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NBA

NBA Playoffs: Clint Capela bei den Houston Rockets: Der Superstar-Rollenspieler

Von Pascal De Marco
Montag, 07.05.2018 | 10:55 Uhr
Clint Capela hält Donovan Mitchell bislang bei 33,3 Prozent Wurfquote.
© getty

Auf dem Weg in die Conference Finals deklariert sich für die Houston Rockets gerade ein Spieler als wichtiger Faktor, dessen defensive Möglichkeiten so vielseitig sind, dass er nahezu alles verteidigen kann. Clint Capela absolvierte seine beste Regular Season und spielt nun noch bessere Playoffs. Als Center könnte er sogar die Antwort auf die Gefahr der Firepower der Golden State Warriors sein.

"Er bekommt nicht viel Anerkennung für das, was er macht", sagte James Harden nach Spiel 4 gegen die Utah Jazz über seinen Center. "Aber er verlangt auch nicht danach. Er geht einfach raus und erledigt seinen Job."

Und wie Capela seinen Job in diesen Playoffs erledigt! Der Schweizer brachte in der ersten Runde Karl-Anthony Towns mit seiner Robustheit zur Verzweiflung und frustrierte den Wolves-Star unter anderem mit seiner Fähigkeit, dank Dynamik und Armlänge sogar Hook-Shots zu blocken. Nun ist es Rudy Gobert, der die schmerzhafte Erfahrung macht, gegen Capela selbst in unmittelbarer Nähe zum Korb keine einfachen Punkte sammeln zu können.

Ein Aspekt, der Capela aber zu einem weitaus interessanteren Center macht, als seine physische Präsenz Glauben schenken mag, ist seine Fähigkeit, selbst Guards am Perimeter verteidigen zu können. Capela beweist in der Serie gegen die Jazz, dass er kein klares Mismatch darstellt, wenn er nach dem Pick'n'Roll etwa Donovan Mitchell verteidigen muss.

Clint Capela: Der ideale Switch-Verteidiger

Der Youngster sah sich dem Rockets-Center bis in Spiel 3 für etwa vier Possessions pro Partie konfrontiert und konnte aus dem vermeintlichen Geschwindigkeitsvorteil in lediglich 33,3 Prozent der Fälle Kapital schlagen. In Spiel 4 sahen die Jazz vom Pick'n'Roll mit Gobert dann lieber ab und wollten Mitchell lieber P.J. Tucker oder James Harden attackieren lassen.

Capela profitiert dabei vor allem von seiner lateralen Geschwindigkeit. Die Schrittabfolge des 2,08-Meter-Centers erinnert kaum an einen Big Man. Passiert ihn einer der Guards nach dem Pick'n'Roll, so ist Capela schnell genug im Bereich der eigenen Zone, um mit seinen langen Armen einen sauberen Wurf zu verhindern.

Dies zwang in Spiel 4 Joe Ingles beispielsweise mehrmals dazu, während des Zugs in die Zone von seinem eigentlichen Ziel abzusehen und einen Pass nach außen zu wählen. So passt Capela perfekt in die Reihe der Spieler mit den Fähigkeiten, die Head Coach Mike D'Antoni für sein kontinuierliches Switch-System in der Defensive braucht und die Houston in der Regular Season zu einer Top-6-Defense gemacht haben.

Spielt Capela auch gegen die Warriors eine tragende Rolle?

Der Kader, den sich die Rockets aufgebaut haben, wurde natürlich aber nicht speziell als "Gegengift" für die Jazz entwickelt - Houston machte über die ganze Saison keinen Hehl daraus, dass stattdessen die Warriors dabei prominent in ihre Planungen hineinspielten. Nun scheint ein Aufeinandertreffen beider Teams in den Western Conference Finals unausweichlich, beide Teams führen in ihren Serien mit 3-1 und absolvieren Spiel 5 zuhause. Auch in dieser Serie käme Capela wohl eine Schlüsselrolle zu.

