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NBA: Paul George überragt für OKC - Vom Werbespot in die Realität

Paul George traf in dieser Saison bereits zwei Game Winner.

Die erste Saison bei den Oklahoma City Thunder war für Paul George eine mit Höhen und Tiefen. In seinem Jahr dominiert der Forward aber endlich, auch weil Russell Westbrook PG-13 gewähren lässt. Sehen wir eine Wachablösung beim Team von Dennis Schröder?

Es war lange Zeit ein Running Gag in der Liga. Noch zu Pacers-Zeiten drehte Gatorade mit Paul George eine Werbung, in der er den Game Winner versenkte und anschließend lässig 'Ball Game' sagte. Das Problem: PG-13 hatte in seiner Karriere noch nie einen solch spielentscheidenden Wurf getroffen, obwohl er in Indiana mehrfach die Chance dazu bekam.

In dieser Saison änderte sich dies endlich, in Brooklyn ballerte George OKC mit 25 Punkten im vierten Viertel (insgesamt 47) zurück ins Spiel und sorgte mit einem Game Winner von Downtown schließlich für die Entscheidung. Gut einen Monat später ließ der Forward in Philadelphia den zweiten mit einem sagenhaften Vierpunktspiel folgen.

"Mein Job ist es, Basketball zu spielen", sagte George nach dem Sixers-Spiel trotzig. "Ich brauche nicht meine Stats im Hinterkopf zu haben, wie viele solcher Würfe ich nun getroffen oder daneben gesetzt habe. Das ist mir egal und ich habe weiter mit Selbstvertrauen geworfen."

OKC: Westbrook und George teilen sich Verantwortung in der Crunchtime

Dass George überhaupt diese Würfe bekommt, ist durchaus erstaunlich. Seit dem Abgang von Kevin Durant war es sonst Russell Westbrook, der über Wohl oder Übel von OKC in der Crunchtime entschied. Das war auch nach der Ankunft von PG-13 nicht anders. Westbrooks Usage Rate in sogenannten Clutch Situations ging zwar von abnormalen 60 auf 41 Prozent zurück, überstrahlte aber dennoch die mageren 19 Prozent von George.

In dieser Spielzeit haben sich die Vorzeichen aber deutlich geändert. Es ist nicht mehr die reine Westbrook-Show (mit Ausnahmen) im vierten Viertel, stattdessen ist George nun der Topscorer der Thunder im Schlussabschnitt (5,9 zu 5,7 Punkten von Westbrook) bei einer beinahe identischen Usage Rate.

Die beiden Superstars haben sich auch auf dem Feld gefunden, nachdem sie privat ohnehin seit jeher gut miteinander auskommen, wie die dicke Party zeigte, die beide zusammen schmissen, als George bekanntgab, dass er für vier weitere Jahre in Oklahoma City unterschrieben hatte und sich nicht etwa LeBron James bei den Los Angeles Lakers anschloss, wie es zuvor wieder und wieder spekuliert wurde.

George: Beste Saison seiner Karriere

Stehen Russ und PG zusammen auf dem Court, erzielen die Thunder rund 9 Punkte auf 100 Ballbesitze mehr als der Gegner. Da dies pro Partie rund 25 Minuten sind, ist dies ein starker Wert, der die Chancen von OKC auf einen Sieg natürlich maximiert.

Diese Zahlen sind umso höher einzuschätzen, wenn man bedenkt, dass Westbrook zwar erneut eine Triple-Double-Saison auflegt, ansonsten aber große Probleme mit dem Wurf (Dreier, Freiwürfe) hat. Stattdessen ist es George, der nun minimal mehr auf den Korb wirft als der frühere MVP. In der Vorsaison hatte die Differenz noch über vier Field Goal Attempts zugunsten von Westbrook betragen.

Westbrook über George: "Er ist nun viel aggressiver"

"Er ist nun viel aggressiver", lobte auch Westbrook seinen Star-Mitspieler. "Unsere Aufgabe ist es, dass dies auch so bleibt, egal, ob er trifft oder nicht. Im Moment spielt er einfach auf einem verdammt hohen Niveau." Das belegen auch die individuellen Zahlen des Forwards. Noch nie scorte George so viel wie in dieser Spielzeit, noch nie nahm er so viele Würfe, wobei seine Quote von 44,4 Prozent die zweitbeste seiner Karriere ist. Hinzu kommen Career Highs in Rebound sowie Steals.

44 Prozent aus dem Feld klingen nicht unbedingt gigantisch, doch 45 Prozent seiner Versuche sind Dreier und fünf Würfe pro Spiel kommen aus der Mitteldistanz. Seine Quote von 41 Prozent ist dort zwar nicht berauschend, aus dem Pick'n'Roll ist es aber eine Waffe, die jeder Gegner respektieren muss. Durch seine Länge ist George stets in der Lage, einen einigermaßen offenen Wurf zu kreieren.

Gleiches gilt auch für den Dreier, wobei PG-13 weniger Pull-Ups nimmt, sondern zumeist durch einstudierte Spielzüge und diverse Blocks freie Versuche bekommt. Vor allem bei Out of Bounds Plays wird George immer wieder an der Baseline gefunden, vornehmlich von Westbrook und von Dennis Schröder, mit dem er ebenfalls gut harmoniert.

Die Stats von Paul George der vergangenen Jahre

SaisonTeamPTSFG%3P%REBASTSTL
15/16IND23,141,837,17,04,11,9
16/17IND23,746,139,36,63,31,6
17/18OKC21,943,040,15,73,32,0
18/19OKC27,044,438,97,94,02,3

 

George überzeugt Westbrook von der Defense

Doch die Offense ist nur ein Teil von PGs Spiel, auch die Defense sticht mal wieder hervor. Schon in der vergangenen Saison war der Flügelspieler in der Diskussion um den Verteidiger des Jahres, das ist heuer nicht anders. "Das ist eine meiner Qualitäten. Ich spiele Defense und ich liebe es. Ich weiß, wie ich eine Offense manipuliere, weiß, wo ich stehen muss. Doch das gilt nicht nur für mich selbst. Wir haben Steven Adams, Jerami Grant, der unglaublich vielseitig ist und natürlich auch Russ."

Richtig gehört, George erwähnte auch Westbrook, der in der Vergangenheit trotz bester Voraussetzungen Defense zumeist nur als lästige Nebenaufgabe ansah. Derzeit wirkt Russ so engagiert wie selten zuvor am hinteren Ende des Feldes. "Ich fragte Russ, ob er schon mal in einem All-Defense Team stand, und er verneinte. Meine Antwort war: 'Why not?'"

Der eigene Slogan scheint die richtige Motivation für den MVP von 2017 gewesen zu sein. Westbrook ist zwar kein All-Defense-Spieler, doch sein Engagement hat deutlich zugenommen, was auch seine Steals-Zahlen zeigen. 2,4 sind ein neuer Bestwert für den Guard und auch in der kompletten Association hat niemand mehr. Die starke Absicherung in OKC erlaubt es ihm natürlich auch, etwas mehr auf den Ballklau zu spekulieren, dennoch verdeutlicht die gestiegene Rate auch sein Engagement.

MVP-würdiger George macht OKC zum Contender im Westen

"Er hat so viel Talent und ist einer der besten Athleten aller Zeiten", unterstrich George die defensiven Qualitäten seines Point Guards. "Wir sind ein besseres Team, wenn er defensiv voll da ist. Kein Team kann dann gegen uns scoren." Gerade einmal 104,2 Punkte lassen die Thunder auf 100 Ballbesitze zu, nur Milwaukee und Indiana sind besser und die spielen im bekanntlich schwächeren Osten.

Der Katalysator dafür ist aber George, der das beste Defensiv-Rating der Thunder hat und eben nun auch besser in die OKC-Offense eingebunden wird. Als einer der wenigen waschechten Two-Way-Spieler der NBA ist PG-13 so der (mit Abstand) beste Spieler bei den Thunder in dieser Saison.

George spielt eine MVP-würdige Saison aufgrund all der oben genannten Gründe, was OKC zum wohl zweitbesten Team im Westen hinter Golden State macht. Doch auch die Warriors machen dem Forward keine Angst. "Wir glauben, dass wir jeden schlagen können. Sie sind der zweifache Champion, aber wenn wir unseren besten Basketball spielen, dann wird es eine umkämpfte Serie geben. Wir werden dafür bereit sein."

Bereit ist das Stichwort für George, der immer starke Playoffs spielte, aber nie die ganz großen Würfe traf. Nun könnte sich das Blatt gewendet haben.

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