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NBA: Markelle Fultz vor seiner zweiten Saison bei den 76ers - Bereit für den großen Knall?

Von Gianluca Fraccalvieri
Freitag, 27.07.2018 | 10:45 Uhr
Kann Markelle Fultz den hohen Erwartungen endlich gerecht werden?
© getty

Markelle Fultz steht vor seiner zweiten Saison bei den 76ers. Nach einem verkorksten Rookie-Jahr soll nun endlich der große Durchbruch gelingen. Wenn sich die Gerüchte um seinen wiederhergestellten Wurf bewahrheiten, könnte der No. 1-Pick von 2017 das entscheidende Puzzleteil zum Erfolg in der Stadt der brüderlichen Liebe sein.

Markelle Fultz und sein "kaputter Wurf" sind wohl eine der merkwürdigsten Storys der jüngsten NBA-Geschichte. Der 20-Jährige kam als einer der vielversprechendsten Shot-Creator des Jahrgangs in die Liga, verpasste aufgrund seiner lädierten Schulter aber den Großteil der Saison. "Er hatte komplett vergessen wie man wirft", sagte NBA-Trainer Drew Hanlen vor einigen Wochen im Daniel Schmidt Podcast.

Wohl auf Anraten von Teamkollege Joel Embiid hatte sich Fultz in der Offseason von seinem ehemaligen Wurf-Coach Keith Williams getrennt und die Zusammenarbeit mit Hanlen aufgenommen. Dieser hat schon Embiid, Tatum und vielen anderen Spielern zu einem flüssigen Abschluss verholfen. Nun arbeitet der Wurf-Wunderheiler intensiv an der wohl größten Aufgabe seiner Karriere - anscheinend mit Erfolg.

Markelle Fultz: Auf dem Papier ein Star

Sollten die verheißungsvollen Ankündigungen von Hanlen der Wahrheit entsprechen, dann dürften wir in der nächsten Saison einen komplett neuen Markelle Fultz erleben, der nichts mehr mit dem merklich verunsicherten Youngster der vergangenen Saison zu tun hat. Yahoo-Insider Jordan Schultz meinte gar, dass man den "neuen" Fultz als eine Art Free-Agency-Verpflichtung betrachten kann.

Denn im Grunde ist der Combo Gaurd ein echter Offensiv Allrounder. Er ist der einzige College-Spieler, der in den letzten 25 Jahren (!) eine Statline von 23 Punkten, 5 Rebounds und 5 Assists im Schnitt über eine gesamte Saison auflegte.

Dazu galt er als einer der besten, wenn nicht der beste Three-Level-Scorer (ein Spieler, der sowohl von der Dreierlinie, Midrange und aus dem Post abschließen kann) seines Jahrgangs, weist eine überragende Athletik auf und war obendrein als Maestro des Pick-and-Rolls gefürchtet. Klingt auf dem Papier erstmal nicht verkehrt.

Lassen wir die letzte Saison nun mal unbeachtet und nehmen den College-Fultz als Status Quo. Dann kann der Guard für die Sixers in den kommenden Jahren nämlich tatsächlich der fehlende Baustein zum Erfolg sein. Aber alles der Reihe nach.

Markelle Fultz' Karrierestatistiken

SaisonTeamSpielePunkteAssistRebounds
2017-1876ers147,13,83,1
2016-17Washington College2523,25,95,7

Sixers: Fultz als Abhilfe gegen die fehlende Variabilität

Das Gerüst aus Simmons auf der Eins und Embiid auf der Fünf wird der Anker für Philly in den nächsten Jahren sein. Daran führt kein Weg vorbei. Die beiden für sich genommen, sind auf ihren Positionen schon absolute Weltklasse. Samt stabilen Shootern auf den Positionen Zwei bis Vier und einer produktiven Bank, machten Brett Browns Jungs am Ende der Regular Season und in der ersten Playoffs-Runde schon richtig Spaß.

Gegen die Celtics in der zweiten Runde offenbarte sich aber dann die ganz große Schwachstelle des jungen Teams - Flexibilität. Dank Brad Stevens waren die Kobolde optimal auf die Sixers eingestellt und nutzten dies knallhart aus. Simmons wurde offen stehen gelassen, Embiid wurde in der Zone stets gedoppelt und Redick bekam einfach keine Würfe. Ohne einen zweiten Kreativmann auf dem Feld wirkte Phillys Offensive daher oft eingleisig und einfallslos.

