu soft spielen", stellte Marcus Morris nach Spiel 4 fest. Morris ist in diesen Playoffs einer der verlässlichsten Shooter der Celtics (44,4 Prozent von Downtown), die offensive Aufgabe von Smart oder auch Hayward muss es sein, ihm und Jaylen Brown durch aggressive Drives zum Korb Raum zu verschaffen.

Stattdessen verliebten sich die Celtics in den vergangenen Partien viel zu oft und viel zu sehr in den eigenen Jumper, selbst wenn es mit diesem Mittel eigentlich nicht lief. Beispiel Smart: Im ersten Spiel nach seiner Verletzung stand der Guard zunächst einmal nur 15 Minuten auf dem Parkett, nahm allerdings 7 Dreier, von denen nur einer sein Ziel fand.

Milwaukee und Boston trafen sich schon 2018 in den Playoffs, auch damals stieg Smart erst nach vier Spielen in die Serie ein. Schlussendlich konnten sich die Celtics in sieben Spielen durchsetzen. Ein Grund dafür: Giannis Antetokounmpo wurde in Spiel 7 in seinem Schaffen zumindest eingeschränkt.

Boston Celtics: Giannis mit allen Mitteln kaltstellen

Dies gelang Boston auch in Game 1 der diesjährigen Serie, woran vor allen Dingen Al Horford einen großen Anteil hatte. Horford ist für viele Experten einer der wenigen Spieler der Liga, der das Spiel von Antetokounmpo einigermaßen im Griff hat. In Spiel 1 wurde Giannis gleich viermal vom Big Man gerupft und verwandelte nur vier seiner 14 Zonenwürfe.

In den letzten drei Spielen versuchten die Bucks dann, Horford durch das Erzwingen von Switches vom Griechen wegzulotsen. Seitdem dominiert Giannis fast nach Belieben. Allerdings hat Boston in Smart einen defensiven Schweinehund zurück, der auch vor großen Gegnern nicht zurückschreckt. Eine aufgeheizte Atmosphäre stachelt ihn nur noch mehr an, und genau das wird die Celtics in Milwaukee erwarten.

Ob Boston den Greek Freak in seinem Schaffen einschränken kann, wird neben der mentalen Stärke darüber entscheiden, wer in Spiel 5 als Sieger vom Court geht. Für Boston gibt es keine andere Option mehr, als dieses Spiel zu gewinnen. Zumindest verbal scheint die breite Brust von vor zehn Tagen aber immer noch zu bestehen: Auf die Frage, wie es um das Selbstbewusstsein der Celtics nach Spiel 4 stehe, antwortete Kyrie Irving trocken: "Das ist unerschütterlich."

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