Suche...
NBA

NBA Finals - Die "fantastische" Geschichte von Toronto Raptors-Superfan Nav Bhatia

Nav Bhatia unterstützte die Toronto Raptors schon lange vor der Ankunft von Kyle Lowry.

Der größte Fan der Toronto Raptors ist nicht etwa Drake - sondern ein einstmals mittelloser Immigrant namens Nav Bhatia. Die Geschichte des indischen "Superfans" geht dabei weit über den Basketball hinaus und beeindruckt auch den Head Coach des Gegners in den NBA Finals.

Man muss nicht lange überlegen, wenn man den bekanntesten Raptors-Fan identifizieren will. Es ist Drake, der kanadische Rapper, der neben seiner Rolle als Meister-Troll an der Seitenlinie auch noch Global Ambassador der Franchise ist. Drake ist der bekannteste und auch der lauteste Fan der Raptors. Der größte Fan der Franchise ist er aber sicherlich nicht.

Diesen Titel kann man ebenfalls ohne großes Überlegen vergeben. Und zwar an Nav Bhatia, einen Fan, den namentlich wahrscheinlich nur recht wenige kennen - den aber trotzdem fast jeder kennt, der schonmal ein Spiel der Raptors gesehen hat. Bhatia ist eigentlich nicht zu übersehen, gerade bei Freiwürfen gegnerischer Spieler.

Im Jahr 1995 besuchte Bhatia zum ersten Mal ein Spiel der Raptors, einer neu gegründeten Franchise in Kanada. Es war ein Experiment, es wurde eine Leidenschaft. In den 24 Jahren seither hat er jedes Heimspiel gesehen - ohne Ausnahme. Bhatia ist ein "Superfan", wie er im Buche steht - gerade für seine Gemeinde ist der Sikh indes weitaus mehr als das.

Der American Dream in Kanada

Bhatia verkörpert gewissermaßen den klassischen "American Dream", aber eben in Kanada. Im Jahr 1984 verließ er seine Heimatstadt Delhi auf der Flucht vor den Anti-Sikh-Pogromen und musste dabei das Familiengeschäft aufgeben (die Familie besaß ein Kino und führte mehrere Restaurants). In Toronto suchte er einen Neuanfang als Ingenieur, doch monatelang handelte er sich eine Absage nach der anderen ein. Keiner wollte einen Sikh mit Turban und üppigem Bart einstellen.

Nachdem Hunderte von Bewerbungen im Sand verliefen, wurde Bhatia eines Tages dann doch von einem Hyundai-Händler als Autoverkäufer eingestellt und verkaufte trotz einiger Anfeindungen innerhalb von drei Monaten 127 Autos - angeblich bis heute ein Rekord. Es war der Auftakt einer Erfolgsgeschichte.

Bhatia wurde zunächst Manager einer anderen Filiale und verhinderte dort den Bankrott, später konnte er sowohl diese als auch seine ursprüngliche Filiale kaufen und sich damit ein eigenes Vermögen aufbauen. Binnen weniger Jahre wurde er von einem fast mittellosen Immigranten zu einem erfolgreichen Geschäftsmann - und dann zum Unterstützer der Raptors ab dem ersten Tag.

Nav Bhatia: Raptors-Dauerkarte seit 1995

Schon in der ersten Saison ihres Bestehens kaufte sich Bhatia eine Dauerkarte, die er bis heute nicht abgegeben hat. "Es ist witzig, wenn ich mir teilweise Spiele aus den späten 90er Jahren ansehe und Nav exakt dort sitzt, wo er heute sitzt, und exakt das gleiche tut", sagte Ex-Raptor DeMar DeRozan 2014. Bhatia offenbarte auch dabei enormes Durchhaltevermögen - in den ersten Jahren ihres Bestehens waren die Raptors bekanntermaßen eins der schlechtesten NBA-Teams.

Der heute 67-Jährige zeigte trotzdem stets Begeisterung für das Team und wurde dabei schon 1998 vom damaligen General Manager Isiah Thomas bemerkt, der Bhatia offiziell den Titel "Superfan" verlieh. Wenig später entschied sich dieser, die neu gewonnene Beziehung zu nutzen, um aus seinen eigenen Erfahrungen mit Vorurteilen und Rassismus etwas Positives zu schaffen.

