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NBA Legenden-Serie: Jason Kidd vor Aufnahme in die Hall of Fame – Der Fast-Alleskönner

Donnerstag, 06.09.2018 | 11:30 Uhr
Jason Kidd verzauberte die NBA insgesamt 19 Jahre lang mit seinen Pässen.
© getty

Am Freitag wird Jason Kidd genau wie Steve Nash, Grant Hill und Ray Allen in die Hall of Fame aufgenommen. SPOX blickt daher auf die Karriere eines sehr ungewöhnlichen Point Guards zurück, der seine Genugtuung erst dann fand, als es schon zu spät dafür schien.

Wenn man nach der definierenden Aktion in der Karriere von Jason Kidd sucht, kann man sich vieles aussuchen - einen Behind-the-Back-Pass etwa, oder seine regelmäßig perfekte Ausführung von Fastbreaks. Eine gute Möglichkeit allerdings wäre auch eine Szene, die sich 2011 ereignete, als Kidd bereits 38 Jahre alt und nicht mehr ganz so weit vom Karriereende entfernt war.

Wir befinden uns am Ende von Spiel 5 der NBA Finals, Kidds Mavericks führen mit 102:100 und haben 1:30 Minuten vor Schluss die Möglichkeit, die Vorentscheidung in Spiel 5 und in der Serie gegen die Heat herbeizuführen. Natürlich wird Dirk Nowitzki gesucht, aber Udonis Haslem ermöglicht keinen Pass. Die Uhr tickt herunter, Jason Terry penetriert und muss eine Entscheidung treffen. Die Zone ist zu, dafür steht Kidd draußen blank. Noch 3 Sekunden auf der Uhr, als Kidd den Ball fängt.

Jason Kidd: Späte Genugtuung in Dallas

Dazu sei erwähnt: Kidd war lange als "Ason" bekannt, weil er nicht werfen konnte. Über seine ersten 13 Saisons hatte er durchschnittlich 33 Prozent von draußen getroffen. Es wurde zwar später besser - ab 2007 steigerte sich Kidd enorm, wenngleich er in der 2010/11er Saison bloß 34 Prozent getroffen hatte.

Dies war jedoch nicht irgendein Wurf, sondern der potenziell wichtigste seiner Karriere - und die vielleicht letzte Chance für Kidd, doch noch den langersehnten Titel zu gewinnen, der ihm so lange verwehrt gewesen war. Der eine oder andere Spieler wäre hier sicherlich ins Zweifeln geraten, Kidd jedoch nicht.

Er fängt den Ball im Rhythmus, drückt ab - und trifft. Es sollte der vorletzte Sargnagel für die Heat sein, rund eine Minute später besorgte Terry von Downtown die Entscheidung. In Spiel 6 komplettierten die Mavericks wenig später einen der größeren Finals-Upsets der NBA-Geschichte - und Kidd komplettierte eine Karriere, die ohnehin schon längst Hall-of-Fame-Material gewesen war.

Jason Kidd: Wenn ich musste, konnte ich werfen

Zweifelsohne ist Kidds Passspiel die Qualität, die den allermeisten Leuten in Erinnerung bleiben wird - nur John Stockton hat mehr Assists verteilt als er und fast niemand hat so eine Präzision, aber auch Kreativität und Flair als Playmaker an den Tag gelegt. Beinahe noch mehr als über seine Court Vision definierte sich Kidd jedoch als Sieger-Typ, weshalb auch sein Wurf in Spiel 5 letztlich niemanden überrascht haben sollte.

Seiner Meinung nach zumindest. "Meine Einstellung war immer: Wenn ich das Spiel mit einem Wurf entscheiden muss, kann ich das tun. Ich war immer der Meinung, dass ich alles tun konnte, was das Team von mir brauchte", sagte Kidd später bei The Undefeated. "Ich wollte mich aber in erster Linie auf meine Stärken konzentrieren."

Das mag eine etwas krude Logik sein, zumal Kidd über viele Jahre tatsächlich zu den schlechtesten Guard-Scorern überhaupt in Sachen Effektivität gehörte. Auch das passt aber irgendwie zum begnadeten Point Guard: Seine gesamte Vita ist von Widersprüchen geprägt.

Selbstlos und egozentrisch?

Kidd war auf dem Court die Definition von selbstlos, seine Mitspieler liebten ihn, weil er sie - ähnlich wie Steve Nash - immer wieder perfekt in Position brachte und einer ganzen Heerschar von durchschnittlichen NBA-Profis hohe Millionenverträge auf dem Tablett servierte. Gleichzeitig war er hinter den Kulissen alles andere als einfach.

