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NBA Playoffs - LeBron James und die Cavaliers verlieren Spiel 5 bei den Celtics: Doch müde!

Donnerstag, 24.05.2018 | 10:29 Uhr
LeBron James gab nach dem Spiel zu, müde zu sein
© getty

Die Saison der Cleveland Cavaliers steht nach der 83:96-Niederlage in Spiel 5 auf des Messers Schneide. Die Cavs müssen nun die nächsten beiden Spiele gewinnen, um zum vierten Mal in Serie die Finals zu erreichen. Doch ausgerechnet jetzt zeigt LeBron James Ermüdungserscheinungen. Seine Mitspieler sind dabei keine große Hilfe.

Eines vorweg: Die Celtics waren an diesem Abend nicht das bärenstarke Team, welches alle neun Spiele im TD Garden in dieser Postseason gewonnen hatte. 35,2 Prozent aus dem Feld waren ein Tiefstwert für das Team von Brad Stevens, nicht einmal bei den Niederlagen auswärts hatte Boston so wenig Zielwasser getrunken.

Und dennoch reichte es recht deutlich zum Sieg gegen ein Cavs-Team, das mit wenig Energie und ohne Esprit auftrat, auch wenn LeBron James auch positive Dinge sehen wollte: "Unsere Defense war gut, wir haben sie bei 35 Prozent gehalten. Wir konnten nur selbst nichts verwerten." Das traf die Sache recht gut.

Besonders weh tat diese fehlende Treffsicherheit den Cavs im Schlussabschnitt, als Boston über vier Minuten ohne Punkt blieb. Die Cavs nutzten dies zwar zu einem 9:0-Lauf nach einem Rückstand von 21 Zählern, doch einstellig wurde das Defizit nicht mehr. Das hatte auch mit LeBron selbst zu tun, der schon in der ersten Halbzeit in Teilen komplett abtauchte, ein Umstand, den man von ihm eigentlich nicht gewohnt ist.

LeBron James: Müde? Jeder ist müde

Im vierten Viertel nahm er sein Team fast schon selbst aus dem Spiel. Wäre der Cavs-Run nur 4, 5 Punkte größer ausgefallen, wären die Celtics vielleicht noch einmal ins Grübeln gekommen, doch so reichten 5 Punkte von Al Horford, um den Gästen jegliche Hoffnungen auf ein Comeback zu rauben.

Innerhalb von nicht einmal drei Minuten unterliefen James direkt oder indirekt gleich drei Ballverluste und somit leere Possessions für sein Team. Es waren teils unnötige Fehler: Einmal dribbelte er sich selbst an den Fuß, dann klaute Rozier James beim Drive den Ball. Der etwas ungenaue Pass auf Jeff Green war da noch zu verkraften.

"Er hat ein wenig müde gewirkt", stellte auch sein Coach Ty Lue auf der anschließenden Pressekonferenz fest, um aber auch nachzuschieben, dass er sich keine Sorgen mache. LeBron selbst relativierte dies, indem er behauptete, dass jeder Spieler zu diesem Zeitpunkt der Saison müde sei. Stattdessen listete er haarklein auf, wie seine Ballverluste zustande kamen. Drei der sechs Turnover erhielten dabei das Prädikat 'sorglos' vom King. Dennoch: Wer will es ihm bei diesem unfassbaren Pensum verdenken?

Die Dauerläufer der Saison

PlatzSpielerTeamSpieleMinuten SaisonMinuten PlayoffsMinuten gesamt
1LeBron JamesCavs9830266483674
2James HardenRockets8625514983049
3Jayson TatumCeltics9724386023040

Cavs: Wo bleibt die Unterstützung

Die Niederlage allein an der Performance von James im vierten Viertel festzumachen, wäre sowieso Unsinn. Es fehlte wie schon in den Spielen 1 und 2 in Boston an Unterstützung. Kevin Love erzielte zwar im ersten Viertel 10 Zähler, tauchte in der Folge aber auch wieder ab. Kein anderer Cavs-Spieler erzielte mehr als 8 Punkte, so kann man nicht gewinnen.

Die anderen drei Starter kamen gerade einmal auf 10 Zähler zusammen, auch wenn Coach Lue dies relativieren wollte, indem er die gute Defensivarbeit von George Hill und J.R. Smith in den Vordergrund zu stellen versuchte. An der Temposchraube drehten aber auch sie nicht, wodurch Cleveland jede Menge ideenlosen Halbfeld-Basketball zeigten und Dreier um Dreier auf den Ring setzte (9/34). Vieles erinnerte wieder an die zähen Auftritte aus der Indiana-Serie.

Lue: Korver wegen Ojeleye draußen

Einer, der einigermaßen Normalform an den Tag legte, war Kyle Korver - wenn er denn durfte. Lue mischte seine Rotationen wieder ein wenig konfus durch und brachte den Scharfschützen erst zu Beginn des zweiten Viertels, insgesamt durfte der mindestens drittbeste Cavs-Akteur dieser Playoffs nur 18 Minuten ran.

Die Begründung kam dann ein wenig kurios daher. "Bisher hatte Stevens immer irgendwann Ojeleye eingewechselt und das war sozusagen Kyles Matchup, wenn er im Spiel war", erklärte Lue. "Dass er heute nicht eingesetzt wurde, hat uns aus dem Konzept gebracht."

Dann muss man wohl sagen: Hut ab, Brad Stevens, für diesen genialen Schachzug, einen Rookie ohne Wurf in einer wichtigen Partie nicht spielen zu lassen und damit die Taktik des Gegners komplett über den Haufen zu werfen.

Larry Nance Jr.: Der einzige Lichtblick

Im Ernst: Die Cavs hätten in diesem Spiel jegliche Offense, egal von wem, gebraucht, und waren so verzweifelt, dass Jordan Clarkson viel länger als geplant auf dem Feld blieb, bevor er sich wieder selbst aus dem Spiel schoss. Ein Korver ist da schon von einer anderen Qualität und hilft zudem mit seiner Fähigkeit, das Spiel breit zu machen. Ihn wegen Ojeleye weniger spielen zu lassen, ist vorsichtig ausgedrückt eine bizarre Entscheidung.

Alles war dann aber doch nicht schlecht, in Larry Nance Jr. gab es zumindest einen Lichtblick. Zu Beginn der Playoffs wirkte der Ex-Laker noch nicht fit, in der Serie mit den Celtics zeigte er jetzt aber mehrfach, dass er Einfluss nehmen kann, wenn er nicht unbedingt mit Tristan Thompson zusammen auf dem Feld steht.

Von Beginn an brachte Nance das, was den Cavs sonst abging: Jede Menge Hustle und Wille. Sich mit Marcus Morris auf ein Tete-a-Tete einzulassen, ist vielleicht nicht die beste Idee, doch es zeigte auch, dass der Big nicht vor der großen Bühne zurückschreckt.

In seinen gerade einmal 17 Minuten auf dem Court sammelte Nance 4 der 7 Blocks der Gäste ein und zeigte sich für 2 der gerade einmal drei Offensiv-Rebounds verantwortlich. Nance verkörperte damit fast alles, was die Cavs brauchen, wenn sie ihre Saison verlängern wollen. "Wir müssen wieder verteidigen, wie wir es heute gemacht haben", forderte James, um gleich nachzuschieben: "Würfe treffen würde natürlich auch helfen."

Cavs: Kein Spielraum mehr

Helfen würden natürlich leichte Punkte, die gab es in Spiel 5 überhaupt nicht. Cleveland erzielte gerade einmal 2 Zähler in Transition und hatte nur 30 Abschlüsse in der Zone, viel zu wenig für ein LeBron-Team. Auch am offensiven Brett wurden die Vorteile der Cavs aus den Spielen 3 und 4 minimalisiert. Thompson wurde durch die Hereinnahme von Aron Baynes bei den Celtics zum Non-Faktor, Boston kam auf 15 Second Chance Points (CLE: 5), eigentlich keine Stärke der Celtics.

Doch gerade hier könnte auch die Hoffnung für den Abo-Meister im Osten liegen. So schlecht wie Cleveland an diesem Abend war, so groß ist auch der Spielraum für Verbesserungen. Spielraum bei den Resultaten gibt es dagegen keinen mehr: Die Cavs müssen die nächsten beiden Spiele gewinnen, sonst ist die Saison beendet.

Die Cavs müssen sich in Spiel 6 neben einem Sieg Selbstvertrauen holen, vor allem die Rollenspieler. Zudem spart LeBron im Idealfall auch noch einige Kräfte, die er in einem eventuellen Spiel 7 dringend brauchen würde. Einen Sieg in Beantown konnte in dieser Postseason noch keiner einfahren, warum dann ein müder LeBron mit einem strauchelnden Supporting Cast?

Andererseits: Wer kann bei diesem launischen Team überhaupt noch irgendetwas ausschließen? Die einzige Konstante, die Cleveland in dieser Postseason hat, heißt LeBron - aber auch er ist menschlich. Das war aus Cavs-Sicht vielleicht die bitterste Erkenntnis aus Spiel 5.

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