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NBA Playoffs - Die Rockets und James Harden vor Spiel 6: Die Rückkehr der Ein-Bart-Armee

James Harden im direkten Duell mit Stephen Curry.
© getty

Die Verletzung von Chris Paul war ein Schock für die Houston Rockets. Das lassen sie sich aber nicht anmerken, genau wie ihr Gegner verbreiten sie Optimismus. James Harden ist nun als Ein-Mann-Armee gefordert. Spiel 6 in Oakland steigt um 3 Uhr live auf DAZN.

Das Verbreiten von Optimismus gehört in der Sportwelt zur Aufgabe eines jeden Protagonisten - da macht die NBA keine Ausnahme. "Ich denke, wir sind in einer guten Situation", sagte beispielsweise Steve Kerr, nachdem sein Team in den Western Finals mit 2:3 in Rückstand geraten war. "Kein Problem, wir haben genug Spieler", waren die Worte seines Gegenübers Mike D'Antoni, als er direkt nach Spiel 5 zu den Konsequenzen eines möglichen Ausfalls von Chris Paul befragt wurde.

CP3 selbst gab den Reportern noch ein entspanntes "ich bin okay" mit auf den Weg, bevor er in seinem Auto davonfuhr - doch in diesem Fall war der Optimismus etwas zu viel des Guten. Denn seit Freitagmorgen Ortszeit steht fest, dass er nicht okay sein wird, zumindest nicht für Spiel 6 in Oakland. Eine Zerrung im Oberschenkel wird ihn zum Zusehen zwingen.

Pauls Ausfall gibt der Serie nochmal eine neue Wendung, denn das Spiel der Rockets wird sich ohne den Point Guard, der in der Postseason 31,8 Minuten pro Spiel auf dem Feld steht (18,6 Punkte, 7,9 Assists), logischerweise verändern. Und zwar in erster Linie dahingehend, dass James Harden eine noch größere Verantwortung übernehmen muss als ohnehin schon.

Houston Rockets gewannen auch ohne Chris Paul

Die gute Nachricht aus Sicht der Rockets: Sie müssen in dieser Saison nicht zum ersten Mal auf CP3 verzichten. 14 der ersten 15 Saison-Spiele verpasste er mit einer Knieverletzung, zehn dieser Spiele gewannen die Rockets. Im weiteren Verlauf der Spielzeit war Paul aufgrund kleinerer Wehwehchen in weiteren zehn Spielen inaktiv, von denen sein Team immerhin fünf gewann.

Und: Ihren besten Ball spielten die Rockets zwar dann, wenn Paul und Harden gemeinsam den Backcourt rockten. Auf 100 Ballbesitze hochgerechnet vernichteten sie ihre Gegner mit 13,6 Punkten Differenz. Mit Harden ohne Paul auf dem Feld reichte es jedoch auch für ein Net-Rating von +7,8, was immer noch sehr stark ist.

Ein paar Eindrücke davon, wie das Team ohne Paul aber mit Harden performt, ließen sich in den laufenden Playoffs schon sammeln, da Mike D'Antoni die Minuten seiner beiden Stars gerne staggert (heißt: wenn einer sitzt, spielt der andere). Das Ergebnis in den 15 Spielen bisher: Ein Net-Rating von +8,8, obwohl der Bärtige in Sachen Abschluss-Effizienz nicht auf seinem höchsten Level agiert.

Seine Usage-Rate von 39,3 Prozent in diesen Phasen ist dabei monströs, die Spielweise simpel wie effektiv: Ihm werden so lange Screens gestellt, bis er gegen die alles switchende Defense der Warriors das Mismatch hat, das ihm taugt. Dann heißt es Iso-Ball, den es ohne Paul nun noch mehr geben wird als mit ihm.

James Harden in der Wurfkrise

Das Problem: Harden befindet sich inmitten einer Wurfkrise, seine letzten 20 (!) Dreier gingen alle daneben. Gut möglich also, dass die Warriors sich mal anschauen, ob das so weitergeht und demonstrativ absinken, um den Drive zu erschweren. Wenn dann der Wurf weiterhin nicht reinfällt, hat Houston tatsächlich ein Problem.

Harden selbst interessiert dieser Shooting Slump nicht, solange sein Team trotzdem gewinnt. D'Antoni ist diesbezüglich ebenfalls nicht besorgt, stellte aber die Vermutung auf, dass Hardens Beine ein wenig müde seien von der langen Saison und der großen Verantwortung, die er trägt.

James Hardens Leistungen in den Conference Finals

MinutenPunkteFG3FGAssistsRebounds
Spiel 1 (106:119)354114/245/974
Spiel 2 (127:105)34279/243/15310
Spiel 3 (85:126)33207/162/695
Spiel 4 (95:92)433011/263/1244
Spiel 5 (98:94)39195/210/1143

Eine zeitnahe Erholung sollte hier jedoch niemand erwarten. Die Warriors predigen einerseits zwar, dass sie in ihrer Offense das Ball Movement wieder ankurbeln wollen. Andererseits ist es gut möglich, dass sie mit Harden nun das versuchen, was die Rockets seit fünf Spielen mit Stephen Curry anstellen: Ihn in gefühlt jedem Angriff gezielt zu attackieren. Ist dies der Fall, kommt auf Harden eine Kombination aus offensiver wie defensiver Schwerstarbeit zu, deren Pensum LeBron'sche Ausmaße annehmen könnte. James ist nach aktuellem Stand allerdings der einzige unkaputtbare Cyborg in der Association.

Optimale Voraussetzungen, um die Wurfkrise zu überwinden, sind dies nicht. Aus diesem Grund ruhen viele Hoffnungen auf Eric Gordon. D'Antoni kündigte schon an, dass dieser nun vermehrt in die Rolle als Ballhandler und Wurf-Kreateur schlüpfen müsse, um Harden zu entlasten. Dass er das kann, steht außer Frage - aufgrund seines Shootings wird oft vergessen, dass er ebenfalls ein guter Slasher ist - jedoch musste er es noch nie wirklich unter Beweis stellen, wenn es drauf ankommt. Und: Auch er hat von Downtown in der laufenden Serie noch nicht seine Bestform erreicht (35,4 Prozent).

Eric Gordon muss in die Starting Five

Gordon kam zuletzt übrigens immer von der Bank. Das wird sich nun ändern müssen, womit auch die Sieben-Mann-Rotation, die D'Antoni zuletzt nutzte, einen weiteren Akteur braucht. Vermutlich wird Luc Mbah a Moute davon profitieren und Minuten sehen. In die phasenweise großartige Defense der Rockets kann er ohne Probleme integriert werden, doch in der harmonischen Offensive stellt er mit seinem fehlenden Wurf einen großen Schwachpunkt dar.

Gerald Greens Spielzeit wird ebenfalls einen Anstieg erfahren. Er ist jüngst vor allem damit aufgefallen, wilde Dreier zu treffen, was sein Team gut gebrauchen kann. Ryan Anderson oder Nene sind die weiteren Kandidaten, die in die Rotation hereinrutschten könnten, es wird also ziemlich sicher größer und etwas langsamer.

Im Mittelpunkt steht unter dem Strich aber natürlich der Bart - der ebenfalls auf den Optimismus-Zug aufsprang. "Wir wollen hier mit dem selben Swag antreten, mit derselben positiven Energie", diktierte er in die Mikrophone. "Wir wollen aber nicht herumzumeckern und [wegen Pauls Verletzung] Trübsal blasen. Uns geht es gut!"

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