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NBA Legenden-Serie: Bill Walton - Ein Leben voller Schmerzen

Donnerstag, 16.08.2018 | 10:00 Uhr
Bill Walton war der vielleicht beste Spieler der Portland Trail Blazers aller Zeiten.
© getty

Bill Walton war einer der besten Center aller Zeiten, obwohl ihn die eigenen Füße immer wieder stoppten. Der Sunnyboy war einer der ersten Aktivisten der Liga, sogar das FBI hörte zwischenzeitlich sein Telefon ab. Der Big Man war eine der tragischsten Figuren der Geschichte, wegen anhaltender Schmerzen wollte der Vater von Lakers-Coach Luke Walton sich sogar das Leben nehmen. Inzwischen hat Walton aber seinen Frieden gefunden. Alle weiteren Legenden-Geschichten findet ihr in unserem Archiv.

2009 ist Bill Walton mit seinem Leben fertig. Mit inzwischen 58 Jahren kann der ehemalige Center nicht mehr gerade stehen. Als er aus einem Flugzeug aussteigt, bricht der Hall of Famer zusammen, der Rücken macht nicht mehr mit. Selbstmordgedanken quälen den Hünen, der wohl nur am Leben bleibt, weil er selbst keine Waffe hat. "Ich hatte nichts mehr in meinem Leben und die Schmerzen wollten nicht verschwinden", erinnerte er sich später.

Es war der Tiefpunkt eines Lebens, das mehr als genug Höhen und Tiefen, dramatische Wendungen und Knackpunkte für eine Person beinhaltet hatte. Schmerzen sind es, die Walton sein Leben lang begleiten. Schon als Teenager rissen im Knie sämtliche Bänder, über drei Monate durfte er das Bett nicht verlassen. In dieser Phase schoss Walton aber um 15 Zentimeter in die Höhe, Fluch und Segen zugleich.

In San Diego, einer Stadt, die auf der Basketball-Karte noch völlig unbekannt war, dominierte ein damals halbwegs fitter Walton alles auf High School-Niveau. Er legte in seinem Senior-Jahr 29 Punkte und 25 Rebounds pro Spiel auf, doch die Gegner wussten bereits, wie fragil der hochtalentierte Rotschopf war. Zur Seite sprang ihm zu dieser Zeit der ältere Bruder, der den Bodyguard gab und später zum NFL-Spieler reifte. Niemand durfte dem jungen Bill zu nahe kommen, dafür sorgte der grimmige Bruce Walton.

Walton wird zur Legende mit UCLA

Im Staate Kalifornien sprachen sich die Leistungen von Walton schnell herum, auch wenn er in seinem letzten Jahr nicht zum High School-Spieler des Jahres gewählt wurde. San Diego war einfach nicht präsent. John Wooden entging Walton aber nicht, schließlich coachte die UCLA-Legende nur zwei Autostunden entfernt in Los Angeles. Im Jahr 1971 brauchte das College-Powerhouse einen neuen Center, Wooden brach für Walton sogar eines seiner Prinzipien, noch nie hatte der Coach zuvor einen einzigen Spieler für sein Programm rekrutiert. Das hatten die Bruins normalerweise nämlich nicht nötig.

UCLA dominierte den College-Sport zu dieser Zeit. Die Bruins stellten im Prinzip zwei Teams, die den Titel hätten gewinnen können. So war Waltons Backup beispielsweise Swen Nater, der, ohne ein einziges Spiel zu starten, 1973 von den Milwaukee Bucks an Position 16 gedraftet wurde.

Die Bruins eilten entsprechend von Sieg zu Sieg und hatten schon ohne Walton fünf Titel am Stück gewonnen, zumal bis 1969 ein gewisser Lew Alcindor (alias Kareem Abdul-Jabbar) bei ihnen in der Zone dominierte. Mit Walton hielt die Dominanz, in den ersten beiden Jahren gewannen die Bruins alle 60 Spiele und zwei Titel. Im Championship-Game 1973 legte Walton dann eine Performance für die Ewigkeit auf und erzielte gegen Memphis State 44 Punkte (21/22 FG).

Walton: Anführer der Hippie-Bewegung

Aber nicht nur die sportlichen Leistungen stachen in dieser Zeit heraus. Walton war eine Erscheinung, die man auf dem Campus in UCLA nicht übersehen konnte. Seine roten Haare wurden immer länger, Walton wurde zu einem Symbol der Hippie-Bewegung in Kalifornien und marschierte bei zahlreichen Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg vorne mit.

Seine Proteste stießen auf wenig Gegenliebe von Coach Wooden, der es aufgrund der guten Leistungen aber tolerierte. Wooden weichte für seinen Schützling auch seine harten Regeln auf und ließ Walton sogar Marihuana rauchen, was die anhaltenden Schmerzen des Centers linderte.

