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NBA: Luol Deng und die Timberwolves - Von einem Running Gag zum nächsten

Luol Deng erlebte zuletzt zwei verheerende Jahre mit den Los Angeles Lakers.
© getty

Luol Deng war gleichzeitig ein Profiteur und ein Opfer des verrückten Sommers 2016. Nach zwei desaströsen Jahren bei den Los Angeles Lakers hofft er nun auf einen Neuanfang bei den Minnesota Timberwolves - an der Seite von einigen alten Bekannten.

Eigentlich wäre es Luol Deng ja zu wünschen gewesen, dass er nicht ausgerechnet bei den Timberwolves unterkommt. Ganz unabhängig von der sportlichen Situation - diese könnte unter Umständen sogar ganz gut passen. Es fällt nur angesichts der Vorgeschichte so schwer, das Ganze ernst zu nehmen.

Die Wolves hatten schon Jimmy Butler, Derrick Rose und Taj Gibson im Kader stehen, allesamt akquiriert von Tom Thibodeau, der nicht nur Head Coach, sondern auch President of Basketball Operations in Minnesota ist - und der dieses Trio 2011/12 auch schon bei den Bulls trainierte, genau wie Deng. Der Running Gag von den "TimberBulls" ist längst Realität geworden.

Mittlerweile würde es niemanden mehr verwundern, wenn nach seinem wohl unausweichlichen Buyout in New York auch Joakim Noah noch vor der neuen Saison in Minnesota unterschreibt - dann könnten die Wolves nächste Saison mit einem Lineup ausschließlich aus Ex-Bulls auflaufen.

Erstrebenswert ist das eigentlich nicht, dafür aber witzig im Sinne eines Running Gags, zumindest für unbeteiligte Parteien. Das wiederum kennt Deng aus den letzten beiden Jahren schon ziemlich gut.

Der Sommer, in dem alle durchdrehten

Drehen wir die Uhr zwei Jahre zurück in den Sommer 2016: Dengs letzte All-Star-Teilnahme lag zwar schon drei Jahre zurück, ein respektierter, produktiver Forward war er aber auch in den beiden vorigen Jahren bei den Heat noch gewesen (14 respektive 12,3 Punkte im Schnitt). Er war klar erkennbar auf dem absteigenden Ast, kein Wunder als 31-Jähriger mit mehreren Saisons unter Thibodeau, in denen er die Liga zweimal bei den Minuten angeführt hatte. Aber er hatte noch seinen Wert.

Das geriet dann allerdings schnell in Vergessenheit, als ihm die Lakers direkt am 1. Juli einen grotesken Vertrag vorlegten: Im Wettbieten gegen niemanden bot L.A. dem Südsudanesen 72 Millionen Dollar über vier Jahre. Das war dabei nur einer von etlichen albernen Verträgen dieses Sommers. Zur Erinnerung: Die Lakers nahmen am selben Tag auch noch Timofey Mozgov für vier Jahre und 64 Millionen unter Vertrag.

Rückblickend dürfte 2016 als der Sommer in die Geschichte eingehen, in dem die NBA ihren Verstand verlor, und das bezieht sich nicht nur auf Kevin Durants Wechsel zu den Warriors. Der Cap-Spike in Folge des neuen TV-Vertrages wurde von etlichen Teams falsch berechnet, die davon ausgingen, dass es immer so weitergehen würde und quasi kein Vertrag zu hoch sein könnte.

Luol Deng verzichtet auf über 7 Millionen Dollar

Das war falsch, wie wir heute wissen - Teams wie die Trail Blazers oder Hornets leiden noch heute unter den Folgen und werden noch Jahre brauchen, bis sie wieder so etwas wie Cap-Flexibilität haben. Die Lakers wiederum stehen jetzt wieder gut da, mussten allerdings einen Nr.2-Pick namens D'Angelo Russell als "Sweetener" abgeben, um Mozgov loszuwerden, und Deng wird über die nächsten vier Jahre noch fast 30 Millionen von ihnen bekommen.

Im Prinzip ist es ein reines Geschenk für die Lakers, dass Deng sich bereit erklärt hat, beim Buyout auf 7,3 Millionen zu verzichten. Er hätte das nicht tun müssen - es geriet in den letzten zwei Jahren gerne in Vergessenheit, aber Deng hat ja nichts falsch gemacht. Er hat sich auch nicht selbst überbezahlt, ebenso wenig wie Mozgov, Noah, Evan Turner oder Bismack Biyombo.

Das waren die Teams selbst, und daher hätte man Deng auch keinen Vorwurf machen können, wenn er auf die volle Summe bestanden und sonst eben weiter quasi bezahlten Urlaub gemacht hätte. Der Buyout indes zeigt, dass die Situation zuletzt auch an ihm genagt hat, was wiederum nicht verwundert.

Die Karriere-Statistiken von Luol Deng

TeamSpieleMinutenPunkteReboundsAssists
Bulls637 (10 Saisons)35,916,16,42,5
Cavaliers40 (1 Saison)33,814,35,12,5
Heat146 (2 Saisons)3313,15,61,9
Lakers57 (2 Saisons)26,37,55,21,3

Magic Johnson lacht über möglichen Trade von Luol Deng

Schon die erste Saison in L.A. war für Deng, der von Beginn an nicht zu einem neu aufbauenden und sehr jungen Team passte, ein mittelschweres Desaster, vergangene Saison wurde es dann absurd: Deng spielte 2017/18 genau 13 NBA-Minuten, allesamt im ersten Spiel der Saison. Die Lakers brauchten ihn nicht, ein Trade war angesichts des Vertrags aber auch unmöglich - als Magic Johnson vor der Trade Deadline dazu befragt wurde, lachte er offen darüber.

Ein taktvoller Umgang mit einem verdienten Spieler war dies sicherlich nicht, gleichzeitig hielt sich das Mitleid mit Deng aufgrund des Geldes in Grenzen. Deng jedoch wollte spielen, während er von den Lakers in eine Art Semi-Ruhestand verfrachtet wurde. "Es war nicht meine Entscheidung, dass ich nicht gespielt habe. Das war eine Entscheidung der Organisation", stellte der nun 33-Jährige im August klar.

"Die Leute können sagen, was sie wollen, aber ich musste die Entscheidung eben akzeptieren. Ich wollte im Lauf des Jahres immer wieder spielen, aber mir wurde gesagt, dass sie lieber die jungen Spieler spielen lassen wollten. Das konnte ich nicht ändern, aber es sollte den Leuten klar sein, dass ich das so nicht entschieden habe. Ich will nach wie vor spielen."

Luol Deng: "Ich möchte spielen"

Ob er das noch kann, wurde derweil bezweifelt. Es gab schon Gerüchte von einem Karriereende, am 4. August wiederum sah man Deng dann erstmals seit fast einem Jahr wieder spielen, als er beim Africa Game auf immerhin 14 Punkte kam. Seine Situation bei den Lakers blieb indes vernagelt, auch wenn Rob Pelinka im Sommer noch gesagt hatte, dass abgesehen von LeBron James alle Spielanteile in einem "offenen Wettbewerb" stünden. Deng sollte auch an diesem Wettbewerb nicht teilnehmen.

"Ich möchte spielen und ein Teil von etwas sein", sagte dieser noch im Rahmen des Africa Games. "Aber ich kann nicht Teil von etwas sein, wo man nicht an mich glaubt. Ich spiele für Leute, die an mich glauben, und ich kenne den Level, auf dem ich immer noch spielen kann." Für alle anderen hingegen ist dies seit über einem Jahr ein Mysterium.

Wie bizarr diese ganze Situation ist, zeigt, dass unmittelbar nach dem Buyout laut Chris Haynes direkt mehrere Contender ihr Interesse an Deng registriert haben. 18 Mio. Dollar pro Jahr hielten nur die Lakers im Sommer 2016 für eine gute Idee, aber zum Minimum - warum nicht?

Luol Deng: Natürlich zu den Timberwolves

3-and-D-Forwards wachsen nicht auf Bäumen, und im Gegensatz zu vielen anderen NBA-Spielern war Deng zumindest mal einer. Lassen wir uns überraschen - Emeka Okafor war letzte Saison nach vier Jahren Pause (!) aus dem Nichts Teilzeit-Starter in New Orleans.

Die Tatsache, dass Deng nun "ausgerechnet" in Minnesota einen Neuanfang versuchen will, ist insofern fast schade, dass der "TimberBulls"-Aspekt von der eigentlichen Geschichte ablenkt. Es war komplett vorhersehbar, dass es passieren würde, und zeigte mal wieder die Problematik, wenn Coaching und Management in den Händen derselben Person liegen.

Neuanfang oder Ende?

Thibs mag, was er kennt, ähnlich wie Doc Rivers, der jahrelang Spieler zu den Clippers holte, die vor sechs bis acht Jahren mal entweder gut bei den Celtics waren oder gut gegen sie gespielt hatten. Kein Coach hat so viel Zeit, dass er nebenher auch noch gewissenhaft scouten, evaluieren und managen kann. Deswegen hat diese Doppelrolle in der NBA wohl auch keine Zukunft mehr.

Für Deng repräsentiert Thibs indes genau das, was er in den letzten Jahren vermisst hat - jemanden, der an ihn glaubt. Vielleicht sogar zu sehr. Die Zeit wird zeigen, ob dieser Schritt seine Karriere wiederbeleben kann, oder ob es bloß der Sprung von einem Running Gag zum nächsten war.

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