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NBA - Trae Young und Collins bei den Hawks: Die Zukunft ist angekommen

Von Philipp Jakob
Trae Young und John Collins sorgen bei den Hawks für Begeisterung.

Nach einem desolaten Saisonstart findet sich Trae Young in der NBA immer besser zurecht - und erinnert mit seinen spektakulären Dreiern und dem beeindruckenden Passing langsam aber sicher an alte College-Zeiten. Gemeinsam mit John Collins bildet er bei den Atlanta Hawks ein vielversprechendes Duo, das die Zukunft der Franchise prägen soll.

"Man kann definitiv sagen, das ist die Zukunft" - bei diesen Worten schweifte der Blick von Hawks-Forward DeAndre' Bembry einmal quer durch den Locker Room, hinüber zu zwei jungen Talenten, die die Franchise in eine neue Ära führen sollen: Trae Young und John Collins.

Kurz zuvor hatte sich dieses Duo einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Beim Duell gegen die Timberwolves Ende Februar avancierten die beiden zu den ersten Teamkollegen im Alter von 21 Jahren oder jünger seit fast zehn Jahren, die mindestens 30 Punkte im selben Spiel erzielten. Es waren bei Weitem nicht die einzigen beeindruckenden Auftritte.

Ein weiteres Beispiel nur zwei Tage später: Beim vierfachen Overtime-Krimi gegen die Bulls schraubte Young seinen Karrierebestwert auf 49 Punkte nach oben. Wieder gut eine Woche später wird er gegen Brooklyn der erste Hawks-Rookie in der Geschichte der Franchise mit einem Triple-Double. Collins' Statline in der gleichen Partie? 33 Punkte und 19 Rebounds.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Zukunft der Hawks in der NBA angekommen ist. Bis zu dieser Feststellung hatte es allerdings einige schwierige Monate gebraucht. Seit dem Draft im Juni 2018 schwebte der Trade um Luka Doncic wie eine dunkle Wolke über Atlanta.

NBA-Experten zweifeln an Young-Doncic-Trade

Damals entschieden sich die Hawks, ihren dritten Pick im Tausch gegen den fünften Pick und einen zukünftigen Erstrundenpick (2019 Top-5-protected) nach Dallas abzugeben. Doncic landete also bei den Mavs, Atlanta bekam Young.

Schon am Draft-Abend machte sich bei einigen Experten und sicherlich auch dem ein oder anderen Hawks-Fan Entsetzen über diese Entscheidung breit. Dieses Gefühl zog sich über den Sommer und wurde in den ersten Saisonmonaten sicherlich nicht besser.

Während der Slowene im Trikot der Mavs von Beginn an überzeugte und schon nach wenigen Monaten den Titel als Rookie of the Year quasi sicher hatte, hätte Youngs Start in die beste Basketballliga der Welt fast nicht schlechter sein können. Der November mit 14 Punkten pro Partie in 16 Spielen und katastrophalen Wurfquoten (35,5 Prozent FG und 19,8 Prozent Dreier) war der Tiefpunkt. Die Kritiker fühlten sich bestätigt.

Trae Young bei den Hawks: Zurück auf dem College-Niveau

"Ich habe mir das Tape von diesem Monat angeschaut, das war verrückt", erklärte Young rückblickend. "Ich lache darüber, wie schlecht ich war. Das ist fast surreal." Dass der 20-Jährige seinen mehr als suboptimalen Start in die NBA mittlerweile mit Humor nehmen kann, liegt in erster Linie an den vergangenen Wochen.

Seit November hat sich Young stetig verbessert, spätestens seit dem All-Star Break ist er ordentlich on fire: 24,9 Punkte, 8,7 Assists und eine Wurfquote von 44,2 Prozent aus dem Feld sowie 40,4 Prozent von Downtown (bei 6,6 Versuchen) sprechen eine eindeutige Sprache. Young hämmert seine Dreier wieder auf dem Niveau durch die Reuse, mit dem er am College in Oklahoma die Massen und die NBA-Scouts begeistert hatte.

Trae Young: Das Passing die größte Stärke?

Es ist jedoch nicht nur das Shooting, was den Hawks-Fans ein Lächeln nach dem anderen ins Gesicht zaubert. Sein Skills-Coach Alex Bazzell legte in der gemeinsamen Arbeit im Sommer den Fokus auf das Passing, seiner Meinung nach ist das die größte Stärke im Spiel seines Schützlings.