Die Shooting-Fähigkeiten der Warriors stehen außer Frage und daher bedarf es eines Big Man, der einen Steph Curry nach dem Switch nicht das gesamte Repertoire seiner Möglichkeiten ohne Gegenwehr ausspielen lässt. Capela soll dieser Spieler sein, zumal er auf der anderen Seite des Courts Größenvorteile ausspielen könnte, wenn die Warriors bei ihrem kleinen Lineup mit Draymond Green auf der Center-Position bleiben.

Capela: Eine Waffe im Pick'n'Roll

Der Schweizer ist mit Sicherheit kein Center, der das Spielfeld auseinanderziehen kann, doch ist er ein guter Pick'n'Roll-Spieler, der sich nach dem Block schnell abrollt und unter dem Korb positioniert. Die Rockets-Offense war in diesem Jahr mit Capela auf dem Court besser als ohne, er räumt bravourös mit seinen Picks für Harden und Paul den Weg frei.

Ohnehin ist die Entwicklung des Centers eine, die ihn in die Diskussion um den Most-Improved-Player-Award bringen sollte. Das sieht auch GM Daryl Morey so: "Er hat sich in seinem vierten Jahr sehr verbessert. Und das passiert so gut wie nie", lobte Morey Capela, der seine WARP-Quote von .577 auf .670 heraufgeschraubt hat. "Bei 97 Prozent der Spieler ist es nach drei Jahren bereits klar, wie das Skillset des Spielers in seiner Karriere aussehen wird."

Capelas Leistungssprung dürfte die Rockets indes auch teuer zu stehen kommen - nach dieser Saison ist er Restricted Free Agent und dürfte angesichts der gezeigten Leistungen nicht gerade billig werden. Wenn die Rockets jedoch beim aktuell so erfolgreichen System bleiben wollen, ist Capela perfekt für diese Rolle - quasi ein Superstar-Rollenspieler.

Clint Capela: Die Statistiken

SaisonSpieleStartsMINFG%ORBDRBRBBLKPKT
2014/151207,5.4830,82,23,00,82,7
2015/16773519,1.5822,53,96,41,27,0
2016/17655923,9.6432,75,48,11,212,6
2017/18747427,5.6523,37,610,81,913,9
Gesamt22816822,6.6292,75,48,11,410,6

Wohin geht die Reise für Clint Capela?

Dies dürfte sich aber lohnen. Die Riege der Spieler, die ihre Winning Percentage in der vierten Saison noch weiter steigern konnten als Capela, ist gering und exklusiv: Nur Giannis Antetokounmpo, Gilbert Arenas, DeMarcus Cousins, Rudy Gobert und Scottie Pippen ist dies gelungen. Mit seinen erst 23 Jahren lässt Capela darüber hinaus noch auf weitere Leistungssteigerungen hoffen.

Es ist erst die zweite Saison, in der Capela regelmäßig startet. Seine 23,9 Minuten pro Partie sind in dieser Spielzeit auf 27,5 Minuten angestiegen. In den Playoffs sind es derzeit 31 Minuten pro Spiel. Minuten, die seine Punktausbeute auf 15,9 Punkte, die Rebounds auf 12,8 und die Blocks auf 2,1 haben ansteigen lassen. Werte, die nicht nur die Starter-Rolle des Schweizers sichern, sondern ihn sogar wie einen All-Star-Kandidaten im Westen dastehen lassen.

"Er ist ein Monster. Definitiv einer der besten Center der Liga."

Worte wie die von Teamkollege Eric Gordon nach Spiel 4 scheinen in Anbetracht der verhältnismäßig kurzen Zeitspanne dieser Top-Leistungen von Capela noch etwas verfrüht. Doch sollte es nicht verwundern, wenn Capela künftig noch häufiger mit Lob überschüttet wird. Spätestens, wenn er es schaffen sollte, auch Curry am Perimeter in seinen Möglichkeiten zu limitieren.

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