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NBA: Kawhi Leonard bei den Toronto Raptors: Der beste Spieler der Franchise-Geschichte

Kawhi Leonard kam im Sommer per Trade aus San Antonio nach Toronto.
© getty

Die Toronto Raptors haben mit vier Siegen aus vier Spielen einen Traumstart hingelegt. Einen großen Anteil daran hat auch Kawhi Leonard, der schon jetzt viele Fan-Herzen gewonnen hat und als möglicher Anwärter auf den MVP-Award gesehen wird.

Sind wir mal ehrlich, der Name Kawhi Leonard hatte in der vergangenen Saison eine gewisse Mystik. Jeder wusste irgendwie, dass der Junge verdammt gut Basketball spielen kann, doch wie gut? Das konnte niemand wirklich sagen, schließlich absolvierte der Forward nur mickrige neun Spiele und fiel lediglich durch Negativschlagzeilen auf, wahrscheinlich gesteuert durch sein fragwürdiges Berater-Camp.

Der Trade von den Spurs zu den Raptors im vergangenen Sommer sorgte so für zahlreiche und teils hitzige Kontroversen, eine fundierte Einschätzung, wer diesen Deal gewonnen hat, wird man aber wohl erst bekommen, wenn Leonard im 2019 über seine Free Agency entschieden hat.

Fakt ist, das Risiko für Toronto ist enorm, der Ertrag vielleicht umso größer. Die ersten Spiele machen aus Sicht der Kanadier zumindest Mut. In der Preseason und zum Auftakt gegen die Cavs war es nicht von der Hand zu weisen, dass Leonard im Prinzip eine komplette Saison verpasst hat.

Kawhi Leonard: Erste MVP-Rufe von den Raptors-Fans

Die Effizienz aus seiner überragenden Spurs-Saison 2016/17, die ihm jede Menge MVP-Stimmen einbrachte, geht dem Forward momentan noch ein wenig abhanden, doch dies scheinen ihm die Fans in Toronto nicht übel zu nehmen. "MVP, MVP"-Sprechchöre waren im Spiel gegen die Boston Celtics zu vernehmen, welches auch dank Leonard gewonnen werden konnte.

"Dafür ist es wohl ein bisschen früh", gab sich die Klaue nach dem Spiel bescheiden, um aber auch zu betonen, dass ihn die Unterstützung freue. Auch Leonard weiß, dass die Abstimmung mit seinen Mitspielern noch ausbaufähig ist. Es ist ein vorsichtiges Annähern zwischen dem Star und der Franchise, die nach zahlreichen Enttäuschungen in den Playoffs nach Erfolg lechzt.

Entsprechend groß ist der Hype nach vier erfolgreichen Spielen, inklusive des ersten Kräftemessens mit den Celtics. Dort deutete Leonard erstmals an, dass er tatsächlich den Unterschied ausmachen kann, dass er der Superstar ist, der ein richtig gutes Team in einen echten Contender transformieren kann.

Kawhi Leonard: Lieblingsgegner Boston Celtics

"Es war egal, wer von uns Kawhi verteidigt hat, er war einfach nicht zu stoppen", musste Celtics-Coach Brad Stevens ernüchtert feststellen. Neunmal spielte Leonard in seiner Karriere nun gegen Boston, neunmal ging sein Team als Sieger vom Feld. Vielleicht kommt es im Mai oder Juni 2019 noch zu mehr Aufeinandertreffen als den weiteren drei Spielen in der Regular Season.

Vor allem im dritten Viertel drehte die Klaue gewaltig auf und erzielte dort 15 seiner insgesamt 31 Zähler. Das Momentum, welches die Celtics im ersten Durchgang aufgebaut hatten, war dahin. "Er hat von allem ein bisschen geliefert", analysierte Raptors-Coach Nick Nurse. "Er hat Dreier getroffen, in Transition gescort und auch durch Isos im Post gescort. Es ist einfach unglaublich, wie er das Spiel auf verschiedene Art und Weise beeinflussen kann."

Vor allem das Scoring in Transition dürfte Raptors-Fans Hoffnung machen. Leonard wirkte spritzig und explosiv, auch wenn Teamkollege Danny Green noch viel Luft nach oben sieht. "Er ist noch nicht da, wo er einmal war, aber man hat definitiv einige Anzeichen seiner Klasse gesehen", merkte der Ex-Spur nach dem letzten Sieg gegen Charlotte an.

Wegen Kawhi Leonard: Raptors isolieren wieder mehr

Leonard selbst sprach nach der Partie gegen die Hornets nicht mit den Medien, stattdessen absolvierte die neue Nummer 2 der Raptors ein persönliches Workout. Hornets-Coach James Borrego, der Leonard noch aus seiner Zeit als Assistent Coach bei den Spurs kennt, überraschte dies überhaupt nicht. "Er arbeitet jeden Tag an sich und beschwert sich nie. Seine harte Arbeit hat ihn zu einem der besten Spieler in der Liga werden lassen."

War es nicht das, was den Raptors in der Vergangenheit fehlte? Natürlich waren Kyle Lowry und DeRozan ein starkes Duo, aber die konstante Übernahme von Spielen ging beiden ein wenig ab. Toronto ließ so unter Coach Dwane Casey in der vergangenen Saison mehr den Ball laufen, frühere Iso-Tiraden verschwanden. Mit einem der besten Iso-Spieler der Liga (Kawhi) sieht man diesen Spielzug aber wieder häufiger.

"Es ist cool zu sehen, wie er bei solchen Aktionen ackert", lobte auch Lowry. "Wenn er aggressiv ist und auf dem Feld seine Spots findet, ist er kaum zu stoppen." Dies ist jedoch eigentlich nicht die Philosophie von Coach Nurse, der lieber mehr Ballbewegung sehen will. Dennoch gab auch er zu, dass man sich als Team ein wenig nach Leonard richten werde.

Kawhi Leonard: Statistiken in der NBA

SaisonSpieleMinutenPunkteFG%3P%ReboundsSteals
2011/126424,07,949,337,65,11,3
2012/135831,211,949,437,46,01,7
2013/146629,112,852,237,96,21,7
2014/156431,816,547,934,97,22,3
2015/167233,121,250,644,36,81,8
2016/177433,425,548,538,05,81,8
2017/18923,316,246,831,44,72,0
2018/19334,725,745,946,79,01,0

Toronto Raptors: Kyle Lowry blüht wieder auf

Im Schatten von Kawhi hat sich aber auch Lowry gemausert, der schon mit DeRozan immer ein wenig herunterfiel. Ohne den balldominanten Shooting Guard dirigiert der Spielmacher wieder mehr die Offense, wie seine 14 Assists gegen Charlotte zeigen. Als Leonard in der Partie gegen Washington geschont wurde, musste der Routiner mehr scoren - und genau dies tat er mit 28 Zählern.

Lowry tut alles, um Spiele zu gewinnen, dafür scheint er auch den Abgang seines Buddies DeRozan geschluckt zu haben, auch wenn er vor Heimspielen noch immer einen imaginären Handshake mit DeRozan wie in all den Jahren zuvor macht. Ansonsten führt der 32-Jährige Regie und streut hier und da ein paar wichtige Würfe ein.

"Er ist ein so toller Spieler", schwärmte zuletzt Backup Fred VanVleet nach den 14 Lowry-Dimes gegen die Hornets. "Er macht immer seine Punkte, auch wenn er wenig wirft. Es gibt so viele Gunner in dieser Liga, aber er ist keiner davon. Er macht locker 16 bis 20 Zähler mit acht, neun Würfen."

Kawhi Leonard: Der beste Raptors-Spieler aller Zeiten

Damit passt der Point Guard bestens zu Leonard, der sich nach fast einem Jahr Auszeit auf Top-Niveau präsentieren möchte, natürlich auch - um im Sommer einen neuen Maximal-Vertrag zu unterschreiben (wo auch immer das sein mag). Das Experiment zwischen Toronto und Kawhi ist aber hoffnungsvoll gestartet und bietet noch jede Menge Potenzial.

Die Raptors sind ernst zu nehmen und viel hängt dabei mit dem Namen Kawhi Leonard zusammen. Er ist neben Vince Carter der beste Spieler, der je für die Franchise gespielt hat (das eine Jahr mit Hakeem Olajuwon ist nie geschehen) und auch das Team selbst könnte die beste Raptors-Ausgabe aller Zeiten sein.

Abgerechnet wird aber bekanntlich am Schluss und bis dahin können sich Franchise und Starspieler noch näher kennenlernen. "Er ist ein echter Spaßvogel, der immer ein Lächeln auf den Lippen hat", beschrieb Borrego seinen ehemaligen Schützling.

"Die Jungs haben gerne Zeit mit ihm zusammen verbracht und Toronto wird bald merken, was für einen Spieler sie dort haben ... Sie haben nun einen verdammt guten Spieler in ihren Reihen."

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