Suche...
NBA

NBA - Beobachtungen zum All-Star Game: Würdiger Abgang einer Legende namens Dirk Nowitzki

Von Philipp Jakob
Dirk Nowitzki hat im All-Star Game 2019 in vier Minuten drei Dreier versenkt.

Das All-Star Game 2019 war wieder einmal geprägt von einem Offensiv-Spektakel - von Defense fehlte dagegen über weite Teile jede Spur. Beim 178:164-Sieg von Team LeBron gegen Team Giannis bestimmte aber vor allem der großartige Abschied von Dirk Nowitzki die Schlagzeilen.

Das komplette All-Star Game 2019 gibt es in voller Länge im Re-Live auf DAZN .

1. Dirk Nowitzki: Der würdige Abgang einer Legende

Diesen Abend wird Dirk Nowitzki mit großer Sicherheit nicht mehr so schnell vergessen. Schon seit der Bekanntgabe seitens der NBA, den Deutschen und Dwyane Wade als "Special Roster Additions" zur Ehrung ihres Lebenswerks in ihr vermutlich letztes All-Star Game aufzunehmen, war klar, dass es ein besonderer Abend für den Würzburger werden wird.

Mit so einem Auftritt hätten aber wohl die wenigsten gerechnet. Schon das gesamte Wochenende über war Nowitzki anzusehen, dass er seine letzten Schritte auf der großen All-Star-Bühne mit jeder Faser seines Körpers genießt. Der Höhepunkt des Wochenendes war schließlich auch der Höhepunkt für Nowitzki selbst.

"Das war natürlich fantastisch", sagte der 40-Jährige in der Pressekonferenz nach der 164:178-Niederlage gegen Team LeBron. "Ich wollte einfach nur ein paar Minuten spielen und einen Dreier treffen - und genau das ist passiert." Sogar gleich drei Mal.

56 Sekunden vor dem Ende des ersten Viertels durfte Nowitzki erstmals aufs Parkett, direkt im ersten Angriff bekam er von Blake Griffin per Hand-off den Spalding am Perimeter serviert. "Der erste war recht tief, ich habe alles reingelegt, das letzte Mal auf dieser Bühne, da kann man das mal versuchen. Und dann ist er reingegangen", zeigte sich auch Dirk selbst fast ein wenig überrascht.

Dirk Nowitzki versenkt drei Dreier im All-Star Game

"Beim Zweiten habe ich noch einen etwas größeren Schritt nach hinten gemacht, um zu schauen, was passiert", analysierte der Mavs-Star. Das Ergebnis war das gleiche - nothing but net! Laut ESPN Stats & Info war es sogar das erste Mal in Nowitzkis Karriere, dass er zwei Dreier aus mehr als 30 feet (etwa 9,1 Meter) in einer Partie versenkte.

Kurz darauf, zu Beginn des zweiten Viertels, hämmerte der Dirkster dem Team LeBron gleich noch einen dritten Dreier um die Ohren, bevor der Deutsche unter dem Jubel der Fans und Teamkollegen ausgewechselt wurde und anschließend einen entspannten Abend auf der Bank verbrachte.

"Ich denke, es wird erst emotional werden, wenn ich Zeit habe, mich zurückzulehnen und darüber nachzudenken. In den Moment war ich im Wettkampf drin, das hat Spaß gemacht. Das gesamte Wochenende war großartig", resümierte der große Blonde mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

2. Dreier-Revolution auch im All-Star Game

An sich ist diese Beobachtung nichts Neues, auch in den vergangenen Jahren orientierte sich die Spielweise im All-Star Game wenig überraschend an der ligaweiten Entwicklung hin zu immer mehr Dreiern - doch in diesem Ausmaß hatte man es im ASG noch nicht gesehen.

Team LeBron und Team Giannis stellten mit zusammengenommen 62 verwandelten Triples einen neuen Rekord auf - auch die 168 Versuche aus dem Dreierland waren eine Bestmarke. Dabei leistete sich vor allem Team LeBron in Halbzeit eins noch eine Menge Backsteine, nur 13 von 41 Versuchen fanden den Weg durch die Reuse (32,5 Prozent).

Doch nach dem Seitenwechsel fingen Klay Thompson (6/12 Dreier), Damian Lillard (6/17) und Kevin Durant (6/9) doch nochmal ordentlich Feuer und verhalfen dem King somit zum Comeback-Sieg. Am Ende stand Team LeBron bei 35 von 91 (!) von Downtown (38,5 Prozent), Team Giannis bei 27 von 77 (35,1 Prozent).