Bhatia wollte die Wahrnehmung von Sikhs in der kanadischen Gesellschaft verändern. Mit Hilfe der Raptors organisierte er eine Baisakhi-Tag-Feier an einem Spieltag (gegen die Pacers), für das er selbst 3.000 Tickets für Kinder aus Südasien kaufte. Diese Feiern sind seither zur Tradition geworden und dienen dazu, junge Fans aus allen Gesellschaftsteilen zum Basketball und zusammenzubringen.

Ein Botschafter der Toronto Raptors

Bhatia ist mittlerweile - wie Drake - auch offiziell ein Botschafter der Franchise, vor allem ist er aber ein Botschafter der Integration. Auch in mehreren US-NBA-Städten hat er mittlerweile Fan-Events organisiert und etliche Spenden für (unter anderem) Fan-Projekte in den USA, in Kanada und in Indien gesammelt.

In einem Ted Talk, der 2014 veröffentlicht wurde, erklärte Bhatia seine Sicht der Rolle von Sport als Mittel der Integration: "Ich sage immer, man soll mir jede Person der Welt geben - wir gehen zu einem Spiel. Völlig egal, welche Farbe, welcher Glaube, welche Rasse oder welches Geschlecht sie haben, gebt mir 48 Minuten beim Spiel mit ihnen. Ihre Sicht auf die Sikhs wird sich dadurch für immer verändern."

Aus einer Beleidigung wird Freundschaft

Über die Jahre ist Bhatia in Toronto und darüber hinaus zur Ikone geworden. Im Lauf der Conference Finals gegen die Bucks zeigte sich wiederum, dass seine "Mission" der Integration (natürlich) noch lange nicht beendet ist. Ein Fan der Bucks beleidigte nach Spiel 4 ihn bei Twitter rassistisch. Bhatia reagierte darauf allerdings auf seine ganz eigene Art und Weise.

Bhatia reiste zum fünften Spiel nach Milwaukee und sprach dort mit etlichen Bucks-Fans, die sich für die Aussagen bei ihm entschuldigten. Bei Twitter bedankte er sich dafür: "Ich weiß, dass wir in einer hitzigen Serie sind, aber ich möchte, dass alle wissen, auch wenn eine Person etwas gesagt hat: Milwaukee und seine Fans sind unglaublich!" Am Tag danach rief der Fan, der ihn beleidigt hatte, bei Bhatia an, um sich zu entschuldigen.

"Ich sagte ihm, dass er sich nicht fertig machen soll. Wir sind alle Menschen und begehen Fehler. Er hat sich dafür entschuldigt und ich habe es angenommen", so Bhatia zu Global News Toronto. Bei der nächsten Gelegenheit werde er ihn zum Essen einladen. "Wir haben aus etwas Negativem etwas sehr Positives gemacht. Jetzt sind wir Freunde." Ein besseres Beispiel für Bhatias Bedeutung lässt sich wahrscheinlich kaum finden.

Steve Kerr bezeichnet Navs Geschichte als "fantastisch"

Mit dem Einzug in die Finals ist Bhatia nun bekannter denn je. Dank eines viralen Twitter-Threads von CNN-Reporter Muhammad Lila wurde in den vergangenen Tagen auch Warriors-Coach Steve Kerr auf Bhatia und seine Geschichte aufmerksam und bezeichnete sie als "fantastisch" - Superfan des gegnerischen Teams hin oder her.

Manche Geschichten gehen einfach über den Sport hinaus. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass Bhatia sich deswegen nicht mehr auf seine größte Leidenschaft konzentrieren würde. "Ich arbeite sehr hart und bin ehrlich. Ich trinke nicht. Ich rauche nicht. Ich womanize nicht. Ich Raptorize nur", ist Bhatias Motto.

Und das bei jedem Spiel, seitdem die Franchise existiert. Nun auch auf der allergrößten Bühne.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung