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NBA - Mavs-Insider Tim Cato im Interview: "Sie würden Dirk nie aus der Liga drängen"

Tim Cato ist Beatwriter der Dallas Mavericks für The Athletic und begleitet die Texaner zu jedem Spiel. SPOX sprach mit dem Mavs-Insider über Luka Doncic und dessen Upside, den kontroversen Trade um Kristaps Porzingis und Dennis Smith und über die anstehende Free Agency.

Außerdem erklärt Cato, warum Dirk Nowitzki seiner Meinung nach eher nicht noch eine 22. Saison dranhängen wird.

Mr. Cato, Sie begleiten die Dallas Mavericks für The Athletic täglich und sind auch auf allen Auswärtsreisen dabei. Neben Dirk Nowitzki herrscht auch um Luka Doncic ein riesiger Hype. Wie erleben Sie Lukamania in dieser Saison?

Tim Cato: Es ist schon der Wahnsinn. Natürlich herrschte früh in Dallas, Slowenien und ganz Europa ein Hype, aber inzwischen spüren wir das auch in jeder Arena der NBA. Jeder will ihn sehen, auch national wird massiv über ihn berichtet, was er kann oder was er werden könnte. Und das auch zurecht. Ich denke, sein Spielstil passt perfekt zur modernen NBA, auch im Hinblick auf die Zukunft. Und dann gibt es natürlich auch noch die Leute, die seinen Swagger mögen, seinen Background. Es gibt nicht so oft Jungs, die mit 13 Jahren ins Ausland wechseln und dann minderjährig mehrere Saisons bei den Profis spielen. Und das nicht irgendwo, sondern in der zweitbesten Liga der Welt, bei einer der besten Mannschaften in Europa. Dass er nun diesen Hype bekommt, ist letztlich nur eine Bestätigung dafür, wie gut er bereits ist.

Wie geht er selbst mit diesem Trubel um? Wo sehen Sie sein Limit?

Cato: Er ist ein unglaublicher Junge, der mit dem ganzen Rummel gut zurechtkommt. Er scheint sehr bodenständig zu sein und kann das alles ganz gut einordnen. Er ist bereits jetzt in seiner ersten Saison ein richtig guter Basketballspieler und kann sich meiner Meinung nach zu einem Top-5-Spieler in dieser Liga mausern. Er hat das Potenzial dafür. Damit sage ich aber nicht, dass er das auch tatsächlich erreichen wird, denn natürlich hat er auch gewisse Limitierungen. Trotzdem spielt er eine absolut historische Rookie-Saison, weswegen ihn auch einige mit LeBron James vergleichen, zumindest statistisch.

Aber wahrscheinlich auch nur statistisch ...

Cato: Sie haben natürlich ganz andere Voraussetzungen, aber ähnliche Stärken, wenn man zum Beispiel an die Court Vision denkt. Vielmehr hat mich überrascht, dass er direkt so ein guter Scorer ist. Damit hat er selbst aber auch nicht gerechnet. Das hat fast niemand kommen sehen und auch deshalb ist der Hype so enorm geworden. Dass er dagegen eine unglaubliche Übersicht hat, wussten wohl die meisten, dennoch ist es beeindruckend. Man kann also sagen, dass der Hype gerechtfertigt ist.

Wann hat Luka selbst gemerkt, dass er so einen Einfluss haben kann? In der Preseason hatte er ja noch recht gut sichtbar einige Probleme. Wann haben Sie gemerkt, dass Dallas hier den Hauptgewinn gezogen hat?

Cato: Das ist eine gute Frage. Es stimmt, was Sie sagen, dass einige seine Vorbereitung etwas kritisch sahen. Ich fand zwar, dass es völlig in Ordnung war, aber auch ich habe nicht erwartet, dass er dann in der "richtigen NBA" gleich so explodiert. Mein persönliches Aha-Erlebnis war wahrscheinlich das Spiel in San Antonio im Oktober, als er 31 Punkte machte und man das Gefühl hatte, dass Dallas nur dank ihm überhaupt eine Chance hatte. Danach gab es gar nicht mehr so diesen einen Moment, stattdessen machte Luka immer wieder gute Partien. Er zeigt jedes Spiel etwas Neues und baut darauf immer weiter auf.

