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NBA - Die Probleme der Warriors: Auf der Suche nach sich selbst

Klay Thompson befindet sich in einem Shooting-Slump.
© getty

Die Golden State Warriors haben nach der herben Schlappe am Christmas Day auch gegen die Portland Trail Blazers daheim verloren. Die Defense steht zwar, doch offensiv ist noch extrem viel Sand im Getriebe. Vor allem bei den Superstars Draymond Green und Klay Thompson.

Es hätte doch alles so schön sein können! Kevin Durant forcierte mit fünf Punkten in Folge die Verlängerung, wo ausgerechnet Draymond Green mit einem Dreier aus der Ecke die Warriors wieder mit zwei Zählern in Front brachte. Als dann Jusuf Nurkic in direkter Ringnähe nicht kontern konnte, schien der Drops gelutscht.

Es wäre kein überzeugender Sieg, aber dennoch eine Reaktion auf die peinliche Pleite gegen die Lakers gewesen. An einem Donnerstagabend, der so komplett merkwürdig und selten schön anzusehen war. Unzulänglichkeiten dominierten das Spiel, alles war möglich.

  • Die Warriors trafen nur einen ihrer ersten zehn Freiwürfe.
  • Die Blazers vergaben ihre ersten neun Würfe im zweiten Viertel, zehn ihrer ersten elf im dritten Abschnitt.
  • Portland leistete sich satte sieben Turnover im vierten Viertel, dazu drei weitere in der Overtime.
  • Die Blazers gewannen das Spiel trotz gerade einmal 36,2 Prozent Trefferquote aus dem Feld.
  • Damian Lillard wurde gleich zweimal hintereinander beim Dreier geblockt (Green, Livingston).
  • Stephen Curry traf nur einen seiner drei Freebies, für die Saison wirft er aber 92,6 Prozent.

Die Liste lässt sich noch beliebig fortsetzen. Am Ende machten die Warriors aber die entscheidenden Fehler und schenkten Portland schließlich den Sieg, auch wenn Lillard natürlich einen unverschämt guten Wurf mit höchster Schwierigkeitsstufe zum Erfolg versenkte.

Damian Lillard trifft Gamewinner in seiner Heimat

Die Blazers doppelten beim Stand von 109:107 für die Warriors den zweifachen MVP an der Seitenauslinie, der lieber einen schweren Pass versuchte, als auf das Foul zu warten, welches die Referees wohl gegeben hätten. Dass Lillard dann auch noch über die ausgestreckten Arme von Curry den Game-Winner (seinen achten seit 2012/13) traf, ist dem aber nicht anzulasten.

Golden State hatte schließlich auch noch 5 Sekunden nach einer Auszeit, um dennoch als Sieger vom Feld zu gehen, doch Durant verfehlte einen kurzen Midrange-Jumper, den er sonst gefühlt im Schlaf versenken würde. Es passte dennoch zu diesem Spiel, welches so unglaublich schwer zu fassen war.

Kevin Durant übt Selbstkritik: "Hätte ich versenken müssen"

"Den hätte ich versenken müssen. So einfach ist das", gab auch Durant auf der anschließenden Pressekonferenz unverblümt zu. Der zweifache Finals-MVP war noch der beste Warriors-Akteur und legte mit 26 Punkten (11/23 FG), 10 Rebounds und 11 Assists sein zweites Triple-Double der Saison auf.

Doch auch KD verfehlte gleich zwei Freiwürfe in Serie, etwas was man vom Forward eigentlich nie zu sehen bekommt. "Das ist absolut nicht akzeptabel", rügte Durant sich selbst und analysierte, dass solche Aktionen dem Gegner Momentum verschafften.

Das mag vielleicht stimmen, doch an Durant war es nicht unbedingt festzumachen, dass Golden State über weite Teile des Spiels unter 40 Prozent aus dem Feld traf. Sowohl Curry (11/26 FG) als auch Klay Thompson (6/19 FG) konnten teils weit offene Würfe nicht verwerten. Gerade Thompson scheint in einem echten Slump zu stecken, auch wenn er dies bereits vor dem Spiel noch wegdiskutieren wollte.

Klay Thompson weiter im Slump

"Ich würde das nicht so bezeichnen. Wir sind doch immer noch Erster im Westen, oder?", wich der Splash Brother der Frage aus und betonte auffällig deutlich, dass es sich auf gar keinen Fall um einen Slump bei ihm handeln würde. Durch die erneute Niederlage sind die Dubs jedoch nun auf Platz zwei abgerutscht, was weniger beunruhigen würde, wenn man einmal auf die Zahlen von Thompson blickt.

Der Edel-Shooter nimmt so viele Würfe wie noch nie in seiner Karriere (18,7 Versuche) und trifft dabei so schlecht aus dem Feld wie zuletzt in der Saison 2012/13 (43,6 Prozent), als noch Mark Jackson die Geschicke in der Bay Area leitete. Noch drastischer verhält es sich mit dem Distanzwurf, der inzwischen auf furchtbare 33,3 Prozent abgesackt ist - und das inkludiert sogar Klays Explosion bei den Chicago Bulls, als er mit 14 Dreiern in einem Spiel einen neuen Rekord aufstellte.

Gegen die Blazers trat auch keine Besserung ein, seine 2/9 aus der Distanz lagen dabei sogar noch unter seinem Saisonschnitt. "Mir gefällt es nicht, dass wir den Kopf hängenlassen, wenn wir Würfe nicht treffen", kritisierte Durant nach dem Spiel und könnte damit auch Thompson gemeint haben, dessen Körpersprache schon einmal deutlich besser aussah.

Auch ohne sein Shooting kann Klay natürlich ein wichtiger Faktor für Golden State sein, das zeigte sich nicht zuletzt durch Thompsons gute Verteidigung gegen C.J. McCollum. Doch dieses nicht sehr tief besetzte Warriors-Team braucht mehr vom Schützen als eine Ausbeute von 3/15 bei Sprungwürfen. Im vierten Viertel und in der Verlängerung nahm Thompson zusammengerechnet auch überhaupt nur noch zwei Würfe.

Wie passt Draymond Green in die Offense?

Dies waren gleich drei weniger als Green, der zuletzt als der große Sündenbock beim Champion ausgemacht wurde. Es wäre wirklich einfach nur eine verrückte Geschichte gewesen, wenn sein Eckendreier tatsächlich der Gamewinner gewesen wäre. Davon abgesehen war es dennoch eines der besseren Green-Spiele in dieser Spielzeit, vor allem defensiv.

Der ehemalige Verteidiger des Jahres musste über 40 Minuten ran und bekam es häufig mit Portlands Center-Kante Jusuf Nurkic zu tun. Der bosnischen Hüne erzielte zwar 27 Punkte (10/18 FG), war aber in der Verlängerung kein Faktor mehr. Dass Portland in der Zone nur 42 Prozent traf, darf man in Teilen auch Green anrechnen.

Im Angriff deckte aber vor allem das zweite Viertel wieder die Probleme der Dubs mit Green auf. Die Blazers ignorierten den Forward komplett, Spacing war somit nicht vorhanden. "Wir wissen, dass dies nun jeder machen wird", sagte auch Coach Kerr über die Sonderbehandlung der Gegner für Green. "Wir werden das nicht sofort lösen können, aber wir arbeiten daran." Gewisse Ansätze waren auch zu erkennen, so wurde Green vermehrt als Screener für die Schützen eingesetzt.

Und dennoch: Die komplette Saga um Green steht ein wenig stellvertretend für die Warriors in dieser Saison. Vieles liegt noch im Dunklen, sei es das Comeback von DeMarcus Cousins, die Rotationen, die Verwendung der Rollenspieler. Der Champion ist weiterhin auf der Suche nach der passsenden Formel. Gefunden ist sie noch lange nicht, doch die Playoffs beginnen eben auch erst in gut vier Monaten.

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