Als Wooden Walton dann aber aus dem Gefängnis holen musste, nachdem dieser mit einer Gruppe von Aktivisten das UCLA-Verwaltungsgebäude besetzt hatte, war das Maß voll: Der väterliche Coach empfahl Walton stattdessen, Briefe zu schreiben, was dieser umgehend tat und einen solchen an Präsident Richard Nixon verfasste, dass dieser doch bitte zurücktreten solle. Tatsächlich geschah dies nur wenige Wochen später.

Auf dem Feld gab es jedoch Rückschläge. Die Bruins wurden nachlässig und verloren in der Saison 1973/74 gleich vier Spiele, darunter auch im Final Four gegen David Thompson und North Carolina State, was den dritten Titel im dritten Jahr unmöglich machte. "Diese Niederlage wird mich mein Leben lang verfolgen", bilanzierte der enttäuschte Walton, der dennoch zum dritten Mal am Stück zum Spieler des Jahres gewählt wurde.

Walton: Zwischen den Blazers und dem FBI

Folgerichtig ging Walton als Erster im Draft 1974 vom Tisch und damit zu den noch jungen Portland Trail Blazers. Der Center sollte ein Heilsbringer sein, konnte aber zunächst die Erwartungen nicht erfüllen. Immer wieder stoppten ihn Verletzungen, weswegen der Rotschopf in seinen ersten beiden Jahren nur 86 Spiele absolvierte. Der Fuß meldete sich stetig: "Es fühlte sich an, als ob man mir Messer hineinrammen würde", berichtete Walton. Die Ärzte fanden aber nichts und empfahlen Walton, sich fit spritzen zu lassen, was dieser aber vehement ablehnte.

Kritisch wurden weiterhin seine politischen Aussagen gesehen. "Eure Generation hat die Welt versaut, meine Generation versucht es wieder gerade zu bügeln. Geld bedeutet mir nichts. Es kann dir keine Zufriedenheit kaufen und ich will einfach nur glücklich sein." Solche Statements ließen die Fans daran zweifeln, ob Walton überhaupt ernsthaft Basketball spielen wolle, schließlich mischten sich Sportler in dieser Zeit nur selten in politische Angelegenheiten ein.

Dieser Effekt verstärkte sich 1975 noch einmal, als das FBI auf Walton aufmerksam wurde. Sein Haus in Portland wurde in dieser Zeit zum Treffpunkt von radikalen Aktivisten, die unter anderem in diverse Banküberfälle involviert gewesen sein sollen, auch wenn Walton solche Kontakte abstritt. "Als ich einer Freundin am Telefon erzählte, dass ich schwanger war, stand zehn Minuten später das FBI vor der Tür", erinnerte sich Waltons damalige Frau Susie.

Der Druck auf Walton stieg, es waren nicht erkannte Stressfrakturen, welche die Schmerzen verursachten. Die Mitspieler fragten sich, ob Walton überhaupt spielen wolle und die Zeitungen in Oregon vermuteten, dass Waltons Verzicht auf Fleisch und Fisch der Grund für seine Verletzungen sei. Der Center selbst dachte ebenfalls über einen Rücktritt nach, auch wenn er sich ultimativ dagegen entschied.

Walton: Die Wende in Portland bringt die Championship

Die Wende ereignete sich im Sommer 1976. Die Blazers verpflichteten einen gewissen Dr. Jack Ramsey als Coach und holten Power Forward Maurice Lucas aus der ABA. Lucas war fortan der erste Spieler, der in der NBA die frühere Rolle von Bills Bruder Bruce einnahm. Der furchteinflößende Power Forward beschützte den fragilen Star und war der gesuchte Enforcer. Walton wusste dies zu schätzen und benannte seinen Sohn Luke nach dem Spitznamen seines Beschützers.

Die Saison 1976/77 wurde fortan zu einem wahren Triumph-Zug, Blazermania brach in Portland aus. Die Blazers, das jüngste Team der Liga, spielten einen begeisternden Basketball. Im Mittelpunkt stand natürlich Walton, der endlich einigermaßen fit und überall zu finden war. Er verteidigte, blockte Würfe, sammelte die Rebounds, machte das Spiel mit Outlet-Pässen schnell und konnte auch im Post scoren.

Nach einem Sweep gegen die Lakers und Abdul-Jabbar wartete mit den Sixers in den Finals eine stargespickte Truppe um Speerspitze Julius Erving, die als klarer Favorit in die Serie ging. 0-2 lagen die Blazers bereits hinten, doch vier Spiele später krönte sich Portland sieben Jahre nach der Gründung der Franchise und bei der ersten Playoff-Teilnahme überhaupt zum World Champion.

In Spiel 6 legte Walton dabei 20 Punkte, 23 Rebounds, 7 Assists und 8 Blocks auf und wurde folgerichtig zum Finals-MVP gekürt. "Bill Russell war ein großartiger Shotblocker, Wilt Chamberlain war ein großartiger Offensiv-Spieler, aber Walton kann alles davon", jubelte sein Coach Ramsey.

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