Es fehlte schlichtweg ein kreativer Guard, der auch mal aus dem Dribbling heraus seinen eigenen Wurf kreieren kann und in wichtigen Situation im Eins-gegen-Eins punktet. Simmons wird das auf absehbare Zeit aufgrund seines fehlenden Händchens nicht auf die Kette bekommen, Redick fehlt dafür schlichtweg das Ballhandling sowie die Athletik und Embiid kann auch nicht alles machen (auch wenn er das gerne würde). T.J. McConnell erfüllt diese Anforderung zwar in Ansätzen, das große Starpotenzial steckt dennoch nicht in dem 26-Jährigen.

Genau dafür ist der Spielertyp eines Markelle Fultz gefragt. Der 1,93 Meter große Guard verstand es auf dem College wie kaum ein Zweiter, seinen eigenen Wurf zu kreieren, war von hinter der Dreierlinie enorm gefährlich (41.3 Prozent) und ist dank seiner Spannweite (2,06 Meter) auf der anderen Seite sogar in der Lage, in einem kleinen Lineup Small Forward zu verteidigen.

Dem nicht genug: Mit Big Man Joel Embiid hat der überdurchschnittliche Pick-and-Roll-Spieler bei Philly den perfekten Partner um eines der begnadetsten Pick-and-Roll- bzw. Pick-and-Popre-Duos der Liga zu erschaffen.

Ben Simmons könnt er derweilen im Spielaufbau immer wieder unter die Arme greifen, was dem Australier öfters die Gelegenheit bieten würde, seine körperliche Überlegenheit im Low-Post auszuspielen.

Sixers 2018/19: Fultz auf der Zwei und Redick von der Bank?

Fraglich ist jedoch, in welcher Form Fultz seine Einsatzzeiten bekommt. Am Anfang der Saison wird er freilich erstmal von der Bank kommen und sich erneut langsam an den NBA-Alltag herantasten müssen. Sollte sich der 20-Jährige aber beweisen, ist es durchaus wahrscheinlich, dass Brown ihn im Laufe der Saison in die Starting Five zieht und dafür Redick als Anführer der Second Unit von der Bank kommen lässt.

Damit hätte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen werden die 76ers durch Fultz' Spielstil offensiv sowie defensiv deutlich variabler. Zum anderen kann sich Redick, der ohnehin ein überaus hohes Standing im Team genießt, mit seiner jahrelangen Erfahrung zum wichtigen Anführer der zweiten Garde entwickeln.

Mit seinen 34 Lenzen würde er es sicher begrüßen, nicht jedes Spiel 30+ Minuten auf dem Court zu stehen und würde sich darüber hinaus tendenziell schlechteren Verteidigern und folglich mehr offenen Würfen gegenübersehen. Zusätzlich schließen die Sixers damit intern das Shooter-Loch auf der Bank, das seit dem Abgang von Belinelli und dem Nicht-Transfer von Nemanja Bjelica klafft. Eine klassische Win-Win-Situation.

Philadelphia glaubt an Markelle Fultz

"Ich habe gewaltigen Optimismus und Vertrauen, dass er ein unglaubliches Jahr spielen wird", sagte Brown auf einer Pressekonferenz im Rahmen den Summer League in Las Vegas. Und damit steht der Sixers-Coach nicht alleine da. Auch Jordan Schultz prophezeit dem ehemaligen Top-Pick ein großes Jahr. Er will von einer ligainternen Quelle erfahren haben, dass "Fultz' Jumper wieder hergestellt und der 20-Jährige ein komplett veränderter, enorm verbesserter Spieler ist."

Man weiß innerhalb der Franchise wohl Genaueres über die Entwicklung des ehemaligen College-Stars, was auch erklären würde, warum die Sixers Fultz nie in ein mögliches Trade-Paket für Kawhi Leonard involvieren wollten.

Jetzt liegt es an Fultz selbst, seinen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden und seine Kritiker verstummen zu lassen. Wenn die Rechnung aufgeht, könnten man in Philadelphia vielleicht schon nächste Saison eine neue Big-3-Ära einläuten. Es würde irgendwie ins Bild des Process passen.

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