Statt Videomaterial von Steph Curry zog sich Young also Tapes von Steve Nash rein. Das macht sich bezahlt, genau wie die Erfahrungen aus jedem NBA-Spiel. "Er ist unser Floor General. Teams blitzen gegen ihn, switchen, verteidigen ihn Full Court ... Er versteht, dass er das annehmen muss, was die Defense ihm zeigt, und nichts erzwingen darf. Er wird im Laufe der Saison immer besser", zeigte sich zuletzt auch Head Coach Lloyd Pierce mit der Entwicklung seines Point Guards äußerst zufrieden.

Young sorgt nicht nur mit tiefen Dreiern regelmäßig dafür, dass die Fans in der State Farm Arena zu Atlanta ausrasten, sondern begeistert auch mit teils spektakulären Assists. "So gewinnt man Spiele, indem man den Ball teilt", sagt auch Veteran Vince Carter, der sein Locker nicht zufällig direkt neben Young hat.

John Collins und Trae Young: Der One-Two-Punch der Hawks

Von Youngs Fähigkeiten als Passer profitiert natürlich auch John Collins. In seinem zweiten Jahr in der NBA hat er sich als ein potenzieller zukünftiger Star in der Liga etabliert. Gemeinsam mit Young bildet er in Atlanta einen extrem gefährlichen One-Two-Punch.

Vor allem das gemeinsame Pick-and-Roll ist eine wichtige Waffe in der Offense der Hawks. Young mit seinem Shooting aus jeder Lage und Collins mit Explosivität am Ring sind nur schwer zu verteidigen. Von Collins' 728 Abschlüssen in der aktuellen Saison sind 463 Dunks oder Layups, seine 138 Slams sind zudem die zehntmeisten in der gesamten Liga - und das, obwohl er bereits 19 Spiele mit verschiedenen Blessuren aussetzen musste.

Der Nr.19-Pick von 2017 kann aber mehr als nur dunken, zusätzlich hat er auch noch einen respektablen Dreier im Repertoire (35,8 Prozent bei 2,5 Versuchen pro Partie). Wenig überraschend sind es aber natürlich trotzdem die Dunks, mit denen Collins am meisten für Furore sorgt.

Young und Collins sind somit ein Duo, das perfekt in die moderne NBA und ins System von Pierce passt. Die Hawks sind bei den erfolgreichen Abschlüssen in der Restricted Area (20,5 pro Spiel) und von Downtown (12,8) jeweils in der Top 5 der Liga, dementsprechend nehmen sie die zweitwenigsten Midrange-Jumper hinter den Rockets.

Die Saisonstatistiken von Trae Young und John Collins

NameSpiele/MinutenPunkteReboundsAssistsTurnoverFGDreier
Trae Young73/30,818,53,67,83,941,5 Prozent33,3 Prozent
John Collins54/29,719,59,71,9256,7 Prozent35,8 Prozent

Trae Young und John Collins sind die Zukunft der Hawks

Nachdem die Hawks ihre Turnover-Problematik vom Saisonbeginn besser unter Kontrolle gebracht haben, steht Atlanta dank ihres dynamischen Duos bei einer zumindest respektablen Bilanz von neun Siegen und 14 Niederlagen seit Anfang Februar - und das, obwohl die Playoffs schon lange außer Reichweite sind. "Es ist wichtig für jeden hier in der Kabine, dass wir die Saison stark beenden", sagte Young nach dem 117:114-Erfolg gegen die Jazz in der Nacht auf Freitag, bei dem er mit 23 Punkten und 11 Assists sein 25. Double-Double der Saison auflegte. "Die Saison erfolgreich zu beenden, wird uns nächstes Jahr helfen."

Einziger Makel ist die schwache Defense des Teams, in dieser Hinsicht sind auch Young (113,1 Defensive Rating) und Collins (111,0) nicht frei von jeder Schuld. Schlimmer noch, mit diesen Zahlen gehören sie zu den schlechtesten Verteidigern auf ihren Positionen.

Das ändert aber nichts daran, dass das Duo in Atlanta die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Zukunft Spiel für Spiel weiter anwachsen lässt. So sieht das offenbar auch Young selbst. "Es macht Spaß und ich glaube, wir haben alle zusammen Spaß", erklärte der Guard gegenüber The Athletic. "Ich bin super begeistert über dieses Team. Ich denke, es werden gute Dinge auf uns zukommen."

In Person von Kevin Huerter zeigte ein weiterer Rookie im Kader der Hawks bereits gute Ansätze. Zudem werden im Draft durch den eigenen und unter Umständen auch den Mavs-Pick vielversprechende Talente hinzukommen. Doch der langfristige Erfolg der Franchise wird wohl in erster Linie von Young und Collins abhängen, das hat nicht nur Bembry richtigerweise erkannt. Die Zukunftsaussichten könnten schlechter sein.

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