3. All-Star Game: Wo ist die Defense hin?

Nachdem im vergangenen Jahr das neue Format im All-Star Game seine Premiere gefeiert hatte, war die Euphorie unter den NBA-Fans und -Experten groß. Nachdem nun nicht mehr die traditionellen Ost- und West-Teams gegeneinander antraten, sondern zwei Kapitäne ihre Mannschaften wild aus den Conferences durchmischten, war mehr Leben, mehr Wettbewerb und damit auch mehr Defense in der Partie.

Vor allem letzteres vermisste man bei der diesjährigen Ausgabe aber über weite Strecken enorm. Stattdessen erinnerten die ersten drei Viertel fast komplett an die alten Zeiten mit Dunk-Orgien und weit offenen Dreiern. Erst relativ spät in der Partie schaltete Team LeBron in der Verteidigung einen Gang höher.

"Wir haben in der Halbzeit darüber gesprochen. Wir haben, glaube ich, 88 Punkte abgegeben (tatsächlich waren es 95, Anm. d. Red.) und Coach Malone hat gesagt, dass der Rekord bei 194 Punkten liegt. Wir wollten nicht, dass der gegen uns gebrochen wird", gab auch MVP Kevin Durant zu, dass Defense zu Beginn eine eher untergeordnete Rolle spielte.

"Nach einer Weile haben sich die Jungs reingekniet und dann wollten wir das Spiel gewinnen", so KD weiter. Letztlich ähnelte das Spiel also stark den Ausgaben von vor 2018. Das garantierte in Halbzeit eins immerhin einiges an Spektakel.

4. LeBron James: Der König der All-Star Games

LeBron ist eine Macht, das gilt in All-Star Games gleichermaßen wie in der restlichen Saison. Der Lakers-Star stellte nicht nur zum zweiten Mal in Folge als Team-Kapitän die Sieger-Mannschaft zusammen, sondern baute auch seine Rekorde mit den meisten All-Star-Starts in Folge (15) und den meisten Punkten (362) im Fan-Spiel weiter aus.

Letztlich hatte LeBron 19 Zähler vorzuweisen, er lieferte krachende Alley-Oops - unter anderem auch nach Zuspiel seines alten Buddys Wade -, hatte gleichzeitig aber auch Probleme mit seinem Wurf (1/8 Dreier). Dennoch hat der King mit seinem Auftritt und besonders dem Sieg seines Teams ein wenig die spektakuläre Performance von Giannis Antetokounmpo in den Schatten gestellt. Der war auf dem besten Wege, die MVP-Trophäe abzusahnen, bis LeBron und Co. ihm mit ihrem Comeback doch noch einen Strich durch die Rechnung machten.

5. Team Tampering und die ewigen Spekulationen

In den Wochen vor der Trade Deadline war eine Menge los, das Drama um Anthony Davis, der Porzingis-Trade mit anschließenden KD-Spekulationen - ihr habt es sicherlich mitbekommen. Als dann auch noch LeBron sein Team aus vier künftigen Top-Free-Agents (plus die Braue) zusammenstellte, ging es in den Gerüchteküchen natürlich wieder hoch her. Und das Team Tampering war geboren.

Die Blicke, die sich Davis und LeBron im Kabinentrakt des Spectrum Centers zu Charlotte zuwarfen, sprachen Bände. Dass AD die Lakers als zukünftigen Arbeitgeber präferiere, gilt ohnehin als gesicherte Info. Ob LeBron die Zeit nutzte, um auch Gespräche mit Durant, Kyrie Irving, Kawhi Leonard oder Klay Thompson zu führen?

Genau davon sind einige Verschwörungstheoretiker in NBA-Kreisen überzeugt. Gleichzeitig wäre es naiv zu denken, dass die Zukunft der Stars nicht auch mal Gesprächsthema am gemeinsamen All-Star-Wochenende wäre. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf setzten sich die Spekulationen nach der Trade Deadline auch am ASG-Wochenende nahtlos fort.

Immerhin: Magic Johnson wollte mit dem ganzen Tampering nichts mehr zu tun haben. Der Lakers-Präsident wiegelte eine Frage zu Kemba Walker strikt ab. Er habe schließlich schon genug Strafen zahlen müssen. Doch Magic-Kommentare benötigte man an diesem Wochenende gar nicht, um Folgendes festhalten zu können: Auch ohne Trade Deadline wird es in der NBA nie langweilig.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung