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NBA: Kommentar zu Magic Johnson und den Lakers - Namen alleine reichen nicht

Magic Johnson ist mehr Teampräsident der Los Angeles Lakers.

Wie aus dem Nichts hat Magic Johnson in der Nacht auf Mittwoch seinen Rücktritt von den Los Angeles Lakers verkündet. Auf den ersten Blick ein Bärendienst - es kann sich aber auch als große Chance herausstellen. Ein Kommentar von SPOX-NBA-Redakteur Ole Frerks.

Pünktlich zu ihrem Ende hat Magic Johnson den Deckel auf eine verkorkste Lakers-Saison gesetzt. Ohne vorherige Absprachen hat der Teampräsident eine Pressekonferenz einberufen, um seinen Rücktritt zu verkünden. Er habe (seiner Chefin und guten Freundin) Jeanie Buss nicht in die Augen sehen können, so die Begründung, warum er diesen Schritt hinter ihrem Rücken durchführen musste.

Es passte zu dieser Saison, in der bei den Lakers mehr hinter dem Rücken als geradeheraus kommuniziert wurde, in der Misstrauen unter Coaches, Spielern und eben dem Front Office vorherrschte. Bill Oram zeichnete in The Athletic schon am Dienstag ein verheerendes Bild einer Franchise, die in etlichen Aspekten dysfunktional ist. In den Stunden danach wurde dieses Bild um mehrere Pinselstriche ergänzt.

Magic hatte sich gerade erst Buss' Erlaubnis abgeholt, Head Coach Luke Walton von seinem Leid zu erlösen, nun hat er sich stattdessen selbst erlöst. Er könne so nicht er selbst sein, erklärte Magic, es gefalle ihm nicht, dass er Spielern wie Russell Westbrook nicht via Twitter zu dessen 20-20-20-Spiel gratulieren dürfe, ohne dafür des Tamperings bezichtigt zu werden (Team-Offiziellen ist es nicht erlaubt, über Spieler zu sprechen, die bei anderen Teams unter Vertrag stehen).

Während in Los Angeles spekuliert wird, ob der plötzliche Rücktritt mit einer drohenden Anschuldigung zu tun haben könnte, lässt sich vorerst nur festhalten: So grandios Magic als Spieler war, so inkompetent war sein Auftreten als Leiter des Front Office. Und zwar bis zum Schluss.

Magic Johnson wurde aufgrund seines Namens Boss der Lakers

Vielleicht (nein: Definitiv!) war es naiv, sowohl von Buss als auch von LeBron James, sich darauf zu verlassen, dass Magic einen Plan haben würde, weil ... er der vielleicht beste Laker aller Zeiten war? Weil er ein erfolgreicher Geschäftsmann ist? Seine Erfahrung im Front Office kann nicht den Ausschlag gegeben haben; er hatte keine.

Die Schlüssel zur populärsten Franchise der NBA wurden ihm aufgrund seines Namens in die Hand gegeben, ohne dass Buss vorher den Markt sondiert hätte. Seitdem er den Job bekommen hat, rekrutierte er LeBron und tappte ansonsten in ein Fettnäpfchen nach dem anderen, von Tampering-Geldstrafen über verkorkste Transaktionen (Zubac?).

Die Geschehnisse rund um die Trade Deadline offenbarten schonungslos, was bei den Lakers alles schief lief. Während bei den Clippers der Trade von Tobias Harris wie aus dem Nichts kam, wurde bei den Lakers-"Verhandlungen" mit New Orleans sekündlich ein neuer Wasserstand vermeldet, was Buss später zu der peinlichen Aussage verleitete, "Fake News" hätten ihre Saison kaputtgemacht. Wenig später kam sie selbst auf die Idee, dass das Problem eher bei "einigen Mitarbeitern" liegen könnte, die all diese Infos an die Presse weitergaben.

Als es zu keinem Trade für Anthony Davis kam, pöbelte Johnson öffentlich gegen die Pelicans und zählte die jungen Spieler an, die sich jetzt eben zusammenreißen sollten. Wieder die Botschaft: Ich bin Magic Johnson, wir sind die Lakers, also gebt uns, was wir wollen! Mit dem subtilen Vorgehen seines besten Vorgängers Jerry West oder anderer kompetenter Entscheider hatte das nichts zu tun. West wusste aber, dass Namen alleine nicht ausreichen.

Der Rücktritt von Magic Johnson ist eine Chance

Die Lakers müssen sich nun neu sortieren. Wie es nun zum Beispiel mit GM Rob Pelinka und auch Walton weitergeht, ist völlig unklar - beide sind in ihrem Ansehen durch die ganze(n) Posse(n) sicherlich beschädigt.

Man kann Johnsons Rücktritt aber auch anders sehen - als Chance für einen dringend benötigten Neuanfang, als Weckruf. Buss sollte sich diesmal mehr Zeit lassen und etwas genauer überlegen, wer die Franchise führen soll. Der Sommer wird extrem wichtig und es ist anspruchsvoll genug, die Franchise um eine mächtige Figur wie LeBron herum zu steuern.

Magic war dieser Rolle nicht gewachsen. Das ist genau so offensichtlich wie die legendären Tweets, auf die er sich jetzt wieder konzentrieren kann.

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