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NBA: Kemba Walker überragt für die Charlotte Hornets: MJ, bezahl' diesen Mann!

Kemba Walker erzielte gegen die Philadelphia 76ers 60 Punkte.

Kemba Walker spielt für die Charlotte Hornets eine bärenstarke Saison, nicht nur wegen seiner 60-Punkte-Explosion gegen die Philadelphia 76ers. Der kleine Point Guard macht die Hornets beinahe im Alleingang relevant und nimmt der Franchise die Entscheidung über dessen Free Agency eigentlich komplett ab.

Im Moment sind genau sechs Spieler aktiv, die in einem Spiel mindestens 60 Punkte erzielt haben: Carmelo Anthony, LeBron James, Klay Thompson, Devin Booker, James Harden und eben Kemba Walker. Mit Ausnahme des Hornets-Spielmachers haben sie eines gemeinsam - alle unterschrieben in ihrer Karriere mindestens einen Maximal-Vertrag. Walker nicht - bei weitem nicht.

Der 28-Jährige befindet sich im letzten Jahr seines Vertrags, den er 2015 unterschrieb und der ihm in jedem Jahr exakt 12 Millionen Dollar einbrachte. 21 Point Guards verdienen in dieser Spielzeit mehr als Walker, der sich in der Gehaltstabelle zwischen Patty Mills (Spurs) und Marcus Smart (Celtics) befindet.

Ein beinahe lachhafter Umstand, auch wenn der Vertrag für Walker damals sogar als zu hoch angesehen wurde. Diese Meinung hat seit gut zwei Jahren kaum einer mehr. Der Derwisch, der einst UConn sensationell und fast im Alleingang zum NCAA-Titel führte, ist inzwischen ein angesehener All-Star. Er ist etabliert - auch wenn man das über sein Team nicht wirklich sagen kann.

Kemba Walker schenkt den Sixers 60 Punkte ein

Das Spiel gegen die Sixers darf dabei als ein Musterbeispiel herhalten. In diesem Jahrtausend gab es 16 60-Punkte-Spiele, nur zweimal wurde eine solche Gala eines einzelnen Spielers nicht belohnt. Walkers Hornets verloren ebenso wie vor knapp zwei Jahren Booker mit der Resterampe der Phoenix Suns in Boston. "Ich bin natürlich stolz auf das, was ich geleistet habe. Das war unglaublich heute", berichtete Walker nach seiner Explosion, verkannte aber nicht die Tatsache, dass es ohne Sieg ein Muster ohne Wert war. "Ich will immer gewinnen, deswegen bin ich eigentlich sauer."

Umso erstaunlicher war die Leistung, wenn man bedenkt, dass sie ihm nicht gegen Atlanta, Chicago oder Phoenix gelang, sondern gegen die Sixers, eines der besten Defensiv-Teams der Liga. Entsprechend groß war auch die Anerkennung beim Gegner. "Mir hat noch keiner 60 eingeschenkt", sagte Jimmy Butler, der Walker die meiste Zeit verteidigen musste.

"Das war wahrscheinlich das beste Spiel, das je ein Spieler gegen mich gespielt hat. Inzwischen gibt es so viele gute Scorer und er ist einer der besten davon." Das letzte Wort hatte jedoch der Neu-Sixer, der in der Verlängerung erst Walker blocken konnte und auf der anderen Seite von Downtown den Game Winner versenkte.

Charlotte hängt im Mittelmaß fest

Die Hornets stehen aktuell bei einer Bilanz von 7-8, was mal wieder nach grauem Mittelmaß klingt. Im in der Tiefe eher schwachen Osten reicht dies im Moment sogar für einen Playoff-Platz, die Ansprüche Walkers sind aber eigentlich höher. "Ich möchte hier in Charlotte etwas aufbauen, etwas, was es noch nie zuvor gab: Ich möchte hier Konstanz schaffen", erklärte er zu Beginn der Saison.

Konstant war jedoch bisher nur, dass Charlotte in schöner Regelmäßigkeit die Playoffs verpasste. Seit 2004, als Charlotte wieder ein NBA-Team bekam, erreichte man nur dreimal die Postseason und holte auch insgesamt nur drei Siege. Lediglich 2016 klopften die Hornissen (3-4 gegen Miami) einmal heftig ans Tor zur zweiten Runde. Auch in dieser Saison könnte den Hornets trotz Walker, der bisher Karrierebestwerte bei den Punkten, Assists und der effektiven Feldwurfquote auflegt, wieder ein ähnliches Schicksal blühen.

Kemba Walker: Seine Statistiken in der NBA

SaisonSpielePunkteFG%3P%FT%AssistsTurnover
2011/126612,136,630,578,94,41,8
2012/138217,742,332,279,85,72,4
2013/147317,739,333,383,76,12,3
2014/156217,338,530,482,75,11,6
2015/168120,942,737,184,75,22,1
2016/177923,244,439,984,75,52,1
2017/188022,143,138,486,45,62,2
2018/191528,745,837,785,76,12,4

Tony Parker entlastet Walker als Backup

Doch nicht nur Walker sorgt für Hoffnung: Mit James Borrego konnte von den Spurs ein junger, aufstrebender Head Coach losgeeist werden, der dem Team eine Frischzellenkur verpasste. Vorbei sind die Zeiten, als man unter Steve Clifford sehr langsam spielte und die Partien durch harte Arbeit für sich entscheiden wollte. Die neuen Hornets spielen schnell, nehmen immer mehr Würfe von draußen und agieren teils sogar ohne echten Center.

Ein weiteres Problem vergangener Tage waren die Minuten, wenn Kemba auf die Bank ging, da der letztjährige Backup Michael Carter-Williams wohl zu den schwächeren Spielern der kompletten Liga gezählt werden durfte. Mit Tony Parker befindet man sich dagegen im Vergleich dazu nun in einer luxuriösen Situation, auch wenn der Franzose mit 36 Jahren ein wenig in die Jahre gekommen ist.

Dennoch kann er Walker entlasten und teilt sich in einigen Phasen auch den Ball mit dem Franchise-Spieler. Allüren hat der Finals-MVP von 2007 sowieso keine, alte Spurs-Schule eben. "Er ist ein echter Anführer", berichtete Walker zuletzt Fox Sports. "Er redet mit den jungen Spielern, gibt ihnen Tipps. Das haben wir gebraucht. Es ist eine echte Ehre, mit ihm zusammenzuspielen."

Kemba Walker: Im Sommer winkt der Maximal-Vertrag

Dennoch bleibt natürlich Walker der Leader auf dem Feld, die Leistungen sprechen da eine klare Sprache. Offensiv läuft alles über ihn, obwohl sich gegnerische Teams schon lange darauf einstellen können, dass die Gefahr (fast nur) von ihm ausgeht. "Wir haben versucht, ihn zu doppeln, zu hedgen. Wir haben Butler und Joel Embiid auf ihn angesetzt und er hat dennoch gegen zwei elitäre Verteidiger gescort", musste auch Sixers-Coach Brett Brown anerkennen. "Er ist so schwer zu verteidigen. 60 Punkte gegen ein gutes Defensiv-Team sind eine unglaubliche Leistung."

Und so etwas sollte sich auch finanziell lohnen. Walker wird im Sommer Free Agent und diese Wahnsinns-Partie sollte eigentlich letzte Zweifel ausgeräumt haben, dass Kemba das Maximum an Gehalt bekommen sollte - und wird. Kommenden Sommer hat die halbe Liga Cap Space und allzu viele Hochkaräter werden nicht auf den Markt kommen. Wenn es nicht die Hornets machen, wird ein anderes Team mit Vergnügen einen Maximal-Vertrag anbieten.

Walker machte dabei schon vor der Saison klar, dass er auf jeden Fall in Charlotte bleiben möchte. "Hier will ich sein. Ich will an keinem anderen Ort spielen", erklärte er auf der ersten PK vor Beginn des Training Camps.

Walker und Charlotte: Beide Seiten wollen verlängern

Auch von Seiten des Managements war immer wieder zu hören, dass Walker unbedingt gehalten werden soll. Man hätte den All-Star vergangenen Februar für einen guten Gegenwert traden können, doch es geschah nie, auch weil Besitzer Michael Jordan sich vehement dagegen wehrte und mindestens einen All-Star im Gegenzug forderte.

Im Sommer 2019 muss Charlotte dies dann bestätigen. Walker könnte ein Vertrag für fünf Jahre über 189 Millionen Dollar winken, sogar 221 Mio. sind möglich, solange Kemba auch in dieser Spielzeit zum All-Star gewählt wird.

Für eine kleine Franchise, die durch fragwürdige Verträge für Nicolas Batum (noch 76,7 Mio. bis 2021), Marvin Williams (noch 29 Mio. bis 2020) oder auch Cody Zeller (noch 43,4 Mio. bis 2020), größere Cap-Probleme (über 100 Mio. für die kommende Spielzeit) hat, ist dies eine Menge Holz. Allerdings kann es sich ein kleines Team wie Charlotte eigentlich nicht leisten, den populärsten Spieler einfach so abzugeben, da eine Attraktion wie Walker eben Tickets verkauft.

Spiele wie gegen Philadelphia dürften die Entscheidung der Hornets merklich erleichtern. Walker will bleiben, Charlotte will ihn halten. Ab dem 1. Juli darf der Point Guard einen neuen Vertrag unterschreiben. In der Zwischenzeit wird General Manager Mitch Kupchak Jordan wohl mit folgender Aussage nerven: 'MJ, bezahl diesen Mann!' Selbst wenn sich der eine oder andere neutrale Beobachter sicher wünscht, dass diese Scoring-Maschine auch mal auf einer größeren Bühne die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient hätte.

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