Was fehlt Doncic noch, damit man ihn als Franchise-Player bezeichnen kann, mit dem ein Team beständig Spiele gewinnt?

Cato: Was Rick Carlisle und die Mavs vor allem sehen wollen, ist eine gewisse Beständigkeit in seinem Spiel. Da geht es nicht darum, dass er hier und da 30 Punkte auflegt und seine Passfähigkeiten aufblitzen lässt, nur um dann eher abzutauchen. Diese Konstanz muss er sich noch aneignen, wenn er der absolute Franchise-Player sein will. Wir dürfen aber nicht vergessen: Auch wenn er wie ein Veteran spielt, ist er noch ein Rookie. Die Konstanz wird kommen und das wird ihn zu einem Superstar in dieser Liga machen.

Neben Doncic soll Kristaps Porzingis nun der zweite Eckpfeiler der Mavs werden. Wie haben Sie ihn in den ersten Wochen in Dallas wahrgenommen?

Cato: Er wirft derzeit nach jedem Training für sich allein. Dazu hat Coach Carlisle nach dem Spiel bei den Clippers mit ihm ein wenig individuell gearbeitet. Es wirkt so, als sei er schon sehr nah dran am Team und könnte wohl bald wieder spielen, aber die Mavericks und auch er selbst sind da sehr vorsichtig und wollen es langsam angehen lassen. Es gibt schließlich auch keinerlei Grund zur Eile, die Playoffs sind außer Reichweite und somit geht es um nichts mehr.

Waren Sie überrascht, als es im Zuge des Trades Gerüchte gab, dass Porzingis auch die Qualifying Offer in Betracht ziehen würde?

Cato: Das ergibt keinen Sinn, am wenigsten für ihn selbst. Er würde dadurch so viel Geld verlieren, das er nie wiedersehen würde. Es ist natürlich weiterhin eine Möglichkeit, weil es von seiner Seite nie dementiert wurde. Aber es würde mich schon sehr überraschen, wenn er nach einem Kreuzbandriss auf so viel Geld verzichten würde. Außerdem hat er mit Luka hier einen Freund, den er schon über Jahre kennt, sie reden ständig miteinander Spanisch und sind zwei Franchise-Player im beinahe gleichen Alter. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er nicht langfristig in Dallas unterschreiben wird.

Im gleichen Alter wäre auch Dennis Smith Jr. gewesen, der im Austausch mit Porzingis nun für die Knicks spielt. Was ist mit ihm schiefgelaufen?

Cato: Nach der ersten Saison waren hier eigentlich noch alle optimistisch, was Smith anging. Das Problem war aber, dass Luka so schnell so gut war und die Ansprüche auf einmal höher waren. Smith konnte mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten, weil er noch nicht verstand, was es heißt, bei einem Team zu spielen, welches gewinnen möchte. Es war aber nicht alles schlecht mit ihm. Auch im zweiten Jahr gab es gute Ansätze von ihm zu sehen, er wird früher oder später ein guter Spieler sein. Letztlich ging es den Mavs aber vor allem um Luka und da war der Fit mit Smith nicht ideal. Vielleicht hätten die beiden sich irgendwann angepasst, doch Dallas wollte darauf offensichtlich nicht warten.

Porzingis kam letztlich für einen hohen Preis. Zwei Erstrundenpicks und die schlechten Verträge von Tim Hardaway Jr. sowie Courtney Lee waren eine Menge Holz. Zu viel?

Cato: Ja, zwei Picks sind vielleicht einer zu viel. Dennoch verstehe ich die Absicht dahinter, für einen Spieler wie Porzingis so einen Preis zu riskieren. Ob Dallas nun zu viel abgegeben hat, werden wir wohl erst in fünf Jahren wissen. Stand jetzt ist es aber wohl ein Win-Win-Move für beide Seiten.

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