Suche...
NBA

NBA Playoffs - Philadelphia 76ers siegen in Toronto: Die Macht der Adjustments

Die Philadelphia 76ers nahmen in Spiel 2 einige Anpassungen vor.

Die Philadelphia 76ers haben Spiel 2 bei den Toronto Raptors gewonnen und damit die Serie ausgeglichen. Die Sixers und vor allem Coach Brett Brown zogen die richtigen Schlüsse aus der deftigen Pleite in Spiel 1 und machten genau die richtigen Anpassungen. Nun ist Browns Gegenüber gefragt.

1. Jimmy Butler im vierten Viertel

Gut, in Spiel 1 konnte Butler im vierten Viertel kaum glänzen, da die Partie bereits frühzeitig entschieden war, umso interessanter war es nun, wie Philly in einem engen Spiel reagieren würde. Kawhi Leonard drehte auf, die Scotiabank Arena wurde zum Tollhaus und der zweistellige Vorsprung schmolz Mitte des vierten Viertels bis 3:30 Minuten vor dem Ende langsam dahin (78:83). Also nahm Butler das Heft in die Hand und erzielte die folgenden 7 Zähler für die Sixers.

Er pushte den Ball in Transition, zog ohne Furcht zum Korb und traf dazu einen wichtigen Dreier. Die Raptors spielten in dieser Phase guten Basketball, trafen in Person von Kyle Lowry schwierige Würfe und dennoch konnte Toronto trotz dreier verwandelter Dreier innerhalb einer Minute nicht in Führung gehen.

"Das ist James Butler", freute sich Sixers-Coach Brett Brown nach dem Spiel über die fantastische Vorstellung seines Forwards. Butler spielte satte 43 Minuten, im Schlussabschnitt pausierte er gar nicht, und legte in dieser Zeit 30 Punkte, 11 Rebounds sowie 5 Assists auf. "Er war heute der Erwachsene im Raum, unser Fels in der Brandung. Mit seinem Willen konnten wir viele Situationen meistern."

Dem wollte Butler natürlich nicht widersprechen, nur beim Namen legte Butler ein Veto ein. "Ich heiße nicht James, sondern wirklich Jimmy", erklärte Butler und sorgte auf der PK für einige Lacher. Vielmehr wollte Butler dann aber zu seiner eigenen Leistung nicht sagen, dafür hob er die Mannschaft hervor. "Es war eine echte Mannschaftsleistung. Wir haben Stops generiert und konnten so im Fastbreak operieren."

Die Sixers hielten Toronto bei gerade einmal 89 Zählern sowie nur 36 Prozent aus dem Feld. Unter 90 Punkten blieben die Raptors letztmals Ende Dezember bei einer Pleite in Orlando. Dies war nicht nur ein Verdienst der Spieler, sondern auch von Coach Brown, der einige interessante Veränderungen vornahm.

2. Ben Simmons gegen Kawhi

Dies fing bei der Verteidigung von Kawhi Leonard an, der in Spiel 1 noch 45 Punkte erzielt und vor allem Butler mehrfach verdammt schlecht aussehen lassen hatte. Butler wurde beim zweiten Aufeinandertreffen mit der Bewachung von Kyle Lowry (20, 7/17 FG) beauftragt und machte das deutlich besser. Wie Butler sich durch die zahlreichen Blöcke kämpfte, war vorbildlich, Lowry kam nur selten zur Entfaltung und polsterte sein Punktekonto erst durch die beiden schweren Dreier in der Crunchtime auf.

Dieses Matchup fiel Butler also wesentlich leichter als die undankbare Aufgabe gegen Kawhi, stattdessen durfte sich Ben Simmons versuchen. Und tatsächlich: Die Länge des Sophomores schien die Klaue zu beeinträchtigen, der Australier ließ sich bei Leonards energischen Drives nicht verschieben.

So dauerte es fünf Minuten, bevor Kawhi überhaupt einen Wurf losbekam, zuvor musste die Klaue mehrfach abdrehen und konnte nicht seinen gefürchteten Midrange-Jumper loswerden. "Simmons ist lang", gab auch Kawhi nach dem Spiel zu. "Sie haben mich gut verteidigt, da muss man den Hut ziehen."

Dass Leonard dennoch auf 35 Punkte (13/24 FG) und 6 Assists kam, spricht dennoch für die Klasse des Raptors-Stars, der immer Wege finden wird, um zu scoren. "Ben hat es gut gemacht", lobte auch Brown. "Wir wollten Leonard aber auch ein wenig aus dem Rhythmus bringen, indem wir ihn immer mal wieder doppelten."

Das funktionierte letztlich nur bedingt, reichte aber, weil der Rest der Raptors quasi abgemeldet war. Alle Raptors-Spieler außer Kawhi trafen gerade einmal 30,7 Prozent aus dem Feld (20/65 FG, 7/27 Dreier).

3. Joel Embiid gegen Siakam

Das galt auch für Pascal Siakam, der zwar auf 21 Punkte kam, aber dafür 25 Würfe brauchte und nur zwei Freiwürfe nahm. Es war ein durchaus interessanter Schachzug von Brown: Joel Embiid gegen dessen Landsmann zu stellen, brachte die Raptors komplett aus dem Rezept.

Die Devise der Sixers war klar: Siakam kann den Dreier gerne haben, aber der Drive sollte mit Embiid weggenommen werden. Der Center sank immer wieder weit ab und lud Siakam zum Wurf ein. Von seinen acht Sprungwürfen (sechs Dreier) fiel gerade einmal ein einziger Versuch, die Strategie der Sixers ging somit voll auf. Dass der MIP-Kandidat aber auch in der Zone unter 50 Prozent traf, lag auch an Embiid, dessen Länge Siakam vor große Probleme stellte.

"Das war meine Aufgabe und ich denke, ich habe das gut umgesetzt", sagte Embiid nach dem Spiel. So spielte es auch keine Rolle, dass der Center in 32 Minuten nur 12 Punkte (2/7 FG) erzielte. Ob Embiid überhaupt spielen konnte, war lange unklar, vor dem Spiel erhielt Phillys Superstar noch eine Infusion, nachdem er sich mit einer Grippe herumschlug.

Für Brown war es umso wichtiger, dass Embiid auflaufen konnte, schließlich hatte der Sixers-Coach Siakam als Schlüssel zur Serie ausgemacht. Dass Embiid den Forward diesmal verteidigte, erklärte Brown damit, dass Siakam viele Elemente von Bucks-Star Giannis Antetokounmpo auf sich vereint, etwa den Speed, die langen Schritte und natürlich den unnachahmlichen Spin-Move.

Embiid sah in den Duellen mit Giannis meist recht respektabel in der Defense aus und auch gegen Siakam enttäuschte der Kameruner nicht. In der Schlussphase besorgte Embiid dann auch noch den entscheidenden Korb für die Sixers, als er mit starker Fußarbeit seinen Albtraum-Gegenspieler Marc Gasol ausstiegen ließ und aus nächster Nähe das 92:89 besorgte.

4. Das Entstauben von Greg Monroe

Während Embiid offensiv so seine Probleme hatte, war Greg Monroe der beste Big der Sixers am vorderen Ende des Feldes. Genau, jener Monroe, den die Raptors zur Trade Deadline nach Brooklyn schickten. Der Monroe, der danach sowohl von den Nets als auch von den Boston Celtics entlassen wurde und den Philly als Notfallplan und dritten oder vierten Center kurz vor den Playoffs holte.

Für Moose war es somit eine Art Revanche-Spiel, entsprechend motiviert trat der Center auf, bevor er sich im dritten Viertel am Knöchel verletzte. So spielte Monroe nur knapp zwölf Minuten, in denen er aber 10 Zähler und 5 Rebounds auflegte, dazu gehörte ihm das beste Plus-Minus-Rating aller Sixers-Spieler mit +8. Monroe spielte dabei den Großteil seiner Minuten gegen Gasol und dominierte tatsächlich dieses Matchup.

Der Spanier mag zwar ein starker Post-Verteidiger sein, doch durch sein Alter von 34 Jahren fehlt ihm in der Pick'n'Roll-Verteidigung inzwischen ein wenig die Mobilität, um selbst ein Kaliber wie Monroe zu stoppen. Philly bemerkte das schnell und lief mit Monroe immer wieder diesen Spielzug.

So konnte Brown lange Zeit auf Boban Marjanovic verzichten, der auch in Spiel 2 "bewies", dass er in dieser Serie nicht spielbar ist. In knapp 90 Sekunden attackierten ihn die Raptors zweimal, zweimal gab es Punkte für die Raptors, weswegen der Sixers-Coach schnell die Reißleine zog, um den Sieg in Kanada nicht zu gefährden.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung