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NBA Playoffs: Golden State Warriors ringen Houston Rockets nieder - Der Geist von 2015 lebt!

Von Robert Arndt
Die Golden State Warriors haben sich in Spiel 5 noch einmal aufgerafft.

Die Golden State Warriors haben mit der Verletzung von Kevin Durant eine kritische Situation gemeistert und führen in der Serie gegen die Houston Rockets nach dem dramatischen Spiel 5 mit 3-2. Einiges erinnerte dabei an die frühen Tage der Warriors-Dynastie, das "Gründer-Trio" hielt die Hoffnungen auf den Threepeat am Leben.

Die Saison der Warriors hing zu Beginn des vierten Viertels am seidenen Faden. Kevin Durant verletzte sich gegen Ende des dritten Abschnitts nach einem erfolgreichen Sprungwurf über Iman Shumpert, als er zurücklaufen wollte, es schienen verhängnisvolle Schritte zu werden. Der zweifache Finals-MVP griff sich schmerzverzerrt ans rechte Bein, die Oracle Arena verstummte vor Schock.

Der bisher beste Spieler der Western Conference in diesen Playoffs (im Osten dürfen Kawhi Leonard und Giannis Antetokounmpo auch ihren Hut in den Ring werfen) humpelte vom Feld, die Befürchtung, es könnte ihn schlimmer erwischt haben, grassierte, wurde aber wenig später entkräftigt. NBA-Twitter hatte in der Zwischenzeit schon die Beerdigung der Warriors und KD im Dubs-Trikot diagnostiziert.

Kevin Durant verletzt sich im dritten Viertel

Letztlich handelte sich nur um eine Wadenzerrung, aber zurückkehren konnte KD eben nicht. Mit 72:72 ging es in den Schlussabschnitt, die Angst ging in Oakland um. Würden die Rockets von der Verletzung profitieren und dieses Spiel klauen? Könnte dies tatsächlich das Ende der Oracle Arena in der NBA sein? Die Warriors ziehen bekanntlich im Sommer nach San Francisco um, Spiel 6 hätte leicht ein Do-or-Die-Spiel sein können.

Die Dynastie stand in diesem Moment auf dünnem Eis, eventuell wäre es sogar Durants letztes Spiel für die Warriors gewesen. Doch es standen auch noch andere Spieler auf dem Feld, Akteure, die für den kometenhaften Aufstieg der Franchise zuständig waren, als Durant noch an der Seite von Russell Westbrook in Oklahoma City spielte. Stephen Curry, Klay Thompson und Draymond Green übernahmen und ließen 2015 im Geiste noch einmal aufleben.

Curry, Green und Thompson sichern Golden State den Sieg

Green war es, der sich spät im vierten Viertel mal wieder ein unnötiges technisches Foul abholte, um dann wenig später einen Dreier auf Höhe der Rockets-Bank reinzunageln. Dass Green den Reservisten der Gäste im Anschluss einiges zu sagen hatte und nah an der Ejection war, verstand sich von selbst. Nur einen Ballbesitz später legte Thompson nach, als er von der Birne eiskalt blieb und seinen Signature-Jubel präsentierte, indem er wie eingefroren, sein Handgelenk nach unten geklappt hielt. Aus 91:89 wurde 2:34 Minuten vor dem Ende ein 97:89.

Und dann war da noch Curry, der lange Zeit Probleme und bis zur Durant-Verletzung nur 9 Punkte (4/14 FG) auf dem Konto hatte. In den letzten 16 Minuten legte der Chefkoch aber 16 Zähler (5/7 FG) nach und schnappte sich knapp eine Minute vor dem Ende (99:95) seinen eigenen Fehlwurf. Es folgte das Foul, Curry blieb eiskalt. Die Warriors schaukelten es über die Zeit - irgendwie.

"Unsere Jungs sind fucking giants", jubelte Warriors-Coach Steve Kerr darum nach dem Spiel und bezog sich dabei auf Liverpool-Trainer Jürgen Klopp, der die gleichen Worte nach dem märchenhaften 4:0 in der Champions League gegen den FC Barcelona gewählt hatte. Die Reds sind den Dubs dabei noch mehrere Schritte voraus, doch Golden State kann zunächst einmal durchatmen.

Ohne großen Druck geht es nun zurück nach Texas, auch wenn Kerr anmerkte, dass der womögliche Ausfall von Durant alles verändern würde. Das vierte Viertel zeigte zumindest, dass Curry und Co. gewisse Phasen ohne den Forward überstehen können, ob dies über 48 Minuten funktioniert, wird sich zeigen. Zumindest Curry blühte ohne KD an seiner Seite in den Playoffs auf.

Stephen Currys Playoff-Statistiken seit 2016/17

Punkte/75 Min.Würfe/75 Min.
Mit Durant2517,5
Ohne Durant30,724

Golden State dreht den Spieß um

In den drei Vierteln mit Durant war es ebenfalls die bekannte Achterbahnfahrt. Golden State startete furios und schien aus den Fehlern der Spiele in Houston gelernt zu haben. Houstons Defense im Halbfeld war zwar wieder unglaublich bissig und entnervend, doch die Warriors konnten sich schnell aus der Umklammerung lösen und schlugen das Small-Ball-Lineup mit den eigenen Waffen.

Noch in Spiel 4 war das Rebounding von P.J. Tucker (6 Offensiv-Rebounds) die große Story, diesmal sah der ehemalige Bamberger keine Sonne am Brett. Stattdessen setzte gegen Ende der ersten zwölf Minuten Backup-Big Kevon Looney Akzente und lieferte in 22 Minuten wichtige 5 Punkte sowie 9 Boards (5 offensiv).

So bekam Looney auch im Schlussabschnitt wichtige Minuten und stand mit seinem Hustle sowie guter Eins-gegen-Eins-Defense gegen Chris Paul ebenso für den erfolgreichen Kraftakt. Den letzten 14 Punkten der Warriors ging der Hälfte ein Offensiv-Rebound hervor, genau umgekehrt verlief es noch in Spiel 4.

Des Weiteren spielte auch Green bereits in der ersten Halbzeit eine essentielle Rolle. Nicht nur verteidigte der Small-Ball-Center exzellent, sondern machte das Spiel auch immer wieder mit guten Outlet-Pässen schnell. Auch erinnerte der 17:0-Lauf im zweiten Viertel und die daraus resultierende Atmosphäre stark an die Zeiten, als die Warriors tatsächlich noch für ihren Slogan 'Strength in numbers' standen.

Golden State Warriors: Die Dynastie lebt

Der müsste nun eher 'Strength in the Starting Five' (oder so ähnlich) heißen, der Wille ist aber nach wie vor da. Genau wie die auf der anderen Seite die seit Jahren charakteristischen Turnover: Auch in Spiel 5 waren wieder Aktionen dabei, die man einfach nicht erklären konnte. Curry warf einen Lobpass direkt zum Gegenspieler, Green spielte einen Einwurf in Richtung Curry, der überhaupt nicht zum Ball schaute.

Auch dank solcher Aktionen konnten sich die Rockets erst wieder zurückkämpfen, bevor wegen Durant schließlich scheinbar alle Warrios-Felle davonschwammen.

"Ich hatte das Gefühl, dass wir das Spiel aus der Hand geben werden", gab auch Kerr nach dem Spiel zu. Es sollte anders kommen. Wie schon im vergangenen Jahr, als man gegen die Rockets mit 2-3 hinten lag, raufte sich das Team, welches seit der Saison 2014/15 fast alles abgeräumt hat, noch einmal zusammen und holte das eminent wichtige Spiel.

Die Warriors sind noch nicht satt, die Reise soll nicht in der zweiten Runde enden. "Sie haben jede Menge Eier gezeigt", bemühte Kerr weitere Kloppo-Terminologien. Der Geist von 2015 lebt weiter in Oakland. Mindestens ein Spiel wird es in der Oracle Arena noch geben.

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