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NBA Playoffs – Houston Rockets vs. Golden State Warriors: Die Chance ihres Lebens

Chris Paul und James Harden wollen mit den Houston Rockets die Golden State Warriors eliminieren.

Die Houston Rockets haben in Spiel 5 der Serie gegen die Golden State Warriors die Chance verpasst, die Führung zu übernehmen. Nun kämpfen sie in Game 6 (Sa., 3 Uhr live auf DAZN) selbst gegen die Elimination. Wiederholt sich die Geschichte?

Eine gewisse Symmetrie lässt sich nicht verleugnen, wenn man auf diese Conference-Semifinals-Serie blickt, die sich bei all den begleitenden Storylines, all dem Drama mindestens wie die Conference Finals anfühlt. Die Parallelen zur Serie vor genau einem Jahr sind eklatant.

Damals hatten die Rockets den Heimvorteil und eine 3-2-Führung nach Spiel 5, sie verloren in ebendiesem fünften Spiel in Chris Paul aber ihren bis dahin vielleicht besten Spieler der Serie, und auch die Serie ging im Anschluss noch verloren. Diesmal sind es die Warriors, die nach einem dramatischen Sieg in Spiel 5 mit der Führung, aber ohne ihren besten Spieler nach Houston reisen.

"Er war bisher der beste Spieler dieser Playoffs, er war einfach nur phänomenal", sagte Dubs-Coach Steve Kerr am Donnerstag, im Wissen, dass Kevin Durant frühestens in den Conference Finals von seiner Wadenzerrung zurückkehren wird. Golden State muss vorerst ohne KD auskommen, die Machtverhältnisse der Serie haben sich verändert.

Jetzt sind die Rockets an der Reihe. Eine bessere Chance dürfte vor allem Paul nicht mehr bekommen, um den großen, den letzten Makel seiner Karriere endgültig auszuradieren.

Rockets lassen mehrere Chancen liegen

Blickt man auf den bisherigen Verlauf der Serie, gibt es ein großes Überthema: Das der verpassten Chancen, gerade auf Seiten der Rockets. Nach Spiel 1 konzentrierte sich vieles auf die Schiedsrichter, doch Houston hatte mehr als genug Möglichkeiten, den Sieg zu klauen. Man witterte eine Verschwörung, doch in den entscheidenden Momenten standen sich die Rockets teils selbst im Weg.

Auch nach Spiel 5 wurden fehlende Calls moniert, unter anderem stand Klay Thompson in den Schlusssekunden wohl mit dem Ball im Aus, bevor er den letzten Layup traf. Mehr als solche einzelnen Szenen war es jedoch das Team selbst, das sich das Spiel durch die Finger gleiten ließ. Durant verletzte sich 14 Minuten vor Schluss, nach drei Vierteln stand es 72:72, das "Momentum" war im dritten Viertel nach einem 14-Punkte-Rückstand zur Pause auf Houstons Seite gewechselt.

Die Rockets konnten den Sieg jedoch nicht mit nach Hause nehmen. James Harden nahm im letzten Viertel nur noch einen Wurf, Paul machte nur noch 3 Punkte nach Durants Verletzung. Dass die Rockets die Partie mit 99:104 verloren, lag jedoch nicht primär an ihrer Offense.

Nicht James Harden war das Problem

Harden mag bisweilen etwas passiv gewirkt haben, er traf jedoch in den letzten sieben Minuten des Spiels nach seiner Einwechslung fast nur richtige Entscheidungen, als er gedoppelt wurde und den Ball dann (überwiegend an Paul) weiterspielte. Dafür haben die Rockets zwei Hall-of-Fame-Playmaker und weitere Ballhandler wie Austin Rivers und Eric Gordon - und sie punkteten bei sieben der letzten zwölf Possessions. Das ist nicht perfekt, aber auch alles andere als schäbig.

Das Problem lag auf der anderen Seite. "Wir haben keine Stops bekommen, als wir sie brauchten", analysierte Paul richtigerweise. Golden State spielte in den letzten Minuten mit dem Mut der Verzweiflung und erarbeitete sich mit Ball-Movement, schnellen Entscheidungen und Offensiv-Rebounds seine Punkte - bei acht ihrer letzten zehn Ballbesitze scorten die Dubs.

Vermeintlich hätten die Warriors in den Seilen hängen sollen, stattdessen hatten sie am Ende mehr Energie - deswegen gewannen sie das Spiel. Deswegen bezeichnete Kerr sie als "Fucking Giants", deswegen war die Niederlage aus Rockets-Sicht besonders ärgerlich. Mit einem Sieg hätte man für Spiel 6 nach Hause fahren können, um die Serie für sich zu entscheiden.

Euphorie trägt die Golden State Warriors

Stattdessen kämpfen die Rockets in der Nacht auf Samstag um ihre Saison. Den Wettanbietern zufolge sind sie dabei jedoch klar favorisiert, aus gutem Grund. Die Warriors wurden am Ende von Spiel 5 auch von der eigenen Euphorie getragen, ihre Möglichkeiten ohne Durant sind fortan aber arg limitiert: Kevon Looney war zuletzt der einzige Bankspieler, dem Kerr konstant vertraute, nun muss er wohl starten - und Kerr muss irgendwie wertvolle Minuten aus seinen letzten verbleibenden Reservisten herausholen.

Steph Curry, Thompson, Draymond Green, Andre Iguodala und Looney standen in der Saison ganze 13 Minuten gemeinsam auf dem Court, nun werden sie alle eine noch größere Last tragen müssen. Und sie müssen Foul-Trouble vermeiden - was gegen die Rockets besonders schwerfällt, gerade Curry hatte bisher in fast jedem Spiel Probleme. Houston wiederum eröffnen sich neue Möglichkeiten.

Clint Capela und Chris Paul müssen zulegen

Auch die Rockets hatten bisher ja viele Reservisten, die kaum spielbar waren, weil die Warriors sie permanent attackieren konnten und fast immer entweder Durant oder Curry auf dem Court stand. Zumindest in den (wenigen) Bankminuten von Curry wird man nun auch mal mit Nene oder vielleicht sogar Kenneth Faried besser auskommen können.

Die größte Last werden auch in Game 6 aber natürlich wieder die Stars tragen. Insbesondere von Clint Capela und Paul muss mehr kommen: Der Center traf in Spiel 5 nur drei seiner zehn Würfe, einen physischen Vorteil konnte er nicht ausspielen, im Gegenteil: Gerade Looney nahm ihm in der Schlussphase einige Male Rebounds vor der Nase weg und agierte viel bissiger.

Paul wiederum kam auf 11 Punkte (3/14 FG) und verfehlte jeden seiner sechs Dreier. Es ist bisher ohnehin nicht die Serie Pauls (39 Prozent aus dem Feld, 27,6 Prozent Dreier), dem man die 34 Jahre mittlerweile doch etwas mehr ansieht, aber dieser Auftritt war besonders bitter. Zumal er ein paar Erinnerungen hervorrief.

Chris Paul: Nicht mehr der Iso-Star früherer Tage

Unter allen aktiven NBA-Spielern hat nur LeBron James ein höheres Player Efficiency Rating in den Playoffs als Paul. Mehr als einmal verhinderten Verletzungen von entweder ihm oder von Mitspielern tiefere Postseason-Runs (Paul stand vor dem letzten Jahr nie in den Conference Finals), überwiegend hat er in seiner Karriere individuell absolut elitäre Playoff-Leistungen hingelegt.

Dennoch gab es über die Jahre auch einige Fälle, in denen Paul selbst die Fehler beging, die ultimativ das Weiterkommen verhinderten, ob aus Anspannung oder weshalb auch immer.

In Spiel 5 verhielt sich das am Ende ähnlich: Wenn Harden abspielte, bekam zumeist Paul den Ball und sollte die Offense kreieren, mehrfach in Isolation gegen Looney. Das ist eigentlich ein absolut wünschenswertes Szenario für die Rockets, doch Paul konnte das Mismatch nicht konstant genug bestrafen.

Kein Einzelfall: 2018 generierte Paul in den Playoffs noch 1,17 Punkte pro Isolation, in diesen Playoffs liegt der Wert bei 0,77 Punkten. Deswegen können die Warriors mit Isolationen von Paul weitaus besser leben als mit solchen von Harden (1,06 PPP). Deswegen hält er selbst sein Schicksal und das seines Teams umso mehr in der Hand.

Die Statistiken von Chris Paul gegen die Warriors

SpieleMinutenPunkteAssistsFG%3FG%
2018536,719,84,640,736,8
2019538,914,65,639,327,6

Chris Paul nimmt sich selbst in die Pflicht

Paul ist nicht mehr auf der Höhe seiner Schaffenskraft, aber er kann noch immer weitaus besser spielen als in Game 5. Mike D'Antoni hatte daran keine Zweifel: "Jeder kann mal eine Off-Night haben. Sie (Paul und Capela, d. Red.) werden sich am Freitag mit voller Kraft zurückmelden, da bin ich sicher."

Paul stellte nüchtern fest, dass er sich selbst in der Verantwortung sieht. "Wir hatten unsere Möglichkeiten. Aber wir müssen offensiv und defensiv besser sein", sagte der Point God, "vor allem ich."

Dies ist seine Chance, mit dem Verlierer-Narrativ endgültig aufzuräumen, eine viel bessere wird es nicht mehr geben. Und Entschuldigungen wahrscheinlich auch nicht.

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