Über die Jahre legte sich Kidd mit fast jedem Coach an, zunächst auch mit Rick Carlisle in Dallas, er wurde dreimal getradet, einmal sogar mitten in seiner Blütezeit. Zu Beginn seiner Karriere implodierte das vielversprechende Mavs-Trio aus ihm, Jimmy Jackson und Jamal Mashburn angeblich aufgrund der R&B-Sängerin Toni Braxton (auch wenn Kidd dieses Gerücht unlängst bestritt).

Auch auf dem Court war Kidd ein wandelnder Widerspruch. Er war ein Superstar und beherrschte nahezu alles - als großer Point Guard war er ein exzellenter Rebounder und Verteidiger, dazu über Jahre neben Nash der weltbeste Playmaker, ein Monster im Fastbreak, ein wahres Genie in Sachen Spielintelligenz.

Gleichzeitig war er unheimlich schlecht im Abschluss - seine Quoten (Karriere: 40 Prozent FG) erinnerten an die Guards der 50er und 60er Jahre. Als einer von ganz wenigen Spielern der NBA-Geschichte musste Kidd Spiele dominieren, ohne groß zu scoren. Es spricht für seine Brillanz in allen anderen Belangen, dass er dies über viele Jahre tatsächlich schaffte.

Stephon Marbury: Das genaue Gegenteil

Eins wurde im Lauf seiner Karriere nämlich nie bezweifelt: Kidd machte seine Teams besser. Das war in Phoenix der Fall, das war vor allem auch bei den Nets der Fall, nachdem er im Sommer 2001 für Stephon Marbury nach New Jersey getradet worden war. Am Beispiel Starbury lässt sich recht gut verdeutlichen, warum Kidd so besonders war.

Marbury konnte alles. Er war athletisch und schnell, konnte aus jeder Lage scoren, hatte Spielwitz und Kreativität, physisch gab es nur wenige Guards, die ihn kontrollieren konnten. Ihm fehlte jedoch der Team-Gedanke beziehungsweise der Wille, ein Anführer zu sein. Zu Beginn seiner Karriere forcierte er aus Neid einen Wechsel weg von Kevin Garnett, obwohl dieser der perfekte Gegenpart für sein Spiel hätte sein können.

Marbury sammelte fortan exzellente Statistiken, er machte sein Team aber nicht besser. Die Nets gewannen 2000/2001 angeführt von Marbury (23,9 Punkte, 7,6 Assists) 26 Spiele und gehörten zu den hoffnungsloseren Teams der Liga. Kidd wiederum hatte mit den Suns in derselben Saison 51 Siege geholt, Phoenix entschied sich indes aufgrund einer Anklage wegen häuslicher Gewalt (zu der sich Kidd schuldig bekannte), ihn nach fünf Jahren abzugeben.

Trade nach New Jersey: Die Kehrtwende

Dieser Trade veränderte einiges, auf beiden Seiten. Phoenix hatte zuvor fünf Jahre in Folge die Playoffs erreicht, in der folgenden Saison holten sie mit Marbury 36 Siege. Die Nets drehten sich in die andere Richtung. Im Sommer hatte Kidd noch mit der Ankündigung amüsiert, dass New Jersey die Playoffs erreichen würde - der Point Guard hatte dies allerdings ernst gemeint.

Kidd war nun in seiner Blütezeit und schaffte 01/02 das beinahe Unmögliche: Er führte ein Team aus dem Keller nicht nur zu 52 Siegen, sondern sogar in die NBA Finals. Wie auch im Jahr danach, wenngleich New Jersey sowohl gegen die Lakers als auch gegen die Spurs keine realistische Siegchance hatte. Kidd ließ seine nicht gerade legendären Mitspieler (Kenyon Martin, Keith van Horn und Richard Jefferson waren die besten) besser aussehen, als sie in Wirklichkeit waren - er servierte, er inspirierte, er führte an. 2002 wurde er nach Tim Duncan sogar Zweiter im MVP-Voting.

"Er hat Mitspieler dazu inspiriert, Selbstvertrauen zu haben und seinem Beispiel zu folgen, ohne dass er die ganze Zeit reden musste", erklärte der damalige Nets-GM Rod Thorn später nba.com. "Jeder von ihnen würde heute zugeben, dass er sie auf ein neues Level gehoben hat, mit seiner Spielweise und seiner Einstellung in jeder Trainingseinheit."

Seite 1: Der wandelnde Widerspruch

Seite 2: Genugtuung erst in Dallas

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