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NBA: Vince Carter erreicht 25.000 Punkte: Half grey, still amazing

Vince Carter hat gegen die Toronto Raptors die 25.000 Punkte-Marke geknackt.
© getty

Vince Carter hat im Spiel gegen die Toronto Raptors die Schallmauer von 25.000 Punkten geknackt. Auch mit 41 Jahren denkt der frühere All-Star und Dunk-Champion noch lange nichts ans Aufhören. Ringe interessieren ihn nicht, stattdessen hat er seine Berufung scheinbar gefunden.

Hawks-Rookie Kevin Huerter war sich gar nicht bewusst, dass er Teil eines historischen Moments sein könnte. "Wir müssen Vince noch sechs Punkte besorgen", erklärte Trae Young seinem Kollegen im vierten Viertel. Der Point Guard hatte seine Hausaufgaben gemacht, ihm war klar, dass Vince Carter kurz vor dem Meilenstein von 25.000 Punkten stand.

2:28 Minuten vor dem Ende betrat Carter noch einmal den Court der Philips Arena in Atlanta, die Gastgeber lagen zu diesem Zeitpunkt gegen die Toronto Raptors bereits hoffnungslos hinten. Warum also nicht die Chance nutzen, dem 41-Jährigen noch seinen Moment zu geben? Gegen Toronto, gegen das Team, bei dem VC seine Karriere startete. Für das Team, das er mit seinen spektakulären Dunks fast im Alleingang auf die NBA-Karte hievte.

Und tatsächlich: Wenige Sekunden vor dem Ende griff sich Huerter einen Carter-Fehlwurf und bediente den Veteran wieder umgehend, sodass dieser sich nach einem Cut noch einmal in die Höhe schrauben und standesgemäß seine Punkte 25.000 und 25.001 per Dunk einsammeln konnte.

Vince Carter erreicht Meilenstein mit 25.000 Punkten

Carter verzichtete im Anschluss auf seinen Signature-Jubel, stattdessen griff er sich den Spalding, blickte Richtung Hallendecke und atmete tief aus. "Mir ist jede Menge von den Schultern abgefallen in diesem Moment", berichtete VC, der als 22. Spieler der Geschichte diese Schallmauer durchbrach. "Es wurde zu Beginn der Saison viel darüber geredet und ich habe das gar nicht so wahrgenommen. Wenn man so lange wie ich dabei ist, dann erreicht man eben gewisse Dinge."

Eine ähnliche Antwort hätte wahrscheinlich auch Dirk Nowitzki gegeben, der zusammen mit Carter der letzte Spieler aus dem Draft 1998 ist. Folgerichtig ist es die 21. Spielzeit für Half man, half amazing, dessen Image sich zum Ende seiner Karriere noch einmal zum Positiven gewandelt hat. Vorbei sind die Zeiten, in denen Fans ihm seinen unrühmlichen Abschied in Toronto krumm nahmen. Vorbei sind die Zeiten, in denen debattiert wurde, ob Carter ein Siegertyp (nur eine Teilnahme an den Conference Finals) sei oder nicht.

Carter: Lehrer statt Ringjäger

Ganz im Gegenteil: inzwischen wird es ihm hoch angerechnet, dass er nicht wie andere Routiniers auf Ringjagd geht, sich einem Contender anschließt und dort am Ende auf der Bank sitzt. "Ich komme aus einer Zeit, wo dies nicht üblich war", erklärte Carter. Schon im Sommer 2017 hatte der Oldie ein Angebot aus Golden State, er ließ diese Chance verstreichen.

Stattdessen hießen seine letzten Stationen Sacramento und nun eben Atlanta, wo er die jungen Spieler anleiten soll und auch weiterhin seine Minuten bekommt. "Ich will weiter spielen, ich genieße es, die jungen Spieler zu unterrichten, ich tue das für jedes Team."

Und Carter spielt tatsächlich, achtmal startete er bisher für die Hawks. 7,4 Punkte, 2,5 Rebounds und eine Dreierquote von 37,5 Prozent wurden bislang notiert, eine mehr als ordentliche Ausbeute für jemanden, der zum Beispiel fast ein Jahr älter als Hornets-Coach James Borrego ist.

Carter: Die Vaterfigur der Atlanta Hawks

"Es inspiriert mich, wie er mit 41 Jahren immer noch so spielt und gleichzeitig ein absolutes Vorbild für die jungen Spieler ist", staunte auch Kent Bazemore zuletzt nicht schlecht. "Es ist toll, jemanden wie ihn zu haben. Er ist ein super Typ. Es ist eine Ehre mit ihm zu spielen, weil ich ihn in meiner Kindheit gesehen habe und nun so viel von ihm lernen kann."

Ähnliches ist auch von allen anderen Youngstern in Atlanta zu vernehmen. Carter ist zum Über-Vater des Teams geworden, der seine Mitspieler wie Söhne behandelt, sie beschützt oder auch auf ihre Fehler aufmerksam macht. So ist Carter auch auf der Bank stets engagiert, fokussiert und voll bei der Sache.

Als No.5-Pick Young gegen die Miami Heat einen Schrittfehler beging und gefrustet von den Refs war, griff der 41-Jährige ein und lief wie ein Rumpelstilzchen an der Seitenlinie herum, um selbst das technische Foul zu kassieren. "Er muss sich auf Basketball konzentrieren", rügte Carter danach seinen Rookie, um dann seine eigenen Aktionen zu erklären.

"Ich spüre die Last, dass ich um jeden Preis meine Jungs verteidigen muss, also habe ich das technische Foul genommen. Sie sollen sich ihr Geld sparen." Besser hätte man die Situation wohl nicht lösen können und es zeigt, warum Carter innerhalb der Organisation einen solch hohen Stellenwert hat.

Carter: Wie lange macht er noch weiter?

Aus dem einstigen Lebemann, der in Toronto einen eigenen Klub führte, ist ein pflichtbewusster Veteran geworden, der an sich so hart arbeitet, wie wohl nur wenige andere Spieler in der NBA. Und wer weiß, vielleicht hängt VC ja tatsächlich noch einmal eine Saison dran - aus Liebe zum Spiel.

Aus Existenzängsten oder einer folgenden Leere wird er es sicher nicht tun. Nicht zufällig wählte Carter Atlanta als seine nächste Station aus, der Ort, an dem Turner Sports seine Studios hat. Wenn der frühere Highflyer dann doch mal aufhören wird, werden die Fans ihn sicher als Kommentator und TV-Experten sehen. Schon in der Summer League versuchte er sich mehrfach als Play-by-Play-Mann und machte dabei einen routinierten und soliden Eindruck.

Doch dies soll für Carter sicher noch eine Weile Zukunftsmusik bleiben, schließlich kann er auch mit 41 Jahren noch immer einigermaßen mithalten. Und nicht nur das: Solange ein Vince Carter noch dunken kann, ist die Welt in Ordnung, auch wenn der Oldie nach solchen Aktionen wohl jeden einzelnen Knochen am nächsten Tag spüren wird. "Es geht nicht darum, hochzusteigen. Es ist die Landung, die bereitet mir mehr Probleme", berichtete Carter bereits vor zwei Jahren über seine Dunks.

In der vergangenen Saison waren es 11, in dieser Spielzeit spürte er bereits viermal die Schmerzen der Landung. Vom Spielen hält ihn das aber nicht ab. Carter ist und bleibt ein Getriebener, ein 41-Jähriger, der auch noch mit einem grauen Bartansatz durch die Hallen der NBA springt, wie es noch keiner vor ihm gemacht hat. Half grey, half-amazing!

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