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NBA: Marcus Smart bleibt bei den Boston Celtics: Für Defense bezahlt

Marcus Smart bleibt bei den Boston Celtics
© getty

Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich die Boston Celtics und Marcus Smart auf einen neuen Vertrag geeinigt. Die Celtics bringen damit fast das gleiche Team aus der Vorsaison zurück, auch die Langzeitverletzten machen Fortschritte. Was bedeutet die Verlängerung von Smart für den Spieler und auch für das Team?

Die Boston Celtics sind wieder komplett. Nach über drei Wochen Free Agency unterschrieb in Marcus Smart das letzte wichtige Puzzle-Teil für die kommende Saison - und das langfristig. 4 Jahre, 52 Millionen Dollar sind die Parameter des Deals für den Point Guard, der nun also doch noch bezahlt wurde. Noch vergangenen Oktober hatte Smart 50 Millionen für den gleichen Zeitraum abgelehnt, in der Folge sah es nicht gut für ihn aus.

Der Markt war schnell ausgetrocknet, vor allem Restricted Free Agents wie Smart konnten kaum Angebote einholen, weil es nur wenige Teams mit Cap Space gab. Lediglich Mannschaften wie Sacramento, Chicago oder Atlanta hatten zwar das nötige Geld, aber wenig bis keine Ambitionen, das Team nennenswert mit Free Agents zu verstärken.

RFA war auch Jabari Parker, der zuletzt von sich gab, dass Spieler nicht für Defense in dieser Liga bezahlt werden. Im Fall Smart täuschte sich der gute Jabari jedoch, auch wenn es einige Zeit benötigte.

"Ich wusste, dass es in diesem Jahr hart werden würde", erklärte Smart nach seiner Verlängerung gegenüber den Reportern, um aber auch zuzugeben, dass es zeitweise auch frustrierend war, da so viele Dinge in der Schwebe waren. "Ehrlich gesagt hatte ich bis zuletzt keine Ahnung, für wen ich in der kommenden Saison spielen würde."

Celtics: Smart war die höchste Priorität

So verwunderte es nicht, dass Berichte aus dem Boden sprießten, die von einem enttäuschten und beleidigten Smart berichteten, der sich nicht genug gewürdigt fühlte. Selbst die Qualifying Offer (6,1 Mio.) für ein Jahr zog Smart in Betracht, danach hätte er Boston wohl als Unrestricted Free Agent verlassen.

General Manager Danny Ainge verwies dies im Statement zur Verlängerung aber ins Reich der Fabeln. "Marcus zu halten, hatte in unserer Offseason höchste Priorität und wir freuen uns, dass wir dies geschafft haben", versicherte der GM. "Niemand spielt so hart wie er. Seine Energie ist unerreicht und treibt das Team immer wieder an."

Doch das alles hat auch einen gewissen Preis und das war sicher auch einer der Hauptgründe, warum die Verlängerung nicht schon am 1. Juli bekanntgegeben wurde. Schaut man die Vertragsstruktur von Smart an, ist zu sehen, dass es nicht besonders teamfreundlich ist. Laut Fred Katz (MassLive) bekommt Smart in der kommenden Saison 11,66 Millionen Dollar, die folgenden drei Jahre sind es jeweils acht Prozent mehr. Hinzu kommt ein Bonus von einer halben Million, wenn Smart gewisse Körperfett-Anteile hält und somit Skinny Marcus bleibt.

Die Probleme der Celtics mit der Luxussteuer

Zuletzt hatte es dagegen Gerüchte gegeben, dass die Celtics es bevorzugen würden, wenn Smart im ersten Vertragsjahr das meiste Geld und dann Jahr für Jahr weniger bekommt. Der Grund ist simpel: Luxussteuer.

Durch den Smart-Deal knackten die Celtics die Luxussteuer-Grenze (3,86 Mio.), weswegen Guard Abdel Nader nach OKC getradet wurde. Der akquirierte Rodney Purvis wird dagegen mit großer Sicherheit entlassen. Doch selbst durch diesen Move bleiben die Celtics rund 2,05 Millionen über der Grenze, es ist also möglich, dass Spieler wie Guerschon Yabusele (2,7 Mio.) oder Marcus Morris (5,8 Mio.) im Verlauf der Saison getradet werden. Denn: Luxussteuer zahlt nur der, der zum Ende der Regular Season über der Grenze liegt.

Dies dürfte für Boston wichtig sein, da man nur ungern in der Zukunft ein Wiederholungstäter sein möchte. 2018/19 wäre nach dem Status Quo die erste Saison in der Luxussteuer, 2019/20 dürfte die Payroll deutlich höher sein, wenn Kyrie Irving einen neuen Max-Vertrag unterschreiben möchte. Gleiches gilt in den kommenden Jahren für Jaylen Brown und Jayson Tatum, die noch in ihren Rookie-Verträgen sind.

Für Boston wäre es also wichtig, nicht bereits in der kommenden Saison in die Luxussteuer abzudriften. Als Repeater beträgt schließlich der Steuersatz einen Dollar mehr, als wenn man erstmals in der Luxussteuer ist.

Der Schlüssel für die Luxussteuer-Zahlungen

Team über CapNon-Repeater Steuersatz (in $)Repeater Steuersatz (in $)
unter 5 Mio.1,502,50
5 Mio. bis unter 10 Mio.1,752,75
10 Mio. bis unter 15 Mio.2,503,50
15 Mio. bis unter 20 Mio.3,254,25
Über 20 Mio.3,75 (plus 0,50 pro weitere 5 Mio.)4,75 (plus 0,50 pro weitere 5 Mio.)

Celtics halten das Team zusammen

Doch wer um den Titel mitspielen möchte, muss eben auch gewisse Risiken eingehen, wie auch Rockets-Owner Tilman Fertitta richtig feststellte. "Wenn man um eine Championship spielen will, braucht man schon sehr viel Glück, um nicht im Luxussteuer-Bereich zu sein", sagte der Houston-Besitzer am Rande der Verlängerung von Chris Paul.

Auch Boston wird in der Zukunft ähnliche Probleme haben, der neue Vertrag und die zähen Verhandlungen bei Smart haben dies schon gezeigt. Dafür bleiben die Celtics in ihrem Kern nach dem großen Umbau im letzten Sommer fast komplett zusammen. Die Abgänge von Shane Larkin und Greg Monroe wurden mit EuroLeague-Star Brad Wanamaker und Rookie Robert Williams kompensiert, der Rest der Band wurde komplett gehalten.

Smarts Spiel ist nicht mit Zahlen zu messen

Auch Smart hatte am Erfolg der Celtics im Vorjahr einen großen Anteil, auch wenn er zumeist auf der Spielmacher-Position nur der Backup von Uncle Drew war. Smarts Spielweise ist in dieser Form in der Liga nicht zu finden. Keiner schmeißt sich nach Loose Balls wie Smart, kaum ein Spieler spielt solch leidenschaftliche Defense wie Smart. Kein Spieler wird von den Celtics-Fans so geliebt wie Smart.

Kein Spieler verkörpert die DNA der Celtics wie er, da darf auch gerne einmal über die teils fragwürdige Wurfauswahl und die allgemein schwachen Wurfquoten hinweggesehen werden. Es ist ohnehin schwer, Smart an Zahlen zu messen. Mal ist es ein wichtiger Offensiv-Rebound in einem knappen Spiel eine Minute vor dem Ende oder ein Block gegen einen viel größeren Spieler, der das Publikum mitreißt und Boston das Momentum verschafft.

Entsprechend bemühte sich auch die PR-Abteilung der Celtics, die Wichtigkeit von Smart für Boston zu unterstreichen. So wurde auf das Defensiv-Rating von 99,5 mit Smart auf dem Feld (Platz 3 unter Guards mit mindestens 41 Spielen) eingegangen oder aber auch darauf, dass er in der Top-25 in Deflections und Top-10 in Charges drawn war. Zum Vergleich: Die Spurs wischten bei der Verabschiedung von Kawhi Leonard unter den Teppich, dass dieser Finals-MVP und zweifacher Defensive Player of the Year war.

Smart will mit Boston die Championship gewinnen

"Ich werde alles versuchen, um meinen Mitspielern zu helfen und den besten Fans der Welt eine weitere Meisterschaft zu bescheren", erklärte Smart. Bei vielen Spielern mag das wie eine Phrase klingen, beim Guard kann man davon ausgehen, dass er sich in den kommenden Jahren für die Celtics zerreißen wird.

"Wir haben gezeigt, wie nah wir dran sind, auch wenn uns wichtige Spieler verletzt gefehlt haben", erklärte Smart. "Kyrie und Gordon kommen nun zurück und ich denke, dass wir schwer zu schlagen sein werden. Ich freue mich, Teil dieser historischen Reise und dieser historischen Franchise zu sein."

Die Statistiken von Marcus Smart in der NBA

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteFG%3P%AssistsSteals
2014/15Celtics6727,07,836,733,53,11,5
2015/16Celtics6127,39,134,825,33,01,5
2016/17Celtics7930,410,635,928,44,61,6
2017/18Celtics5429,910,236,730,14,81,3

Smart als zukünftiger Trade Chip?

Ob diese Reise dann auch über die vollen vier Jahre andauert, ist nun natürlich noch nicht abzuschätzen, doch es ist auch nicht auszuschließen, dass Ainge Smart eines Tages als Asset einsetzen wird. Spätestens seit der Saga um Isaiah Thomas ist bestens bekannt, dass der Celtics-GM absolut rational und fast nie emotional entscheidet.

Die Payroll der Celtics bestand bislang aus Maximal-Spielern ab 20 Millionen oder aus günstigen Spielern und Rookies bis knapp 7 Millionen. Smart ist nun der erste und bislang einzige Spieler mit einem mittelgroßen Deal, der bei einem möglichen Trade wunderbar als Filler eingesetzt werden kann. Spätestens wenn Anthony Davis von den New Orleans Pelicans verfügbar sein könnte, wird damit auch der Name von Smart verbunden sein.

Doch das ist alles erst einmal Zukunftsmusik. Smart wird weiterhin das grüne Trikot mit der Nummer 36 tragen und vielleicht gibt es ja in der kommenden Saison eine Antwort auf die Frage, wie gut dieses Team der Celtics mit Irving, Hayward und keinen anderen Verletzten eigentlich sein kann, wenn auch mit einem Jahr Verspätung.

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